Charles H. Hapgood: Maps of the Ancient Sea Kings (Rezension)

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eine Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich (2014)

Abb. 1 Charles Hutchins Hapgood: Maps of the Ancient Sea Kings - Evidence for Advanced Civilization in the Ice Age, Philadelphia/New York, 1966. Bild: Das Frontcover des Reprints von 1997

Eines der zweifellos überzeugendsten Werke für die Annahme einer prähistorischen Hochkultur auf unserem Planeten, auch heute noch, fast 50 Jahre nach seinem Erscheinen! [1] Gleich im allerersten Satz seines Buches, im Vorwort, konstatiert Hapgood: "This book contains the story of the discovery of the first hard evidence that advanced peoples preceded all the peoples known in history" [2], wobei mit dem "hard evidence", von dem in diesem Buchso überaus kompetent und überzeugend berichtet wird, aber nicht prähistorische Bauten oder technologische "hardware" gemeint sind, sondern hauptsächlich aus der Renaissance stammende Welt-, Land- und Seekarten, deren Anfertigung jedoch ein geographisches und navigatorisches Wissen vorraussetzte, das die Gelehrten und Seefahrer des Entdeckungszeitalters keinesfalls besaßen. Sie müssen also Kartenmaterial aus weit zurückliegenden Kulturepochen als Vorlagen gehabt haben. Da0 es in der Tat so war, dafür argumentiert Hapgood mit diesem seinem Werk überzeugend. Gegen diese seine Argumentationslinie Einspruch einzulegen, meint der Rezensent, scheint aussichtslos angesichts des vorliegenden Kartenmaterials, vovon noch die Rede sein wird.

Gegen den Untertitel des Werkes muß der Rezensent allerdings nachdrücklich Einspruch einlegen. Die ganze Eiszeit-Lehrvorstellung scheint ihm überaus fragwürdig zu sein, wie er seinerzeit in einem kleinen Werk dargelegt hat. [3] So wie sich unsere diversen Eiszeit-Standardwerke das vermeintliche "Große Eiszeitalter" vorstellen, weltweit, kann es unmöglich eine "Advances Civilization in the Ice Age" gegeben haben, das scheint mir ein Widerspruch in sich selbst, eine contradictio in adjecto zu sein. Allerdings scheinen einige der (offenbar auf Jahrtausende älteren Vorlagen beruhenden) Portolan-Karten der Renaissance, während sie teils die Antarktis nur mit Rest-Vergletscherung zeigen, etliche Mittelgebirge auf der britischen Hauptinsel und in Deutschland leicht vergletschert zeigen, darauf hinzudeuten, daß es allerhand mehr lokale "Eiszeit"-Erscheinungen gegeben zu haben scheint. Insofern mag also Hapgoods Untertitel nicht ganz abwegig sein. Hier müssen wir wohl noch weiterer Forschungen harren, wohin sich der ganze Eiszeit-Fragenkomplex entwickeln mag. Vielleicht wollte aber Hapgood auch nur mit diesem Untertitel verhindern, daß sich, neben den ganzen sonstigen Gegnern seiner These, auch die ganze "Eiszeit-Scholastik" quasi mit wütendem Geheul an seine Fersen hängte.

Abb. 2 Charles Hutchins Hapgood (1904–1982)

Doch zurück zum Haupt-Argumentationsstrang dieses Hapgood-Werkes. Im Kapitel VIII ("A Civilization that Vanished") zieht er aus seinen Forschungen zur Kartographie der Kulturen des Altertums und der Renaissance folgenden, immerhin nicht uninteressanten Schluss:

"The evidence presented by the ancient maps appears to suggest the existence in recent times, before the rise of any of the known cultures, of a true civilization, of a comparatively advanced sort, which either was localized in one area but had worldwide commerce, or was, in a real sense, a worldwide culture. This culture, at least in some respects, may well have been more advanced than the civilizations of Egypt, Babylonia, Greece and Rome. In astronomy, nautical science, mapmaking and possibly shipbuilding, it was perhaps more advanced than any culture before the 18th Century of the Christian Era." [4]

Der Rezensent möchte dazu den Kommentar abgeben: Diese hier von Hapgood vermutete Ur-Hochkultur (oder sagen wir besser, denn diese könnte wiederum Vorgänger gehabt haben: die uns zeitlich noch nächstliegende Ur-Hochkultur) könnte möglicherweise das älteste Alt-Indien gewesen sein. Wie dem auch sein mag, jedenfalls zieht Hapgood abschließend aus dem oben Zitierten folgende vier Schlussfolgerungen, tentativ versteht sich:

1) Die Vorstellung einer einfachen linearen Entwicklung von der Kulturstufe des Paläolithikums (Old Stone Age) über die Stufen Neolithikum (New Stone Age), Bronzezeit und Eisenzeit (Iron Ages) muß aufgegeben werden.
2) Jede Kultur enthält den Keim ihrer eigenen Desintegration. Und er führt als Beispiele an: Kreta, Troja, Babylon, Altgriechenland und Rom.
3) Jede Zivilisation scheint letztendlich Technologien zu entwickeln, mit denen sie ihre eigene Zerstörung ermöglicht.
4) Je höherentwickelter eine Kultur ist, um so leichter wird sie zerstört werden, und um so weniger Beweismaterial für ihre einstige Existenz wird übrigbleiben.

Und er vergißt auch nicht, die öftere Zerstörung berühmter Bibliotheken zu thematisieren, wobei immer wieder wertvollstes Wissensgut unwiederbringlich verloren ging.

Abschließend (S. 199-201) bringt Hapgood noch recht studierenswerte Besprechungen zur Pyramide von Cuicuilco in Mexiko, die teilweise von einem Lavastrom bedeckt wurde. Er hält sie für erheblich älter, als "offiziell", d.h. von der Mainstream-Wissenschaft, zugestanden.

Leider kann selbstredend von einer solchen Rezension nicht einmal annähernd die enorme "Mühewaltung" (wie es einst im Behördendeutsch hieß) wiedergegeben werden, die Hapgood und seine Studenten bei ihrer Untersuchung der unzähligen Portolane und sonstigen alten Karten aufbringen mußten, um die jeweiligen "Abstammungslinien" herauszufinden. Aber das Ergebnis dieses Forschungsprojektes kann sich sehen lassen: wir sehen jetzt in wichtigen Punkten manches erheblich klarer als zuvor.


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Anmerkungen und Quellen

Diese Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich (©) - vom Verfasser datiert auf den 5. Januar 2014 - wurde von ihm für Atlantisforschung.de verfasst.

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Das Buch erschien - recht spät! - auch in einer deutschspachigen Ausgabe: Charles H. Hapgood, "Die Weltkarten der alten Seefahrer - Die Entdeckung der Antarktis vor 6.000 Jahren und Amerikas vor Kolumbus", Frankfurt am Main (Zweitausendeins Verlag), 2002, ISBN-10 3861504197 - ISBN-13 9783861504191 - Gebunden, 318 Seiten
  2. Übersetzung: "Dieses Buch enthält die Geschichte der Entdeckung der ersten harten Beweise dafür, dass fortschrittliche Völker allen bekannten Völkern der Geschichte vorausgingen." (d. Red.)
  3. Siehe: Horst Friedrich, "Jahrhundert-Irrtum >Eiszeit<?", Hohenpeißenberg, 1997; sowie als Neuauflage: "Jahrhundert-Irrtum >Eiszeit<: die Widerlegung einer wissenschaftlichen These" König Verlag, 2010
  4. Quelle: Charles H. Hapgood, op. cit., S. 193; Übersetzung: "Die durch die alten Karten präsentierten Beweise scheinen die Existenz einer wahren Kultur vergleichsweise fortgeschrittener Natur in jüngerer Zeit, vor dem Aufstieg der bekannten Kulturen nahezulegen, die entweder in einem [bestimmten geographischen; d.Ü.] Gebiet zu lokalisieren ist, doch weltweiten Handelsverkehr betrieb, oder aber, im eigentlichen Sinn, eine weltweite Kultur war. Diese Kultur mag, zumindest in mancher Hinsicht, sehr wohl weiter fortgeschritten gewesen sein als die Kulturen Ägyptens, Babyloniens, Griechenlands und Roms. In der Astronomie, Nautik, Kartographie und möglicherweise im Schiffbau, war sie wonöglich weiter fortgeschritten als jede Kultur vor dem 18. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung." (d. Red.)

Bild-Quellen:

1) goodreads.com, unter: Maps of the Ancient Sea Kings: Evidence of Advanced Civilization in the Ice Age
2) Bildarchiv Atlantisforschung.de