Thrinakia – Atlantisforschung

Thrinakia

Abb.1 Odysseus´ Gefährten stehlen die Rinder des Helios auf Thrinakia. Gemälde von Pellegrino Tibaldi (entstanden ca. 1554-1556)
Abb.1 Odysseus´ Gefährten stehlen die Rinder des Helios auf Thrinakia. Gemälde von Pellegrino Tibaldi (entstanden ca. 1554-1556)

(red) Thrinakia (Altgriechisch: Θρινακία) - auch Trinacia, bisweilen Trinacria [1] - ist der Name einer Insel, die von Homer in seiner Odyssee (Buch XII) erwähnt wird. Nachdem Odysseus im Verlauf seiner 'Irrfahrten' [2] glücklich Skylla und Charybdis entkommen ist, stattet der Held dieser, dem Sonnengott Helios geweihten Insel einen folgenschweren Besuch ab, obwohl er sowohl von der Zauberin Kirke als auch vom 'Schatten' (dem Geist) des 'blinden Sehers' Teiresias davor gewarnt wurde. Doch seine erschöpfte Mannschaft - allen voran sein Gefährte Eurylochus - fordern eine Erholungspause, und so gehen die Männer dort an Land.

Auf dem Eiland Thrinakia weiden, behütet von Helios´ Töchtern, den beiden Nymphen Lampetia ("die Erhellende") und Phaetusa ("die Leuchtende") [3], Schwestern des Phaéthon, die sechs Schaf- und sieben Rinderherden (jeweils 50 Tiere) des Sonnengottes. [4] Odysseus lässt seine Gefährten schwören, die heiligen Tiere nicht anzutasten, doch einen ganzen Monat lang verhindern nun ungünstige Winde, dass sie wieder in See stechen. Während Odysseus sich vom Lager entfernt hat, um für eine sichere Rückkehr ins heimatliche Ithaka zu beten, fallen die völlig ausgehungerten Seefahrer, angestachelt von Eurylochus, über die prachtvollen Rinder her (Abb. 1), schlachten einige von ihnen und schlagen sich die Bäuche voll.

Helios, außer sich vor Wut über diesen Frevel, bittet Zeus, die Übeltäter zu bestrafen. Als Odysseus und seine Crew die Insel endlich wieder verlassen können, schleudert der Göttervater einen seiner Blitze auf ihr Schiff, der die gesamte Mannschaft tötet. Odysseus bleibt zwar verschont, wird aber aufgrund seiner Mitschuld an der Tat - immerhin hatten ihn Kirke und Teiresias vor dem Besuch der Insel gewarnt - zu einer anderen Strafe verurteilt: Seine heiß ersehnte Rückkehr in die Heimat wird um sieben Jahre - ein Jahr für jede der Rinderherden des Helios [5] - verzögert, die er bei der Nymphe Kalypso auf ihrer Insel Ogygia verbringen muss. [6]


Lokalisierungsversuche

Abb. 2 Zumeist wird die süditalienische Insel Sizilien (Satellitenbild) mit Homers Eiland Thrinakia gleichgesetzt.
Abb. 2 Zumeist wird die süditalienische Insel Sizilien (Satellitenbild) mit Homers Eiland Thrinakia gleichgesetzt.

Als geographischer Begriff taucht Thrinakia nicht nur bei Homer auf, sondern auch bei Pausanias [7] in seiner 'Beschreibung Griechenlands' (Ἑλλάδος Περιήγησις - Helládos Periēgēsis), bei Apollonius von Rhodos in seiner 'Argonautica' sowie in der 'Geographie' (Γεωγραφικά, Geôgraphiká) des Strabon. [8], und bereits im Altertum wurde es mit Sizilien [9] identifiziert. [10] In der Klassischen Philologie und Altertumskunde des 19. Jahrhunderts wurde diese Betrachtungsweise ebenfalls gepflegt. [11]

Dementsprechend wird Sizilien auch heute zumeist als als Kandidatin für Homers 'Insel des Sonnengottes' ins Gespräch gebracht [12], aber die Begründungen dafür erscheinen bisweilen äußerst dürftig, um nicht zu sagen 'an den Haaren herbeigezogen'. Der Name "Thrinakia könne dazu herangezogen werden, einen Zusammenhang mit der Zahl Drei zu implizieren (das griechische [Wort] treis, tria klingt in etwa so ähnlich wie Thri-) und Sizilien hat drei Ecken." [13] Unter direkter Bezugnahme auf die Auslegung des Namens Thrinakia als "Dreizack-Insel" wurde auf Sizilien auch als "die Insel mit drei Vorgebirgen" verwiesen. [14] Doch bereits 1830 bezweifelte der Altphilologe Karl Heinrich Wilhelm Völcker (1798-1841) die Identität von Thrinakia und Sizilien, u.a. mit der Begründung, dass die Insel des Sonnengottes Homers Schilderung zufolge offenbar unbewohnt gewesen sei, was für Sizilien keinesfalls zugetroffen habe. [15] Außerdem argumentierte er geographisch und verglich Thrinakia mit der sagenhaften Insel Erytheia.[16]

Jedenfalls scheint es nur wenige alternative Vorschläge zur Lokalisierung von Thrinakia im Mittelmeer zu geben, wie etwa Malta [17] und Prochytä (das heutige Prócida) [18] im Golf von Neapel. Allerdings gibt es auch Lokalisierungs-Ansätze zu Thrinakia, die außerhalb des Mittelmeers liegen. So z.B seitens der Wiener Ehtnologin Dr. Christine Pellech, welche Odyssee und Argonautensage [19] als späte und mythisierte Berichte der Alten Griechen über schemenhaft in Erinnerung gebliebene, globale Seereisen anderer Völker (z.B. der Phönizier) interpretiert. In ihrem Buch "Die Odyssee – Eine antike Weltumsegelung" (2011) geht sie davon aus, dass unter Thrinakia der Indische Subkontinent zu verstehen ist.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Lemma 'Thrinacia' bei Wikipedia - The Free Encyclopedia (Srand: 26.12.2013) Übersetzung ins Deutsche sowie redaktionelle Weiterbearbeitung durch Atlantisforschung.de.

Außerden verwendetes Material:

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Armin Wolf verweist diesbezüglich allerdings auf den zu beachtenden Unterschied zwischen Thrinakia = "Dreizack-Insel" und "Trinakria" ("Dreiecks-Insel"); siehe: A. Wolf, "Homers Reise: auf den Spuren des Odysseus", Böhlau Verlag Köln Weimar, 2009, S. 99. Es erscheint somit fraglich, ob beide Namen sich tatsächlich auf die selbe Insel beziehen.
  2. Zu einer nonkonformistischen Ausdeutung der Odyssee siehe bei Atlantisforschung.de: Christine Pellech, "Die Odyssee - Eine antike Weltumsegelung (Einführung)", sowie das Buch der Autorin: "Die Odyssee – Eine antike Weltumsegelung", Verlag König, 2011; für eine konservativ-mediterrane Interpretation zur Geographie der Odyssee siehe online: Christian Wirth, "Odyssee", bei: Törns 635sterne.de, nach: Ernle Bradford, "Reisen mit Homer - Küsten, Inseln und Meere der Odyssee", Bastei Lübbe, 1978 (abgerufen: 26.12.2013)
  3. Anmerkung: Ihre Mutter war die - ebenfalls auf Thrinakia beheimatete - Nymphe Neaira
  4. Siehe: Homer, Odyssee XII, 131ff.
  5. Zur Symbolik der Strafe vergl.: Karl Kerényi, "Die Mythologie der Griechen I, 23. Aufl. (1. Aufl. 1966), Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2003, S. 153
  6. Siehe online auch die Nacherzählung dieser Episode der Odyssee von Gustav Schwab (aus: "Sagen des klassischen Altertums", 1838-40), unter: "Odysseus erzählt weiter (Thrinakia und die Herden des Sonnengottes. Schiffbruch. Odysseus bei Kalypso) (abgerufen: 27.12.2013)
  7. Red. Anmerkung: Zu Pausanias Aussagen vergl. auch: Johann Heinrich Voß, in: (1751-1826), "Kritische Blätter nebst geografischen Abhandlungen, Band 2", 1828. Darin zitiert Voß auf Seite 291 den altgriechischen Schriftsteller und Geographen (V,7) folgendermaßen: "Eine Ortygia liegt in dunkelwogender Meerflut, Über Thrinakia dort, wo die Mündung strömt des Alfeios..."
  8. Quelle: o.A., The Sicilian Language (continued) - TRINACRIA, bei: Genealogia Dieli Genealogy (abgerufen: 27.12.2013)
  9. Anmerkung: Zu Sizilien siehe bei Atlantisforschung.de auch: Axel Hausmann, "ATLANTIS WAR SIZILIEN - Vom Mythos zur Realität", 2000
  10. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Odysseus, Abschnitt: Hades, Sirenen, Charybdis und Skylla, Rinder des Helios (abgerufen: 27.12.2013) --- Red. Anmerkung: Bei dem hellenischen Historiker Thuykidides (*454 v.d.Z.) findet sich (VI.2) allerdings der Hinweis, der älteste Name Siziliens sei Trinakria gewesen - also nicht Thrinakia (Vergl. Fußnote 1!); Quelle: Armin Wolf, op. cit., S. 99
  11. Siehe dazu z.B.: Jenaische allgemeine Literatur-Zeitung vom Jahre 1804 (Erster Jahrgang, Erster Band), Jena und Leipzig, 1804, S. X; sowie: Georg Friedrich Grotefend, "Zur Geographie und Geschichte von Alt-Italien: Älteste Kunde von Italien bis zur Römerherrschaft - mit einer Karte von Italien nach Skylax von Karyanda, Band 1", im Verlage der Hahn´schen Hof-Buchhandlung, 1840, S. 4
  12. So z.B. im Zusammenhang mit der Argonauten-Sage hier: Giechische Mythologie und griechische Volksmärchen, aber auch hier: Odyssee (beide abgerufen 27.12.2013), oder bei Armin Wolf, "Homers Reise: auf den Spuren des Odysseus", Böhlau Verlag Köln Weimar, 2009, S. 360 (Fußnoten 713 und 720)
  13. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: Thrinacia (abgerufen: 27.12.2013)
  14. Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, 4. Auflage 1857–1865, unter: Thrinakĭa (nach der Online-Version bei Zeno.org; abgerufen: 27.12.2013)
  15. Vergl. dazu als Gegenargumentation (auch online): Armin Wolf, "Homers Reise: auf den Spuren des Odysseus", Böhlau Verlag Köln Weimar, 2009, S. 99
  16. Quelle: Karl Heinrich Wilhelm Völcker. "Über homerische Geographie und Weltkunde", im Verlage der Hahn'schen Hofbuchhandlung, 1830, S. 130
  17. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: Thrinacia (abgerufen: 27.12.2013)
  18. Siehe: Dikigoros, "FAHRTEN VOLLER LIST UND TÜCKE - Weit war sein Weg zurück nach Ithákä - Hómäros - OĐÝSSEIA", bei: REISEN, DIE GESCHICHTE[N MACHTEN - von sagenhaften Reisen und märchenhaften Reiseberichten] (abgerufen: 27.12.2013)
  19. Siehe: Christine Pellech, "Die Argonauten - Eine Weltkulturgeschichte des Altertums (Einführung)"; sowie das Buch der Autorin: "Die Argonauten – Eine Weltkulturgeschichte des Altertums", Verlag König, 2011

Bild-Quellen:

1) Wikimedia Commons, unter: File:Pellegrino Tibaldi 001.jpg
2) Wikimedia Commons, unter: File:Sicily-EO.JPG