Basileia (Königin)

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Abb. 1 Römische Darstellung der "Großen Mutter der Götter" aus Formiae. Unter dieser Bezeichnung wurde Basileia bis in die späte Antike hinein verehrt.

(red) In der englischsprachigen Wikipedia heißt es im Lemma "Basilea (queen): "Basilea war in der alten griechischen Volks-Überlieferung die erste Königin des legendären Königreichs von Atlantis." [1] Und in Frank Josephs Atlantis Encyclopedia findet sich die Angabe, sie sei nach dem Tod ihres Vaters und ersten Gatten (Uranos) "zur Königin von Atlantis gewählt" worden. [2] Beide Angaben sind grob vereinfachend und zumindest irreführend.

Tatsächlich findet Basileia (lat. Namensform: Basilea), "die Königliche", in Platons Atlantisbericht gar keine Erwähnung, sondern wird von Diodorus Siculus in seiner Bibliotheca Historica (Universalgeschiche) als mythisch-legendäre Königin der Atlantioi im westlichen Nordafrika vorgestellt. "Diodor nennt", wie Pierre Vidal-Naquet dazu bemerkte, "seine Quelle nicht, es könnte aber ein Mythenschreiber in Alexandria aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. gewesen sein, ein gewisser Mytilenos, der 'Lederarmige'. Von Euhemeros inspiriert sind eindeutig jene paar Seiten aus III, LIV und LVI. Die Ortsangabe ist recht ungenau, beschränkt sich Diodor doch nur auf die Aussage, die Atlanter bewohnten >die Gegenden an den Gestaden des Ozeans< und besäßen >ein fruchtbares Land<.

Doch immerhin ist der König, der aus diesen Wilden zivilisierte Wesen machte, kein anderer als ein Beobachter der Gestirne namens Uranos. Er gründet eine Stadt, sagt dank seiner astronomischen Kenntnisse die Ereignisse voraus, erobert fast die gesamte oikumene und hatte von mehreren Frauen fünfundvierzig Kinder, von denen achtzehn die Titanen waren. Seine Tochter Basileia (Königtum) hatte mit ihrem Bruder Hyperion zwei wundervolle Kinder, Helios und Selene. Nachdem sie von ihren Onkeln ermordet worden waren, setzten die Atlanter mit Sonne und Mond gleich. Ihre Mutter Basileia, die in einem Gewittersturm umkam, wurde wie eine Göttin verehrt, der man Weiheopfer darbrachte. Nach der Ermordung Hyperions wurde dieses magische afrikanische Königreich unter den anderen Söhnen Hyperions, vor allem unter Atlas und Kronos, aufgeteilt (III, LX)." [3]

Selbst wenn man keinswegs die - auch von Vidal-Naquet geäußerte - Auffassung vertritt, die Atlantier Platons und die Atlantioi des Diodorus Siculus hätten rein gar nichts miteinander zu tun, so erscheint es vor dem Hintergrund der oben genannten Informationen kaum berechtigt, Basileia als "erste Königin [...] von Atlantis" zu bezeichnen. [4] Immerhin scheint sie als Begründerin des Herrschergeschlechts der Atlantioi bei Diodor eine ähnliche Rolle gespielt zu haben, wie Kleito im platonischen Atlantisbericht. In jedem Fall hinterließ sie in der Welt des klassischen Altertums einen nachhaltigen Einduck. Unter dem Ehrentitel "Große Mutter der Götter", den sie offenbar aufgrund ihrer liebevollen Fürsorge für ihre jüngeren Geschwister erhielt [5], wurde sie bis in die späte Antike hinein verehrt. (Abb. 1)


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter "Basilea (queen)" (abgerufen: 30. April 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  2. Quelle: Frank Joseph, "The Atlantis Encyclopedia", Career Press, 2005, S. 66 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  3. Quelle: Pierre Vidal-Naquet, "Atlantis - Geschichte eines Traums", C.H.Beck, 2006, S. 43
  4. Anmerkung: Zudem stellt sich die Frage, ob sich aus ihrem Namen - der weiblichen Form von Basileus (βασιλεύς) - überhaupt sichere Rückschlüsse auf ein formelles Herrscherinnen-Amt ziehen lassen. Andere feminine Formen der Bezeichnung bzw. des Titels Basileia (Βασίλεια) - d.h. 'Köngin' oder 'Kaiserin' - sind übrigens: Basilissa (Βασίλισσα), Basilis (Βασιλίς) sowie die archaische Variante Basilinna (Βασιλίννα).
  5. Quelle: Lewis Spence, "The History of Atlantis", London (Rider), 1926, S. 27

Bild-Quelle:

  • Grant Showerman (1870-1935), "The great mother of the gods" (Dissertation), Madison (Wisconsin), 1901 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de nach der digitalisierten Version des Buches bei Archive.org)