Kataklysmus – Atlantisforschung

Kataklysmus

Definition und Begriffsgeschichte

Abb. 1 In der Antike bezeichnete der Ausdruck 'Kataklysmus' alle durch Wasser hervor gerufenen Mega-Katastrophen. Später wurde er zum Synonym für die biblische Sintflut.
Abb. 1 In der Antike bezeichnete der Ausdruck 'Kataklysmus' alle durch Wasser hervor gerufenen Mega-Katastrophen. Später wurde er zum Synonym für die biblische Sintflut.

(red) Mit dem Begriff Kataklysmus (vom Lateinischen cataclysmus; ursprüngl. altgriechisch kataklysmos, aus kataklýzein = "überschwemmen", von katá = "hinunter" + klýzein = "[weg]spülen") wurden in der Antike diejenigen weltumspannenden oder -erschüttenden Großkatastrophen bezeichnet, welche durch die Naturgewalt des Wassers hervorgerufen werden (Sintfluten); im Gegensatz zu den durch die Gewalt des Feuers bewirkten Ekpyrosen (Sintbränden) sowie in Abgrenzung zu umfassenden Verheerungen aus anderen Gründen.

Ähnlich wie die Kulturen des Alten Persiens, Mesopotamiens und Indiens (und vermutlich in Anlehnung an diese [1]) hingen auch viele Hellenen einem zyklischen Weltbild und einer Vorstellung von der Erd- und Menschheitsgeschichte an, die durch Aufblühen, Reifen und Vergehen menschlicher Kulturen innerhalb eines bestimmten Zeitraums charakterisiert war. Das Ende eines solchen Zyklus erfolgte danach zumeist unter katastrophischen Umständen, gefolgt von einem Neuanfang der Überlebenden (die Palingenesis), welcher den Beginn eines neuen Zyklus markierte.

Diese Vorstellung einer zyklischen, immer wieder durch Kataklysmen und Ekpyrosen terminierten Menschheits- und Zivilisationsgeschichte findet sich z.B. bei Platon in seinem Dialog Nomoi (677a ff.) sowie im Zusammenhang mit seiner Beschreibung des Untergangs von Atlantis im Dialog Timaios (22a–d) wieder. Mit dem Aufkommen des Christentums wurde diese Vorstellung wiederholter Umwälzungen nach und nach durch das alttestamentarische Bild einer einzigen großen, weltumspannenden Katastrophe - dem "Diluvium" - abgelöst, und der Ausdruck Kataklysmus/Kataklysmos wurde schließlich im deutschen Sprachraum zum gelehrsamen Synonym des später etablierten Begriffs "Sündtflut" (Sintflut).

Erst in der katastrophistisch orientierten Naturgeschichtsforschung (Geologie und Petrefaktenkunde = Paläontologie) des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts erfuhr der Ausdruck Kataklysmus im Verlauf der zunehmenden Abkehr von der christlichen Vorstellung einer singulären, gottgesandten Großkatastrophe in der Erd- und Menschheitsgeschichte (biblische Sintflut, Diluvium) erneut einen Bedeutungswechsel, und stand schließlich (wieder) für eine - von vielen - erdgeschichtlichen "Revolutionen" (Umwälzungen). Im heutigen Sprachgebrauch wird dieser Begriff allgemein verwendet, um eine sehr große, weltumspannende Katastrophe zu beschreiben.


Anmerkungen und Quellen

Fußnote:

  1. Siehe dazu z.B.: Garbe, Richard: "Die Samkhya-Philosophie: Eine Darstellung des indischen Rationalismus - nach den Quellen von Richard Garbe", Leipzig 1894

Bild-Quelle:

1) Wikimedia Commons, unter: File:Deluge.png