Die Amazonen (Teil 3)

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Leseprobe aus: Die Deltagöttin-Kultur

3. Was heißt >Amazone<?

von Eire Rautenberg

Abb. 1 Die römische Mongöttin Luna (griechisch: Selene) - ist noch heute bestens bekannt, während ältere Mondgöttinnen zumeist in Vergessenheit geraten sind.

Wissenschaftlich wird die Bezeichnung des Volkes von altpersisch „uma sonna“ abgeleitet, was die „Töchter der Uma“ (Mondgöttin) bedeuten soll. Uma entstammt indoarischen Sprachen, meint den gnädigen, mütterlichen, mondhellen Aspekt der Großen Göttin. In alten vedischen Zusammenhängen deutet der Begriff auf übersteigerte Askese in jeder Form, was grundsätzlich ebenfalls zu Amazonen passen würde. „Ama / Amme“ (Mutter, Säugende) meint gleichbedeutend die Wortwurzel -uma.

Uma ist aktuell eine hinduistische Göttin, Beiname von Parvati, der Mutter der Welt, was "die Segnende, Gnädige" oder "die Glänzende" bedeutet. Der Sonnen-Aspekt der indischen Uma heißt Gauri. Parvati selbst nennt sich in der hinduistischen Mythologie Gauri (= die Blonde, Goldene, Helle, Glänzende, Weiße). Sie ist die „Kuh des Gaur“ (= Bos gaurus), ein Beiname von Varunas Frau (s. den iranischen Gott >Varuna< im 1. Themabuch "Volk des Lichts"). Waren die Amazonen blondhaarig? Amba wiederum ist ein Beiname von obiger Gauri. Meint Amba vielleicht eine bernsteinfarbene Haar- oder Hautfarbe? Oder handelt es sich um einen Stein/Himmelsstein? >Himmel< bedeutet ursprünglich >Stein<, nach einer uralten Vorstellung des Himmels als Steingewölbe und ist begrifflich verwandt mit Hammer/Amboss.

Zum Aspekt der Amba gibt es in Indien eine passende (Amazonen-)Geschichte: „Als der Amba jede Möglichkeit zur Eheschließung genommen wurde, zieht sie sich in die Wälder zurück und schwört auf Rache. Ihre Schwüre werden schließlich von Shiva (Gatte der Parvati) erhört. Er verspricht ihr, dass sie Rache nehmen könne und lässt sie als einen Mann reinkarnieren, um zukünftig besser kämpfen zu können.

Abb. 2 Herakles tötet Hippolyte (schwarzfigurige attische Amphore, um 530 v. Chr.)

In der iranischen Mythologie ist Ama eine >weibliche Gottheit des Mutes und der Kraft<, analog zum griechischen Kampfgott Ares. So ist es aus dem >Avesta< übertragen, dem heiligen Buch des Zoroastrismus. Es wäre logisch, wenn sich Amazonen selbst so gesehen hätten, da sie Ares (römisch: Mars) als männliche Variante von Mut und Kraft verehrten. Zone wird allgemein mit (griech.) >Gürtel< übersetzt. Der sog. Chiton, die kurze Bekleidung der Kampfweiber, wurde in der Mitte durch einen Gürtel zusammen gehalten, in doppelter Gürtung mit dem vollständigen Wehrgehänge. Amazone hieße in der ersten Version zusammen gesetzt „Gürtel der Großen Mutter“ oder „Kraftgürtel“.

In der griechischen Mythologie gibt es den Zaubergürtel der Amazonenkönigin Hippolyte (Abb. 2). Ursprünglich soll der kostbare Gürtel dem Gott Ares (Mars) gehört haben, doch das scheint ein Ammenmärchen zu sein, denn so genannte Zaubergürtel entwickelten sich frühzeitlich aus einer weiblich orientierten Symbolik, die später von männlichen Helden übernommen wurde. Hippolytes edler Gürtel wurde von Herakles entwendet, der deshalb viele ihrer Kriegerinnen tötete.

Abb. 3 Auch das alte Thrakien auf dem Balkan gehörte, wie z.B. entsprechende Aussagen des Apollonius von Rhodos nahelegen, einst zum Kulturraum des „Reiches der Großen Mutter“.

In anderer Variante erinnert der Zaubergürtel an Donar-Thor, der ebenfalls einen „Gürtel der Kraft“ besaß und mit Ares-Mars verglichen wird. Der magische Gürtel lässt außerdem an das „Halsband der Göttin Frija / Freia“ denken: das Brisingamen. In der nordischen Mythologie haben die sieben Zwerge den magischen Halsring aus edlen Steinen geschmiedet und der Liebesgöttin für den von ihnen gewünschten Beischlaf geschenkt. (Am)Bri-(s)Ing-Am(a) könnte auch „mütterlicher Sonnenstein des Ing“ heißen.

Zone begreift man auch als Region eines örtlichen Herrschaftsbereiches. Der gesamte Begriff Amazone hieße in der zweiten stimmigen Version „Reich der Großen Mutter“.

Es gibt auch eine dritte Herangehensweise:

Zone verstand man in der Antike als den keltischen >Tanz der Bäume<. Wie Apollonius Rhodius erzählt, „stehen die wilden Eichen noch in meinen Tagen in geordneten Reihen bei Zone in Thrakien(Abb. 3). Falls die Bäume wie zum Tanz kreisförmig angeordnet waren, so würde das bedeuten, dass sie nicht ein starres geometrisches Muster, ein Quadrat, ein Dreieck oder eine Gerade, sondern ein Gerundetes aufwiesen. Die >Zone<, die hier etwas Rundes andeutet, Umhegtes und Abgezirkeltes, verweist somit auf den rituellen Rundtanz der Göttin. Der Kreis von Eichen stand wie ein grüner Ring oder Kreis. Die Eichen sind als Wächter im Sinne der Naturreligion um einen Tanzboden herum platziert.

Möglicherweise war die Zone ein „breiter Gürtel von doppelreihig gepflanzten Eichen“, der in einer Weise gepflanzt und gewunden war, dass die Bäume spiralförmig zum Mittelpunkt und wieder hinaus zu tanzen schienen. In der schönen Zone fand vermutlich ein orgiastischer Tanz der „gelösten Gürtel“ statt; denn >Zone< bedeutet im Griechischen Hochzeit oder Geschlechtsakt bzw. das Entkleiden der Frau. Wenn das so war, sollten wir den nackten Spiraltanz zu Ehren der Göttin im Eichenbaumkreis für wahr genommen halten. Vermutlich paarten die Amazonen sich rituell auf diese Weise in (der) Zone mit auserwählten Männern. Das mutige Frauenvolk besaß eine matrilineare Regel der Abstammungslinien, was auf eine sehr alte Kulturform deutet. Auch das Trinken der milchigen Droge Soma (Anmerkung: Soma = das in einem anderen Kapitel des Buches von mir als „Opium gemischt mit Weinraute“ analysiert wurde) passt zu den Amazonen und den Fruchtbarkeitsfesten, da „Mutter-Kulte“ häufig mit der Verehrung einer das „Leben schenkenden Weltenkuh“ (nordisch: Audumla; ägyptisch: Hathor) und der nährenden Milch einhergingen. Der matriarchale Fruchtbarkeits-Ritus wurde später durch den ebenfalls sehr verbreiteten patriarchalen Stierkult abgelöst.


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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Eire Rautenberg (©) ist ein Auszug aus ihrem Werk "Die Deltagöttin-Kultur – Atlantis und die Vorfahren der Deutschen" (ohne die im Buch enthaltenen Quellenangaben), das im August 2017 bei epubli erschienen ist. Die Veröffentlichung bei Atlantisforschung.de erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Fußnote:


Bild-Quellen:

1) antmoose from Rome, Italy bei Wikimedia Commons, unter: File:Luna statue.jpg (Lizenz: Creative Commons, "Attribution 2.0 Generic")
2) Près du Groupe E / Jastrow (2006) bei Wikimedia Commons, unter: File:Herakles Amazons Louvre F218.jpg
3) RosarioVanTulpe bei Wikimedia Commons, unter: Datei:Rhodopen Balkan topo de.jpg (Lizenz: Creative Commons, "Attribution-Share Alike 3.0 Unported")