Alireza Zarei: Die verletzte Pyramide

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Wie Neugier Geschichte zerstört

eine Rezension von Roland M. Horn

Alireza Zarei:
Die verletzte Pyramide
Wie Neugier Geschichte zerstört
Ancient Mail Verlag, Groß-Gerau,
2. ergänzte und überarbeitete Auflage, Januar 2012
ISBN: 978-3-935910-82-8
Preis: € 17,80
239 Seiten, Paperback, 87 Abb., teils farbige Fotos und Abb.

Um es gleich vorweg zu nehmen: „Die verletzte Pyramide“ ist ein hervorragendes Buch, das sich wirklich objektiv in spannender Form dem Themenkomplex „Pyramidenrätsel“ annimmt. Ein besseres Buch zu dieser Thematik habe ich bisher noch nicht gelesen, wobei auch die Quellenarbeit nach strengen wissenschaftlichen Maßstäben ausgerichtet ist.

Zarei kommt auf die Theorie zu sprechen, dass die Pyramide von Giseh sehr viel älter ist, als ihr von der Mainstream-Ägyptologie zugestanden wird. Er spricht die Aussagen eines Mediums an, nach den es zwei Cheops’ gegeben hatte, wobei der erste der Erbauer war, während der zweite, uns bekannte, Cheops, die Pyramide restauriert haben soll. Allerdings verlässt sich Zarei nicht auf Aussagen aus dieser Quelle, sondern vergleicht sie mit „erlaubten“ Argumenten. Das Trance-Medium Lucyna Lobos konnte allerdings seine Fähigkeiten beweisen, in dem es bei einer Kirche auf dem polnischen Berg Sleza innerhalb einer Woche mit einer Hilfe eines Archäologen ein älteres Bauwerk aus vorchristlicher Zeit auffinden konnte, nach dem Archäologen jahrelang vergeblich gesucht hatten. Lobos erhielt sogar eine Genehmigung, in Ägypten suchen zu dürfen. Dort begab sie sich mit Hilfe der Radiästhesie den Aufweg zur Chephren-Pyramide hinauf auf die Suche nach dem Grab des Chephren, und an der von Lobos markierten Stelle wurden mittels Bodenradar tatsächlich Hinweise auf große künstlich angelegte Hohlräume gefunden. Doch Zarei vergisst nicht, darauf hinzuweisen, dass diese Funde noch nicht 100%ig bestätigt sind, denn eine genaue Bestätigung durch Grabungen steht noch aus.

Weiter begründet Zarei, warum die Behauptung der Mainstream-Ägyptologie, man könne die Jahrtausend Jahre alte Sprache der Alten Ägypter vollständig entziffern, mehr als übertrieben ist und zitiert die Archäologin Alice Kober mit den Worten: „Eine unbekannte Sprache in einer unbekannten Schrift kann nicht entziffert werden.

Zarei findet Hinweise darauf, dass der 2009 durchgeführten Durchbohrung der „Gantenbrink-Blockierung“ evtl.auf der Rückseite befindliche Zeichnungen und Markierungen, die Hinweise auf zum Bau oder der Funktion des Schachtes liefern könnten, unwiderruflich zerstört worden sein könnten, und er weist darauf hin, dass es auch außerhalb der Großen Pyramide auf den Hieroglyphen gibt, die den Schriftzug „Khufu“ zeigten.

Der Autor findet weiter Hinweise auf geheime Grabungen in der Großen Pyramide und weist weiter darauf hin, dass die Auffindung des Namens „Khufu“ in den Entlastungskammern nicht zwangsläufig bedeuten müsse, dass der Träger dieses Namens der Erbauer der Pyramide war.

Interessant ist auch der Fund von Salzkristallen innerhalb der Bauwerke. So sind die Wände und die Decke der obersten Entlastungskammer, wie der Autor beweist, mit sehr großen Salzkristallen übersät, sodass er sich fragt, ob nicht doch vielleicht (die) Pyramiden einst unter Wasser standen. In Meidum seien diese Spuren besonders auffällig.

Zarei betrachtet alle Thesen zur Frage, wie die Pyramiden gebaut wurden und stellt fest, dass keines davon plausibel ist. Ja, nach Rücksprache mit einem deutschen Ingenieur stellt er fest, dass die Große Pyramide von Cheops selbst in der heutigen Zeit mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln nicht würde gebaut werden können!

Zarei zufolge kam der Geologe Robert M. Schoch bezüglich Erosionsspuren der Roten Pyramide an deren Seiten, nach dem er kleine Gesteinsproben untersucht hatte, zu dem Schluss, dass die mikroskopischen kleinen Einschließungen, die er vorfand, eindeutig Zeichen von Wassererosion seien, so dass man die Pyramiden von Daschur viel früher entstanden sein müssten als angenommen. Zarei spricht hier von knapp „10.000 v. Chr.“.

Bezüglich des Alters des Großen Sphinx von Giseh versucht Zarei, vorsichtig und objektiv zu sein, doch hier ist eine kleine Anmerkung zu machen. Zarei bezieht sich indirekt auf den Geologen James A.Harrell, der nach dem oft zum Ägyptologen hochgejubelten Wissenschaftsjournalist Paul Jordan gesagt habe, dass die Gesteinsprofile am Sphinx und dem Sphinxgraben, die Schoch zufolge durch Wassererosion hervorgerufen wurden, gut durch Anfeuchtungen durch Kondenswasser entstanden sein könnten, die durch gesättigten Sand hervorgerufen worden seien. Letztendlich bezieht sich Zarei dabei auf die Seite "Der Sphinx von Giza I - Zwischen Alter und Bedeutung" und die Folgeseiten, eine Website, die von Rainer Lorenz betrieben wird, und von der Zarei meint, sie wäre größtenteils von der englischen Homepage von David P. Billington mehr oder weniger abgeschrieben worden. Schoch bestreitet jedenfalls, dass die These vom nassen Sand die Erosionsspuren an dem Sphinx und der Sphinx-Umfriedung erklären könne. Leider lässt sich Zarei von Lorenz irreführen, der behauptet, dass Schoch gesagt habe, es könne bis heute noch nicht bewiesen werden, dass der Sphinx über einen längeren Zeitraum im Sand begraben lag. Dies ist allerdings nicht korrekt, denn Schoch schreibt in der Fachzeitschrift KMT - A Modern Journal of Ancient Egypt Vol. 3, No. 2 (Summer 1992), pp. 52-59 in dem Artikel Redating the Great Sphinx of Giza (Anm. 7; im Internet unter http://www.robertschoch.net/Redating%20the%20Great%20Sphinx%20of%20Giza.htm zu finden,: „… the Sphinx enclosure was probably buried in sand for at least half of the period between 2500 and 1400 B.C….” („Der Sphinx war wahrscheinlich die letzte Hälfte der Zeitspanne zwischen 2500 und 1400 v. Chr. im Sand vergraben.“) Folglich wusste Schoch also sehr wohl um diesen Umstand. Er widersprach Hawass lediglich in dem Punkt, dass nasser Sand den Sphinx umhüllte. (Schoch 1994: More Sphinx debate: „He said, I said“. Response to James A,. Harrell IN: KMT Herbst 1994; leider nicht mehr im Internet zu finden; liegt mir aber vor.) Trotz dieser offensichtlichen Fehlinformation erkennt Zarei, dass die These vom nassen Sand die Erosionsspuren ebenso wenig erklären kann wie die Salzefoliations-These.

Zarei stellt fest, dass der Untergrund, auf dem die Pyramiden und der Sphinx stehen, interessanter sind als die Bauwerke selbst und weist auf Anomalien im Untergrund hin.

Der Autor setzt sich weiter sowohl mit „Verfechtern der ‚Pyramidengeheimnisse’“ als auch mit dem „Kritikern und Leugner der ‚Pyramidengeheimnisse’“ schonungslos auseinander. Er schreibt, dass ein kleiner Kreis von Ägyptologen die Cheops-Pyramide derart beschädigt hätte, dass die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden müssten.

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass dieses Werk zu den besten Sachbüchern gehört, die ich je gelesen habe!