Aiaia (Insel)

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Das Reich der Zauberin Kirke

Abb. 1 Die Zauberin Kirke vor ihrem Palast auf der Insel Aiaia. Ein Gemälde von Giovanni Benedetto Castiglione (1609-1664)

(red) Aiaia (griechisch Αἰαία sowie Αἶα) oder Aeaea (altrömisch Aea) ist in der altgriechischen Mytho-Geographie der Name einer Insel, auf der die gefürchtete Zauberin Kirke (lat.. Circe) (Abb. 1) mit ihren Mägden oder Kammerjungfern, den blonden Nymphai Aiaiai (Naïáden und Dryáden) lebte. [1] Dort wohnten sie in einem von Gold und Juwelen schimmernden Palast (Abb. 2), der sich in einem anmutigen Tal befand, bewacht von Löwen und Wölfen, welche Kirke gezähmt hatte. [2]

Auf dem bewaldeten Eiland, dessen Name in Form von Αἰαιαη auch als Beiname der Kirke Verwendung fand [3], hausten zudem zahlreiche Tiere - vormals menschliche Besucher der Insel, welche von der Zauberin in Vieh verwandelt wurden. Später sollen dort auch Odysseus´ Gattin Penelope sowie seine Söhne Telegonos und Telemachos gelebt haben, denen Kirke die Unsterblichkeit verlieh. [4] Nach einer anderen Überlieferung soll die Insel früher im Besitz von Chryses dem Goldenen gewesen sein, dem Vater von Minyas und Ahnen von Phrixos. [5]

Aiaia bzw. die mächtige Kirke fanden in der griechischen und römischen Literatur des Altertums bei einer ganzen Reihe von Autoren Erwähnung - z.B. bei Strabon, Ovid, Hesiod, Diodorus Siculus und Pseudo-Apollodorus [6] -, doch die beiden bekanntesten Quellen sind sicherlich die Argonautika des Apollonius von Rhodos sowie Homers Odyssee.

Abb. 2 Die betörende Kirke in ihrem prunkvollen Palast, umgeben von den Löwen und Wölfen ihrer 'Leibgarde' (Gemälde von Wright Barker, 1889)

In der Argonautensage hilft König Aietes´ Tochter Medea dem Helden Jason, nachdem dieser das Goldene Vlies an sich gebracht hat, ihren Halbbruder Apsyrtos auf schändliche Weise zu ermorden. Dies erzürnt den Göttervater Zeus so sehr, dass er Rache schwört. Seine Gattin Hera hält allerdings ihre schützende Hand über die Argonauten, sodass die Flüchtenden glücklich nach Aiaia entkommen. Dort wäscht Kirke Jason und Medea mit einem Blutopfer von ihrer Schuld rein und besänftigt den Zorn des Zeus. Dann müssen sie die Insel der Kirke allerdings wieder verlassen, da auch die Zauberin ihr Verhalten verurteilt.

Bei Homer gelangt Odysseus während seiner Irrfahrten unbeabsichtigt nach Aiaia, wo er Wasser und Nahrungsmittel an Bord seines Schiffes nehmen will. Doch dann verwandelt Kirke die Hälfte seiner Mannschaft in Schweine. Nur dank einer magischen Pflanze namens Moly, mit der ihn der Götterbote Hermes versieht, entgeht Odysseus diesem Schicksal. Schließlich kann er die Zauberin dazu zwingen, seinen Kameraden ihre menschliche Gestalt zurückzugeben. Danach bleiben er und seine Gefährten ein Jahr lang auf Aiaia, um sich von den vorausgegangenen Strapazen zu erholen. Als sie schließlich wieder aufbrechen, gibt Kirke dem Odysseus, zu dem sie sich hingezogen fühlt - nach unterschiedlichen Quellen (Hesiod, Theogonie 1013 ff. sowie Hyginus, Fabulae, 125) soll sie ihm sogar zwei oder drei Söhne geschenkt haben - guten Rat und Warnungen vor bevorstehenden Gefahren mit auf den Weg. Unter anderem soll er in den Hades hinabsteigen, um dort den verstorbenen Seher Teiresias zu konsultieren.

Zu Versuchen der Lokalisierung Aiaias

Dazu heißt es bei mythagora.com: "Verschiedene Gelehrte haben gemutmaßt, dass Aiaia irgendwo vor der Westküste Italiens, nördlich und westlich des Berges Vesuvius gelegen haben könne [...] Es gibt zahlreiche moderne Karten, welche die Reisen des Odysseus und der Argonauten zeigen, und sie alle platzieren Aiaia irgendwo vor die Westküste Italiens. [7] Diese Platzierung von Aiaia ist willkürlich und steht im Widerspruch zu den Details, welche in der Odyssee und der Argonautika [...] vorgebracht werden. Es ist wichtig hervorzuheben, dass die Örtlichkeit von Aiaia völlig unbekannt ist." [8]

Tatsächlich ist die Fachwelt angesichts konfuser Angaben in der klassischen Literatur sogar bezüglich der Frage uneins, ob sich Aiaia östlich oder westlich von Griechenland befunden haben könne. So heißt es bei der deutschsprachigen Wikipedia unter Bezugnahme auf Homers Aussagen: "Der Ort liegt dort am Okeanos [9], also eventuell außerhalb des Mittelmeeres. Ferner heißt es in der Odyssee, die Insel befinde sich dort, wo Eos´ Haus und Reigenplätze sind und der tägliche Aufgang des Helios [10], woraus sich ableiten lässt, dass Homer Aiaia fern im Osten verortet. [11] In der Argonautika des Apollonios von Rhodos liegt Kirkes Insel dagegen im Westen. [12] Wahrscheinlich hat bereits Hesiod die Kirkeinsel im Westen lokalisiert." [13] [14]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Kirkes insularer Wohnsitz war offenbar eine Art Exil. Ihr Vater, der Sonnengott Helios hatte sie, wie eine Überlieferung besagt, persönlich mit seinem Himmelswagen aus ihrem Heimatland Kolchis nach Aiaia geschafft.
  2. Quellen: Vollmer's Mythologie aller Völker, unter: "Circe"; sowie: theoi.com, unter: "NYMPHAI AIAIAI"; und: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Aiaia" (alle abgerufen: 30. Nov. 2016)
  3. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Aiaia" (abgerufen: 30. Nov. 2016)
  4. Quelle: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Band I,1 (1893), Sp. 920921; online unter: RE:Aiaia 1 (abgerufen: 30. Nov. 2016)
  5. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, op. cit.
  6. Siehe: theoi.com, unter: "KIRKE" und "NYMPHAI AIAIA" (abgerufen: 30. Nov. 2016)
  7. Red. Anmerkung: So identifizerte z.B. Nino Erné Aiaia mit der Insel Ponza im Tyrrhenischen Meer. Siehe: Derselbe, "Ponza: Die Insel der Circe - Wo Odysseus, Papst Silverio und Mussolini Gefangene waren", 11. August 1972, in DIE ZEIT
  8. Quelle: mythagora.com, unter: "Aiaia" (abgerufen: 30. Nov. 2016; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  9. Siehe: Homer, Odyssee, 10, 136 und 10, 508
  10. Siehe: Homer, Odyssee 12, 3f.
  11. Red. Anmerkung: Eine ausgezeichnete Erklärung für die vermeintlich östliche Verortung Aiaias bei Homer lieferte bereits 1928 der Altorientalist Prof. Peter Jensen. Siehe: Ders. "Das Gilgamesch-Epos in der Weltliteratur (Bd. 2)", Рипол Классик, 2009 (Reprint), S. 335
  12. Siehe: Apollonios von Rhodos, Argonautika, 4, 661 in Reinhold Glei, "Das Argonautenepos", II, 1996, S. 114-115
  13. Siehe: Paul Dräger, "Untersuchungen zu den Frauenkatalogen Hesiods", Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1997, S. 15 (mit Literaturangaben zur Kontroverse in Anm. 68)
  14. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, op. cit.

Bild-Quellen:

1) Sailko bei Wikimedia Commons, unter: File:Grechetto, la maga circe, 1651 ca. 01.JPG (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Shuishouyue bei Wikimedia Commons, unter: File:Circe by Wright Barker (1889).jpg