Das Koks der Pharaonen – Atlantisforschung

Das Koks der Pharaonen

oder: was Forensik mit Atlantisforschung zu tun hat

(bb) Nach dem Duden ist die Forensik ein "Teilgebiet der Chemie im Bereich der Gerichtsmedizin, das sich mit dem Nachweis von Vergiftungen u. der Aufklärung von Verbrechen durch eine chemische Spurenanalyse beschäftigt." [1] Mit Hilfe dieser Forschungsrichtung können z.B. 'Dopingsünden' im Sport nachgewiesen, Straftäter durch Speicheltests identifiziert, oder Todesursache von Verstorbenen ermittelt werden. So lassen sich etwa in Haar- und Gewebeproben von Organismen, sogar lange nach ihrem Tod, noch fast alle letalen Gifte, aber auch die meisten Rauschmittel selbst in kleinsten Mengen nachweisen.

Abb. 1 Die Mumie Ramses II. von Ägypten.
Abb. 1 Die Mumie Ramses II. von Ägypten.

Schön und gut, werden Sie jetzt vielleicht feststellen. Aber was haben alternative Geschichtsforschung und Atlantologie mit der Möglichkeit zu tun, eine alte Leiche auf prämortalen Drogenkonsum hin zu untersuchen? Hören wir dazu Andrew Collins. Der britische Alternativhistoriker und Atlantologe ist nämlich eine der besten Informationsquellen, wenn es um 'frühgeschichtliche Drogengeschäfte' geht. In einem seiner Bücher ("Neue Beweise für Atlantis") hat er diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet, aus dem wir ein paar Einzelheiten vorstellen und aufgreifen möchten.

Zu Beginn seiner Ausführungen berichtet Collins, dass die Mumie Ramses II., 1976 zu wissenschaftlichen Untersuchungen nach Paris geschafft wurde. "Der Zweck des Unternehmens war, zu ermitteln, woher der in Kairo festgestellte Verfall der Haut um den königlichen Hals wohl kommen mochte. [2] Unter den beteiligten Wissenschaftlern war Dr. Michelle Lescot vom Musée de l´Histoire in Paris. Madame Lescot setzte ein Elektronenmikroskop ein, um festzustellen, ob sich in den Bandagen der Mumie Bakterien oder Viren eingenistet hatten, doch stattdessen fand sie winzige Stücke von Tabakpflanzen. Sie war sich ihres Befundes sicher und ging damit an die Öffentlichkeit, worauf sie von ihren akademischen Kollegen angegriffen und lächerlich gemacht wurde." [3]

Frau Dr. Lescot hatte sich hier auf ein - für eine/n Akademiker/in - durchaus gefährliches Terrain gewagt. Schließlich versteht man in schulwissenschaftlichen Kreisen keinen Spaß, wenn jemand aus dem Kollegenkreis an den Grundpfeilern des gemeinsamen Theoriengebäudes zu sägen beginnt - und genau das hatte sie mit der Veröffentlichung ihrer Befunde getan.

Aus Sicht der wissenschaftlichen Orthodoxie ist es nämlich auch heute noch völlig undenkbar, dass Ägypter dieser Epoche ( 14. bis 13. Jahrhundert v. Chr.) oder andere europäische/afrikanische Kulturvölker dieser Zeit Seereisen unternahmen, die bis nach Amerika führten. Doch Tabak, das galt aus schulwissenschaftlicher Sicht zumindest noch in jüngster Vergangenheit als unumstritten [4], war damals angeblich nur auf dem amerikanischen Kontinent zu finden. Also wurden Lescots Schlussfolgerungen als absurd betrachtet, die Tabakreste seien mit großer Wahrscheinlichkeit gezielt während der Bandagierung und damit im Verlauf der Beisetzung Ramses II. eingestreut worden.

"Nach deren Meinung konnte unmöglich Tabak in die Wickel geraten sein, es sei denn auf Grund von Kontamination, also Verunreinigung. Mit anderen Worten: Die Ägyptologen, die die Mumie im Jahre 1881 im so genannten `Königslager´in einer Gruft bei Deir el-Bahri in Südägypten gefunden hatten, mußten wohl Pfeife geraucht und dabei Tabak verstreut haben." [5]

Natürlich tat Dr. Lescot alles, um diesen Verdacht gründlich zu entkräften. Unter anderem wurden nun von ihr auch Materialproben aus dem Inneren der Mumie mikroskopisch untersucht - mit den gleichen Ergebnissen, wie Collins feststellt. "Weitere Tests enthüllten gar, dass die Füllung, durch welche die inneren Organe des Königs ersetzt worden waren, neben Wegerich, Brennesseln, Flachs, schwarzem Pfeffer, Kamille und Weizen auch gehackte Tabakblätter enthielt. Da diese Füllung dazu beitragen sollte, das Körpergewebe zu konservieren, wurde nun spekuliert, der Tabak könnte bei der Einbalsamierung als Insektengift und Konservierungsmittel verwendet worden sein." [6]

Abb. 2 Die Kokapflanze aus Lateinamerika - wie kamen die alten Ägypter an daraus gewonnene Rauschmittel?
Abb. 2 Die Kokapflanze aus Lateinamerika - wie kamen die alten Ägypter an daraus gewonnene Rauschmittel?

Im Jahr 1992 sorgte dann die Toxikologin Svetlana Balabanova, die zu dieser Zeit am Institut für Forensische Medizin an der Universität Ulm tätig war, mit ihren Untersuchungen ägyptischer Mumienüberreste aus einem Münchner Museum für die eigentliche Sensation aus Sicht nonkonformistischer Geschichtsforschung.

"Die Proben stammten von einer vollständigen Leiche, einem unvollständigen Exemplar und sieben abgetrennten Köpfen unbekannter Herkunft. Der erhaltene Leichnam war der von Henuttawy, Priesterin und Sängerin im Tempel des Amun bei Theben, ca. 1000 v. Chr. Ihr Grab wurde in einer für Priester reservierten Totenstadt bei Deir el-Bahri (...) gefunden." (...) Dr. Balabanova entnahm den mumifizierten Überresten, die am Institut für Anthropologie und Genetik der Universität München untersucht wurden, Knochen- und Hautproben sowie Fragmente vom Kopf und Proben des Muskelgewebes im Unterleib." [7]

Die Ergebisse Dr. Balabanovas Arbeit [8] waren so brisant, dass "sie es für nötig erachtete, ähnliche Proben an drei andere Laboratorien zu senden, die ihre Befunde prompt bestätigten." Sämtliche Tests ergaben übereinstimmend, dass die Proben große Restmengen berauschender Substanzen enthielten. THC-Spuren [9] waren hier kaum eine Überraschung. Schließlich gehen die Ägyptologen schon lange davon aus, dass Haschisch bei den alten Pharaonen äußerst beliebt war. Dr. Lescots Befunde wurden dadurch indirekt bestätigt, dass man in acht der neun Testobjekte auch Nikotin nachweisen konnte. Der eigentliche 'Knaller' war jedoch die Tatsache, dass in ALLEN NEUN MUMIENRESTEN auch das Alkaloid Kokain nachgewiesen wurde.

Kokain, bzw. die Koka-Pflanze, kommt aber bekanntlich ebenfalls aus (Süd)Amerika, wo dieser Strauch ausschließlich wächst. Seine Blätter, oder eine daraus gewonnene Substanz (vielleicht eine Art Koka-Paste) müssen also zwangsläufig auf irgend einem Weg von Mittel- oder Südamerika nach Ägypten gelangt sein. Eine logische Erklärung für dieses Phänomen lässt sich nur dann finden, wenn wir interkontinentale Schiffahrt [10] zu diesem frühgeschichtlichen Zeitraum und Handelsbeziehungen damaliger Völker über den Atlantik hinweg als gegebene Tatsache betrachten.

Wie im Fall der 'Tabakkrümel des Ramses' entbrannte also auch hier wieder heftiger Gelehrtenstreit - mit einem voraussehbaren Ergebnis: In der "offiziellen" Ägyptologie und bei den Frühgeschichtlern bleibt alles wie gehabt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Die Tatsache, dass Dr. Balabanova und ihre Kollegen auch bei der Untersuchung weiterer mumifizierter Leichen ("Das Alter der Leichname lag zwischen 800 und 7000 Jahren") Nikotin-, bzw. Kokainspuren nachweisen konnten, hat daran kaum etwas geändert.

Für die Atlantisforschung hat sich die Forensik jedenfalls als Hilfswissenschaft gezeigt, die ihr einen geradezu unschätzbaren Dienst erwiesen hat: Mit den Untersuchungs-Ergebnissen von Dr. Balabanova im Rücken lässt sich nun die These vom prähistorisch-atlantischen Kulturraum, der u.a. durch interkontinentale Handelsbeziehungen charakterisiert war, wenigstens im Ansatz belegen. In jedem Fall muss es schon vor mehr als 5000 Jahren solche Beziehungen gegeben haben, die den Koka-Import nach Ägypten ermöglichten. Das bedeutet aber auch: Entweder, Ägypter - bzw. andere eurasisch/afrikanische Volker wie die Phönizier - reisten selber bis nach Amerika, oder aber Mesoamerikaner lieferten den 'Stoff' und andere Waren direkt nach Ägypten, respektive an Zwischenhändler im Atlantischen Raum. Einiges spricht dafür, dass dort noch eine weitere Kultur existierte, über die diese Geschäfte abgewickelt wurden. Mit dem völligen Niedergang und dem Verschwinden dieser "Zentralkultur" könnte dann auch die Transatlantik-Connection der Pharaonen unterbrochen - oder zumindest entscheidend erschwert - worden sein.


Update, Nov. 2012

(bb) Die in obigem Beitrag vorgestellte Annahme eines prähistorischen - direkt oder mittels unbekannter Zwischenhändler erfolgten - 'Kokainhandels' zwischen den Alten Ägyptern und Kulturen des Alten Südamerika (auf Grundlage transkontinentaler, maritimer Seefahrt) konnte zwischenzeitlich wissenschaftlich untermauert werden und darf nunmehr als bewiesen gelten. Siehe dazu: Dominique Görlitz, "Prähistorische Ausbreitungsmechanismen transatlantisch verbreiteter Kulturpflanzen" (Dissertation), Gotha, 2012; sowie daraus online bei Atlantisforschung.de: "Der Koka-Strauch" (Zur präkolumbischen interkontinentalen Verbreitung cocainhaltiger Substanzen)

Aussagen, wie z.B. die 2007 bei Spektrum.de dem Ägyptologen Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, zugeschriebene Behauptung, der angebliche "Mythos vom paffenden Pharao sei schon vor Jahren als Überinterpretation chemischer Analysen enttarnt worden", und die "vermeintlichen Spuren von Tabak und Kokain seien Produkte von Zersetzungsprozessen in der Mumie, mitnichten also ein Beweis für transatlantischen Handel in der Steinzeit" [11], sind somit definitiv als substanzlos - sowie von massiver Inkompetenz oder auch Ignoranz und Borniertheit zeugend! - zu betrachten.



Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Duden - Das Fremdwörterbuch, 4. Aufl., Meyers Lexikonverlag 1982
  2. Laut Collins stellte sich später heraus, dass die Mumie von Käfern befallen war.
  3. Andrew Collins, "Neue Beweise für Atlantis", Scherz Verlag, Bern 2001, Seite 123
  4. Bei Collins heißt es auf Seite 132 jedoch: "In Wirklichkeit gibt es aber Indizien im Überfluss, die zeigen, dass eine wilde Tabakart - Nicotina Rustica im Gegensatz zur amerikanischen Variante Nicotina Tabacum - in Teilen Afrikas, auch im Westsudan, lange vor Kolumbus weit verbreitet war. Die Araber kannten dieses Kraut als Rauchmedizin, während schwarze Kulturen den Tabakrauch als Meditationshilfe und zur "Beruhigung und Erbauung" benutzten. Das Wort für Rauchen war `tubaq´, und in dieser Form setzte sich der Begriff in etlichen afrikanischen Sprachen fest, etwa als `taba´, `tawa´ oder `tama´."
  5. Quelle: ebd., Seite 124
  6. Quelle: ebd., Seite 124
  7. Quelle: ebd., Seite 124, 125
  8. Siehe dazu auch in englischer Sprache: Priv.Doz. Dr. Svetlana Balabanova, Detection of Nicotine and Cocaine in ancient human remains from different locations out of America and an archaeological period spans a range from 9000 BC to 700 AD., bei: Migration & Diffusion
  9. Anmerkung: Tetrahydrocannabinol (THC) ist die wissenschaftliche Bezeichnung für den berauschenden Wirkstoff der Hanfpflanze
  10. Anmerkung: Natürlich können wir auch über mögliche Luftfahrt in früher Vergangenheit nachdenken und spekulieren!
  11. Quelle: Josephina Maier, 'Sorry, Dominique!'. In: spektrumdirekt vom 20. Juli 2007

Bild-Quellen:

1) http://www.geocities.com/TheTropics/2815/ramses.html (nicht mehr online)
2) http://www.cocaineaddiction.com/ (nicht mehr online)