Atlantiden, Luminarier und andere 'Ur-Zivilisationen?'

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Atlantologische Betrachtungen über: "Atlantis ist mitten unter uns" (Teil 4)

(bb) Wie wir festgestellt haben, benutzt Rolf B. Röttges in seinem Buch die Begriffe "atlantische Kunst / Kultur" höchst unspezifisch. Wenn er dort an einer Stelle (op. cit., auf S. 45) feststellt, dass uns die "damalige Tierwelt oder die atlantischen Menschenrassen mit ihren verschiedenartigen Gesichts- und Schädelformen" heute nicht mehr geläufig sind [1], so deutet er damit bereits an, dass sein Atlantis-Begriff eher eine menschheitsgeschichtliche Ära klassifiziert, und weniger das Atlantier-Reich als geopolitische Einheit, wie Platon es präsentiert hat.

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Abb. 17 Ein atlantisches Vorbild des Sphinx von Gizeh, wie Röttges vermu- tet, oder lediglich ein wei- teres, wunderschönes Geo- fakt? (Foto: © Rolf B. Röttges)

So erklärt Röttges: "Die Geschichte von Atlantis beschränkt sich jedoch bei weitem nicht auf das, was Platon darüber zu berichten weiß, denn die Entwicklung dieser Zivilisation war mit verschiedenen Auf- und Niedergängen verbunden, die jeweils in gewaltigen, von den Atlantern selbst heraufbeschworenen [sic!; d. Red.] Naturkatastrophen endeten." (Röttges, op. cit., S. 10) Lassen wir an dieser Stelle seine typisch esoterische Vorstellung unbesprochen, die erwähnten Kataklysmen als Folge des Fehlverhaltens der "sündig" gewordenen Atlantis-Zivilisation zu erklären; beschränken wir uns hier vielmehr auf die Feststellung, dass Röttges' Atlantis als eine quasi-primhistorische Zivilisation des Pleistozän darstellt, die mit dem Wechsel zum heutigen Zeitalter (Holozän) ihr Ende fand. [2] Darüber hinaus vermutet er: "Möglicherweise ist diese Zivilisation als der Mutterschoß anzusehen, aus dem die meisten Rassen einmal hervorgegangen sind. Sämtliche uns bekannten Kulturen könnten sich aus den unterschiedlichsten atlan-tischen Absplitterungen oder Flüchtlingen gebildet haben." (Röttges, op. cit., S. 10)

Wie wir bereits im ersten Teil unserer Betrachtungen zu Röttges Arbeit erwähnt haben, geht Röttges von DREI wesentlichen Kataklysmen aus, welche die Geschichte der Menschheit - und von Atlantis - entscheidend geprägt haben. Während wir bei ihm über die erste dieser vermuteten Katastrophen außer einer vagen Datierung (ca. 50 000 v. Chr) und dem Hinweis, dass damals der atlantische Zentralkontinent zerbrochen sein soll, nichts erfahren, finden wir zu der 2. oder mittleren Groß-Katastrophe eine ganze Reihe von Hinweisen. Dieser Kataklysmus soll "etwa um 28 000 v. Chr. über Atlantis und die gesamte damalige Welt" hereingebrochen sein. "Bei diesem schwersten Inferno wurde die Menschheit durch Feuer und Wasser fast völlig ausgetilgt. Das Geschehen war so furchtbar, daß es sich weltweit bei allen Völkern als Sintflut-Legende] [3] erhalten hat.

Die Umwälzungen um 28 000 v. Chr. hatten zur Folge, daß die großen von Platon beschriebenen Atlantik-Inseln, die größer waren als Libyen und Kleinasien zusammen und auf einer von mir gefundenen steinernen Tafel (Abb. 1) dargestellt sind, zum größten Teil versanken. Einhergehend mit dem Absinken dieser großen Landmassen in den Atlantik werden wahrscheinlich Teile Amerikas, Europas und Afrikas aufgestiegen sein, die vorher noch unter Wasser lagen.

Abb. 18 Die legendäre Atlantis-Karte Athanasius Kirchers zeigt - so R. B. Röttges - den Zustand von Atlantis zwischen der zweiten und dritten Haupt-Katastrophe (ca. 30 000 - 11 500 BP)

Meine Steinkarte [vergl.: Teil 3 dieses Beitrags, Atlantidische Relikte? - die Röttges-Artefakte; bb] zeigt demnach die topographischen Reliefs von Atlantis zu einer Zeit, als die Sintflut noch nicht stattgefunden hatte, entspricht also dem Stand bis 30 000 Jahren vor unserer Zeitrechnung. Nach diesem Ereignis hatte sich das Bild von Atlantis in der Form verändert, daß von den gewaltigen Landmassen der Inseln nur noch Poseidia und zwei kleinere Inseln übrig-geblieben waren. [...] Im Laufe der darauffolgenden Jahre veränderte aber auch Poseidia ständig ihr Aussehen, da immer wieder Teile der Insel abbröckelten und in der Tiefe verschwanden, bis zum endgültigen Untergang ca. 9500 v. Chr. Athanasius Kircher (1601-1680), ein deutscher Gelehrter und jesuitischer Kirchenvater [...], platziert diese drei Inseln bereits ungefähr richtig in den Atlantischen Ozean hinein, wie eine von ihm angefertigte Karte (Abb. 18) deutlich erkennen läßt." (Röttges, op. cit., S. 11, 12)

Auch wenn Anhänger des lyellistischen Mainstreams der Geologie die Vorstellung rezenter Umwälzungen im Atlantik-Raum amüsiert verwerfen werden, wie Röttges sie hier skizziert, gibt es doch zahlreiche handfeste Indizien und Evidenzen, die ein solches Szenario stützen könnten. Solche Belege für MASSIVE topographische Veränderungen mit vertikalen Verlagerungen des Erd- und Meeresbodens bis zu mehreren Tausend Metern stellen wir an anderer Stelle ausführlich vor - und zur Diskussion (siehe dazu z.B.: Der Boden des Atlantiks von Dr. Immanuel Velikovsky, Kontinentalverschiebung im Widerspruch zur Atlantis-These? von H.-J. Zillmer, Atlantis auf den Azoren? von Andrew Collins, Die Atlantis-Theorie des Lewis Spence von Lyon Sprague de Camp sowie: Der geologische Streit um den versunkenen "Kleinkontinent" im Atlantik).

Röttges spekuliert nun, dass die bei Platon geschilderte, mythische Urgeschichte von Atlantis (Kritias 108e-109a) im Zeitraum zwischen der mittleren und dritten Groß-Katastrophe anzu-siedeln ist, also nach jenem monströsen Kataklysmus, den er als historisches "Sinflut"-Vorbild betrachtet: "Da die Menschheit zu diesem Zeitpunkt ziemlich dezimiert war, musste nun mit Hilfe göttlicher Führer und Adepten [sic!; bb] eine neue Kulturentwicklung eingeleitet werden. Doch wird man beim Wiederaufbau des Landes sicherlich auch auf Vorlagen, Sitten und Gebräuche aus den Tagen vor der großen Flut zurückgegriffen haben.

Es wäre daher durchaus denkbar, daß die von Platon geschilderte Stadt bereits vorher existierte und nach dem furchtbaren Ereignis unter Hinzufügung des Poseidontempels wieder restauriert wurde, möglicherweise sogar in Anlehnung an die vorherige Kaiserresidenz, auch Stadt der goldenen Tore genannt [vergl. dazu auch: Egerton Sykes´ postatlantische Inselwelt; d. Red], die weiter südlich lag und ebenfalls mit den großen Inseln und ihren Königen vor 30 000 Jahren vom Meer verschlungen wurde. Die Stadt der goldenen Tore bestand also bis zur Sintflut und diente bereits als Hauptstadt und Versammlungsort der Könige, als Atlantis noch ein zusammenhängender Kontinent war." (Röttges, op. cit., S. 12, 13)

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Abb. 19 Die beiden ein- gangs (Abb. 1 im Vorwort) auf der "Steinkarte" ge- zeigten, atlantischen Zen- tral-Landmassen, übertra- gen auf einen Globus. (Foto: © Rolf B. Röttges)

Auch wenn Röttges die atlantische Zivilisation als "Mutterschoß" ansieht, "aus dem die meisten Rassen einmal hervorgegangen sind", ist Atlantis für ihn durchaus nicht die 'Mutter aller Kulturen', sondern er geht von noch früheren Vorläufern aus. Dabei streift er diesen Bereich nur flüchtig und beschränkt sich auf das Einzelbeispiel einer "der ersten Kulturen, die noch vor der atlantischen auf unserem Planeten beheimatet" gewesen sei, und "ebenfalls einen hohen Stand an kreativer Kunst" aufgewiesen haben soll.

Dieses "Wissen" hat er selbstredend nicht auf dem Weg empirischer Forschung erworben, sondern es handelt sich auch hier natürlich wieder um Mitteilungen aus 'höheren Sphären'. Erneut ist es die Entität "Seth", deren gechannelte "Botschaften" er uns präsentiert: "Auf eurem Planeten war die Menschheit lange vor Atlantis in drei spezifische Zivilisationen verwickelt, während euer Planet sich noch in einer etwas anderen Position befand. Die Pole waren umgekehrt, was übrigens während drei langer Perioden in der Geschichte eures Planeten der Fall war. Die Zivilisationen waren hoch technologisch, die zweite davon war der eurigen in dieser Hinsicht haushoch überlegen." (Röttges, op. cit., S. 77)

Über eine dieser Uralt-Zivilisationen heißt es an anderer Stelle: "Die Zivilisation nannte sich Lumania und lebte inmitten primitiver Völker, von denen sie sich jedoch durch undurchdringliche Magnetfelder abschirmte. Bei ihnen wurde der Ton als hilfreiches Mittel eingesetzt und diente zur Beförderung von Gewichten und Massen sowie zu jeglicher Art der Fortbewegung. Ihre Städte lagen überwiegend unter der Erde. Die künstlerische Ausdrucksform ist uns genauso fremd wie die atlantische. Sie war der unseren weit überlegen und nicht so einseitig. Deshalb ist sie auch schwer zu erklären. Eine Gerade war nicht nur eine visuelle Linie, sondern beinhaltete eine unendliche Vielfalt von Unterscheidungen und Einteilungen. Eine Tierzeichnung konnte neben dem objektiven Eindruck, durch Kurven Ecken und Linien auch noch die ganze Lebensgeschichte des Tieres beinhalten. Farben wurden als gefühlsmäßige Abstufungen empfunden, und Linienabstände als normale Tonpausen empfangen." (Röttges, op. cit., S. 54, 55)

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Abb. 20 Nach R.B. Rött- ges zeigt diese Aufnahme die Darstellung eines "Pyramidenbezirks auf Atlantis". (Foto: © Rolf B. Röttges)

Leider versäumen es Seth, Jane Roberts und R. B. Röttges, uns so unwesentliche Details mitzuteilen, wie das genaue 'wann' und 'wo' dieser imaginären "Lumina-Zivilisation", oder der anderen erwähnten Hochkulturen, so dass eine Überprüfung ihrer diesbezüglichen Aussagen von vorneherein unmöglich wird - und ihre Existenz Glaubensfrage bleiben muss - ebenso wie Röttges gesamte fiktive Menschheitsgeschichte. Insgesamt bleibt diese "Geschichte" eine skurrile Mixtur christlich-esoterischer und empirisch-alternativhistorischer Elemente, wobei die letzteren in der Regel nur zur Stützung eines Szenarios dienen, das kulturgeschichtlich eher in der Ideenwelt des 19., denn im 20. oder 21. Jahrhundert anzusiedeln ist.

So ist seine Ablehnung darwinistischer Positionen zur Menschheitsentwicklung keineswegs das Ergebnis einer empirischen, an Evidenzen orientierten Kritik, sondern im Ansatz irrational. Sie wird durch den gleichen emotionalen Grundkonflikt geprägt, in dem sich Christen schon im 19. Jahrhundert angesichts der aufkommenden Lehre Darwins befanden: "Grauenhaft erscheint mir auch, wie die Ahnenreihe des Menschen zurückverfolgt wird bis hin zu den Affen." (Röttges, op. cit., S. 75) Tatsächlich ist an dieser Vorstellung aus grenzwissenschaftlicher, alternativ-menschheitsgeschichtlicher Sicht nichts "Grauenhaftes", aber sie könnte ganz banal UNZUTREFFEND sein...

Fortsetzung (Teil 5):

'Atlantis ist mitten unter uns' - eine Schlussbetrachtung


Anmerkungen und Quellen

  1. Anmerkung: Röttges ist hier objektiv im Irrtum, wenn er davon ausgeht, dass wir heute nichts über die Tier- und Menschenwelt des Pleistozän (also des von ihm als atlantische Periode betrachteten Zeitraums) wüßten. Paläontologie und Anthropologie haben dazu im 19. und 20. Jahrhundert viele interessante - und interpretierbare - Evidenzen erbracht. Außerdem muss einmal mehr auf seinen inadäquaten Umgang mit dem "Rasse"-Begriff hingewiesen werden!
  2. Anmerkung: Demgegenüber setzen empirische Nonkonformisten unter den Atlantisforschern in aller Regel eine allenfalls Zehntausende von Jahren währende Entwicklungsgeschichte der atlantischen Kultur und Zivilisation während der Endphase der jüngsten "Eiszeit" voraus. Nach der großen Zäsur des "neolithischen Hiatus" entstand dann ihrer Auffassung nach auf den Überresten jener alt-atlantischen Zivilisation ein zweites, megalithisches Atlantier-Reich.
  3. Anmerkung: Wir bezweifeln entschieden, dass die Sintflutmythen der rezenten Hochkulturen (des Holozän) tatsächlich auf einen Kataklysmus zurückzuführen sind, der sich vor fast 30 000 Jahren ereignet haben soll. Auch wenn wir selber durchaus die Möglichkeit mündlicher Langzeit-Überlieferungen historischen Wissens über viele Jahrtausende akzeptieren (siehe dazu: Beringstraßen-Theorie und indianische Überlieferungen von Itztli Ehecatl; sowie: Indigenes Amerika - Erinnerungen an Atlantis von Frank Joseph), gehen wir davon aus, dass Informationen zu einer solchen Weltkatastrophe schon deshalb kaum über einen solchen Zeitraum tradiert werden konnten, weil sie durch die Erfahrungen zwischenzeitlicher Kataklysmen und einer Vielzahl regionaler Katastrophen (siehe z.B.: Geschoss aus dem All - Ein Kometeneinschlag verwüstet Bayern) massiv überlagert worden sein müssen.

Bild-Quellen

(17) Rolf B. Röttges, "Atlantis ist mitten unter uns - Die ersten Funde über Atlantis", A.U.V.-Verlag, Krefeld, 1. Aufl. 1992, S. 227

(18) http://www.kjmatthews.users.btopenworld.com/cult_archaeology/images/kircher_atlantis.jpg (Seite nicht mehr online)

(19) Rolf B. Röttges, "Atlantis ist mitten unter uns - Die ersten Funde über Atlantis", S. 218

(20) ebd., S. 227