Die Kenntnis Amerikas, der Arktis, der Antarktis und Australiens auf alten Karten II – Atlantisforschung

Die Kenntnis Amerikas, der Arktis, der Antarktis und Australiens auf alten Karten II

von unserer Gastautorin Dr. Christine Pellech

Fortsetzung von Teil 1

Mit der nächsten Karte, auf die ich eingehen werde, verlassen wir das Altertum. Wir kommen nach Florenz in das Jahr 1489, wo wir die Weltkarte des Henricus Martellus Germanus (Abb. 15) vorfinden, drei Jahre vor der offiziellen Entdeckung Amerikas durch Columbus. Im Westen finden wir Europa und Afrika, in der Mitte der Karte Asien mit Vorderindien. Indien wird auf der Karte im Verhältnis zur Realität viel zu klein angegeben, die vorgelagerte Insel Sri Lanka dagegen um ein Vielfaches zu groß. Diese Größenverhältnisse finden wir auch bei Ptolemaios. Der eingezeichnete "Sinus Gangetis" entspricht dem Golf von Bengalen, dem Ozean zwischen Vorder- und Hinterindien. Hinterindien wird mit dem Malaiischen Archipel verbunden. Daran schließt in Richtung Osten wieder der "Sinus Magnus", der Pazifik, an. Seine Ausdehnung ist geschrumpft, dafür ist der ganze amerikanische Kontinent bis zur Südspitze eingezeichnet.

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Abb. 15 Die Weltkarte des s Henricus Martellus Germanus von 1489

Der breite Landübergang von Asien nach Amerika verweist wieder auf die Landverbindung der beiden Kontinente zu einer Zeit um 10.000 v.Chr. und früher, der Eiszeit. Ebenfalls wesentlich ist die genaue Darstellung von Südamerika südlich des Amazonasbeckens. Wichtig ist auch der Hinweis, dass sich Südamerika wesentlich weiter nach Süden ausdehnt als Hinterindien. Während Hinterindien nur knapp den Äquator überschreitet, so reicht Südamerika an oder über den südlichen Wendekreis (des Steinbocks) hinaus. Aus diesen Fakten können wir den Schluss ziehen, dass die Karte des Henricus Martellus Germanus auf Landkarten beruht, die auf eine Zeit vor 10.000 v.Chr. zurückzuführen sind. Wir haben hier auch einen Beweis dafür, dass sich das Wissen dieser alten Kartographie über einen Zeitraum von mehr als 12.000 Jahren erhalten hat.

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Abb. 16 Die 'Cantino-Planisphäre', Tafel Nr. 11, 1502

Die nächste Karte, die ich betrachten möchte, ist die Tafel Nr.ll der "Planisphäre des Cantino" (Abb. 16), Lissabon 1502. Auf dieser Karte finden wir im Westen die Karibik und mit einer zu großen Ausdehnung die NO-Küste Brasiliens eingezeichnet. In Richtung Osten folgt der Atlantik mit Europa und Afrika. Daran schließen die Arabische Halbinsel und Vorderindien mit Sri Lanka an. Allerdings findet sich nach Vorderindien ein Kuriosum. Theoretisch müsste Hinterindien folgen, was aber tatsächlich eingezeichnet wurde, ist der Form nach der amerikanische Kontinent. Da auf den alten Karten die Südspitze Südamerikas stets nach dem Westen und die Südspitze Hinterindiens immer nach dem Osten gekrümmt ist, können wir den Schluss ziehen, dass Südamerika abgebildet ist. Das eingezeichnete Meer entspricht in diesem Sinne auf jeden Fall dem Pazifik, vielleicht zusammen mit dem Golf von Bengalen. Gleichzeitig reicht der Kontinent Amerika tief in den Süden, fast bis zum Wendekreis des Steinbocks.

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Abb. 17 Martin Waldseemüllers Weltkarte von 1507

Eine besonders interessante Karte ist die Weltkarte des Martin Waldseemüller (Abb. 17), Straßburg 1507. Hier finden wir das kuriose Phänomen, dass Amerika zweimal eingezeichnet ist. Im Westen haben wir Nord- und Südamerika und die Inseln der Karibik. Von der Ausdehnung des nord-und südamerikanischen Kontinents hatte Waldseemüller keine der Wirklichkeit entsprechende Vorstellung, auch nicht von der Breite des Atlantik. Danach folgen Europa und Afrika, Asien mit Arabien, Vorder- und Hinterindien. Hinterindien reicht wieder bis knapp südlich des Äquators, wie auf den zuvor angegebenen Karten. Östlich von Hinterindien finden wir wieder den "Magnus Sinus", den PazifIk, der hier allerdings noch etwas schmaler geworden ist. Anschließend folgt der gerade Küstenverlauf des amerikanischen Kontinents, und zwar über den Wendekreis des Steinbocks nach dem Süden hinausreichend. Die breite Landverbindung verweist auf die traditionelle Vorstellung, die auf die Eiszeit um 10.000 v.Chr. zurückzuführen ist.

Diese Karte zeigt wieder, dass die Kartographen um 1500 n.Chr. uralte Vorlagen, die sie nicht verstanden, mit den neuen Erkenntnissen die das Zeitalter der Entdeckungen brachte, vermischten. Man muss feststellen, dass die Kartographen dieser Zeit eine sehr geringe Vorstellung von der Ausdehnung der verschiedenen Kontinente und der sie umgebenden Ozeane hatten. So kam es auf der Karte des Martin Waldseemüller zu dem Kuriosum, dass Amerika sowohl im Westen auch im Osten eingezeichnet ist.

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Abb. 18 Die Weltkarte des Francesco Rosselli (1508)

Die nächste Karte, auf die ich eingehen möchte, ist die Weltkarte des Francesco Rosselli (Abb. 18), die Tafel 17b, die von ihm um 1508 gezeichnet wurde. Hier finden wir gleich mehrere interessante Details. Im Westen sind die östlichen Teile Nord- und Südamerikas mit den Inseln der Karibik verzeichnet. Ganz im Osten treffen wir auf die Ergänzung des nord- und südamerikanischen Kontinents und können erkennen, dass sie als voneinander getrennte Landmassen dargestellt werden. Gehen wir nun wieder auf die westliche Seite, zum Atlantik. Östlich des Ozeans finden wir Europa, Afrika und Asien. Genau zu erkennen ist auch die Halbinsel Arabien und die Straße von Hormuz. Anschließend an diese Meerenge ist Vorderindien in seiner Dreiecksform eingezeichnet. Verfolgen wir die Karte weiter, sehen wir die alte Darstellung von Indien mit der viel zu groß eingezeichneten Insel Sri Lanka, wie wir es von Ptolemaios kennen. Darauf folgt der Golf von Bengalen mit Hinterindien. An Hinterindien schließt wieder der "Magnus Sinus", der Pazifik an, der besonders schmal dargestellt wird. Wir sehen wieder die breite Landverbindung der Eiszeit zwischen Asien und Amerika und östlich des "Magnus Sinus" den amerikanischen Kontinent, der in seiner südlichen Ausdehnung über den Wendekreis des Steinbocks hinausgeht. Interessant zu bemerken ist der Umstand, dass der "neu entdeckte" nordamerikanische Kontinent mit einer Landverbindung zu Asien gesehen wurde. Ebenfalls eingezeichnet ist auf der Karte des Francesco Rosselli die Antarktis, die erst 1818 entdeckt wurde. An dieser Landkarte können wir das Unverständnis der Kartographen dieser Zeit für die über den Globus verteilten Landmassen und Ozeane erkennen. Es werden die alten unverstandenen Überlieferungen mit neuen Entdeckungen zusammengefügt.

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Abb. 19 Die Weltkarte von Giovanni Matteo Contarini

Betrachten wir nun die Weltkarte des Giovanni Matteo Contarini (Abb. 19), gestorben 1507. Im Westen der Karte können wir Südamerika mit der brasilianischen Küste erkennen. Die Landmasse im Nordwesten der Karte entspricht Nordamerika. Ostwärts davon liegen die Inseln der Karibik. Gehen wir von West nach Ost, so sehen wir den Atlantik, Europa, Afrika, Asien, Arabien, die Straße von Hormus und Vorderindien. Bis hierher folgt die Darstellung der neuen Sichtweise, wie sie durch die Entdeckungen vermittelt wurde. Alle weiter im Osten eingezeichneten Länder und Kontinente wurden nicht auf Grund von Entdeckungsfahrten, sondern entsprechend der kartographischen Tradition dargestellt.

Wir finden ein zweites Mal Vorderindien mit der vorgelagerten, aber viel zu groß geratenen Insel Sri Lanka. Danach kommen Hinterindien mit einem zu großen Golf von Bengalen und dem viel zu klein gezeichneten "Sinus Magnus', dem Pazifik. Im Osten wird der "Sinus Magnus" vom amerikanischen Kontinent begrenzt, der somit auch zweimal vorkommt. Südamerika weist die übliche traditionelle Darstellung auf, die über den Wendekreis des Steinbocks hinausgeht. Nordamerika ist mit Asien durch die auf 10.000 v.Chr. zurückgehende Landbrücke verbunden. Wir haben also bei der Weltkarte des Contarini das gleiche Bild wie bei der vorangehenden Weltkarte von Rosselli: Neue Entdeckungen werden durch unverstandene Überlieferung ergänzt.

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Abb. 20 Johannes Ruyschs Weltkarte

Dasselbe Phänomen der Darstellung Amerikas finden wir auf der Weltkarte des Johannes Ruysch (Abb. 20), gestorben 1533. Die Karte zeigt im Westen Nord- und Südamerika. Die beiden Landmassen sind allerdings nicht miteinander verbunden, sondern zwischen ihnen liegen Inseln, welche die Karibische Inselwelt repräsentieren sollen. Im Nordwesten sind die Ostküste Nordamerikas und darunter die Nordostküste Brasiliens gut erkennbar. Die geographischen Verhältnisse von Europa, Afrika und Asien bis einschließlich Vorderindien sind richtig dargestellt. Zum ersten Mal ist das Größenverhältnis zwischen Vorderindien und der Insel Sri Lanka richtig wiedergegeben.

Der östliche Teil der Karte von Hinterindien bis Amerika wurde wieder nach der unverstandenen Überlieferung entworfen, allerdings wird die Darstellung schlechter. Hinterindien ist viel zu breit eingezeichnet und erstreckt sich soweit nach Süden, dass es den Wendekreis des Steinbocks überschreitet. Ebenso nimmt der Golf von Bengalen eine viel zu große Fläche ein, der Pazifik ist dagegen weiter geschrumpft: Am östlichen Kartenrand findet sich die alte Darstellung Amerikas, Südamerika reicht viel weiter als Hinterindien nach Süden. Die alte Landverbindung zwischen Asien und Amerika findet sich wieder, noch breiter als je zuvor. Wichtig ist, dass wir auch auf der Karte von Ruysch die Vorstellung finden, dass Amerika mit der Landmasse von Asien verbunden ist.

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Abb. 21 Die Mercator-Weltkarte von 1538

Die nächste Karte, die betrachtet werden soll, ist die Mercator-Weltkarte (Abb. 21) von 1538. Beginnen wir mit der südlichen Halbkugel. Auch hier treffen wir auf die Antarktis, die erst 1818 entdeckt wurde und als Festland um den Südpol eingezeichnet ist. Südamerika ist hier um ein Vielfaches genauer verzeichnet und reicht weit in den Süden bis nahe an die Antarktis, wie es den Gegebenheiten entspricht. Auch die südliche Ausdehnung Afrikas stimmt mit der Wirklichkeit überein. Sehen wir uns nun die Nordhalbkugel an. Entlang der Südküste Asiens finden wir wieder Arabien, Vorderindien mit Sri Lanka und Hinterindien. Östlich davon schließt in der alten Tradition der "Sinus Magnus", der Pazifik, und der amerikanische Kontinent an, der die auf 10.000 v.Chr. zurückzuführende Landverbindung mit Asien aufweist.

Östlich des alten amerikanischen Kontinents ist ein Ozean und der neu gefundene amerikanische Kontinent eingezeichnet. Der neue Kontinent hat zwischen Nord- und Südamerika eine Landverbindung mit der vorgelagerten Inselwelt der Karibik. Wir finden also auf der Mercator-Weltkarte VOll 1538 sowohl den Pazifik als auch Amerika zweimal eingezeichnet. Einmal ist Amerika entsprechend einer bereits unverstandenen Tradition mit Landbrücke zu Asien dargestellt, ein andermal ohne diese Verbindung, nach den neu esten Erkenntnissen der Zeitalters der Entdeckungen. Zum ersten Mal sind auf einer Karte die Arktis und der Nordpol eingezeichnet, wobei die Arktis eine breite Landverbindung nach Asien hat. Diese breite Landverbindung, wie auch die Ausbreitung des Eises über Grönland entspricht den realen Gegebenheiten der Eiszeit um 10.000 v.Chr.

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Abb. 22 Die Weltkarte des Jodocus Hondius (ca. 1589)

Die letzte Karte, auf die ich eingehen möchte, ist die Weltkarte des Jodocus Hondius (Abb. 22), London, ca. 1589. Hier finden wir bereits eine ziemlich genaue Darstellung der Erde mit Europa, Afrika, Asien und Amerika. Interessant an dieser Karte ist die viel zu groß eingezeichnete Antarktis, die als "Terra Australis" bezeichnet wird. Um 1589, zum Zeitpunkt der Kartenherstellung, ist die Antarktis allerdings unbekannt. Genauso interessant ist, dass auf der westlichen Erdhalbkugel eine oberhalb der Antarktis liegende Insel dargestellt ist, die als "Novaguinea" bezeichnet wird. Dreht man diese Insel so um, dass Nord- und Südteil vertauscht werden, so hat sie das Aussehen von Australien. Während die Antarktis zu groß geraten ist, fallt Australien zu klein aus. Da aber Australien nicht ganz den Äquator erreicht, entspricht der Breitengrad durch die Nordspitze Australiens der geographischen Realität. Auch Australien war 1589 noch nicht entdeckt. [1] Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erreichten die Holländer als erste die Nordwestküste Australiens. Der gesamte Küstenverlauf aber, wie ihn Jodocus Hondius ziemlich genau auf seiner Karte von 1589 dargestellt hat, ist erst seit 1802 bekannt.

Aus den eben besprochenen Karten können wir den Schluss ziehen, dass die Vorstellungen über die Verteilung der Kontinente und Ozeane auf eine Zeit von über 10.000 v.Chr. zurückzuführen sind. Wir sehen, dass geographische Verhältnisse immer wieder unverstanden von alten Landkarten kopiert wurden, obwohl sich die Land- und Seeverbindungen in den Jahrtausenden seither grundlegend verändert haben. Als Beispiel dafür sei die Landverbindung zwischen Asien und Amerika erwähnt, die es während der Eiszeit um etwa 10.000 v.Chr. tatsächlich gegeben hat. Die Kartographen des 15. und 16. Jahrhunderts zeichneten ihre Karten ohne richtiges Verständnis des überlieferten Wissens. Einerseits stellten sie Länder dar, die noch gar nicht entdeckt waren, wie z.B. die Antarktis oder Australien, andererseits trugen sie Landmassen oder Ozeane doppelt ein, wie z.B. Amerika, Vorderindien oder den Pazifik. Außerdem zeichneten sie die Arktis mit einer Landbrücke nach Asien so ein, wie sie in der Eiszeit bis etwa 10.000 v.Chr. ausgesehen hat. Die alten Karten wurden von den Kartographen dieser Zeit unverstanden übernommen und die neu entdeckten Länder ganz einfach ein zweites Mal unverstanden dazugefügt.

Abb. 23 Eine Zeichnung des Großen Sphinx von Gizeh aus dem Jahr 1838
Abb. 23 Eine Zeichnung des Großen Sphinx von Gizeh aus dem Jahr 1838

Die letzt Frage, die sich uns stellt, lautet: Wie war es möglich, dass dieses Wissen weitergegeben wurde? Es besteht kein Zweifel, dass es sich seit der Eiszeit um 10.000 v.Chr. erhalten hat, denn dafür sprechen die Landkarten mit der topographisch genauen Darstellung der Erde zu dieser Zeit eine deutliche Sprache.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass in Ägypten, der ältesten bekannten und erforschten Kultur der Welt, alte Karten wieder auftauchen. Die Ägypter kannten die Kugelgestalt der Erde und die in ihren Diensten stehenden Phönizier führten eine Weltumsegelung aus, die Homer als die Irrfahrt des Odysseus nacherzählt hat, wie ich in meinem Buch über die Odyssee [2] nachgewiesen habe. Die Fahrt der Argonauten von Apollonios von Rhodos, ebenfalls von mir entschlüsselt [3], zeigt uns eine die ganze Welt umspannende Kulturgeschichte und Seefahrt. Beide Epen gehen von der Kugelgestalt der Erde aus und beruhen auf dem Wissen der Alten Ägypter.

In diesem Zusammenhang ist noch eine interessante Bemerkung zu machen: Die Sphinx von Gizeh wurde von den Geologen John Anthony West und Robert Schoch auf 10.000 v.Chr. oder älter datiert. Dasselbe Alter schätzten Robert Bauval und Graham Hancock aus astronomischen Gründen [4]. West und Schoch deckten auf, dass die Anlage der Sphinx von Gizeh starke Erosionsspuren aufweist, wie sie nur durch starke Regenfälle über lange Zeiten erzeugt werden können. Es ist daher anzunehmen, dass die Sphinx vor und nicht während oder nach diesen Regenfällen aus dem felsigen Untergrund herausgearbeitet wurde, da sonst die Erosionsspuren nicht so ausgeprägt wären. Die starken Regenfälle fanden in der Übergangperiode zwischen dem Ende der Eiszeit um 10.000 v.Chr. und dem Beginn der interglazialen Epoche um 5000 v.Chr. statt. Ich persönlich bin der Ansicht, dass die Sphinx vor 10.000 v.Chr geschaffen wurde, da nicht anzunehmen ist, dass ein so großes Bauwerk während einer extremen Regenperiode aus dem Fels gehauen wurde.

Damit derart tiefe Erosionsspuren entstehen, muß der Regen sehr lange auf die Seitenwände der Anlage der Sphinx einwirken. Bei einem Baubeginn nach 10.000 v.Chr. wäre wahrscheinlich für eine derart intensive Abschleifung keine genügend lange Zeitspanne zur Verfugung gestanden. Bauval und Hancock haben herausgefunden, dass am Tag der Wintersonnenwende der Blick der Sphinx auf den Sonnenaufgang gerichtet war. Wegen der Präzession der Erde war dies nur um etwa 10.500 v. Chr., später nicht mehr möglich. Damals war das Sternbild des Löwen nicht vollständig zu sehen, nur Kopf, Schultern und Rücken tauchten über dem Horizont auf. Dementsprechend ragen von der Sphinx von Gizeh nur der Kopf, Schultern und Rücken aus dem Boden heraus. (Abb. 23)

Abb. 24 Vermutlich von Alexandria aus gelangte das uralte Wissen über Byzanz auch nach Europa.
Abb. 24 Vermutlich von Alexandria aus gelangte das uralte Wissen über Byzanz auch nach Europa.

Von Ägypten aus ist der Weg der alten Karten im Laufe der nächsten Jahrtausende nachvollziehbar. Zunächst müssen sie in ägyptischen Tempeln und Verstecken aufbewaher worden sein. Danach verwendete man Kopien der kostbaren Originale, die in ausgewählten Bibliotheken, z.B. in Alexandrien (Abb. 24), archiviert wurden. Da man diese Karten für Handelsbeziehungen und für wissenschaftliche Forschung benötigte, war man sehr darauf bedacht, dieses Wissen geheim zu halten und es kelnesfalls aus der Hand zu geben. Zur Zeit der Ptolemäerkönige in Ägypten, in der die Seefahrt einen Höhepunkt erreicht, gelangten Karten in die Marinearchive und von dort zur byzantinischen Admiralität nach Konstantinopel.

Im Jahr 1204, zur Zeit des oströmischen Reiches, eroberte die venezianische Flotte, offiziell auf einem Kreuzzug ins Heilige Land, Konstantinopel Danach hatten italienische Kaufleute fast sechs Jahrzehnte lang Zugang zu den antiken Kartensammlungen. Durch byzantinische Flüchtlinge gelangte auch eine beträchtliche Anzahl griechischer Manuskripte nach Italien. Nachdem im Jahr 1453 Konstantinopel durch Mohammed II. eingenommen worden war, gingen die verbliebenen Karten in den Bereich des Islam über. Dort sind sie dann Piri Re'is, dem Admiral der osmanischen Flotte, zur Verfugung gestanden.

Auch die katholische Kirche hatte über längere Zeit Zugang zu diesem Wissen, und zwar vorrangig zur Zeit nach den Kreuzzügen. Die damals kopierten Karten waren ab diesem Zeitpunkt dem Vatikan und der Stadt Venedig bekannt. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass auch Marco Polo sich nicht ohne kartographisches Wissen auf den Weg nach China machte. Die Reise nach China ging über Land, der Rückweg erfolgte auf dem Seeweg.

Abb. 25 Wahrscheinlich nutzte auch Christoph Columbus das Wissen der urzeitlichen Kartographen.
Abb. 25 Wahrscheinlich nutzte auch Christoph Columbus das Wissen der urzeitlichen Kartographen.

Außerdem wurde dieses Wissen zur Zeit der Kreuzzüge durch die Templer nach Europa gebracht. Einerseits mussten diese ihr Wissen dem Vatikan zur Verfugung stellen, andererseits haben sie es in ihren eigenen Klöstern bewahrt.

In Portugal wurde der Templerorden nach seiner offiziellen Auflösung in den Christusorden umgewandelt. Der Schwiegervater von Christoph Columbus war Mitglied des Christusordens und auf der Insel Porto Santo bei Madeira Vertreter des Königs. Nach seinem Tod erbte Columbus seine Landkarten. Mit dem Wissen dieser Karten und der Landkarten, die ihm im Orden von Calatrava, einem Klon der Templer, zur Einsicht gegeben wurden, konnte Columbus (Abb. 25) 1492 das spanische Königspaar Ferdinand und Isabella von einer Reise in den Westen überzeugen. Abschließend wäre zu bemerken, dass Heinrich der Seefahrer Großmeister des Christusordens war und sicherlich auf Grund dieses Wissens die Seefahrt seiner Zeit so weit vorangetrieben hat.

Alle in diesem Kapitel besprochenen Landkarten, allen voran die des Piri Re'is, Hadji Ahmed, Oronteus Finaeus und die von mir entdeckte 14.000 Jahre alte Weltseekarte lassen nur den einen Schluss zu, dass die Erde mit all ihren Kontinenten und Ozeanen seit mindestens 14.000 Jahren bekannt gewesen sein muss. Die Karten eines Piri Re'is und Hadji Ahmed zwingen uns mit ihrer Genauigkeit und dem kartographischen Können zu der Überzeugung, dass diese Karten das Wissen einer untergegangenen Hochkultur widerspiegeln.


Literatur von Christine Pellech


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Anmerkungen und Quellen

Bild:Die Entdeckung von Amerika.jpg
Dieser Beitrag von Dr. Christine Pellech, Wien, wird mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Buchverlag König exklusiv bei Atlantisforschung.de als Online-Vorveröffentlichung aus Dr. Pellechs demnächst erscheinenden Buch "Die Entdeckung von Amerika: Der Kulturdiffusionismus in neuer Sicht", Band I [5] präsentiert.

Fußnoten:

  1. Siehe: Brockhaus Enzyklopädie, 1967ff., Bd.2: 134
  2. Siehe: Christine Pellech, "Die Odyssee – Eine antike Weltumsegelung", Buchverlag König, 2011
  3. Siehe: Christine Pellech, "Die Argonauten – Eine Weltkulturgeschichte des Altertums", Buchverlag König (2011)
  4. Siehe: Robert Bauval und Graham Hancock, "Der Schlüssel zur Sphinx: Auf der Suche nach dem geheimen Ursprung der Zivilisation", List Paul Verlag, 1998, D. 324ff.; sowie die Webseite von John Antony West)
  5. Siehe: Christine Pellech, "Die Entdeckung von Amerika: Der Kulturdiffusionismus in neuer Sicht“, Band 1 und Band 2, Verlag König, 2013 (Im Druck - demnächst erhältlich)

Bild-Quellen:

15-22) Bildarchiv Dr. Christine Pellech
23) Dub bei Wikimedia Commons, unter: File:The Great Sphinx.jpg (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)
24) Xenophon bei Wikimedia Commons, unter: File:Schloss - Treppenaufgang - Fresko Alexandria 3.jpg
25) Div. bei Wikimedia Commons, unter: File:CristobalColon.jpg