Atlantis - Der verlorene Kontinent (Spielfilm, 1961)

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Abb. 1 Das Original-Filmplakat zu 'Atlantis - Der verlorene Kontinent'

(red) ATLANTIS, DER VERLORENE KONTINENT (US-Originaltitel: "Atlantis, the Lost Continent") ist ein amerikanischer Abenteuerfilm aus dem Jahr 1961, dessen von Daniel Mainwaring verfasstes Drehbuch auf dem Musical "Atalanta, a Story of Atlantis" (1940) von Gerald Hargreaves basiert. [1] Regie führte George Pal (vor allem bekannt als Regisseur von "Die Zeitmaschine", 1960). Er fungierte auch als Produzent des Films, dessen Uraufführung in Deutschland am 5. Mai 1961 erfolgte.

Handlung

Der jugendliche Held Demetrios (Sal Ponti alias Anthony Hall) und sein Vater Petros (Wolfe Barzell), zwei griechische Fischer, retten eine junge Frau aus Seenot, die sich ihnen als Prinzessin Antillia (Joyce Taylor) vorstellt und erklärt, aus einem Land jenseits der Säulen des Herakles zu stammen. Schon bald verliebt Demetrios sich in die fremde Schöne und lässt sich von ihr überreden, sie mit seinem Fischerboot zurück in ihre Heimat zu bringen, bei der es sich, wie sich nun herausstellt, um das sagenumwobene Atlantis handelt. Kurz vor Erreichen der Insel werden die beiden von einem archaisch anmutenden Unterseeboot der Atlantier an Bord genommen, das von Zaren (John Dall) kommandiert wird, einem Adligen, der sich bald darauf als Erzschurke erweist und zu Demetrios' schlimmstem Gegner wird.

Auf Atlantis angekommen, wird Demetrios ohne Wissen Antillias zum Sklaven gemacht - ein Schicksal, das alle Fremden auf der Insel erwartet, deren Bewohner eine technologisch höher entwickelte Kultur als die übrigen zeitgenössischen Völker entwickelt haben, die aber degeneriert ist, und inzwischen in hohem Maß auf der Ausbeutung der Natur und anderer Menschen beruht. Während Antillia erkennen muss, dass ihr Vater, König Cronos (Edgar Stehli), fast völlig unter den unheilvollen Einfluss Zarens geraten ist, kämpft Demetrios, der sie für seine Lage verantwortlich macht, verbittert um sein Überleben. Die Sklaven der Atlantier leiden nämlich nicht nur unter der ihnen aufgezwungenen Fronarbeit, sonder werden häufig auch zu Mutations-Experimenten unter Leitung des "Chirurgen" (Berry Kroeger) missbraucht, in deren Verlauf sie sich langsam in tierische Kreaturen verwandeln.

Abb. 2 Zarens U-Boot erreicht, mit Prinzessin Antillia und Demetrios an Bord, den Hafen von Atlantis.

Diesem Schicksal entgeht Demetrios zwar im letzten Moment, aber nur, um in einem eigentlich aussichtslosen Arena-Duell um seine Freiheit kämpfen zu müssen, aus dem er natürlich - trotz denkbar schlechter Chancen - als Sieger hervorgeht. Als 'Freigelassener' beginnt er nun, den Widerstand gegen Zaren und dessen Kumpan, den atlantischen Hof-Astrologen Zonoy (Frank De Kova) zu organisieren. Durch die Vermittlung des Hohepriesters Azar (Edward Platt), der Zarens Pläne strikt ablehnt, kommt es auch zur Versöhnung von Demetrios und Antillia, die zuvor vergeblich bei ihrem Vater für ihn eingesetzt hatte.

Die Situation beginnt zu eskalieren, als Zaren mit Hilfe Zonoys den hohen Rat von Atlantis dazu aufwiegelt, Krieg gegen alle anderen Völker der Welt zu führen, um sie mittels der überlegenen Technologie der Atlantier, zu der auch Strahlenkanonen gehören, zu unterwerfen - ein größenwahnsinniger Plan, dem auch der inzwischen fast willenlose König Cronos zustimmt. Als 'Superwaffe' soll ein enormer Energiekristall dienen, welchen die Sklaven aus den Hängen eines der riesigen Vulkane ausgraben sollen, die sich im Zentrum der Insel befinden. Zwar bemüht sich Demetrios, dieses Vorhaben zu hintertreiben, doch das Unheil nimmt seinen Lauf. Die Natur selbst beginnt sich gegen die Atlantier zu wenden. Vögel und Insekten verlassen, das bevorstehende Unheil witternd, die Insel und schließlich kommt es zu einem, immer intensiver werdenden Vulkanausbruch, in dessen Verlauf nicht nur die Schurken Zaren und Zonoy ihr wohlverdientes Ende finden, sondern auch die meisten anderen Atlantier und ihr König Cronos sowie der Hohepriester Azar ums Leben kommen. Nur Demetrios und Antillia, die er im letzten Moment aus dem einstürzenden Königspalast retten kann, aber auch zahlreichen Sklaven gelingt mit einigen Schiffen die Flucht von der auseinanderbrechenden Insel, die vor ihren Augen im Meer versinkt. Und in einem kurzen Epilog heißt es dann: "Die wenigen Überlebenden, die wieder freie Menschen waren, trugen die Kultur des alten Reiches zu den anderen Kontinenten der Erde."

Bewertung

Abb. 3 Die Abbildungen einer europäischen Hexe und der göttlichen "Hexen-Königin" Tlazolteotl der alt-mexikanischen Mythologie aus Robert B. Stacy-Judds Werk "Atantis - Mother of Empires" (1939), die auch im Prolog des Films "Atlantis - Der verlorene Kontinent" dargestellt werden. Solche 'Kleinigkeiten' zeigen, dass die Macher des Films sich immerhin schon bei dessen Konzeption mit der Materie beschäftigt haben.

ATLANTIS, DER VERLORENE KONTINENT ist zwar mit Sicherheit nicht zu den Highlights der Filmgeschichte zu zählen, gehört aber angesichts der zumeist abgrundtief schlechten Qualität anderer Spielfilme, die zum Thema Atlantis 'verbrochen' wurden, sicherlich zu den Ansehenswertesten seiner Art. Zwar weicht die Story in einigen Punkten krass von Platons Vorgaben ab - Atlantis wurde z.B. nicht durch Vulkanismus vernichtet, der Krieg der Atlantier gegen die Griechen und andere Völker wurde nicht durch den Untergang der Insel verhindert, sondern dieser erfolgte, nachdem die Angreifer von ihren Gegnern militärisch geschlagen wurden, und auch von U-Booten und Strahlenkanonen wusste Platon nichts zu berichten - aber ansonsten wiesen die Macher des Film ein bisweilen erstaunliches Einfühlungsvermögen in essentielle Aspekte des Atlantisberichts auf. So wird z.B. die bei Platon hervorgehobene ethische Dekadenz der Atlantier sehr nachvollziehbar und unter Verweis auf frühere, bessere Zeiten dargestellt. Und auch in die atlantologische Literatur scheint Drehbuchautor Daniel Mainwaring zumindest einen Blick geworfen zu haben. Dies zeigt schon der Prolog des Films, in dem im Zusammenhang mit Atlantis auf kulturelle Parallelen diesseits und jenseits des Atlantiks hingewiesen wird. Dabei werden auch, hübsch illustriert, die frappierend ähnlichen Vorstellungen zum Aussehen von Hexen in der Alten Welt und im präkolumbischen Mittelamerika erwähnt, über die Robert B. Stacy-Judd 1939 in seinem Buch "Atlantis - Mother of Empires" mit entsprechenden Abbildungen (Abb. 3) berichtet hat.

Vor diesem Hintergrund kann der entsprechend vorgebildete Zuschauer dann auch über manche Anachronismen in diesem Spielfilm - der ja in erster Linie der Unterhaltung dienen soll - hinwegsehen, die dem 'Normalverbraucher' ohnehin nicht auffallen werden. So wirken z.B. die Gebäude und sonstigen Kulissen auf Atlantis nicht im Geringsten archaisch oder barbarisch, wie bei Platon geschildert, sondern man fühlt sich eher ins Griechenland des Klassischen Altertums oder ins alte Persien versetzt, oder auch, was die große Arena betrifft, in der Demetrios um sein Leben und seine Freiheit kämpfen muss, ins alte Rom. Äußerst gelungen ist allerdings die Darstellung und Integration der bereits erwähnten Hightech-Elemente in dieses antike Ambiente. Insbesondere die fisch- oder delphinähnlichen U-Boote (Abb. 2), aber auch die alles andere als modern wirkenden Strahlenkanonen sind absolut überzeugend gestaltet, so dass sie in in ihrer Umgebung keineswegs als 'Fremdkörper' wirken. Fast möchte man hier von 'antikem Steampunk' sprechen.

Was die beteiligten Schauspieler/innen und ihre Leistungen betrifft, so ist festzuhalten: Während sich Sal Ponti / Anthony Hall als Demetrios in der Manier echter Sandalenfilm-Darsteller (d.h. weitgehend talentfrei) präsentiert und Joyce Taylor als Antillia nur dann wirklich glaubhaft ist, wenn sie die distanziert hochmütige oder bisweilen blasierte Prinzessin spielt, aber in emotionalen Momenten nicht überzeugen kann, werden gerade die Schurken-Rollen in diesem Film bestens dargestellt. Dies gilt vor allem für den, zumeist schmierig grinsenden 'Ober-Fiesling' Zaren, den John Dall derart brillant mimt, dass auch friedfertige Gemüter unter den Zuschauern bisweilen das Bedürfnis entwickeln mögen, diesem Kerl gegenüber handgreiflich zu werden. Ebenfalls großartig ist Berry Kroeger als sadistischer "Chirurg": ein 'irrer Wissenschaftler' wie aus dem Bilderbuch. Durchaus überzeugend agiert aber auch der Vollblut-Schauspieler Edward Platt als Hohepriester Azar.

Abschließend sollen aber auch noch die für ihre Zeit spektakulären und phantastischen Spezialeffekte nicht unerwähnt bleiben, insbesondere was den Untergang von Atlantis in seinen verschiedenen Phasen betrifft, der wirklich mitreißend in Szene gesetzt wurde, vor allem wenn man die Wirkung dieser Szenen auf einer Kinoleinwand bedenkt. Selbst heute, gut 55 Jahre nach erscheinen des Films - und verwöhnt durch modernste Computeranimationen -, muss man sagen: das haben die damals mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln schon verdammt gut hinbekommen!



"Atlantis - Der verlorene Kontinent" (online frei abrufbar) bei Netzkino.de


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Anmerkungen und Quellen

Fußnote:

  1. Anmerkung: Über dieses Stück heißt es in Frank Josephs 2005 erschienenem Buch "The Atlantis Encyclopedia" auf Seite 33: "Ein Musical aus dem Jahr 1940 des britischen Komponisten Sir Gerald Hargreaves, der auch das Libretto schrieb und die üppig gestalteten Kulissen entwarf. Die Story spielt am Hof von Atlantis, wo zwei Fraktionen von Aristokraten das Für und Wider eines Krieges debattieren. Auf dem Höhepunkt der Debatte erscheint der griechische Held Achilles, der gerade über die Trojaner triumphiert hat, um für Frieden zu plädieren. Doch die dem Kampfe zugetane Fraktion trägt den Sieg davon, und er flieht mit seiner Geliebten, der Prinzessin Atalanta, während Atlantis als Strafe der Götter im Meer versinkt." (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Metro-Goldwyn-Mayer / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) MATTE PAINTING ARTISTS, unter: "LEE LEBLANC"
3) Robert B. Stacy-Judd, "Atlantis: Mother of Empires", Adventures Unlimited Press, 1999 (Reprint der Erstausgabe von 1939), S. 107