Die White Lady - Atlanter in Südafrika?

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Abb. 1 Die "Zentralgruppe" der Brandberg-Felszeichnung mit der berühmten (hier leider kaum zu erkennenden) 'White Lady'. Dies ist die vermutlich am kontroversesten diskutierte, prähistorische Felszeichnung Südafrikas - möglicherweise sogar der Welt.

I. Wie der Abbé Breuil zu einer 'weißen Dame' kam

(bb) Wann kamen die ersten Menschen aus Europa nach Südafrika? Wenn wir die Schulbuch-Geschichtsforschung dazu befragen, so werden wir, auf das 17. Jahrhundert verwiesen, in etwa folgende Antwort erhalten: "Nachdem sich die Engländer gegen die Etablierung einer Kolonie am Kap der Guten Hoffnung entschieden hatten, waren es die Holländer, die die strategische und ökonomische Bedeutung des Kaps als erste erkannten. Im Auftrag der Holländisch-Ostindischen Handelskompanie landete darum der Kaufmann Jan van Riebeeck am 6. April 1652 in der malerischen Bucht am Fuße des Tafelbergs." [1]

Tatsächlich erscheint es jedoch nicht ausgeschlossen, dass "Weiße" ('europide', 'kaukasische' Menschen) schon viele Jahrtausende früher, im Verlauf eines der unzähligen Wanderungsprozesse der Menschheitsgeschichte in den Süden des afrikanischen Kontinents kamen, und sich dort möglicherweise auch zeitweilig niedergelassen haben. Zu dieser Auffassung kam beispielsweise der Völkerkundler Abbé Henri Breuil (Abb. 2) im 19. Jahrhundert. Breuil war in Südafrika zunächsts auf Mythen der "schwarzen" Völker aufmerksam geworden, in denen die Rede von besonders hochgewachsenen Menschen mit "gelbem oder rötlichem Haar" war, die einst dort gelebt haben sollen.

Später dann wurde Breuil, der im Bereich der Erforschung prähistorischer Kunst zu den bedeutensten Persönlichkeiten seiner Zeit zählte, auf einen Fund aufmerksam, der 'Wasser auf seine Mühlen' war. Dabei hatte der Abbé ihn zunächst gänzlich ignoriert, als der Entdecker ihn das erste mal darauf ansprach: Im Februar 1917 war Reinhard Maack (Pseudonym: Hans Ritter), ein entflohener Kriegsgefangener der deutschen Kolonial-Armee, mit zwei Gefährten am Brandberg Mountain auf den Eingang zu einer Höhle gestoßen, die heute auch als Maack's Cave bekannt ist. Bei den eingeborenen San wird diese Höhle seit vielen Generationen 'Höhle der Erinnerung' ('Cave of Memory') genannt.

Diese alte Zeremonial-Stätte war (mit ca. 5,5 m Länge und 2 Metern Höhe) zwar nicht besonders groß, doch dort fand sich eine beeindruckende Fels-Malerei (16 Fuß lang und 8 Fuß hoch), die möglicherweise über viele Generationen hinweg von nativen Künstlern ausgestaltet worden war (nach heutigem Forschungsstand sollen die ältesten Elemente 15 000 bis 16 000, ja sogar 20 000 Jahre alt sein). Die Hauptattraktion des uralten Panels stellt eine Gruppe "exotisch" wirkender Personen (Abb. 1) dar, deren herausragendste Figur als 'White Lady' bekannt wurde. Maack hatte bei seiner Entdeckung eine Nachzeichnung dieser Felsmalerei angefertigt, die sich der Abbé schließlich doch etwas genauer ansah.

Abb. 2 Abbé Henri Breuil entwickelte die erste "alternativ-historische" Theorie zur "White Lady"-Felszeichnung vom Brandberg.

Breuil war nun hellauf begeistert. Aus seiner Sicht stammte diese Felszeichnung aus der späten Bronzezeit und stellte eine gemischte Gruppe aus Minoern, Phöniziern und Vertretern anderer Völker aus dem mediterranen Raum dar, die, offenbar im Gefolge der Völkerwanderungen dieser Epoche, ins südliche Afrika gekommen waren, um hier zu siedeln. Er fertigte nun selbst eine Nachzeichnung des Kunstwerks an, und begann für den Fund von Brandberg und für seine dazu entwickelte Theorie zu werben.

So schrieb der Abbé an General Jan Smuts, zu jener Zeit Premier-Minister von Südafrika: "Ich habe Ihnen ein Portrait eines reizenden Mädchens zugesandt, das auf einem Felsen in der Brandberg-Kette seit vielleicht dreitausend Jahren auf uns gewartet hat..." [2] Natürlich war Breuils Datierung fragwürdig, zumal sie zunächst lediglich auf der Beschau der Maack´schen Zeichnung und nicht auf Studien vor Ort beruhte. Das gleiche gilt für seine mehr als gewagte Vermutung, am Brandberg seien die Ruinen einer alten hellenischen Siedlung zu erkennen. Wir werden später noch darauf zurückkommen, warum eine derartige Annahme später so wütende Proteste von 'Fachleuten' provozierte - und ob es Evidenzen gibt, die für eine prähistorische Präsenz "europider" oder mediterraner Menschen in Südafrika sprechen.

Was Reinhard Maack, den Entdecker des Höhlen-Bildes angeht, so ist ein Blick auf dessen zeichnerische Adaption [3] durchaus aufschlussreich, wenn wir bedenken, dass er es war, der den Ethnologen Breuil zu seiner Annahme inspirierte, es handle sich bei den Figuren der 'Zentral-Gruppe' nicht um Buschleute, sondern um 'auswärtige Reisende'. Lieferte Maacks Zeichnung wirklich Anlass zu solchen Hypothesen? Zumindest die vorliegende Maak-Zeichnung von 1926 entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ebenso interpretativ wie die bereits gezeigte Kopie des Abbè Breuil (Abb. 3, nachfolgend). Während Breuil bemüht war, die Personen-Gruppe auf der Felszeichnung möglichst "unafrikanisch" bzw. "indoeuropäisch" darzustellen, hatte Maack (1926) die Szene auf eine bessere Kritzelei "primitiver" Ur-Afrikaner reduziert. Beide interpretierten offenbar das hinein, was sie gerne sehen wollten.


Fortsetzung:

II. Zankapfel 'White Lady'

III. Der Zank und sein Apfel werden seziert

IV. Das Brandberg-Fries aus kindlich-naiver Sicht

V. Fremde im prähistorischen Südafrika?

VI. Das Brandberg-Fries - eine Spur von Besuchern aus Atlantis?


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Südafrika.net, unter: Geschichte - Die Landung der Holländer am Kap
  2. Quelle: Anonymus, "EARLY INTERPRETATIONS - What does this rock art mean? There have been many explanations", unter http://www.natmus.cul.na/events/rockart/early.html (nicht mehr online)
  3. Anmerkung: Vormals online unter: http://www.wits.ac.za/science/archaeology/pager%20wl.jpg --- Entweder, bei unseren Quellen liegt ein Datierungs-Fehler vor, oder Maak scheint mindestens ZWEI Zeichnungen des Brandberg-Frieses erstellt zu haben. (Eine im Jahr 1917 - die Breuil zu seinen Überlegungen inspirierte - sowie im Jahr 1926). Uns liegt hier lediglich eine ausschnittweise Kopie der "zweiten" Zeichnung vor.


Bild-Quellen

(1) Gaby und Burkhard, bp-reiseberichte.de, unter: http://www.bp-reiseberichte.de/namibia/01namx84.htm

(2) Virtual MUSEUM, unter: http://vm.kemsu.ru/en/person/breuil.html