Die 'Ersten Amerikaner': Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 29. Juli 2020, 00:00 Uhr

Weitere Funde konterkarieren einmal mehr das 'Clovis-First-Paradigma' zur Erstbesiedlung Amerikas

von Dr. Dominique Görlitz

Immer wieder tauchen in der Fachpresse neue Meldungen über angeblich neue, sensationelle Funde in Amerika auf, die das angebliche Alter der Erstbesiedlung Nordamerikas durch die so genannten Clovis-Menschen aus Sibirien vor ca. 14.000 Jahren weiter in die Vergangenheit zurückschieben. Das Erstaunliche dabei ist aber, dass es viele ältere Publikationen zu diesem Thema mit der gleichen Aussage gibt, die entweder zuvor völlig ausgeblendet oder nicht zur Kenntnis genommen wurden. Doch zuerst zur neuen Entdeckung im Süden Nordamerikas.

Wie die Wissenschaftler unter der Leitung von Ciprian Ardelean von der Autonomen Universität von Zacatecas in der Fachzeitschrift Nature schrieben [1], wurden rund 1900 Werkzeuge in der mexikanischen Chiquihuite-Höhle auf gut 2.700 Metern Höhe ausgegraben. Davon steckten 239 Stücke in Erdschichten, deren Alter mit der Radiokarbonmethode auf bis zu 33.000 Jahre datiert wurden – und damit vor Beginn des sogenannten letzteiszeitlichen Maximums vor rund 26.000 Jahren. [2]

Wissenschaftler streiten schon lange darüber, seit wann Menschen in Amerika gelebt haben. Zu den Pionieren, die sich gegen das Clovis-Modell stemmen, gehören Dennis Stanford und Bruce Bradley. Sie favorisieren seit mehreren Jahrzehnten mehrere Wellen, von denen eine der ältesten nicht aus Asien, sondern aus Westeuropa kam. Sie reisten entlang der Packeis-Zonen während der vorletzten Eiszeit als saisonale Robbenjäger regelmäßig in die Neue Welt. Zuerst mit einfachen Paddelbooten, später nach dem Abtauen und Wiedereinsetzen des Golfstroms sogar mit ersten Hochseefahrzeugen.

In diese Richtung tendieren auch neuere humangenetische Untersuchungen aus Utah, in denen man im Genom der männlichen Indianer entlang der Ostküsten Nordamerikas molekularbiologische Hinweise (SNPs) fand, die es so nur in Alteuropa gab.

Ein weiterer Kritiker des Clovis-Paradigmas ist Tom Dillehay von der Rebecca Webb Wilson University. Seine archäologischen Entdeckungen von Monte Verde im südlichen Zentralchile zählen zu den ältesten Hinweisen menschlicher Besiedlung in der Neuen Welt. Von der Fachwelt wird jedoch immer noch keine Besiedlung der chilenischen Küste per Boot über den Pazifischen Ozean vor etwa 25.000-30.000 Jahren akzeptiert.

Die Liste kritischer Anthropologen und Archäologen ist damit lange nicht abgeschlossen. Erinnert sei nur an die brasilianische Archäologin Niède Guidon, die mehrere Einwanderungswellen aus Afrika in Brasilien nachgewiesen hat. Vermutetes Alter: ca. 30.000 Jahre!

Aus diesem Grund ist jeder neue Fund, der das Paradigma der Clovis-Erstbesiedlung weiter widerlegt, sehr willkommen. Was mich jedoch ein wenig irritiert ist, dass ältere Publikationen mit dem gleichen wissenschaftlichen Impact nicht ausreichend in der Altamerikanistik Berücksichtigung finden. Deshalb braucht es noch mehr Grundlagenforschung, wofür sich das ABORA-Team seit Jahren engagiert.



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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: Ciprian Ardelean et al., "Evidence of human occupation in Mexico atound the Last Glacial Maximum", online veröffentlicht: 22. Juli 2020, bei Nature (abgerufen: 28. Juli 2020)
  2. Siehe dazu auch: o.A., "Angeblich älteste Spuren von Menschen in Amerika gefunden", 23.07.2020, bei augsburger-allgemeine.de (abgerufen: 28. Juli 2020)