Die Clovis-Polizei – Atlantisforschung

Die Clovis-Polizei

von William R. Corliss (1990)

Abb. 1 "Sie stehen unter Verdacht, gegen das Gesetz zur Datierung der Erstbesiedlung Amerikas verstoßen zu haben. Daher werden ihre Forschungs-Ergebnisse jetzt auf Eis gelegt!" Anfang der 1990er Jahre versuchte die akademische 'Clovis-Polizei' in den USA offenbar, unerwünschte archäologische Daten weg zu zensieren.
Abb. 1 "Sie stehen unter Verdacht, gegen das Gesetz zur Datierung der Erstbesiedlung Amerikas verstoßen zu haben. Daher werden ihre Forschungs-Ergebnisse jetzt auf Eis gelegt!" Anfang der 1990er Jahre versuchte die akademische 'Clovis-Polizei' in den USA offenbar, unerwünschte archäologische Daten weg zu zensieren.

Eine neue Gruppierung von Gesetzeshütern ist gebildet worden. Auch wenn die Clovis-Polizei keine Schusswaffen trägt, will sie sicherstellen, dass alle, die vom archäologischen Mainstream abweichen, der Zensur unterworfen werden. (Bedeutet das die Verweigerung von Finanzierung und Zugang zu einigen Journalen?) Das "Gesetz", das die Clovis-Polizei schützen will, besagt, dass Menschen die Neue Welt nicht vor 12 000 BP betreten haben - die ältesten Datierung jener Artefakte, die den Clovis-Menschen zugeschrieben werden.

Vielleicht haben wir uns ja schon zu lange mit diesem Thema beschäftigt, doch die gesamte Idee einer Clovis-Polizei läuft dem Geist der Wissenschaft zuwider. Die Mitglieder der Clovis-Squad und ihre Zielpersonen sind in einer kürzlichen Ausgabe von Science zu finden. [1] Die folgenden zwei wichtigen Artikel sind der Clovis-Polizei wohl irgendwie entkommen:

Meadowcroft Rockshelter, Pennsylvanien. Als Reaktion auf Mainstream-Kritik an den Radiokarbon-Daten von Meadowcroft (einige Leute weigern sich ganz einfach, sie anzuerkennen!), berichten J.M. Adovasio et al., dass sie jetzt über 50 in sich konsistente Datierungen verfügen, von denen einige unter Verwendung von Akzelerator-Massenspektrometrie [orig.: "accelerator mass spectrometry"; d.Ü.] erstellt wurden, welche die Menschen von Meadowcroft in die Zeit vor 14 000 - 14 500 Jahren einordnen. [2]

Monte Verde, Chile. Eine andere kürzliche Ausgabe von Science berichtet über den ersten von zwei Bänden über die Fundstätte von Monte Verde. Dieser Band befasst sich mit der Stätte selbst. Die Artefakte dagegen sind für Vol. 2 reserviert. Der Berichterstatter stellt fest: "Auch ohne eine detaillierte Betrachtung von Artefakten und kulturellen Merkmalen präsentiert er überzeugende Evidenzen für eine 12 000 bis 13 000 Jahre alte menschliche Besiedlung im südlichen Chile." Wenn diese alten Chilenen die Bering-Landbrücke nicht vor 12 000 BP überquerten, dann haben sie es aber in einer Super-Zeit bis hinunter nach Monte Verde geschafft! Die Monte Verde-Fundstätte hat auch einige augenscheinliche Werkzeuge hervorgebracht, die auf 33 000 BP radiokarbon-datiert wurden. Der Titel des Buches ist: 'Monte Verde. A Late Pleistocene Settlement in Chile', Tom D. Dillehay, Smithsonian Institution Press, Washington, 1989, 306 Seiten, $49.95. [3]

T. Lynch, einer der Clovis-Polizisten, erwidert auf solche Forschungen, dass "keine unbestreitbaren oder völlig überzeugenden Fälle in Amerika ans Licht gekommen sind." (Aus: E. Marshall's Artikel)


Update (2000): Clovis-Polizei wieder im Einsatz

Nur weil Sie in Science Frontiers viel über Prä-Clovis-Fundstätten lesen können (also solche Ausgrabungs-Orte in der Neuen Welt, die für älter als 12 000 Jahre gehalten werden), sollten Sie bloß nicht auf die Idee kommen, dass allen Archäologen derartige Annahmen willkommen sind. Eine kürzliche Ausgabe von Discovering Archeology verreißt sie beispielsweise lang und breit [...] Dieser 'Breitseite' folgte eine vernichtende Besprechung von T.D. Dillehay´s >The Settlement of the Americas. A New Prehistory< im Magazin Natural History.

Die Rezensentin von Natural History, A.C. Roosevelt, eine angesehene Anthropologin an der University of Illinois, nimmt die Fundstätte von Cactus Hill in Virginia (vergl. SF Nr. 130) ins Visier. Die Grabung, so sagt sie, sei durch "inkonsistente Daten, vage Stratigraphie und inadäquate Artefakt-Proben" gekennzeichnet, "welche sie für eine wissenschaftliche Akzeptanz disqualifizierten." Selbst Dillehay´s monumentales Werk bei Monte Verde übersteht diese Besprechung nicht unbeschadet. Die vermuteten Prä-Clovis-Stätten erbringen, Roosevelt zufolge, keine gründlichen, konsistenten Radiokarbon-Daten, die früher als 11 500 B.P. liegen. Sie werde, wie auch immer, Überquerungen der Beringstaße bis 12 000 B.P. zurück in Betracht ziehen, doch nicht eine Mikrosekunde eher. [4]

L.G. Strauss, ein Anthropologe von der University of New Mexico, führt die Attacke gegen den Prä-Clovis-Gedanken fort. Er nimmt die Theorie auf´s Korn, dass die Solutréen-Leute Südfrankreichs und der Iberischen Halbinsel das östliche Nordamerika erreichten, bevor die Clovis-Kultur auf dem Kontinent Fuß fasste (vergl. SF No. 127). Dabei verschießt er vier verschiedene Sorten Munition:

  • Iberien und Nordamerika sind durch 5000 km Ozean getrennt: zu weit!
  • Authentische Solutréen-Artefakte unterscheiden sich merklich von jenen aus den angegebenen Prä-Clovis-Fundstätten: zu verschieden!
  • Es gibt keinen Beweis dafür, dass die Solutréener eine adäquate Hochsee-Technologie besaßen: zu unvernünftig! [5]


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von William R. Corliss © wurde aus zwei Artikeln kompliliert, die seiner Zeitschrift Science Frontiers entnommen wurden:

1) William R. Corliss, "The Clovis Police", in: Science Frontiers Nr. 72, Nov. / Dez. 1990; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach http://www.science-frontiers.com/sf072/sf072a01.htm

2. William R. Corliss, "Clovis Police are Back in Action", in: Science Frontiers No. 131, Sept-/Okt. 2000; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach <http://www.science-frontiers.com/sf131/sf131p00.htm

  1. Siehe: Marshall, Eliot; "Clovis Counterrevolution," Science, 249:738, 1990
  2. Quelle: Adovasio, J.M., et al.; "The Meadowcroft Rockshelter Radiocarbon Chronology 1975-1990", American Antiquity, 55:348, 1990
  3. Quelle: Morlan, Richard E.; "Pleistocene South Americans", Science, 249:937, 1990
  4. Siehe: Roosevelt, Anna Curtenius, "Who´s on First", in: Natural History, 109:76, Juli-Aug. 2000
  5. Siehe: Strauss, Lawrence Guy, "Solutrean Settlement of North America? A Revew of Reality", in: American Antiquity, 66:219, 2000; Red. Anmerkung: Zu Indizien und Evidenzen FÜR die Annahme hochsee-nautischer Kenntnisse und Fähigkeiten der Solutréener siehe: Die Clovis-Solutréen-Connection von Peter Marsh


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