Die Mythen der Cheyenne (V)

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von Dr. Renate Schukies

Abb. 1 Die Katastrophen-Theorie von Immanuel Velikovsky (1895-1979) ist geeignet, viele andere alte Völker auf der Welt zu erklären die überragende Bedeutung der Venus für die Cheyenne und viele andere alte Völker der Welt zu erklären.

Seit meiner ersten Feldforschung 1978/79, bei der ich von der Bedeutung der Venus für die Cheyenne [1] -Kultur erfuhr, beschäftigte mich die Frage, warum der Planet Venus die Menschen rund um den Erdball zu grausamen Riten inspirierte? Wie wurde der kleine, am Nachthimmel friedlich leuchtende Planet zum Kulturbringer geographisch weit auseinander liegender Kulturen? Beantwortet hat diese Frage Immanuel Velikovsky (Abb. 1) in seinem genialen wissenschaftlichen Lebenswerk. Er entwickelte eine Theorie der kosmischen Katastrophen: In historischer Zeit kollidierte die Erde beinahe mit einem Himmelskörper, der als Komet / Protoplanet aus dem Jupiter ausgestoßen wurde und später als Planet Venus auf die heutige Umlaufbahn einschwenkte.

In Folge des nahen Vorbeiflugs und der Kollision der Energiefelder geriet der Planet Erde sozusagen aus den Angeln. Es kam zu Verlagerungen der Erdachse, eventuell sogar zu einem Wechsel der Umlaufbahn. Unser Planet wurde von immensen Katastrophen heimgesucht, die in den Religionen und Mythologien der Völker der Welt unter anderem in den Morgenstern-Venus-Kulten verarbeitet und erinnert werden. Velikovsky machte aufgrund seiner Überlegungen eine Reihe astronomisch-physikalischer Voraussagen, die im Raumfahrt-Zeitalıter bestätigt wurden. [2] Er ist auch der erste, der bereits 1952 auf ein deutlich höheres Alter aller indianischen Kulturen hingewiesen hat. Entscheidend ist die von ihm vorgenommene zeitliche Einordnung der letzten beiden großen kosmischen Katastrophen, in die unser Planet verwickelt war: -1500 und -687. In den letzten Jahren ist uns durch die Forschungen der Archäoastronomie demonstriert worden, daß die prähistorischen Indianer - von Kalifornien bis Florida, von Texas bis Kanada - die Bewegungen der Gestirne beobachteten. Zu diesem Zweck errichteten sie von Kanada bis Peru rituelle Gebäude: Stein- und Holzkreise und riesige Erdhügel. John Eddy, der die Medizin-Räder in den Plains untersuchte und lokale indianische Gruppen dazu befragte, erhielt zur Antwort: "Sie wurden von Menschen gebaut, die kein Eisen besaßen." Das Alter des Moose-Mountain-Medizin-Rades wird von Eddy mit -2600 ±500 Jahren angegeben.

Abb. 2 Das Sternbild der Plejaden. Legenden über diese besonders prägnante Himmels-Konstellation existieren nicht nur bei den Cheyenne, sondern auch bei vielen anderen indianischen Stämmen Nordamerikas.

Auch die Cheyenne beobachteten die Sterne und kannten die Namen ihrer Bilder, doch ist dieses Wissen nach und nach außer Acht gelassen und vergessen worden. Schlesier nimmt an, daß es vor langer Zeit nicht nur einen Hüter des Blauen Himmelsraumes bei den Tsistsistas gegeben hat, sondern speziell auch einen Hüter der Sterne. Doch noch heute sind Sterne und Planeten von größter Wichtigkeit bei der Durchführung ihrer Zeremonien, insbesondere der Aufgang des Morgensterns und die Bewegung der Plejaden. Die Cheyenne befestigen sieben Sterne an ihrem Pfeilbündel, dem Symbol für die Venus als Morgenstern.

Legenden über die Plejaden existieren nicht nur bei den Cheyenne, sondern auch bei vielen anderen Stämmen: insbesondere den Blackfeet, Hydahs, Crees, Ojibwas und Cherokees. Alle weisen verbindende Charakteristika auf, deren Ursprung auf Asien verweist. Die Plejaden waren aber auch von größter Bedeutung in den religiösen Ritualen der Azteken und ihrer Nachfolger in Mexiko. Die gesamte Stadt Teotihuacán war -150 in Richtung der aufgehenden Plejaden ausgerichtet. In Peru waren sie die Götter des Regens, und der Jahreskalender richtete sich nicht nach der Sonne, sondern nach den Plejaden. Auch in Athen wurden dieser Konstellation Tempel geweiht, datiert auf -1530 und -1150. Von größter Bedeutung waren die Plejaden ebenfalls im alten Germanien, in Indien und Asien.

Ich hoffe, daß diese Überlegungen und Spekulationen aufzeigen konnten, daß es für die Ethnologie in Bezug auf die nordamerikanischen Kulturen noch einiges zu überdenken gibt. Im sogenannten 'Kolumbus-Jahr' sollte gerade die Kulturwissenschaft die indianischen Kulturen und ihr Geschichtsverständnis endlich ernst nehmen und Bereitschaft zeigen, ihnen die nicht zugestandene Geschichte zurückzugeben. Prof. Schlesier ist der Herausgeber eines im Mai 1994 erscheinenden Buches, in dem verschiedene Autoren versuchen werden, prähistorische Archäologie mit den rezenten indianischen Kulturen zu verbinden, dies für den Zeitraum 500 bis 1500 n.Chr. Wir können also gespannt sein. Sollte es einmal auch für die Wissenschaft eine gesicherte Tatsache sein, daß die Kultur der Tsistsistas auf ein Alter von ca. 2.500 bis 3.000 Jahren zurückblickt, gehört die Tsistsistas-Kultur zu einer der ältesten überlebenden Kulturen der Welt.


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Anmerkungen und Quellen

Dieser - auf einem von der Autorin an der Universität Hamburg gehaltenen Vortrag anlässlich des 500. Jahrestags der angeblichen 'Entdeckung' Amerikas durch Christoph Kolumbus basierende [3] - Beitrag von Dr. Renate Schukies (©) wurde erstveröffentlicht in VORZEIT FRÜHZEIT GEGENWART - Interdisziplinäres Bulletin, Heft 1 / 6. Jahrgang - März 1994. Bei Atlantisforschung.de erscheint er im Februar 2019 in einer redaktionell bearbeiteten, mehrteiligen Online-Version.

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Der obige Link führt zur Webseite des Northern Cheyenne Tribe. Wer Informationen zu den südlichen Cheyenne wünscht (die offenbar keine eigene Homepage haben), sei hier auf den Artikel "CHEYENNE, SOUTHERN" der Oklahoma Historical Society verwiesen (abgerufen: 21. Februar 2019).
  2. Red. Anmerkungen: Siehe zu diesen eingetroffenen Voraussagen bei Atlantisforschung.de: Bernhard Beier, "Neo-Katastrophismus", Fußnote 15
  3. Anmerkung: Er wurde von der Autorin im Wintersemester 1992/93 im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens - Thema: "Kulturwissenschaftliche Reaktionen auf das Kolumbusjahr" - vorgetragen.

Bild-Quellen:

1) electrobleme, unter Worlds not in Collision - mmanuel Velikovsky debunked by his followers?, bei: everythingselectric.com
2) NASA, ESA, AURA/Caltech, Palomar Observatory bei Wikimedia Commons, unter: File:Pleiades large.jpg