J. Spanuth, das SS-Ahnenerbe und die Atlantisforschung vor Helgoland – Atlantisforschung

J. Spanuth, das SS-Ahnenerbe und die Atlantisforschung vor Helgoland

Vermeintliche Zusammenhänge unter die Lupe genommen

Abb. 1 In seinem Buch "Das atlantidische Weltbild" (2001 und 2003) unterstellt der Historiker Franz Wegener eine ideologische Kontinuität zwischen den atlantologischen Forschungen Jürgen Spanuths und den Aktivitäten des 'NS-Ahnenerbe'. Hält diese Vorstellung einer kritischen Betrachtung stand?
Abb. 1 In seinem Buch "Das atlantidische Weltbild" (2001 und 2003) unterstellt der Historiker Franz Wegener eine ideologische Kontinuität zwischen den atlantologischen Forschungen Jürgen Spanuths und den Aktivitäten des 'NS-Ahnenerbe'. Hält diese Vorstellung einer kritischen Betrachtung stand?

(bb) In seinem 2001 erschienenen Buch "Das atlantidische Weltbild" (Abb. 1) streift der Historiker Franz Wegener unter anderem das Interesse Heinrich Himmlers (Abb. 2) an ario-atlantistischen Lokalisierungen von Platons Atlantis im Zusammenhang mit der Nordseeinsel Helgoland, wobei er im selben Atemzug auch Jürgen Spanuths Atlantisforschung erwähnt. Bereits 1997 hatte der Publizist Arn Strohmeyer, der sich ebenfalls mit Spanuth befasste, auf das Interesse des 'Reichsführers-SS' an Atlantis hingewiesen. Während Strohmeyer jedenfalls deutlich macht, dass Spanuths Forschungen nicht mit den ariertümelnden Atlantis-Phantasien 'großer' und 'kleiner' Nazis in einen Topf zu werfen sind, deutet Wegener Zuammenhänge zwischen Spanuths Forschung und den Aktivitäten des 'Ahnenerbe' an.

So erscheint Wegener auch Spanuths anscheinende Bezugnahme auf Untersuchungen des "Ahnenerbe" bemerkenswert, der Kaderschmiede 'nationalsozialistischer Wissenschaft', deren Funktion und Zielsetzung der Historiker Joachim Lerchenmueller, den wir hierzu ausführlich zitieren wollen, folgendermaßen beschreibt: "In ideologischer Hinsicht hatte das AE die Aufgabe, die These von der eingeborenen rassischen Überlegenheit der germanischen Völker mit wissenschaftlicher (Schein-) Legitimation zu versehen. Daher erklärt sich auch die ursprüngliche enge Verbindung zwischen AE und RuSHA, die allerdings 1937 aufgelöst wurde; zahlreiche Mitarbeiter des RuSHA wurden in den nunmehr offiziell >Das Ahnenerbe< genannten Verein übernommen, der laut seiner reformierten Satzung die folgenden Ziele verfolgte: 1. Raum, Geist und Tat des nordrassischen Indogermanentums zu erforschen, 2. die Forschungsergebnisse lebendig zu gestalten und dem deutschen Volke zu vermitteln, 3. jeden Volksgenossen aufzurufen, hierbei mitzuwirken." [1]

Zur weiteren Entwicklung des 'Ahnenerbe' heißt es bei Lerchenmueller: "Nunmehr unter der Regie zweier ambitiöser und professioneller Wissenschaftsmanager - Wolfram Sievers (1905-1948) in der Position des Reichsgeschäftsführers und der Münchner Indogermanistik-Professor Walther Wüst (1901-1991) als Präsident bzw. Kurator - erfuhr das AE in den Jahren ab 1937 mit Hilfe massiver Förderung Himmlers und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einen beachtlichen personellen und institutionellen Ausbau; gleichzeitig war es bestrebt, in enger Kooperation mit dem Sicherheitsdienst der SS (SD) Einfluss auf die NS-Wissenschaftspolitik und auf Stellenbesetzungen an den deutschen Hochschulen zu nehmen." [2]

Der verbrecherische Charakter des 'Ahnenerbe' offenbarte sich spätestens nach Beginn des II. Weltkriegs, als sich die Aufgaben des AE änderten, "das 1940 seine institutionelle Selbständigkeit verlor und als >Amt A< in die Dienststelle >Persönlicher Stab Reichsführer SS< integriert wurde. Hauptamtliche Mitarbeiter des AE beteiligten sich 1939/40 federführend an Kulturraub-Aktionen in Mittel- und Osteuropa. In Nordwest-Europa wurde das AE von Himmler als Instrument der auswärtigen Kulturpropaganda und Volkstumspolitik der SS eingesetzt:

Abb. 2 Heinrich Himmler, (1900-1945, links), der "Reichsführer-SS", betätigte sich unter anderem auch als 'Möchtegern-Forscher' in Sachen Atlantis. Dabei hing er der Vorstellung nach, die Hauptstadt (rechts) von Platons versunkenem Reich der Vorzeit sei im Gebiet der heutigen Insel Helgoland zu suchen.
Abb. 2 Heinrich Himmler, (1900-1945, links), der "Reichsführer-SS", betätigte sich unter anderem auch als 'Möchtegern-Forscher' in Sachen Atlantis. Dabei hing er der Vorstellung nach, die Hauptstadt (rechts) von Platons versunkenem Reich der Vorzeit sei im Gebiet der heutigen Insel Helgoland zu suchen.

Im sog. >Germanischen Wissenschaftseinsatz< unter Leitung des AE-Abteilungsleiters Hans Ernst Schneider (1909-1999, alias Hans Schwerte) unterstützte das AE einerseits die Werbung von Freiwilligen für die Waffen-SS in den >germanischen Randländern< (Niederlande, Belgien, Dänemark, Norwegen); anderseits versuchte das AE, die Regional-, National- und Autonomiebewegungen in diesen besetzten Gebieten durch gemeinsame kulturelle, wissenschaftliche und propagandistische Arbeitsprojekte an den Nationalsozialismus zu binden und für die deutschen Pläne zur staatlichen Neuordnung Europas nach dem Kriege zu gewinnen." [3]

Lerchenmueller weiter: "Das verbrecherischste Kapitel in der Geschichte des AE sind die Men-schenversuche der Abteilung >R< - >R< für Sigmund Rascher (1909-1945) - des AE-Instituts für Wehrwissenschaftliche Zweckforschung, die an Häftlingen der Konzentrationslager Dachau (durch Rascher) und Natzweiler/Struthof (u.a. durch August Hirt [1898-1945]) durchgeführt wurden, zum Teil mit Unterstützung der Wehrmacht. Für die Mitverantwortung an diesen Men-schenversuchen wurde der Reichsgeschäftsführer des AE, Wolfram Sievers (Abb. 3), in den Nürnberger Nachkriegsprozessen zum Tode verurteilt; der eigentliche Leiter des AE, Walther Wüst, entkam dem Henker." [4]

Zu den eher bizarr und harmlos erscheinenden Aktivitäten des AE gehörten - auch während des Krieges - diverse Forschungsfahrten und Expeditionen, von denen sich die NS-Führungsriege offenbar Erkenntnisse auf Gebieten versprach, die wir heute in den Bereich des Okkultismus und der 'Pseudo-Wissenschaft' einordnen würden. Dazu zählten beispielsweise die Tibet-Reise Ernst Schäfers 1938/39 [5] und eine Geheim-Expedition zur Insel Rügen im Jahr 1943, wo ein Team von Radar-Spezialisten unter Leitung von Dr. Heinz Fischer Beweise für die Richtigkeit der Hohlwelt-Theorie erbringen sollte (vergl. dazu: Die hohle Welt der Nationalsozialisten von Louis Pauwels und Jaques Bergier). Himmler persönlich leitete im Jahr 1940 eine Forschungsfahrt zur Abtei von Montserrat bei Barcelona in Spanien. Ziel dieser Exkursion war es, den sogenannten "Heiligen Gral" zu finden, eine vermeintliche Reliquie mit geheimnisvollen Kräften, deren Besitz den Nationalsozialisten ihren "Endsieg" sichern sollte. [6]

Aktenkundig und unbestritten ist auch Himmlers Faible für die Suche nach einem "nordischen" bzw. "arischen" Atlantis, die allerdings mit Atlantisforschung im eigentlichen Sinn kaum etwas gemeinsam hatte. Er war, wie Strohmeyer es formuliert, "auch davon überzeugt, daß Helgoland mit Atlantis zu tun habe, er ließ deshalb mit Ortungsnetzen [sic!; bb] erforschen, wie groß die Insel (auch in ihren unter die Meeresfläche abgesunkenen Teilen) sei. Außerdem ließ er danach forschen, ob es auf der Insel (um Platons Bericht zu bestätigen) heilkräftige Quellen gegeben habe." [7]

Tatsächlich zeigte Himmler ein durchaus anhaltendes Interesse an der Helgoländer Prähistorie, aber dabei kann sich seine Beschäftigung mit der platonischen Atlantida, wie das vorliegende Beispiel zeigt, lediglich auf einem höchst laienhaften und oberflächlichen Niveau bewegt haben. Von "heilkräftige[n] Quellen" auf Atlantis hat Platon nämlich nie berichtet, sondern er spricht lediglich davon, dass der Gott Poseidon bei der Erschaffung der Insel dort "zwei Quellwasser aus der Erde aufsprudeln ließ, von denen das eine warm, das andere kalt aus seinem Brunnen floss" (Kritias, 117a). Dass Himmler bei Strohmeyer durchaus richtig wiedergegeben wurde, belegt das folgende Original-Zitat, das wir bei Wegener gefunden haben.

Bild:Sievers-Expedition.jpg
Abb. 3 Wolfram Sievers (links), der 1948 hingerichtet wurde, war Reichsgeschäftsführer des 'Ahnenerbe'. In Himmlers Auftrag organisierte er sowohl Kriegsverbrechen als auch diverse 'Forschungs'-Expeditionen der SS, z.B. nach Tibet im Himalaya (rechts).

Es handelt sich dabei um einen Brief von Heinrich Himmler an Walther Wüst, Wirths Nachfolger im SS-'Ahnenerbe', den wir hier auch im Wortlaut zitieren wollen, da es darin letztlich um den Beginn genau jener Helgoland-Forschungen des 'Ahnenerbe' geht, für die sich auch Spanuth interessiert zu haben scheint. In diesem Schreiben vom September 1938 heißt es: "Lieber Wüst! Bei meinem letzten Besuch auf Helgoland stellte ich fest, daß über die Geschichte Helgolands fast nichts bekannt ist. Die meisten Dinge über die Geschichte Helgolands befinden sich wohl in dänischen Archiven. Ich bitte Sie, einmal alles, was in den Sagen über Helgoland zu finden ist, zusammenzutragen.

Veranlassen Sie doch ferner, daß die Berechnungen des Ortungsnetzes, das dieser eine Mann in Hamburg aufgestellt hat, auch auf Helgoland ausgedehnt wird. Man kann vielleicht auf diese Art feststellen, wie groß die Insel war, wo sich der wirkliche Mittelpunkt befand und wo die heilkräftigen Quellen gewesen sind. Wasser gibt es heute auf Helgoland nicht mehr. Ich nehme jedoch bestimmt an, daß auf der Insel, die sicher einmal 5 bis 6 x so groß war wie sie heute ist, ein Brunnen vorhanden war ..." [8]

Bei Wegener erfahren wir auch, wie sich diese Angelegenheit weiterentwickelte, denn natürlich kam Wüst der Aufforderung des 'Reichsführers-SS' nach: "Im November 1938 reagierte die Kriegsmarine mit der Überlassung dreier Seekarten, >aus denen sowohl die Lotungen über den unter Wasser liegenden Inselfuß, als auch die Tiefenverhältnisse in der weiteren Umgebung hervorgehen.< [9] Im April 1939 setzt der Reichsführer-SS in einem Schreiben an den Reichsgeschäftsführer des Ahnenerbe, Wolfram Sievers, noch einmal nach: >Es müßte dann unseren Ortungsleuten möglich sein, durch die Feststellung eines Ortungsnetzes, in das Haitabu Schleswig, Hamburg, vielleicht englische Heiligtümer und noch viel weiter entferntere, wie Thorshafen auf den Faröern einbezogen werden, mathematisch genau den früheren Mittelpunkt und damit auch den vermutlichen Platz der früheren Quellen finden zu können..." [10]

Wegener weiter: "Noch im März 1940 befinden sich die oben genannten Seekarten im Besitz des Fehmarner Heimatforschers Peter Wiepert [11], der den Fragen Himmlers nachgehen soll." [12] Wiepert erweist sich für uns als wesentlicher Zeuge, der deutlich macht, dass es in der Folge nicht beim Studium von Seekarten blieb, sondern dass im Zusammenhang mit Himmlers "Atlantis-Suche" mindestens eine Tauch-Expedition stattgefunden haben muss. Dabei scheint der Heimatforscher 1956, als "Ehrenbürger der Kieler Universität", bereits an 'partieller Amnesie' gelitten zu haben, da ihm die Beteiligung der SS bzw. des 'Ahnenerbe' an der Suche nach Spuren germanischer Hochkultur vor der heutigen Küste Helgolands entfallen zu sein scheint. [13]

Abb. 4 Artifizielle Strukturen am Steingrund (fotographiert auf einer der von J. Spanuth organisierten Tauch-Expeditionen). Bereits vor dem I. Weltkrieg waren dort Spuren versunkener artifizieller Strukturen entdeckt worden, und 1943 ließ Heinrich Himmler in diesem Areal Taucher nach den Überresten von Atlantis suchen.
Abb. 4 Artifizielle Strukturen am Steingrund (fotographiert auf einer der von J. Spanuth organisierten Tauch-Expeditionen). Bereits vor dem I. Weltkrieg waren dort Spuren versunkener artifizieller Strukturen entdeckt worden, und 1943 ließ Heinrich Himmler in diesem Areal Taucher nach den Überresten von Atlantis suchen.

Zum Anlass der erwähnten Expedition äußerte Wiepert, wie wir bei Gerhard Gadow nachlesen können, jedenfalls nur verschwommen, "daß man [sic!; bb] damals etwas von einem sagenhaften, vor vielen Jahren in der Nordsee untergegangenen Land, auch einer vorgeschichtlichen Burg, die zwischen Eiderstedt und Helgoland gelegen haben sollte, erfahren hatte." [14] "Man" organisierte dann eine Forschungsfahrt, und im Frühjahr 1943 findet in Anwesenheit Wieperts vor der Ostküste Helgolands, im so genannten 'Steingrund', ein Tauchgang statt: "Die Taucher ... machten sich fertig. Zuerst wurde der jüngere herabgelassen, doch er gab schon nach kurzer Zeit das Signal zum Hochfieren. Er behauptete, die Strömung sei viel zu stark, er könne sich nicht halten.

Dann ging der ältere Taucher, der längere Zeit unten war. Als er - ziemlich mitgenommen – wieder an Deck war, erzählte er uns, daß er eine Anzahl Steine und Steinplatten, die von Menschenhand aufgesetzt sein müßten, gesehen habe und zuletzt in eine Art von Steingewölbe oder Höhle hineingeraten sei, am Ende der Steinsetzung. Einen Stein an diesem >Gewölbeeingang< könne er fast mit einer behauenen Steinsäule vergleichen. Die Strömung hätte ihn aber immer wieder abgetrieben, auch hätte er den Sand aufgekratzt und das Wasser getrübt und es zuletzt unten nicht mehr aushalten können." [15]

Wie wir sehen, verlief die Exkursion zum 'Steingrund' im Jahr 1943 keineswegs ergebnislos, auch wenn wir hier dahingestellt lassen, ob Wieperts (und andere) Entdeckungen am 'Steingrund' tatsächlich irgendetwas mit Platons Atlantis zu tun haben. Es ist Spanuth als Forscher jedenfalls nicht zu verdenken, dass er bei der Planung seiner eigenen Exkursionen vor Helgoland auch auf Wieperts Berichte zurückgriff. Seine Atlantisforschung nur deswegen in die Nähe zur 'Atlantissuche' der Nationalsozialisten zu rücken, ist genauso absurd, als wolle man allein aus der Tatsache, dass sich sowohl die USA als auch die UdSSR vor und nach Kriegsende massiv für die geheime Raketenforschung des NS-Regimes interessierten, die Schlussfolgerung ziehen, es habe eine weltanschauliche Affinität zwischen ihnen und den Nationalsozialisten bestanden.

Für Spanuth stellte der - offenbar ideologisch unverdächtig und auf political correctness zugeschnittene - Wiepert-Bericht von 1953 lediglich eine greifbare unterwasser-archäologische Bestätigung seiner eigenen Annahmen dar, dort müssten sich die Ruinen einer bronzezeitlichen 'Trojaburg', respektive der Metropolis von Atlantis befinden. Zudem war dies eine - aus seinem Blickwinkel - ungemein wertvolle und Genugtuung verschaffende Bestätigung, da sie ihm frei Haus von einem 'hochdekorierten' Veteranen des akademischen Establishments der Universität Kiel geliefert wurde, also von dort, wo sich ansonsten mit Professoren wie Gripp und Wetzel seine schärfsten und unerbittlichsten Gegner tummelten. [16]

Himmler & Co. waren zudem nicht die ersten, die am Steingrund auf Zeugnisse prähistorischer Besiedlung stießen - und das wusste auch Spanuth. So erfahren wir bei Gerhard Gadow: "Der >Steingrund< ist als untermeerische Erhebung seit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bekannt. Damals hatten Taucher in dieser Gegend zahlreiche behauene Steine vorgefunden, nachdem dort ein deutsches Kriegsschiff auf Grund gelaufen" [17] war. Schließlich konnte Spanuth sich auch auf ältere Berichte von Helgoländer Fischern berufen, die bei günstigen Sichtverhältnissen von ihren Booten aus die lithischen Strukturen am 'Steingrund' ausgemacht und dem Areal daher diesen Namen gegeben hatten.

Somit betrachten wir es als ahistorisch und aus atlantologie-geschichtlicher Sicht unhaltbar, wenn Wegener, wie eingangs erwähnt, Spanuth in die Nähe des 'Ahnenerbe' rückt und ihn instrumentalisiert, um seine "Entdeckung" einer "bislang unbekannte[n] Verbindungslinie zwischen Theosophen, Ariosophen, Anthroposophen, Vertretern der Konservativen Revolution, Welteislehre-Anhängern, Nationalsozialisten und Neuen Rechten", zu untermauern, nämlich der "Suche nach Atlantis im hohen Norden, Heimat einer rassisch reinen Elite: Die Atlantier." Was bleibt ist die Frage, wie die Ergebnisse der diversen und unterschiedlich motivierten Forschungs-Exkursionen zum 'Steingrund' archäologisch zu bewerten sind, und welche Schlüsse man aus ihnen zu ziehen hat. Dies ist jedoch, um es zu betonen, keine IDEOLOGISCHE Frage, sondern eine explizit WISSENSCHAFTLICHE.

Wir werden an anderer Stelle [18] noch ausführlicher auf die Ergebnisse der Spanuth´schen Exkursionen eingehen, aber es erscheint bereits vor dem Hintergrund der hier geschilderten Aktivitäten zwischen dem frühen 20. Jahrhundert und 1943 mehr als fraglich, ob die Bilanz valide ist, die dazu aktuell bei WIKIPEDIA gezogen wird: "Das völlige Fehlen archäologischer Funde vom sogenannten Steingrund vor Helgoland ist auch ein deutliches Indiz gegen die Existenz eines Hochkulturzentrums an diesem Ort. Solche Funde wären zu erwarten, da bereits seit Jahren Taucher den Steingrund regelmäßig besuchen und es gelegentlich sogar schon touristische Tauchexkursionen zum Steingrund gibt (z.B. >Nordsee Wracktour um Helgoland< der Firma OFFCON GmbH im Jahre 2004), obwohl wegen dem Naturschutzgebiet Tauchgenehmigungen nicht einfach zu bekommen sind." [19]


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Joachim Lerchenmueller, Ph.D., online unter http://www.shoa.de/ss_ahnenerbe.html (dort nicht mehr online)
  2. Quelle: ebd.
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: ebd.
  5. Anmerkung: Offiziell dienten die Tibet-Reisen des Zoologen Schäfer u.a. der Suche nach robusten Pferderassen für den Kriegseinsatz. Tatsächlich waren sowohl Himmler als auch Schäfer, der als Tibetspezialist des 'Ahnenerbe' galt, davon überzeugt, "Tibet sei die Wiege der Menschheit, ein Zufluchtsort wo eine Priesterkaste ein geheimnisvolles Reich namens Shambhala geschaffen habe - dekoriert mit dem buddhistischen Symbol vom Rad der Lehre, einem Hakenkreuz." (Quelle: Loki, "Neuschwabenland", Abschnitt "Die Thule-Gesellschaft", online unter http://www.hohle-erde.de/body_neuschwabenland.html)

    Offenbar war Schäfer innerhalb des 'Ahnenerbe' für die Suche nach Spuren der Hyprboreer im Himalaya zuständig. Darüber heißt es bei Trevizo und Festus Festerling: "'Ein signifikanter Anteil der Forschung des Ahnenerbes bezog sich auf Tibet, und wurde vom Sven Hedin-Institut für inner-asiatische Forschung durchgeführt. Das Institut wurde nach dem berühmten schwedischen Forschungsreisenden benannt, dessen Memoiren 'My Life As An Explorer' aufgrund ihrer Berichte über Hedins Reisen durch Tibet weltweit populär waren. Hedin's Beschreibungen tief im Himalaya verborgener Städte waren ebenso eine Ursache für das Interesse der Nazis an Tibet wie Blavatsky's theosophische Vision des Ostens." (Quelle: Gil Trevizo und Dirk R. Festus Festerling, "Ahnenerbe-SS - MONTSEGUR AND THE CATHARS", online unter www.russianbooks.org/montsegur/ahnenerbe.htm)
  6. Quelle: Graham Keeley, "Himmler´s Holy Grail", online unter http://www.strangeattractor.co.uk/further/?p=404
  7. Quelle: Arn Strohmeyer, "Atlantis ist nicht Troja - Über den Umgang mit einem Mythos", Donat Verlag, Bremen, 1997, S. 118; Strohmeyer gibt hierzu als Original-Quelle an: Michael H. Kater, "Das Ahnenerbe der SS 1935-1945", Stuttgart, 1974, S. 71
  8. Quelle: Bundesarchiv Berlin [BArch], NS 19, 484, Bl. 2; nach: Franz Wegener, "Das atlantidische Weltbild – Nationalsozialismus und neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis", Gladbeck, KFVR, 2., leicht veränderte Ausgabe, 2003 (orig. 2001), S. 40
  9. Quelle: Bundesarchiv Berlin [BArch], NS 19, 484, Bl. 3; nach: Wegener (2003), S. 40
  10. Quelle: Bundesarchiv Berlin [BArch], NS 19, 484, Bl. 8f.; nach: Wegener (2003), S. 40, 41
  11. Anmerkung des Verfassers: Daran, dass P. Wiepert, dessen Cousine Lina von Osten 1931 den SS-Obergruppenführer, General der Polizei, Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) und Stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich geheiratet hatte (woraus persönliche Kontakte Wieperts zu Heydrich resultierten), ein '150%er' Nazi war ("Auf Fehmarn gibt es weder Schlangen noch Maulwürfe noch Juden...") steht außer Zweifel. (Quelle: Jürgen Cain-Külbel, "Zwischen Himmler und Arte") Allerdings gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf, dass sich Spanuth und Wiepert schon vor 1945 begegnet sind, oder dass Spanuth Wieperts 'Vorleben' genau kannte.
  12. Quelle: Bundesarchiv Berlin [BArch], NS 19, 484, Bl. 19; nach: Wegener (2003), S. 41
  13. Anmerkung: Wenn Wegeners Quelle aus dem Bundesarchiv Berlin tatsächlich Grund zur Annahme gibt, Peter Wiepert habe zwischen 1940 und 1943 - direkt oder indirekt (z.B. via 'Ahnenerbe') - in Himmlers Auftrag, in einer näher zu untersuchenden Weise, nach den Spuren von 'Helgoland-Atlantis' gesucht, dann muss der "Heimatkundler" (Gadow, 1973) und "Vorgeschichtler" (Spanuth, 1976) ziemlich tief in die von Himmler initiierten Aktivitäten verstrickt gewesen, die wir hier unter der Bezeichnung 'Projekt Helgoland-Atlantis' zusammenfassen. Diese Aktivitäten und die Rolle, die Wiepert im Zusammenhang damit spielte, sollten nach Meinung des Verfassers unbedingt zum Gegenstand weiterführender (grenz-) wissenschafts-geschichtlicher und atlantologie-historischer Untersuchungen gemacht werden.

    Im Kontext unserer Spanuth-Rezeption beginnt sich allerdings schon jetzt eine Vermutung zu verfestigen: Es erscheint auf der Grundlage der oben bekannten Daten und Fakten mehr als zweifelhaft, dass Spanuth überhaupt etwas von der anzunehmenden Beteiligung von SS und/oder 'Ahnenerbe' an der 'Steingrund'-Expedition' von 1943 wusste, oder über das Himmler´sche 'Projekt Helgoland-Atlantis' informiert war. Wiepert dürfte zu keinem Zeitpunkt ein Interesse daran gehabt haben, Himmlers Auftrag, die Beteiligung der genannten Organisationen sowie seine eigene Rolle in dieser Angelegenheit 'an die große Glocke' zu hängen. Vor 1945 hätte ihm Himmler dies vermutlich, sagen wir, sehr 'übel genommen', und 1953, in jungen Nachkriegsdeutschland, dürfte er wohl kaum seine - von Spanuth hervorgehobene - akademische Reputiation auf´s Spiel gesetzt haben, indem er solch 'intime Details' und die eigene Verstrickung in jene Aktivitäten des 'Reichsführer SS' und dessen Umfeld der Öffentlichkeit preisgab.

    Zudem scheint die Expedition zum 'Steingrund' von 1943, wie Himmlers gesamtes 'Projekt Helgoland-Atlantis', eher 'klandestin' und verdeckt abgelaufen zu sein. Jedenfalls sind dem Verfasser derzeit keine Presse-Berichte über diese Tauch-Exkursion und ihre Ergebnisse sowie Bezugnahmen darauf in der Literatur zwischen 1943 und 1953 bekannt. Die Chance, dass Spanuth über andere 'Kanäle' an Informationen über Himmlers diesbezügliche, Aktivitäten gelangt sein könnte, erscheint also äußerst gering. Vermutlich fiel dieses Projekt - ähnlich wie die Expedition Benders zur Insel Rügen im Jahr 1942 - unter die Geheimhaltung. Zudem waren anscheinend auch nur vergleichsweise wenige Personen damit betraut, was Wieperts Rolle besonders bedeutsam erscheinen lässt.
  14. Anmerkung: In der Tat erscheint es durchaus möglich, dass weder die SS noch das 'Ahnenerbe bei der Tauch-Exkursion von 1943 nach außen in Erscheinung traten, sondern dass hier die Kriegs-Marine ins Spiel gebracht wurde. Dies legt jedenfalls eine Randbemerkung Spanuths aus dem Jahr 1976 nahe: "Im Jahre 1943 hatte der Vorgeschichtler Peter Wiepert, Ehrenbürger der Universität Kiel und Träger der selten verliehenen Universitätsmedaille der Kieler Universität, zusammen mit Tauchern der damaligen Kriegsmarine auf dem >Steingrund< die >Überreste einer germanischen Königsburg festgestellt, worüber er dem Verfasser einen ausführlichen Bericht sandte." (Quelle: J. Spanuth, Tübingen, 1976, S. 54)
  15. Quelle: Brieflicher Bericht von Peter Wiepert, 12.09.1956; nach: Gerhard Gadow, "Der Atlantis Streit - Zur meistdiskutierten Sage des Altertums", Fischer Taschenbuch Verlag, Juli 1973, S. 143
  16. Vergl. dazu: B. Beier, "Zur "wissenschaftlichen" Rezeption von Spanuths Atlantis/Helgoland-Theorie"; sowie: "Streit um Spanuth: Die so genannten 'Atlantis-Gespräche'"
  17. Quelle: Gerhard Gadow, "Der Atlantis Streit - Zur meistdiskutierten Sage des Altertums", Fischer Taschenbuch Verlag, Juli 1973, S. 47
  18. Siehe dazu: "Spanuths 'Steingrund'-Expeditionen und die Diskussion ihrer Ergebnisse" (bb)
  19. Quelle: WIKIPEDIA, die freie Enzyklopädie, "Jürgen Spanuth" (Abschnitt: "Kritik"), online unter http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Spanuth


Bild-Quellen

(1) http://www.intro-online.de/atlantis.html

(2) http://www.din-bog.dk/Myter/Heinrich%20Himmler.jpg

(2) Rechts: Bildarchiv Atlantisforschung.de

(3) Bild-Quellen unbekannt

(4) David Hatcher Childress, "Lost Cities of Atlantis, Ancient Europe, & the Mediterranean", Stelle, Illinois (USA), Februar 1996, S. 337