Der 'Dekalog-Stein' von Los Lunas (New Mexico)

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von J. Houston McCulloch

Abb. 1 Der 'Dekalog-Stein' von Los Lunas (Foto: Dan Raber, Loudon TN)

Die Los Lunas-Inschrift ist eine verkürzte Version des Dekalogs oder der Zehn Gebote, die in das plane Oberfläche eines großen Felsblocks gehauen wurde, der auf der Seite des Hidden Mountain in der Nähe von Los Lunas, New Mexico, etwa 35 Meilen südlich von Albuquerque liegt. Die Sprache ist Hebräisch und das Schrift ist das alte hebräische Alphabet mit einigen griechischen Buchstaben. Siehe Cline (1982), Deal (1984), Stonebreaker (1982), Underwood (1982) und / oder Neuhoff (1999) für Transkriptionen und Übersetzung, sowie Deal (1984) für Diskussionen und Fotos der Umgebung.

George Moorehouse (1985), ein professioneller Geologe, weist darauf hin, dass der Felsbrocken aus demselben Basalt besteht wie die Mesa-Kappe. Er schätzt sein Gewicht auf 80 bis 100 Tonnen und sagt, dass er sich, seitdem er abgebrochen ist, ungefähr zwei Drittel der Entfernung von der Mesa-Oberseite zur Talebene bewegt hat. Die Inschrift ist gegenüber der Horizontale um etwa 40 Grad im Uhrzeigersinn geneigt, was darauf hinweist, dass sich der Stein seit dem Zeitpunkt der Beschriftung abgesetzt oder sogar von seiner Position entfernt hat. (Das obige Foto (Abb. 1) wurde mit einer geneigten Kamera aufgenommen.)

1996 befragte Prof. James D. Tabor von der Abteilung für Religionswissenschaft der University of North Carolina at Charlotte den inzwischen verstorbenen Professor Frank C. Hibben (1910-2002), einen pensionierten Archäologen der University of New Mexico, "der überzeugt ist, dass Die Inschrift ist uralt und somit authentisch. Er berichtet, dass er den Text zum ersten Mal im Jahr 1933 gesehen hatte. Damals war er mit Flechten und Patina bedeckt und kaum sichtbar. Er wurde von einem Führer, der [den Stein schon einmal] als Junge gesehen hatte, an den Ort gebracht. zurück in den 1880er Jahren." (Tabor 1997) Gegenwärtig ist die Inschrift selbst schlecht eingekreidet [1] und abgerieben [2]. Moorehouse vergleicht jedoch die übrig gebliebenen Verwitterungsspuren der Inschrift mit der eines nahen modernen Graffitos aus dem Jahr 1930. Er kommt zu dem Schluss, dass die Dekalog-Inschrift deutlich um ein Vielfaches älter ist als dieses Graffito, und dass 500 bis 2000 Jahre keine unangemessene Schätzung für sein Alter seien.

Die Inschrift verwendet die griechischen Schriftzeichen Tau, Zeta, Delta, Eta und Kappa (umgekehrt) anstelle ihrer hebräischen Entsprechungen Taw, Zayin, Daleth, Heth und Kaph, was auf einen griechischen Einfluss sowie trotz der archaischen Form der verwendeten Alepheauf ein nach-alexandrianisches Datum hinweist. Die Buchstaben Yodh, Goph und das plattbodige [orig.: "flat-bottomed"; d.Ü.] Sin haben eine charakteristisch samaritanische Form, was darauf hindeutet, dass die Inschrift samaritanischen Ursprungs sein kann. Siehe Lidzbarski (1902), Purvis (1968).

Abb. 2 Hier eine weitere In-situ-Aufnahme des 'Los Lunas Decalogue Stone' an seinem Fundort (Foto: Brainardo)

Cyrus Gordon (1995) schlägt vor, dass der Los Lunas Dekalog in der Tat eine samaritanische Mesusa ist. Die vertraute jüdische Mesusa ist eine kleine Schriftrolle, die sich in einem kleinen Behälter befindet, der am Eingang eines Hauses angebracht ist. Die alte samaritanische Mesusa dagegen war für gewöhnlich eine große Steinplatte, die am Eingang zu einem Grundstück oder einer Synagoge angebracht wurde und eine verkürzte Version des Dekalogs trug. Gordon weist darauf hin, dass wohlhabende samaritanische Schiffseigner zur Zeit von Theodosius I. um 390 n.Chr. in griechischen Gemeinden lebten, und schlägt vor, dass das wahrscheinlichste Alter der Los Lunas-Inschrift die byzantinische Zeit ist.

Wenn es sich bei Los Lunas tatsächlich um eine byzantinische samaritanische Inschrift handelt, kann es von Bedeutung sein, dass der Historiker Prokopios aus dem sechsten Jahrhundert berichtet, dass der byzantinische Kaiser Justinian I. (reg. 527-565 n. Chr.) Insbesondere die Samaritaner massiv verfolgt hat, welche...

"...Palästina in einen unbeschreiblichen Aufruhr stürzten. Diejenigen, die in meinem [heimatlichen; d.Ü] Caesarea und in den anderen Städten lebten und beschlossen hatten, wegen einer lächerlichen Kleinigkeit des Dogmas eine brutale Behandlung zu erleiden, nahmen den Namen der Christen im Austausch gegen denjenigen an, welchen sie zuvor getragen hatten, unter welcher Schutzmaßnahme sie in der Lage waren, die Gefahren des neuen Gesetzes vermeiden zu können .... Die Menschen des Landes schlossen sich jedoch zusammen und beschlossen, gegen den Kaiser Waffen zu ergreifen ... Eine Zeit lang hielten sie sich gegen die kaiserlichen Truppen, aber schließlich im Kampf besiegt, wurden sie zusammen mit ihrem Anführer niedergemäht. Es heißt, zehn Myriaden [100.000] Männer seien bei diesem Einsatz umgekommen, und das fruchtbarste Land der Erde wurde den Bauern brotlos. (Kapitel 11 und insbesondere Abt. 52-54.)

Prokopios gibt an anderer Stelle an, dass Justinian für den Tod von nicht weniger als drei Billionen (sic!) Personen verantwortlich war. Daher könnte auch seine Schätzung, dass 100.000 Samaritaner bei diesem Aufstand getötet wurden, ein wenig aufgebläht sein. Trotzdem könnte eine Verfolgung wie diese - und womöglich sogar genau diese - der Anstoß für die Los Lunas Inschrift gewesen sein. Pummer (1987, S. 4) berichtet, dass der fragliche Aufstand 529 n.Chr. stattgefunden habe, und dass "nach der muslimischen Eroberung Palästinas ab 634 n.Chr. die Zahl der Samaritianer durch Massaker und Konversionen noch weiter abnahm. Speziell unter den Abbasiden [750-1258 n. Chr.] nahmen ihre Leiden stark zu." Obwohl die Samaritaner bis ins 21. Jahrhundert überlebt haben, waren sie im ersten Jahrtausend n. Chr. deutlich zahlreicher und wohlhabender als im zweiten.

Abb. 3 Eine dritte Abbildung des Objekts nach der mutwilligen Zestörung der ersten Zeile der Inschrift durch (einen?) Vandalen. Diese Aufnahme entstand am 13. August 2006. (Foto: J.H. McCulloch)

Weitere Hinweise für einen hellenistischen oder byzantinischen Einfluss auf Los Lunas liefert Skupin (1989). Er analysiert die orthographischen Fehler des Los Lunas-Textes selbst und kommt zu dem Schluss, dass er anscheinend von einer Person geschrieben wurde, deren Hauptsprache Griechisch war und die ein sekundäres, aber verbales Verständnis von Hebräisch hatte. Er schreibt uber den Ersteller der Inschrift:

"Er benutzte den Konsonanten [d.i. Aleph; J.H. McCulloch] als sei dieser ein Vokal wie das griechische Alpha, obwohl dies mit dem hebräischen orthographischen System kollidiert ... Er verwechselte Goph und Kaph wie ein Philhellene, der nur Kappa kannte und weit genug vom Hebräischen entfernt war, um nicht zu wissen, dass er sich damit einen respektlosen Ausrutscher geleistet hatte. Erstaunlicherweise >hörte< er Makros, die langweiligen Vokale, die im Griechischen strukturell und semantisch wichtig sind ... und fühlten sich gezwungen, sie anzuzeigen, auch wenn er nicht genau wusste, wie das gemacht wurde (und dies [sogar] zu Recht, da sie im Hebräischen nicht von Bedeutung sind) ... Seine Wortfolge legt eine biblische Überlieferung nahe, die sich auf eine griechische Version bezieht, welche in Alexandria (Ägypten) produziert wurde, ebenso wie seine Schreibweise, und schließlich betont er übertrieben die Worte >brachte dich [euch?; d.Ü.] aus Ägypten<."

Skupin schließt: "Nichts davon beweist irgendetwas. Bis eine Bestätigung aus einer anderen Gegend kommt, können wir wirklich nur denjenigen, die davon fasziniert sind, eine klarere Vorstellung vom Inhalt des Steins vermitteln und denjenigen, welche die Authentizität der Inschrift ablehnen, eine tiefere Wertschätzung dessen, was sie abgelehnt haben."

Noch mehr Beweise für griechisch-samaritanische Wechselwirkungen liefert Prof. Reinhard Pummer (1998, S. 29), der berichtet, dass "antike Literatur darauf hindeutet, dass sich Samaritersynagogen zwischen dem vierten und sechsten Jahrhundert in Rom und Tarsus befunden hätten. Kurze Inschriften in samaritianischer und in griechischer Schrift, die in Thessaloniki und Syrakus gefunden wurden, stammen möglicherweise aus anderen Samaritaner-Synagogen in diesen Städten zur selben Zeit. Offensichtlich blühten die Samaritianer in der Diaspora auf." Eine samaritanische Synagoge in Palästina, in Sha'alvim, Judäa, nordwestlich von Jerusalem, trägt gleichzeitig religiöse Inschriften in Samaritanisch und weltliche Inschriften in griechischer Sprache. Eine weitere auf dem Tell Quasile in Tel Aviv zeigt einen erheblichen Einfluss der griechischen Architektur (ebd., S. 30). In seinem Buch berichtet Pummer, dass der samaritanische Hochzeits-Gottesdienst auch heute noch einige griechische Wörter enthält, und dass eine samaritanische Scheidungsurkunde aus Ägypten aus dem Jahr 586 n.Chr. in griechischer Sprache verfasst ist (1987, S. 19). Eine samaritanische Inschrift in der niedersten [orig.: "nethermost"; d.Ü.] Diaspora könnte daher durchaus griechische Attribute aufweisen.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass Pummer selber (persönliche Mitteilung vom 31. August 1998) nicht der Meinung ist, dass die Inschrift von Los Lunas samaritanisch sein könne. Erstens folgt der Los Lunas-Text in Vers 8 dem masoretischen Text (d.h. dem jüdischen Standardtext): Gedenke des Sabbattags, um ihn heilig zu halten, während der Samaritaner-Text stets sagt: "Wahre den Sabbattag, um ihn heilig zu halten". Zweitens fügten die Samaritaner dem zehnten Gebot eine Klausel hinzu, die den Bau eines Tempels auf dem Berg Garizim forderte, aber diese Klausel fehlt im Los Lunas. Und drittens, obwohl eine Inschrift in griechischer Sprache bekannt ist, die in samaritanischen Buchstaben geschrieben ist, kennt er [Pummer; d.Ü.] keine Buchstaben des griechischen Stils, die jemals in samaritanischen Inschriften vorkamen.

Der Stein befindet sich auf State Trust Land des Staates New Mexico, wie auf der Webseite des New Mexico State Land Office unter "Mystery Stone, Valencia County" angegeben. Besucher müssen sich vom State Land Office des Staates New Mexico (310 Old Santa Fe, Santa Fe, NM 87504, (505) 827-5724) im Voraus eine Genehmigung besorgen, die 25 US-Dollar pro Familie kostet. [...] Der Standort befindet sich etwa eine halbe Meile südlich der State Route 6 [...], etwa 16 Meilen westlich von Los Lunas. Eine Karte und eine detaillierte Wegbeschreibung erhalten Sie beim State Land Office.


Verwendete und erwähnte Literatur

  • Cline, Donald, "The Los Lunas Stone," Epigraphic Society Occasional Publications 10 (1982, part 10), 68-73.
  • Deal, David Allen, Discovery of Ancient America, 1st ed., Kherem La Yah Press, Irvine CA, 1984. 1999 3rd Edition available from David Deal at 1651 Monte Vista Drive, Vista, California 92084 or davebigdeal@cox.net for $9.20, P&H included.
  • Fell, Barry, "Ancient Punctuation and the Los Lunas Text," Epigraphic Society Occasional Publicatons 13 (1985), 32-43 and cover photo.
  • Gordon, Cyrus, "Diffusion of Near East Culture in Antiquity and in Byzantine Times," Orient 30-31 (1995), 69-81.
  • Leonard, Phillip M., and William R. McGlone, "An Epigraphic Hoax on Trial in New Mexico," Epigraphic Society Occasional Publications 17 (1988), 206-219.
  • Lidzbarski, Mark, Letter Chart in Appendix to Wilhelm Gesenius and Emil Kautzsch, Hebräische Grammatik, 27th ed., Leipzig, 1902.
  • McGlone, William R., Phillip M. Leonard, James L. Guthrie, Rollin W. Gillespie, and James P. Whittall, Jr., Ancient American Inscriptions: Plow Marks or History? Early Sites Research Society, Sutton MA, 1993.
  • Moorehouse, George E., "The Los Lunas Inscriptions: A Geological Study," Epigraphic Society Occasional Publicatons, 13 (1985), 44-50.
  • Neuhoff, Juergen, "Los Lunas Decalogue" website, with translation of inscription by Stan Fox (1999). (URL updated 12/08)
  • Pummer, Reinhard, "How to Tell a Samaritan Synagogue from a Jewish Synagogue," Biblical Archaeology Review, vol. 24 #3, May/June 1998, pp. 24-35
  • Procopius of Caesarea, The Secret History c. 550 A.D. Richard Atwater translation, edited by Tim Spalding, online at www.isidore-of-seville.com/library-procopius/secrethistory-1.htm. Note: The reader is strongly cautioned against reading Chapter 9, and in particular screen 42.
  • Purvis, J.D., The Samaritan Pentateuch and the Origin of the Samaritan Sect Harvard Semitic Monographs, vol. 2. Harvard University Press, 1968.
  • Skupin, Michael, "The Los Lunas Errata," Epigraphic Society Occasional Publications 18 (1989), 249-52.
  • Stonebreaker, Jay, "A Decipherment of the Los Lunas Decalogue Inscription," Epigraphic Society Occasional Publications 10 (1982, part 1), 74-81.
  • Tabor, James D., "An Ancient Hebrew Inscription in New Mexico: Fact or Fraud?" United Israel Bulletin Vol. 52, Summer 1997, pp. 1-3.
  • Underwood, L. Lyle, "The Los Lunas Inscription," Epigraphic Society Occasional Publications 10 (1982, part 1), 57-67.



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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von J. Houston McCulloch (©) wurde seiner Webseite beim College of Arts ans Science der Ohio State University entnommen, auf der er in der Sektion "Some Archaeological Outliers" mit dem Titel "The Los Lunas Decalogue Stone" veröffentlicht wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de im Februar 2019.


Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Das Nachzeichnen alter Inschriften mit Kreide dient deren besserer Lesbarkeit, ist aber höchst problematisch, da damit deren archäologische Untersuchung erschwert oder sogar verunmöglicht werden kann.
  2. Red. Anmerkung: Gemeint ist die dilettantische und vorschnelle Reinigung eines solchen Objekts, die ebenfalls weitere Untersuchungen behindern kann.

Bild-Quellen:

1) Dan Raber (Urheber), nach: J. Huston McCulloch, Some Archaeological Outliers, unter: The Los Lunas Decalogue Stone
2) Brainardo (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:10 Commandment Rock.jpg
3) HuMcCulloch (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Los Lunas Decalogue Stone Vandalized, Aug. 13, 2006.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert