Die versunkenen Kontinente des Robert B. Stacy-Judd: Unterschied zwischen den Versionen

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(bb) Zu den, hierzulande nur wenig bekannten, Klassikern der Atlantologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt Robert B. Stacy Judd´s, 1939 erschienenes, Hauptwerk: "Atlantis - Mother of Empires". (+1) Dieses Opus stellt eine der großen atlantologischen Studien in der Schule Ignatius Donnelly´s (1831-1901) dar, in der die klassische Theorie des atlantologischen Diffusionismus in einer modifizierten und aktualisierten Variation vertreten wird.
 
(bb) Zu den, hierzulande nur wenig bekannten, Klassikern der Atlantologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt Robert B. Stacy Judd´s, 1939 erschienenes, Hauptwerk: "Atlantis - Mother of Empires". (+1) Dieses Opus stellt eine der großen atlantologischen Studien in der Schule Ignatius Donnelly´s (1831-1901) dar, in der die klassische Theorie des atlantologischen Diffusionismus in einer modifizierten und aktualisierten Variation vertreten wird.
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Über Stacy-Judd´s Biographie ist derzeit fast nichts bekannt. Geboren wurde er in Großbritannien, vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Von Beruf war er Architekt, und als solcher hat er Spuren hinterlassen, die auf seine große Leidenschaft für die alten und ältesten Kulturen dieser Welt hinweisen. So heißt es in einem Online-Artikel über ihn: "Die Atwater Bungalows (1931) im Pueblo-Stil (Abb. 2) sind das Werk des in Britannien geborenen Architekten Robert Stacy-Judd. Stacy-Judd half, den Maya-, Azteken- und andere prä-kolumbischn Stil-Richungen während der 1920er und 1930er Jahre [in der amerikanischen Architektur] populär zu machen.
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Stacy-Judd gelangte in den frühen 1920ern nach Los Angeles, nachdem er in Britannien mehrere Theater in ägyptischem Stil entworfen hatte. Er gewann zahlreiche Ausschreibungen für private und öffentliche Gebäude (Abb. 2), darunter das Aztec Hotel (1924) in Monrovia, eines von zwei Stacy-Judd-Bauwerken auf der Liste des National Register of Historic Places. In den späten 1930er Jahren schrieb er mehrere populäre Bücher über prä-kolombische Kulturen and ein Buch über den verlorenen Kontinent Atlantis." (+2)
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Dieses 1939 erschienene, 336 großformatige Seiten umfassende, Opus ("Atlantis - Mother of Empires") ist leider im deutschsprachigen Raum nie bekannt geworden, obwohl sein Autor damit sicherlich eine der interessantesten und besonders lesenswerten Arbeiten seiner Zeit vorgelegt hat. Es weist seinen Verfasser nicht nur als hochkarätigen Privatgelehrten und Repräsentanten nonkonformistischer, multidisziplinärer Atlantologie aus, sondern Stacy-Judd nimmt damit, neben dem frühen Lewis Spence (1874-1955) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine zentrale Position unter den Verfechtern der klassischen Atlantis-Theorie ein.
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Dass Stacy-Judd heute - wenn überhaupt - allenfalls als 'unwissenschaftlicher Spinner' und 'Atlantist' wahrgenommen wird, liegt nicht nur daran, dass er kein lizensierter Berufs-Wissenschaftler, sondern Autodidakt war; verzerrend dürfte auf die Wahrnehmung seines atlantologischen Werks auch die Tatsache gewirkt haben, dass er - wie viele andere prominente Atlantisforscher - von wenig seriösen Rezensenten mit allem möglichen Unsinn in Verbindung gebracht wurde. Dies zeigt z.B seine Erwähnung in einer höchst dubiosen Quelle im Internet, wo ein gewisser "Branton" über unterirdische Städte und das Vermachtnis von Atlantis fabuliert:
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"Nebenbei beschrieb der Schriftsteller und Reisende Robert Stacy-Judd in einigen seiner Bücher eine Erkundung, die er und andere in den Randgebieten des Höhlen-Systems von Loltun in Yucatan unternommen hatten. Die Legende besagt, dass mindestens einne Gruppe von Menschen, auf der Flucht vor Verfolgung, massenhaft in die massiven Loltun-Höhlen eindrang und niemals wieder gesehen wurde. Stacy- Judd berichtet uns von seiner persönlichen Begegnung mit einem 'Höhlen-Eremiten', tief in Höhlen-Kammern, der erklärte, weit mehr als 1000 Jahre alt zu sein. Dieser ungewöhnliche Mann sagte, er sei ein Wächter der Höhle und der alten Schätze - und Stadt? -, welche weit unten in unbekannten Tiefen lag, 'unbekannt' jedenfalls, wenn man von dem seltsamen 'Einsiedler' absieht. Dieser ungewöhnliche Mann war aus den inneren TIEFEN der Höhle hervorgekommen, als er ihm das erste mal begegnete.
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Neben Photographien dieses 'Einsiedlers', die in einigen seiner Werke erschienen, enthüllte der Autor auch Aufnahmen von 'Untergrund-Gärten', die aus Arealen der Höhle bestehen, welche schmale 'Dschungel'-Streifen enthalten, kleine 'Höhlen-Oasen, bewässert und beleuchtet durch Teile der Höhlendecke, die in früheren Zeitaltern eingestürzt sind, und sie den Elementen der äußeren Oberwelt aussetzte. Ob die Behauptung derartiger Langlebigkeit einen realen Hintergrund hat, oder ob diese >unterirdischen< Leute nur mit dem Verstand der Forschungsreisenden spielten, die ihnen begegneten, ist unsicher - Branton)." (+3)
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Wenn wir dagegen Stacy Judd´s umfassende Arbeit von 1939 betrachten, finden sich dort keinerlei derartige 'Fantasy-Stories' und auch keine Fotos mysteriöser Höhlen und "Einsiedler" (mit oder ohne hypno-suggestive Fähigkeiten), sondern eine komplexe und durchaus anspruchsvolle Argumentation auf u.a. archäologischer, paläontologischer und paläo-anthroplogischer bzw. -ethnologischer Basis. Stacy-Judd mag aus Sicht des 'wissenschaftlichen Mainstreams' ein 'Irrläufer' sein, doch nach okkultistischen Ausflüssen (z.B. "Channelings") wird man in diesem Buch ebenso vergeblich suchen wie nach futuristisch erscheinenden Elementen (Aliens, Energie-Kristalle, Todesstrahlen, etc.).
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Abgesehen davon, dass der Titel iirreführend ist, da Stacy-Judd keineswegs die heliozentrische (+4) These eines Atlantis als "Mutter der Imperien" und 'Urkultur' der Menscheit vertrat (+5), und ungeachtet der Tatsache, dass seine geologische Argumentation heute - etwa siebzig Jahre nach Erscheinen seines Buches - in weiten Teilen veraltet erscheinen muss, weist dieses 336 Seiten starke Werk noch immer in vieler Hinsicht eine ungebrochener Aktualität auf. Bei aller notwendigen Kritik (+6) verdient es zweifellos eine ausführlichere Diskussion vor dem Hintergrund jüngerer (grenz-) wissenschaftlicher Erkenntnisse, als sie im Rahmen der vorliegenden, einführenden Betrachtung möglich ist.
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Stacy-Judd war ein typischer Privatgelehrter 'alter Schule', ein vielseitig interessierter Mann, höchst belesen und informiert, wissenschaftlich gebildet, aber kein Berufs- oder Fach-Wissenschaftler, sonder ein klassischer, autodidaktischer Generalist mit inter- und trans-disziplinärem Denk- und Forschungs-Ansatz. Dabei bewegte er sich paradigmatisch genau auf jenem Boden, der heute die Atlantologie als Fachgebiet alternativer, nonkonformistischer, oder 'grenz-wissenschaftlicher' Erd-, Menschheits- und Zivilisations-Forschung charakterisiert: in geologischer Hinsicht orientierte er sich am Katastrophismus, bezüglich zivilisations-geschichtlicher Forschungs-Aspekte am Diffusionismus und als Mythologe am Euhemerismus.
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Zudem war Stacy-Judd keineswegs ein 'Schreibtisch-Täter', sondern er unternahm mindestens eine Forschungs-Reise durch Mexiko, um sich auch 'im Feld' mit der Urgeschichte Mittel-Amerikas beschäftigen zu können. Dazu notierte er 1939 in aller Kürze: "1930 erlaubten es mir glückliche Umstände, meine erste Expedition ins Herz von Yucatan zu unternehmen, und in meinem Bestreben, die verlorenen und vergessenen Seiten des Geschichts-Buches der Zivilisation aus dem Dschungel zu retten, hoffe ich noch viele weitere Expeditionen ins Maya-Gebiet leiten zu können." (+7)
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Wie sehr die Relikte alt-mesoamerikanischer Baukunst und die künstlerischen Ausdrucks-Formen der präkolumbischen Kulturen sein eigenes kreatives Schaffen beeinflusst haben, zeigen nicht nur Stacy-Judd´s Bauwerke, von denen bereits die Rede war; der typische 'Stacy-Judd-Stil' prägt auch sein üppig illustriertes Buch, in dem sich neben höchst interessantem Foto-Material (+8) zahrleiche, charakteristisch ausgeführte Tafeln, Skizzen und Schaubilder aus seiner Feder finden.
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Natürlich lassen sich auch bei einem Generalisten wie Stacy-Judd bestimmte Interessen-Schwerpunkte und Kern-Kompetenzen entdecken. So widmet der Berufs-Architekt alleine zwei Kapitel (+9) seines Werks von 1939 kunst- und architektur-historischen Problemen. Zum Nachweis früher pan-altlantischer Kultur-Diffusionen spürt er z.B. dem Pyramiden-Phänomen, dem Ursprung des Sphinx-Motivs, der Dorischen Säulen sowie phallischer und yonischer Symbole nach, vergleicht Bogen-Konstruktionen beiderseits des Atlantik und beschäftigt sich mit Städte-Planung bei den nach-eiszeitlichen, holozänen Hochkulturen. 
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Wer ein gründliches Studium primhistorischer Modelle des 20. Jahrhunderts betreiben, und die Entwicklung der 'klassischen' Atlantis-Theorie verfolgen möchte, um sie z.B. fundiert diskutieren, oder in einen wissenschafts- bzw. atlantologie-historischen Kontext stellen zu können, sollte "Atlantis-Mother of Empires" eigentlich als Pflichtlektüre betrachten. (+10) Außerdem liefert dieses Werk auch bei kritischer Lektüre, in der Fülle des dort zusammengestellten Materials, noch immer zahlreiche Anregungen und Ansätze für weiterführende atlantologische Studien.
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Gerade aufgrund dieser Material-Fülle müssen wirr uns bei unserer Annäherung an Stacy-Judd´s Werk auf die Präsentation und Besprechung einiger weniger Aspekte seiner Arumentation zum Atlantis-Problem beschränken. In den folgenden Teilen unserer Betrachtung werden wir uns daher schwerpunktmäßig mit seiner Atlantida-Exegese, seiner Darstellung des atlantischen Comagnon als Kultur-Mensch, sowie mit der geologischen Basis seines Modells versunkener Kontinente befassen. Seinem besonderen Interessen- und Forschungs-Schwerpunkt, der vermuteten westatlantischen, karibo-amerikanischen Hochkultur und ihrer präkolumbischen Nachfahren in Mittelamerika, werden wir uns in einer geplanten weiteren Arbeit widmen.
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Fortsetzung:
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I. Urkultur Atlantis? Stacy-Judd und Platons zyklisches Bild der Zivilisations-Geschichte (bb)
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IIa. Atlantis, Lemuria und Gondwanaland: Versunkene Landmassen und Kulturen in Stacy-Judds primhistorischem Modell (bb)
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IIb. Atlantis, Lemuria und Gondwanaland: Versunkene Landmassen und Kulturen in Stacy-Judds primhistorischem Modell (bb)
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IIIa. Der Cromagnon-Mensch als Atlantiker und Atlantide: Stacy-Judd´s anthropologische Argumentation (bb)
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IIIb. Der Cromagnon-Mensch als Atlantiker und Atlantide: Stacy-Judd´s anthropologische Argumentation (bb)
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===Literaturhinweis===
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Das Cover des 1999 erschienenen Reprints von Robert B. Stacy Judd´s, 1939 erstveröffentlichtem, Magnum opus: "Atlantis - Mother of Empires". Dieses exquisit und reich illustrierte Werk bietet auf 336 großformatigen Seiten eine der faszinierendsten Abhandlungen im Rahmen der 'klassischen' Atlantis-Theorie, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts publiziert wurden.
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===Anmerkungen und Quellen===
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(+1) Siehe: Robert B. Stacy-Judd, "Atlantis - Mother of Empires", orig. 1939; Reprint bei Adventures Unlimited Pess, Kempton, Illinois/USA, (March) 1999
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(+2) Quelle: Anonymus, "Historic Echo Park - Monuments & Landmarks", Atwater Bungalows, online unter http://www.historicechopark.org/id43.html
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(+3) Quelle: THE SECRETS OF THE MOJAVE (Or, The Conspiracy Against Reality) -- Page #11, [7th edition], Compiled by 'The Group' -- Edited by 'Branton', online unter http://www.v-j-enterprises.com/mojave11.html
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(+4) Anmerkung: Zum 'heliozentrischen' Bild kultureller und zivilisatorischer Entwicklung (= alle Menschheits-Kulturen haben EINEN gemeinsamen Ausgangspunkt), das auf biblischen Vorstellungen beruht und die Ansichten von Atlantisforschern sowie Diffusionisten im 19. Jahrhundert prägte, siehe: Stichwort Diffusionismus und Diffusionismus - zur Diskussion eines umstrittenen Theorems von Bernhard Beier; sowie Historische Forscher-Persönlichkeiten des Diffusionismus von Gail King und Meghan Wright.
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(+5) Anmerkung: Im Gegensatz zu atlantologischen Zeitgenossen vergleichbarer Natur - etwa Lewis Spence oder Kurt Bilau - hat sich Stacy-Judd bereits von dem Modell gelöst, das Atlantis (bzw. sein prähistorisches Vorild) als initiale, einzigartige Ur-Zivilisation der Menschheit darstellt. Stacy-Judd, der Platons Konzept zyklischer Zivilisations-Entwicklung übernimmt (vergl. Teil II. dieses Beitrags: Urkultur Atlantis? Stacy-Judd und Platons zyklisches Bild der Zivilisations-Geschichte), und ihm als Katastrophist auch in erdgeschichtlicher Hinsicht folgt, kann daher auch die grundsätzliche Möglichkeit prä-atlantischer (Hoch-) Kulturen in anderen Teilen der Welt ins Auge fassen (vergl. dazu auch Teil III dieses Beitrags: Atlantis, Lemuria und Gondwanaland:  versunkene Landmassen in Stacy-Judd´s primhistorischem Modell; zu modernen Vorstellungen im atlantologischen Diffusionismus siehe etwa: G. Geise und R. Prahl, "Auf der Suche nach der Mutterkultur", Peiting, 2005), oder bei atlantisforschung.de: Atlantis, Mu, Lemuria - Gab es eine Ur-Zivilisation? von Dr. Horst Friedrich)
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(+6) Anmerkung: Ein Kritik-Punkt an Stacy-Judd´s atlantologischem Werk ergibt sich heute z.B. aus seiner Verwendung des 'Rasse'-Begriffs. So versuchte er etwa nachzuweisen, dass die Cromagnon-Menschen - und somit die Atlantier - Vorfahren der 'Arier' bzw. der heutigen "weißen Rasse" seien, was bereits seinerzeit unter Atlantologen kontrovers diskutiert wurde (vergl. dazu etwa die Atlantis-Theorie von Kurt Bilau). Allerdings, und das ist zu betonen, weist sein Werk keineswegs ein explizit rassistische Tendenz auf; und noch viel weniger verdient es, in eine Schublade mit den ideologisch motivierten Szenarien geworfen zu werden, die Atlantis als Heimat  blonder und blauäugiger 'Herrenmenschen' und als "arischen Urquell" menschlicher Kultur bemühen (siehe Stichwort Ario-Atlantismus).
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Jedenfalls sollte festgehalten werden, dass sich die Frage nach einer "rassischen Zugehörigkeit" der Menschen von Atlantis, wie sie etwa von Stacy-Judd oder Bilau diskutiert wurde, in dieser Form heute schon aus grundsätzlichen Erwägungen SO nicht mehr stellt: Zu einer konformistisch-anthropologischen Kritik des "Rasse"-Begriffs siehe: Wir sind alle Afrikaner von Prof. Dr. Volker Sommer; zu einer alternativ-historischen Distanzierung von diesem Begriff siehe z.B.: Fünf Thesen zur Vorgeschichte von Dr. Horst Friedrich).
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(+7) Quelle: Robert B. Stacy-Judd, op. cit., S. 4
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(+8) Anmerkung: Bemerkenswert sind etwa Stacy-Judd´s fotographischen Aufnahmen aus Yucatan, die vermutl. in den 1920er Jahren entstanden. Sie bilden nämlich u.a. Gebäude und Strukturen ab, welche inzwischen zerstört, oder aber restauriert wurden (also Bild-Material, das heute Seltenheits-Wert hat).
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(+9) Siehe: Robert B. Stacy-Judd, op. cit.,  Kapitel 9 "THE LANGUAGE OF ARCHITECTURE", S. 147-167; sowie Kapitel 12, "COLUMNS AND CITY PLANNING", S. 207-217
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(+10) Anmerkung: Die (im engeren Sinne) wissenschaftliche Rezeption des Buches wird allerdings bisweilen durch seinen bewusst poulär-wissenschaftlich gehaltenen Charakter erschwert. Stacy-Judd weist z.B. wiederholt auf Funde, Erkenntnisse und Aussagen einzelner Autoren (zumeist Fach-Wissenschaftler), nicht selten auch ihre Veröffentlichungen hin, gibt dazu aber keine Datierungen an. Zudem findet sich im Anhang zwar ein umfassendes Stichwort-Register, aber es fehlt (zumindest im Reprint von 1999) eine Literaturliste, was eine Identifizierung seiner Quellen in vielen Fällen behindert. Dieser Missstand macht es außerdem häufig unmöglich, das betreffende Material ad hoc in einen wissenschafts- oder atlantologie-geschichtlichen Kontext einzuordnen (z.B. zur Klärung der Frage, wie 'aktuell' es war, als Stacy-Judd es zitierte).
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Andererseits ist Stacy-Judd bisweilen - und das spricht für seine Seriosität - sogar äußerst penibel und 'akademisch', z.B. bei der Erläuterung der von ihm verwendeten archologischen Datierungs-Methode. Dabei erweist er sich nebenbei als Pionier der Dendro-Chronologie und früher Anhänger der Methode nach Dr. Elliot Douglas, University of Arizona (siehe Vorwort, "The tree ring method", "Charting tree-rings", "An analogous chart system", "Liberties taken" u. "Tolerance an essential", S. xxvii-xxix)
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Bild-Quellen:
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(1) Robert B. Stacy-Judd, op. cit., S. 174
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(2) Links: http://www.historicechopark.org/id43.html
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(2) Mitte: http://tortugamarina.tripod.com/articulos/lerner/stacy-judd.html
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(2) Rechts: ebd.
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(3) Robert B. Stacy-Judd, op. cit., S. 295

Version vom 14. März 2009, 06:24 Uhr

Robert B. Stacy-Judd: Architekt, Atlantologe und Schriftsteller

"Es ist ganz mein Wunsch, mit dem Leser bestimmte Vermutungen und Meinungen, Hypothesen und Theorien in leicht verständlicher Form und in einem Geiste zu diskutieren, der frei von Dogmatismus und Intoleranz ist." Robert B. Stacy-Judd (1939)

(bb) Zu den, hierzulande nur wenig bekannten, Klassikern der Atlantologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt Robert B. Stacy Judd´s, 1939 erschienenes, Hauptwerk: "Atlantis - Mother of Empires". (+1) Dieses Opus stellt eine der großen atlantologischen Studien in der Schule Ignatius Donnelly´s (1831-1901) dar, in der die klassische Theorie des atlantologischen Diffusionismus in einer modifizierten und aktualisierten Variation vertreten wird.

Über Stacy-Judd´s Biographie ist derzeit fast nichts bekannt. Geboren wurde er in Großbritannien, vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Von Beruf war er Architekt, und als solcher hat er Spuren hinterlassen, die auf seine große Leidenschaft für die alten und ältesten Kulturen dieser Welt hinweisen. So heißt es in einem Online-Artikel über ihn: "Die Atwater Bungalows (1931) im Pueblo-Stil (Abb. 2) sind das Werk des in Britannien geborenen Architekten Robert Stacy-Judd. Stacy-Judd half, den Maya-, Azteken- und andere prä-kolumbischn Stil-Richungen während der 1920er und 1930er Jahre [in der amerikanischen Architektur] populär zu machen.

Stacy-Judd gelangte in den frühen 1920ern nach Los Angeles, nachdem er in Britannien mehrere Theater in ägyptischem Stil entworfen hatte. Er gewann zahlreiche Ausschreibungen für private und öffentliche Gebäude (Abb. 2), darunter das Aztec Hotel (1924) in Monrovia, eines von zwei Stacy-Judd-Bauwerken auf der Liste des National Register of Historic Places. In den späten 1930er Jahren schrieb er mehrere populäre Bücher über prä-kolombische Kulturen and ein Buch über den verlorenen Kontinent Atlantis." (+2)

Dieses 1939 erschienene, 336 großformatige Seiten umfassende, Opus ("Atlantis - Mother of Empires") ist leider im deutschsprachigen Raum nie bekannt geworden, obwohl sein Autor damit sicherlich eine der interessantesten und besonders lesenswerten Arbeiten seiner Zeit vorgelegt hat. Es weist seinen Verfasser nicht nur als hochkarätigen Privatgelehrten und Repräsentanten nonkonformistischer, multidisziplinärer Atlantologie aus, sondern Stacy-Judd nimmt damit, neben dem frühen Lewis Spence (1874-1955) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine zentrale Position unter den Verfechtern der klassischen Atlantis-Theorie ein.

Dass Stacy-Judd heute - wenn überhaupt - allenfalls als 'unwissenschaftlicher Spinner' und 'Atlantist' wahrgenommen wird, liegt nicht nur daran, dass er kein lizensierter Berufs-Wissenschaftler, sondern Autodidakt war; verzerrend dürfte auf die Wahrnehmung seines atlantologischen Werks auch die Tatsache gewirkt haben, dass er - wie viele andere prominente Atlantisforscher - von wenig seriösen Rezensenten mit allem möglichen Unsinn in Verbindung gebracht wurde. Dies zeigt z.B seine Erwähnung in einer höchst dubiosen Quelle im Internet, wo ein gewisser "Branton" über unterirdische Städte und das Vermachtnis von Atlantis fabuliert:

"Nebenbei beschrieb der Schriftsteller und Reisende Robert Stacy-Judd in einigen seiner Bücher eine Erkundung, die er und andere in den Randgebieten des Höhlen-Systems von Loltun in Yucatan unternommen hatten. Die Legende besagt, dass mindestens einne Gruppe von Menschen, auf der Flucht vor Verfolgung, massenhaft in die massiven Loltun-Höhlen eindrang und niemals wieder gesehen wurde. Stacy- Judd berichtet uns von seiner persönlichen Begegnung mit einem 'Höhlen-Eremiten', tief in Höhlen-Kammern, der erklärte, weit mehr als 1000 Jahre alt zu sein. Dieser ungewöhnliche Mann sagte, er sei ein Wächter der Höhle und der alten Schätze - und Stadt? -, welche weit unten in unbekannten Tiefen lag, 'unbekannt' jedenfalls, wenn man von dem seltsamen 'Einsiedler' absieht. Dieser ungewöhnliche Mann war aus den inneren TIEFEN der Höhle hervorgekommen, als er ihm das erste mal begegnete.

Neben Photographien dieses 'Einsiedlers', die in einigen seiner Werke erschienen, enthüllte der Autor auch Aufnahmen von 'Untergrund-Gärten', die aus Arealen der Höhle bestehen, welche schmale 'Dschungel'-Streifen enthalten, kleine 'Höhlen-Oasen, bewässert und beleuchtet durch Teile der Höhlendecke, die in früheren Zeitaltern eingestürzt sind, und sie den Elementen der äußeren Oberwelt aussetzte. Ob die Behauptung derartiger Langlebigkeit einen realen Hintergrund hat, oder ob diese >unterirdischen< Leute nur mit dem Verstand der Forschungsreisenden spielten, die ihnen begegneten, ist unsicher - Branton)." (+3)

Wenn wir dagegen Stacy Judd´s umfassende Arbeit von 1939 betrachten, finden sich dort keinerlei derartige 'Fantasy-Stories' und auch keine Fotos mysteriöser Höhlen und "Einsiedler" (mit oder ohne hypno-suggestive Fähigkeiten), sondern eine komplexe und durchaus anspruchsvolle Argumentation auf u.a. archäologischer, paläontologischer und paläo-anthroplogischer bzw. -ethnologischer Basis. Stacy-Judd mag aus Sicht des 'wissenschaftlichen Mainstreams' ein 'Irrläufer' sein, doch nach okkultistischen Ausflüssen (z.B. "Channelings") wird man in diesem Buch ebenso vergeblich suchen wie nach futuristisch erscheinenden Elementen (Aliens, Energie-Kristalle, Todesstrahlen, etc.).

Abgesehen davon, dass der Titel iirreführend ist, da Stacy-Judd keineswegs die heliozentrische (+4) These eines Atlantis als "Mutter der Imperien" und 'Urkultur' der Menscheit vertrat (+5), und ungeachtet der Tatsache, dass seine geologische Argumentation heute - etwa siebzig Jahre nach Erscheinen seines Buches - in weiten Teilen veraltet erscheinen muss, weist dieses 336 Seiten starke Werk noch immer in vieler Hinsicht eine ungebrochener Aktualität auf. Bei aller notwendigen Kritik (+6) verdient es zweifellos eine ausführlichere Diskussion vor dem Hintergrund jüngerer (grenz-) wissenschaftlicher Erkenntnisse, als sie im Rahmen der vorliegenden, einführenden Betrachtung möglich ist.

Stacy-Judd war ein typischer Privatgelehrter 'alter Schule', ein vielseitig interessierter Mann, höchst belesen und informiert, wissenschaftlich gebildet, aber kein Berufs- oder Fach-Wissenschaftler, sonder ein klassischer, autodidaktischer Generalist mit inter- und trans-disziplinärem Denk- und Forschungs-Ansatz. Dabei bewegte er sich paradigmatisch genau auf jenem Boden, der heute die Atlantologie als Fachgebiet alternativer, nonkonformistischer, oder 'grenz-wissenschaftlicher' Erd-, Menschheits- und Zivilisations-Forschung charakterisiert: in geologischer Hinsicht orientierte er sich am Katastrophismus, bezüglich zivilisations-geschichtlicher Forschungs-Aspekte am Diffusionismus und als Mythologe am Euhemerismus.

Zudem war Stacy-Judd keineswegs ein 'Schreibtisch-Täter', sondern er unternahm mindestens eine Forschungs-Reise durch Mexiko, um sich auch 'im Feld' mit der Urgeschichte Mittel-Amerikas beschäftigen zu können. Dazu notierte er 1939 in aller Kürze: "1930 erlaubten es mir glückliche Umstände, meine erste Expedition ins Herz von Yucatan zu unternehmen, und in meinem Bestreben, die verlorenen und vergessenen Seiten des Geschichts-Buches der Zivilisation aus dem Dschungel zu retten, hoffe ich noch viele weitere Expeditionen ins Maya-Gebiet leiten zu können." (+7)

Wie sehr die Relikte alt-mesoamerikanischer Baukunst und die künstlerischen Ausdrucks-Formen der präkolumbischen Kulturen sein eigenes kreatives Schaffen beeinflusst haben, zeigen nicht nur Stacy-Judd´s Bauwerke, von denen bereits die Rede war; der typische 'Stacy-Judd-Stil' prägt auch sein üppig illustriertes Buch, in dem sich neben höchst interessantem Foto-Material (+8) zahrleiche, charakteristisch ausgeführte Tafeln, Skizzen und Schaubilder aus seiner Feder finden.

Natürlich lassen sich auch bei einem Generalisten wie Stacy-Judd bestimmte Interessen-Schwerpunkte und Kern-Kompetenzen entdecken. So widmet der Berufs-Architekt alleine zwei Kapitel (+9) seines Werks von 1939 kunst- und architektur-historischen Problemen. Zum Nachweis früher pan-altlantischer Kultur-Diffusionen spürt er z.B. dem Pyramiden-Phänomen, dem Ursprung des Sphinx-Motivs, der Dorischen Säulen sowie phallischer und yonischer Symbole nach, vergleicht Bogen-Konstruktionen beiderseits des Atlantik und beschäftigt sich mit Städte-Planung bei den nach-eiszeitlichen, holozänen Hochkulturen.

Wer ein gründliches Studium primhistorischer Modelle des 20. Jahrhunderts betreiben, und die Entwicklung der 'klassischen' Atlantis-Theorie verfolgen möchte, um sie z.B. fundiert diskutieren, oder in einen wissenschafts- bzw. atlantologie-historischen Kontext stellen zu können, sollte "Atlantis-Mother of Empires" eigentlich als Pflichtlektüre betrachten. (+10) Außerdem liefert dieses Werk auch bei kritischer Lektüre, in der Fülle des dort zusammengestellten Materials, noch immer zahlreiche Anregungen und Ansätze für weiterführende atlantologische Studien.

Gerade aufgrund dieser Material-Fülle müssen wirr uns bei unserer Annäherung an Stacy-Judd´s Werk auf die Präsentation und Besprechung einiger weniger Aspekte seiner Arumentation zum Atlantis-Problem beschränken. In den folgenden Teilen unserer Betrachtung werden wir uns daher schwerpunktmäßig mit seiner Atlantida-Exegese, seiner Darstellung des atlantischen Comagnon als Kultur-Mensch, sowie mit der geologischen Basis seines Modells versunkener Kontinente befassen. Seinem besonderen Interessen- und Forschungs-Schwerpunkt, der vermuteten westatlantischen, karibo-amerikanischen Hochkultur und ihrer präkolumbischen Nachfahren in Mittelamerika, werden wir uns in einer geplanten weiteren Arbeit widmen.


Fortsetzung:

I. Urkultur Atlantis? Stacy-Judd und Platons zyklisches Bild der Zivilisations-Geschichte (bb)

IIa. Atlantis, Lemuria und Gondwanaland: Versunkene Landmassen und Kulturen in Stacy-Judds primhistorischem Modell (bb)

IIb. Atlantis, Lemuria und Gondwanaland: Versunkene Landmassen und Kulturen in Stacy-Judds primhistorischem Modell (bb)

IIIa. Der Cromagnon-Mensch als Atlantiker und Atlantide: Stacy-Judd´s anthropologische Argumentation (bb)

IIIb. Der Cromagnon-Mensch als Atlantiker und Atlantide: Stacy-Judd´s anthropologische Argumentation (bb)


Literaturhinweis

Das Cover des 1999 erschienenen Reprints von Robert B. Stacy Judd´s, 1939 erstveröffentlichtem, Magnum opus: "Atlantis - Mother of Empires". Dieses exquisit und reich illustrierte Werk bietet auf 336 großformatigen Seiten eine der faszinierendsten Abhandlungen im Rahmen der 'klassischen' Atlantis-Theorie, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts publiziert wurden.


Anmerkungen und Quellen

(+1) Siehe: Robert B. Stacy-Judd, "Atlantis - Mother of Empires", orig. 1939; Reprint bei Adventures Unlimited Pess, Kempton, Illinois/USA, (March) 1999 (+2) Quelle: Anonymus, "Historic Echo Park - Monuments & Landmarks", Atwater Bungalows, online unter http://www.historicechopark.org/id43.html

(+3) Quelle: THE SECRETS OF THE MOJAVE (Or, The Conspiracy Against Reality) -- Page #11, [7th edition], Compiled by 'The Group' -- Edited by 'Branton', online unter http://www.v-j-enterprises.com/mojave11.html

(+4) Anmerkung: Zum 'heliozentrischen' Bild kultureller und zivilisatorischer Entwicklung (= alle Menschheits-Kulturen haben EINEN gemeinsamen Ausgangspunkt), das auf biblischen Vorstellungen beruht und die Ansichten von Atlantisforschern sowie Diffusionisten im 19. Jahrhundert prägte, siehe: Stichwort Diffusionismus und Diffusionismus - zur Diskussion eines umstrittenen Theorems von Bernhard Beier; sowie Historische Forscher-Persönlichkeiten des Diffusionismus von Gail King und Meghan Wright.

(+5) Anmerkung: Im Gegensatz zu atlantologischen Zeitgenossen vergleichbarer Natur - etwa Lewis Spence oder Kurt Bilau - hat sich Stacy-Judd bereits von dem Modell gelöst, das Atlantis (bzw. sein prähistorisches Vorild) als initiale, einzigartige Ur-Zivilisation der Menschheit darstellt. Stacy-Judd, der Platons Konzept zyklischer Zivilisations-Entwicklung übernimmt (vergl. Teil II. dieses Beitrags: Urkultur Atlantis? Stacy-Judd und Platons zyklisches Bild der Zivilisations-Geschichte), und ihm als Katastrophist auch in erdgeschichtlicher Hinsicht folgt, kann daher auch die grundsätzliche Möglichkeit prä-atlantischer (Hoch-) Kulturen in anderen Teilen der Welt ins Auge fassen (vergl. dazu auch Teil III dieses Beitrags: Atlantis, Lemuria und Gondwanaland: versunkene Landmassen in Stacy-Judd´s primhistorischem Modell; zu modernen Vorstellungen im atlantologischen Diffusionismus siehe etwa: G. Geise und R. Prahl, "Auf der Suche nach der Mutterkultur", Peiting, 2005), oder bei atlantisforschung.de: Atlantis, Mu, Lemuria - Gab es eine Ur-Zivilisation? von Dr. Horst Friedrich)

(+6) Anmerkung: Ein Kritik-Punkt an Stacy-Judd´s atlantologischem Werk ergibt sich heute z.B. aus seiner Verwendung des 'Rasse'-Begriffs. So versuchte er etwa nachzuweisen, dass die Cromagnon-Menschen - und somit die Atlantier - Vorfahren der 'Arier' bzw. der heutigen "weißen Rasse" seien, was bereits seinerzeit unter Atlantologen kontrovers diskutiert wurde (vergl. dazu etwa die Atlantis-Theorie von Kurt Bilau). Allerdings, und das ist zu betonen, weist sein Werk keineswegs ein explizit rassistische Tendenz auf; und noch viel weniger verdient es, in eine Schublade mit den ideologisch motivierten Szenarien geworfen zu werden, die Atlantis als Heimat blonder und blauäugiger 'Herrenmenschen' und als "arischen Urquell" menschlicher Kultur bemühen (siehe Stichwort Ario-Atlantismus).

Jedenfalls sollte festgehalten werden, dass sich die Frage nach einer "rassischen Zugehörigkeit" der Menschen von Atlantis, wie sie etwa von Stacy-Judd oder Bilau diskutiert wurde, in dieser Form heute schon aus grundsätzlichen Erwägungen SO nicht mehr stellt: Zu einer konformistisch-anthropologischen Kritik des "Rasse"-Begriffs siehe: Wir sind alle Afrikaner von Prof. Dr. Volker Sommer; zu einer alternativ-historischen Distanzierung von diesem Begriff siehe z.B.: Fünf Thesen zur Vorgeschichte von Dr. Horst Friedrich).

(+7) Quelle: Robert B. Stacy-Judd, op. cit., S. 4

(+8) Anmerkung: Bemerkenswert sind etwa Stacy-Judd´s fotographischen Aufnahmen aus Yucatan, die vermutl. in den 1920er Jahren entstanden. Sie bilden nämlich u.a. Gebäude und Strukturen ab, welche inzwischen zerstört, oder aber restauriert wurden (also Bild-Material, das heute Seltenheits-Wert hat).

(+9) Siehe: Robert B. Stacy-Judd, op. cit., Kapitel 9 "THE LANGUAGE OF ARCHITECTURE", S. 147-167; sowie Kapitel 12, "COLUMNS AND CITY PLANNING", S. 207-217

(+10) Anmerkung: Die (im engeren Sinne) wissenschaftliche Rezeption des Buches wird allerdings bisweilen durch seinen bewusst poulär-wissenschaftlich gehaltenen Charakter erschwert. Stacy-Judd weist z.B. wiederholt auf Funde, Erkenntnisse und Aussagen einzelner Autoren (zumeist Fach-Wissenschaftler), nicht selten auch ihre Veröffentlichungen hin, gibt dazu aber keine Datierungen an. Zudem findet sich im Anhang zwar ein umfassendes Stichwort-Register, aber es fehlt (zumindest im Reprint von 1999) eine Literaturliste, was eine Identifizierung seiner Quellen in vielen Fällen behindert. Dieser Missstand macht es außerdem häufig unmöglich, das betreffende Material ad hoc in einen wissenschafts- oder atlantologie-geschichtlichen Kontext einzuordnen (z.B. zur Klärung der Frage, wie 'aktuell' es war, als Stacy-Judd es zitierte).

Andererseits ist Stacy-Judd bisweilen - und das spricht für seine Seriosität - sogar äußerst penibel und 'akademisch', z.B. bei der Erläuterung der von ihm verwendeten archologischen Datierungs-Methode. Dabei erweist er sich nebenbei als Pionier der Dendro-Chronologie und früher Anhänger der Methode nach Dr. Elliot Douglas, University of Arizona (siehe Vorwort, "The tree ring method", "Charting tree-rings", "An analogous chart system", "Liberties taken" u. "Tolerance an essential", S. xxvii-xxix)


Bild-Quellen:

(1) Robert B. Stacy-Judd, op. cit., S. 174

(2) Links: http://www.historicechopark.org/id43.html

(2) Mitte: http://tortugamarina.tripod.com/articulos/lerner/stacy-judd.html

(2) Rechts: ebd.

(3) Robert B. Stacy-Judd, op. cit., S. 295