DILMUN I: 30-jähriges Jubiläum unserer ersten ABORA-Schilfboot-Expedition

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von Dr. Dominique Görlitz

Abb. 1 Die DILMUN I vor Beginn der Expedition im Jahr 1990 während letzter Arbeiten am Boot in Greifswald

Im Jahr 1990 starteten wir - meine Lebensgefährtin Conny Lorenz, ein Team von Studenten der Friedrich-Schiller Universität Jena und Schulfreunde aus Gotha - mein bis zu jener Zeit ehrgeizigstes Projekt: Mit einem Schilfboot wollten wir das 20-jährige Jubiläum der RA II-Expedition von Thor Heyerdahl würdigen.

Dazu bauten wir aus deutschem Schilfrohr in 8 Wochen Bauzeit die 12 m lange und rund 4 t schwere DILMUN I (Abb. 1). Mit Unterstützung mehrerer Gothaer Sponsoren gelang es uns, das Boot nach Greifswald zu transportieren, wo wir auf dem ehemaligen Gelände der Marineschule (Segelschulschiff „Wilhelm Pieck“ heute „Greif“) die Unterkunft und den Bauplatz gesponsert bekamen. Weitere drei Wochen Auftakeln nach altägyptischen Vorbildern gingen ins Land, ehe wir unser Experiment auf der Ostsee starten konnten.

Die DILMUN I war mein erstes besegeltes Schilfboot. Es hatte noch keine Seitenschwerter und glich in der Tat mehr den Schiffen von Thor Heyerdahl, der seine Flöße nach ägyptischen Tempeldarstellungen auftakelte. So stellte sich wie bei ihrer Vorläuferin RA II auf der Ostsee dann auch heraus, dass die DILMUN I nur vor dem Wind segeln konnte. Immerhin segelten wir bis zur Insel Rügen. Wir konnten bei Kreuzsee und Windstärke 6 vor der Straße von Stralsund erleben, wie seefest so ein altertümliches Schilfboot auf dem offenen Meer war. Navigieren auf festgelegtem Kurs war mit dieser Takelage jedoch nicht möglich. Daher brachen wir unser Experiment nach nur einem Tag vorzeitig ab.

Dennoch hatte sich der Aufwand gelohnt, denn das Projekt gab den Anstoß, sich noch tiefgehender mit prähistorischem Schiffbau zu beschäftigen. Zwei Jahre später entdeckte ich schließlich im Wadi Hammamat (Oberägypten) zuvor völlig unbeachtete Schilfbootdarstellungen, die das Rätsel des Gegenwind-Segelns lösen konnten. Doch das ist wieder eine andere Geschichte!


Anmerkungen und Quellen

  • Presseinformation ABORA-Projekt (www.abora.eu) – 29. Dezember 2020. Redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de.

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