Ein fünfeinhalb Meter großes Riesenskelett in Tennessee? (1845)

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Vorbemerkung

Abb. 1 Viele, genauer gesagt: die allermeisten, Meldungen über Funde riesenhafter Human-Relikte in den USA während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erscheinen durchaus plausibel und glaubhaft. In manchen Fällen ist aber auch eine gehörige Skepsis angebracht. Dies gilt vor allem für Berichte, die Entdeckungen von Exemplaren mit einer Größe von über ca. 3,50 m behandeln. Einen solchen Fall stellen wir in diesem Beitrag vor. (Bild: Historische Original-Illustration zu einer Riesenfund-Meldung im San Francisco Call aus dem Jahr 1899)

(bb) Es ist immer wieder zu betonen, dass die wesentliche Aufgabe der historischen Gigantologie [1] darin besteht, geschichtliche Meldungen über Funde riesenhafter menschlicher Skelette, Knochen usw. zu untersuchen. Dabei soll festgestellt werden, ob es sich bei ihnen um im Grundsatz vertrauenswürdige und faktentreu wiedergegebene Berichte über tatsächliche Funde authentischer Spezimen handelt, oder aber um 'Tall tales' bzw. frei erfundene Stories, oder schließlich um in gutem Glauben verfasste Reports über fehlinterpretierte oder gar gefälschte Exemplare - wie z.B. hier in einer Kurzmeldung erwähnt: "Das Skelett eines Riesen, das in einem Sumpf in Indiana gefunden wurde, stellte sich als von Spekulanten fabriziert heraus." [2]

Zu den hilfreichen Bewertungskriterien solcher historischen Berichte gehören nicht zuletzt die Größenangaben bezüglich angeblich oder tatsächlich entdeckter Skelette. Während nur in vergleichsweise wenigen Fällen begründeter Zweifel an Meldungen über Funde zwischen ca. 2,10 m und 2,50 m großer menschlicher Skelette bestehen kann [3], erfordern Berichte über Funde bis zu ca. 3,00 m großer Spezimen schon eine weitaus rigorosere Betrachtung, und bei Fundmeldungen von in der Länge mehr als 3,50 m messenden 'Riesenskeletten' ist aus humanbiologischen - anatomischen bzw. physiologischen - Gründen davon auszugehen, dass es sich bei ihnen um Erfindungen, Übertreibungen oder Fehlinterpretationen handelt. Einen solchen Fall behandelt auch der nachfolgend wiedergegebene Bericht über den angeblichen Fund des Skeletts eines vormals ca. 5,5 m großen Mannes in Tennessee, der - basierend auf einer Meldung des Nashville Orthopolitan - am 25. Dezember 1845 in der in Indiana erschienenen Wochenzeitung The Evansville Journal veröffentlicht wurde. Übrigens darf dieser erstaunlich detailreiche Bericht als eines der Beispiele dafür gelten, dass auch damalige Journalisten solche - den Rahmen des Glaubhaften sprengenden - Berichte nicht selten mit einiger Skepsis betrachteten und wiedergaben. Hier die Übersetzung ins Deutsche:

Das riesenhafte Skelett

Abb. 2 Karte der geographischen Lage des Williamson County in Tennessee

Das Skelett, das im Williamson County (Abb. 2) in diesem Staat [also Tennessee; d.Ü.] entdeckt wurde, und von welchem angenommen wird, es sei das eines menschlichen Wesens gewesen, wurde in den vergangenen paar Tagen vielfach im Abgeordnetenhaus erwähnt. Ungeachtet seiner [genauen; d.Ü.] Beschreibung "haben wir", wie Wouter van Twiller sagen würde, "unsere Zweifel an dieser Sache". Dieses Skelett wurde etwa 60 Fuß [ca. 18,30 m; d.Ü.] unter der Erdoberfläche gefunden, in einer Schicht aus härtestem Lehm. - Von den Knochen heißt es, sie seien in einem perfekten Erhaltungszustand und wiegen insgesamt 1500 Pfund.

"All die großen und charakteristischen Knochen sind vollständig, und Schädel, Arme, und Oberschenkelknochen, Kniescheiben, Schulterpfannen und die Knochen des Schlüsselbeins" beseitigen jeden Zweifel, und bezüglich des Tiers, zu dem sie gehörten, hat man entschieden, dass es dem "genus homo angehörte". Dieser Gentleman war, als er noch auf Erden wandelte, etwa 18 Fuß [ca. 5,50 m; d.Ü.] groß, und muss, als er noch in sein Fleisch gekleidet war, nicht weniger als 3000 Pfund gewogen haben. "Die Knochen des Oberschenkels und Beins messen 6 Fuß und 6 Zoll [ca. 1,98 m: d.Ü.]; über seinen Schädel heißt es, er habe etwa zwei Drittel der Größe eines Mehl-Fasses und er könne in seiner Höhlung zwei Scheffel aufnehmen." (Er muss über eine ansehnliche Menge Hirn verfügt haben, und falls der Intellekt proportional zur Größe des Gehirns ist, so muss er außerordentliche Geisteskräfte besessen haben) Die Beschreibung konstatiert des Weiteren, dass "eine Kaffeetasse von guter Größe in die Augenhöhlen gesteckt werden konnte." Die Zähne des Kiefers wiegen zwischen dreieinhalb und sechs Pfund.

Es wird gemeldet, dass ein angesehener Arzt und Anatom damit beschäftigt sei, das Skelett zusammenzusetzen, und dass es schon bald für eine öffentliche Ausstellung bereit sein werde. - Nashville Orthopolitan[4]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Die historische Gigantologie umfasst jenen Bereich grenzwissenschaftlicher Riesenforschung, der sich mit der Sammlung und Analyse schriftlicher Zeugnisse und Überlieferungen (z.B. Sagen, Berichte in Historien und Zeitungsmeldungen) sowie mit Darstellungen von Riesen aus prä- und protohistorischen Zeiten beschäftigt. Neben der historischen Gigantologie stellt die anthropologische bzw. krypto-anthropologische Gigantologie ein weiteres Teilgebiet der Riesenforschung dar. Sie befasst sich vordringlich mit biologisch-humanwissenschaftlichen Aspekten des 'Riesenproblems', wie der Frage nach den Ursachen der Entstehung von Populationen bzw. Gemeinschaften riesenhafter Menschenwesen, deren typologischer Klassifizierung und den Gründen für das schlussendliche Verschwinden der Riesen-Gemeinschaften.
  2. Quelle: o.A., "Pith of the News (General)" (Rubrik), 01. September 1894, in The Washburn Leader (Washburn, McLean County, North Dakota); Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach der digitalisierten Version der Zeitung bei CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers
  3. Anmerkung: Die Berichte über Funde solcher ca. sieben bis acht Fuß großer Spezimen machen mehr als 90 Prozent aller solchen Meldungen aus Nordamerika aus. Auch durch die 'offizielle' archäologische Forschung sind solche Funde inzwischen so gut belegt, dass die Faktizität der meisten entsprechenden historischen Darstellungen inzwischen kaum mehr in Frage zu stellen ist. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de z.B.: Jim Vieira, "Die Riesen der Moundbuilders - Beispiele aus der fachwissenschaftlichen Literatur"; Dr. Greg Little, "Die Wahrheit über Riesenskelette in indianischen Mounds"; sowie: Bernhard Beier, "Ein Addendum zum Thema 'Disartikulation'"
  4. Quelle: o.A., "The Giant Skeleton", 25. Dezember 1845, in: The Evansville Journal (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach der digitalisierten Version der Zeitung bei CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers)

Bild-Quellen:

1) CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers, unter: The San Francisco call., January 21, 1899, Page 12, Image 12 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) David Benbennick bei Wikimedia Commons, unter: File:Map of Tennessee highlighting Williamson County.svg