Erstaunliche "Steinzeitmenschen" - Zur Herkunft der Guanchen und Mahorero: Unterschied zwischen den Versionen

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([[bb]]) In alten Berichten der europäischen Eroberer der [http://de.wikipedia.org/wiki/Kanarische_Inseln Kanaren] heißt es über die einheimischen Insulaner, sie sollen hochgewachsene Menschen von einnehmendem Äußeren gewesen sein. Die Frauen wiesen eine durchschnittliche Körpergröße von ca. sechs Fuß (1,83 m) auf, die Männer waren noch etwas größer. Bei ''Alf Bajocco'' heißt es über ihr Erscheinungsbild: ''"Alle Historiker stimmen darin überein, dass die Kanarier schöne ''[Menschen]'' waren. ''[...]'' Sie waren zudem robust und couragiert, mit hohen geistigen Fähigkeiten. Die Frauen waren wunderschön und spanische Herren pflegten ihre Gattinnen häufig aus dieser Volksgruppe zu wählen.''" <ref>Quelle: '''Alf Bajocco''', "The Early Inhabitants of the Canary Islands", 1965, Part IV cont., nach: http://geocities.com/MotorCity/Factory/2583/Canary4.htm</ref>  
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([[bb]]) In alten Berichten der europäischen Eroberer der [http://de.wikipedia.org/wiki/Kanarische_Inseln Kanaren] heißt es über die einheimischen Insulaner, sie sollen hochgewachsene Menschen von einnehmendem Äußeren gewesen sein. Die Frauen wiesen eine durchschnittliche Körpergröße von ca. sechs Fuß (1,83 m) auf, die Männer waren noch etwas größer. Bei [[Alf Bajocco]] heißt es über ihr Erscheinungsbild: ''"Alle Historiker stimmen darin überein, dass die Kanarier schöne ''[Menschen]'' waren. ''[...]'' Sie waren zudem robust und couragiert, mit hohen geistigen Fähigkeiten. Die Frauen waren wunderschön und spanische Herren pflegten ihre Gattinnen häufig aus dieser Volksgruppe zu wählen.''" <ref>Quelle: '''Alf Bajocco''', "The Early Inhabitants of the Canary Islands", 1965, Part IV cont., nach: http://geocities.com/MotorCity/Factory/2583/Canary4.htm</ref>  
  
 
[[Bild: Guanchen.jpg|thumb|380x380px|'''Abb. 1''' Nur einen vagen Eindruck von der Physis der ausgerotteten Guanchen sowie von ihrer ethnischen Heterogenität vermitteln diese Nachbildungen in einer Ausstellung des Casa Chacona Museo auf Teneriffa.]]
 
[[Bild: Guanchen.jpg|thumb|380x380px|'''Abb. 1''' Nur einen vagen Eindruck von der Physis der ausgerotteten Guanchen sowie von ihrer ethnischen Heterogenität vermitteln diese Nachbildungen in einer Ausstellung des Casa Chacona Museo auf Teneriffa.]]

Aktuelle Version vom 21. Juli 2019, 18:50 Uhr

Das Rätsel der Guanchen, Teil I

(bb) In alten Berichten der europäischen Eroberer der Kanaren heißt es über die einheimischen Insulaner, sie sollen hochgewachsene Menschen von einnehmendem Äußeren gewesen sein. Die Frauen wiesen eine durchschnittliche Körpergröße von ca. sechs Fuß (1,83 m) auf, die Männer waren noch etwas größer. Bei Alf Bajocco heißt es über ihr Erscheinungsbild: "Alle Historiker stimmen darin überein, dass die Kanarier schöne [Menschen] waren. [...] Sie waren zudem robust und couragiert, mit hohen geistigen Fähigkeiten. Die Frauen waren wunderschön und spanische Herren pflegten ihre Gattinnen häufig aus dieser Volksgruppe zu wählen." [1]

Abb. 1 Nur einen vagen Eindruck von der Physis der ausgerotteten Guanchen sowie von ihrer ethnischen Heterogenität vermitteln diese Nachbildungen in einer Ausstellung des Casa Chacona Museo auf Teneriffa.

Wer waren diese rätselhaften "schönen Menschen", an denen auf ihrer abgelegenen Inselgruppe vor der Westküste Afrikas die geschichtliche Entwicklung Jahrtausende lang vorbei gegangen zu sein scheint? 'Steinzeitmenschen mit Niveau', die einerseits mit einem Zentralstaat, Schrift, Klassen-Gesellschaft und Berufs-Priestertum wesentliche Grundlagen dessen mitbrachten, was wir heute 'Hochkultur' oder 'Zivilisation' nennen, andererseits aber hartnäckig an urtümlichen Technologien und Gebräuchen festhielten? Wie und woher kamen sie auf die Kanarischen Inseln und seit wann existiert ihre Kultur? Und last but not least: könnte es Zusammenhänge zwischen ihnen und den vermuteten Vorzeit-Kulturen des Atlantik-Raums bzw. mit dem versunkenen Reich von Atlantis geben?

Konventionelle Wissenschaftler werden solche Überlegungen nicht zuletzt deshalb - je nach Naturell - schmunzelnd oder entrüstet zurückweisen, da man die Guanchen derzeit für ein recht junges Volk hält. So schrieb etwa Jose Barrios Garca 1997 über sie: "Sie kamen vermutlich zu verschiedenen Gelegenheiten zwischen dem ersten Jahrtausend v. Chr. und dem ersten Jahrtausend n. Chr. vom nahegelegenen Kontinent. Diese Populationen blieben relativ isoliert, bis zur europäischen Wiederentdeckung der Inseln in späten 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit belief sich die Bevölkerung von jeder Insel auf etwa 40 000 bis 60 000 Einwohner".[2]

Nicht nur Atlantologen und alternative Prähistoriker betonen dagegen eine cro-magnoide Abstammung der kanarischen Insulaner und gehen von einer langen Besiedlungsgeschichte dieser Inseln aus, da dort auch Skelettfunde des 'prädiluvialen' Cro-magnon-Menschen (Abb. 6) gemacht wurden. Bereits 1926 schrieb Lewis Spence: "Beachtenswert ist [...], dass die Kultur des Guanchen-Volkes [bzw. seiner Vorfahren; bb] von den Kanaren-Inseln zweifellos dem Aurignacien angehörte. Diese Beziehung wird bei Osborn, René Verneau und dem verstorbenen Lord Abercromby betont, und sie belegt, dass die Rasse der Crô-Magnon auf den Kanaren, einem Überrest von Atlantis, einheimisch waren, und dass sie nicht von Europa aus dorthin gelangten." [3]

Umstritten ist jedoch nicht nur, wann Prä- und Proto-Guanchen auf das heutige Archipel gelangten, sondern auch wie dies geschah - zu Fuß oder per Schiff? Der amerikanische Alternativ-Historiker, Fach-Journalist und Publizist Frank Joseph betrachtet die Cro-magnards z.B. als Zuwanderer, die über eine vormalige Landrücke aus Afrika nach Teneriffa gelangt seien (vergl. dazu: Atlantis - Argumente, Indizien und Evidenzen für die Plausibilität einer versunkenen Großinsel auf dem Mittelatlantischen Rücken von Frank Joseph) Zu dieser vermutlichen Land-Verbindung bemerkt er: "Solch eine physische Verbindung zwischen Nordafrika und den Atlantik-Inseln muss bis vor mindestens 17 000 Jahren existiert haben, wie durch die Überreste des Cro-Magnon-Männern und -Frauen auf Teneriffa belegt wird, der größten der Kanaren-Inseln." [4]

Abb. 2 Vertreter des Cro-magnon-Menschen (hier - wie üblich - als fellbehangende Halbwilde mit künstlerischer Ader dargestellt) lebten vermutlich schon auf den Kanarischen Inseln, bevor sie vom afrikanischen Kontinent abgetrennt wurden.

Eine Zuwanderung cro-magnoider Ur-Kanarier auf dem Seeweg hält Joseph nicht für möglich, da er meint: "Diese frühen Menschen waren keine Seefahrer, sondern Jäger, die zweifellos die Landbrücke von Afrika aus bei der Verfolgung wandernder Großwild-Herden überquerten. Britannien war noch vor nur fünftausend bis sechstausend Jahren durch eine Landbrücke zwischen Dover und Calais mit Europa verbunden. Die Atlantik-Insel [Atlantis] könnte ebenso lange mit Teneriffa verbunden gewesen sein, doch die portugalgroße Insel wurde natürlich vor dem erscheinen dessen überflutet, was wir Zivilisation nennen würden." [5]

Wir müssen F. Joseph´s Ablehnung seefahrender "Steinzeitmenschen" allerdings in Frage stellen, da es inzwischen zahlreiche Indizien dafür gibt, dass Cro-Magnards bereits während der späten Eiszeit den Atlantik befuhren - und sogar überquerten. So heißt es etwa über die Hochsee-Tauglichkeit cro-magnoider Seefahrer während des Solutréen: "Den Beweis, dass die Solutréener auch Seefahrer waren, erbrachte 1992 die Entdeckung der Höhle von Le Cosquer bei Marseilles durch den Taucher Henri Cosquer. Unter den Felskunst-Darstellungen befinden sich Abbildungen von Seehunden, die von Harpunen durchbohrt sind sowie von Flundern und Heilbutt - also von Hochsee-Fischen! Die Solutréener hatten eindeutig gelernt, wie man die Ressourcen des Meeres ausbeutet, möglicherweise in mit Leder bespannten Booten aus Mammut-Rippen." (Siehe: Die Clovis-Solutréen-Connection von Peter Marsh)

Von daher könnten Cro-Magnon-Menschen die heutigen Kanaren-Inseln durchaus auch später, in Kanus, auf Flößen oder Schiffen, erreicht haben. Zu dieser Auffassung kam 1910 auch der konservativ argumentierende Forschungsreisende Dr. E. Bolleter, der die Guanchen ebenfalls als Zuwanderer aus Nordafrika betrachtete. Dr. Bolleter konnte zwar nicht die geringsten Anzeichen nautischer Fähigkeiten oder Aktivitäten des ausgestorbenen Volkes entdecken, kam aber nicht umhin, ihren Vorfahren in dieser Beziehung größere Kenntnisse zuzugestehen. Als bravem Schulwissenschaftler muss ihm die Vorstellung steinzeitlicher Hochsee-Fahrer gewaltiges Unbehagen bereitet haben, und es klingt fast gequält, wenn er feststellt: "Trotzdem müssen die Guanchen auf Schiffen von Afrika herübergekommen sein!" [6]

Der Nonkonformist Lewis Spence, der eine West-Ost-Migration der Cro-Magnards (von Atlantis nach Europa) propagierte, ging dagegen wie F. Joseph davon aus, dass ihre Vorfahren bereits zum Zeitpunkt der Isolation der Kanarischen Inseln dort ansässig gewesen seien: "Wie viele Tiere und Pflanzen dieser dahin geschwundenen Inseln wurde der Cro-Magnon-Mensch durch irgendeine große Natur-Katastrophe auf ihnen eingeschlossen". Auch der schottische Mythologe und Atlantisforscher konnte sich die Ur-Kanarier also nicht als 'steinzeitlichen Seefahrer' vorstellen:

Abb. 3 Nicht nur die 'Schwarzen Pyramiden' Teneriffas, sondern auch die Ruinen urbaner Siedlungen weisen darauf hin, dass die Kanaren vor Jahrtausenden "der Außenposten einer frühen Hochkultur waren", wie der Historiker D. Wölfel erklärte.

"Zu jener Zeit, in welcher er lebte, war an Seefahrt nicht einmal zu denken. Er muss Europa gegen Ende der jüngsten Eiszeit, vor etwa 25 000 Jahren, über eine noch bestehende Landbrücke erobert haben. Dass er nicht von Europa aus auf die Kanaren gelangte, ist offensichtlich, da er [auf dem Kontinent] als Eroberer und Neuankömmling auftaucht." Man könnte die 'Ur-Guanchen' demzufolge als Cro-magnard-Nachfahren bzw. Vertreter eines spät- oder post-cro-magnoiden Typus bezeichnen. Ihre Schädelform war allgemein dolichocephal und sie hatten, wie die Funde mumifizierter Toter (Abb. 7) zeigten, häufig rotes oder blondes Haar. Ihre Physiognomie ähnelte offenbar derjenigen vieler heutiger Nord-Europäer, wobei sie teilweise von größerer Statur und robusterem Körperbau waren.

Allerdings sprechen wir hier, genau genommen nur von einem verbreiteten Typus der Guanchen, denn die einheimische Bevölkerung der Kanarischen Inselgruppe wies keineswegs die ethnische Homogenität auf, die ihr viele Forscher lange Zeit zugeschrieben haben - was vermutlich nicht zuletzt mit der geringen Menge verwertbarer Specimen zu tun haben dürfte. Schuld an diesem Mangel ist übrigens keineswegs der sprichwörtliche 'Zahn der Zeit', sondern auch hier sind die spanischen Eroberer und Kolonisten des 15. und 16. Jahrhunderts verantwortlich, die in ihrem fanatischen Bestreben, die "heidnische" Kultur der Guanchen auszulöschen, "alle Mumien zerstörten, die sie finden konnten". [7]

Reinhard Prahl, der sich u.a. intensiv mit den Mumifizierungstechniken der Alten Kanarier befasst hat (dazu später mehr), betont jedenfalls, dass die Guanchen durchaus keine homogene Ethnie darstellten. Dazu schreibt er: "Die Aussage, die Guanchen seien hellhäutig und rot-blonde Menschen gewesen, ist inzwischen stark angezweifelt worden. Frühere Untersuchungen gingen davon aus, 80 bis 90% aller Guanchen seien blond bis kastanienbraun in der Haarfarbe und und dunkeläugig, etwa 10 % seien hellhäutig gewesen." Doch "neuere Untersuchungen würden diese These entkräften." [8] Halten wir kurz dazu fest, dass die Feststellung ethnischer Heterogenität der Guanchen keineswegs eine neue Erkenntnis darstellt, auch wenn einige heutige Archäologen dies womöglich glauben mögen.

1940 hatte beispielsweise der Atlantisforscher Alexander Braghine über die Guanchen bemerkt: "Dieser mysteriöse aboriginale Stamm war in zwei Typen unterteilt: einer mit weißer Haut, und ein anderer mit bräunlicher Haut-Tönung. [...] Die weißhäutigen Guanchen waren groß, wahrend die anderen eine geringere als die normale Statur aufwiesen." [9] Darüber hinaus stellt sich natürlich auch die Frage: waren die Guanchen die einzigen Ur-Kanarier? Dazu erklärte bereits 1910 Dr. E. Bolleter in einem Essay: "Die Guanchen bilden nicht die einzige, wohl aber interessanteste Urbevölkerung der Kanaren. Das sorgfältige Studium der Skelette und Schädelformen ergab, daß neben ihnen noch zwei andere Rassen existierten, die eine auf Palma, Hierro und Gran Canaria, die andere auf Gomera." [10]

Abb. 4 Auf der Kanareninsel Fuerteventura lebte vor der europäischen Invasion das Volk der Mahorero, Verwandte der Guanchen Teneriffas. Auch sie gehörten dem berber-ibero-baskischen Kulturkreis an.

Mit den Guanchen zumindest weitläufig verwandt - wenn auch klar von ihnen unterscheidbar - waren jedenfalls die 'Mahorero', die urtümliche Bevölkerung Fuerteventuras, deren Name von dem Wort 'mahos' abgeleitet wird, einer Art Ziegenfell-Schuhe, welche die Insulaner trugen. [11] Allgemein hält man sie heute für Nachfahren emigrierter Proto-Berber: "Analysen prähistorischer Überreste [...] scheinen zu indizieren, dass dieses Volk von Nordafrika aus [auf Fuerteventura] ankam, und diese [Meinung] ist aufgrund vieler linguistische Ähnlichkeiten zwischen prä-hispanischen Orts-Namen und Begriffen mit der Sprache der Berber in Nordafrika entstanden." [12]

Zur jüngeren, prähispanischen Geschichte der Insel heißt es in einem Online-Artikel: "Fuerteventura war als Herbania bekannt, möglicher Weise ein Hinweis auf seine reiche Pflanzenwelt in alten Zeiten (auch wenn das schwer zu glauben ist, wenn man heute seine knochentrockene Landschaft ansieht), doch wahrscheinlicher leitet es sich vom Berber-Wort 'bani' ab, das Mauer bedeutet. Eine niedrige Mauer überspannte die Insel an ihrer schmalsten Stelle, von La Pared (was auf Spanisch Mauer bedeutet) hinüber zur Ost-Küste, und teilte sie in zwei Königreiche. Der Norden, Maxorata wurde von Guize beherrscht, und Jandia im Süden von Ayoze. Obwohl scheinar diese zwei Könige herrschten, nahmen sie wiederum Rat und Anleitung von einem Mutter-Tochter-Team von zwei Priesterinnen in Anspruch, Tibiabin and Tamonante." [13]

Über die Kultur der Mahorero heißt es dort weiter: "Man denkt, dass es sich um eine polygame Gesellschaft handelte, in der jede Frau durchschnittlich drei Ehemänner hatte." [14] Damit unterschied sich die Mahorero-Gesellschaft in einem zentralen Aspekt von den vorwiegend monogamen Kulturen anderer Kanaren-Inseln, aber auch von der mittelalterlichen Kultur auf Hierro, wo (womöglich unter arabischem Einfluss) Polygamie unter umgekehrten Vorzeichen praktiziert wurde, wie der sowjetische Atlantologe Dr. Nikolai Zhirov 1970 feststellte. [15]

Bei Werner Pichler vom Institutum Canarium heißt es über die altertümlichen Bewohner der Insel Hierro und ihre Lebensweise: "Ihre Bevölkerung lebte von Fisch und Schellfisch, Ziegenfleisch, Milch und Käse, und von ‘gofio’, im Boden gut geröstetes Gersten-Mehl, und all dies werden sie auch heute noch in den Regalen der Supermärkte finden. Sie lebten in Höhlen oder halb-unterirdischen Siedlungen, von denen ein paar entdeckt und ausgegraben wurden, wobei einige Exemplare früher Werkzeuge und Töpfergut freigelegt wurden. Sie waren ein sprituelles Volk. Die höchsten Berge dienten als Platz für heidnische [sic!] Rituale und Zeremonien. Gravuren und religiöse Symbole, die am Tindaya Mountain gefunden wurden, legen nahe, dass er solch ein heiliger Berg war." [16]

Möglicherweise gab es auch eine kulturelle Verbindung zwischen den Mahorero Fuertoventuras und der Urbevölkerung auf Lanzarote. Darauf deuten jedenfalls Ähnlichkeiten bei den Bestattungs-Formen auf beiden Inseln hin. Dazu notiert Zhirov, dass sich die Begräbnis-Stätten der diversen kanarischen Insel-Kulturen deutlich voneinander abhoben. Für Teneriffa, La Gomera, La Palma und El Hierro konstatiert er die Existenz von Höhlengräbern, während auf Gran Canaria für die Verstorbenen u.a. "konische Mounds oder sogar Türme" als letzte Ruhestätten errichtet wurden, "die den megalithischen Nuraghen auf Sardinien oder den Chullpas des prä-inkaischen Peru ähneln." Weiter bemerkte er: "Auf Fuerteventura und Lanzarote wurden die Toten in Stein-Gräbern megalithischen Typs bestattet" [17], und der Historiker O. Huth ging 1939 sogar so weit, eindeutige Querverbindungen zu den afro-europäischen Megalithikern anzunehmen: "Wir haben hier (auf den Kanaren) gewissermaßen den stehengebliebenen Rest der westeuropäisch-nordischen Megalithkultur vor uns". [18]

Abb. 5 Zwei der alten Fels-Bilder, die von Werner Pichler auf Fuerteventura katalogisiert wurden, lassen sich in keines der bekannten Schemata alt-kanarischer Felskunst einordnen. Welcher unbekannten Kultur könnten die Künstler angehört haben, die sie schufen?

Sowohl in Bezug auf die Landwirtschaft als auch, was ihre Sprache sowie ihre Religion mit der Vergöttlichung von Bergen (insbesondere Vulkanen) angeht, scheint es, wie wir sehen werden, deutliche Parallelen zwischen Guanchen und Mahorero zu geben. Unterschiede werden dagegen vor allem in der Fels-Kunst der Natives beider Inseln deutlich. Werner Pichler schrieb dazu: "Als Resultat eines einjährigen Forschungs-Projekts war der Autor 1993/94 in der Lage, etwa 780 Felskunst-Panele ausschließlich auf Fuerteventura zu dokumentieren, einer der östlichen Inseln des Kanaren-Archipels. Damit war es erstmals möglich die Typologie und Häufigkeit von Motiven für eine ganze Insel zu untersuchen.

Das erstaunlichste Ergebnis war das fast völlige Fehlen von Manifestationen menschlicher Wesen und Tiere. Die linearen Zeichen dominieren, gefolgt von geometrischen Zeichen wie Pentagrammen, Kreisen oder Dreiecken. Es gibt dort auch eine Menge symbolischer Zeichen wie Fußabdrücke und Schiffe, doch nicht eine Zeichnung, die eindeutig der Darstellung menschlicher Wesen zugeordnet werden könnte, einschließlich Aspekten ihrer Umwelt (Wohnstätten, Waffen etc.). Dieses Resultat ist ziemlich erstaunlich, wenn man Vergleiche mit der Fels-Kunst angrenzender Regionen wie Nord-Afrika oder der Iberischen Halbinsel zieht." [19]

Interessant erscheint in diesem Zusammenhang u.a. die Tatsache, dass in der Mahorero-Kunst eindeutig identifizierbare Schiffs-Motive auftauchen, was einen urtümlichen Bezug der Insulaner zur Seefahrt nahelegt; ein Bezug, der sich - ähnlich wie bei den Guanchen - im Laufe der Jahrhunderte von praktischen Aspekten in den Bereich der Religion verschoben haben könnte. So berichtete der Historiker D. Wölfel schon 1955 über Schiffsgravierungen auf einer Felswand von Gran Canaria, "die unzweifelhaft mit den Schiffsdarstellungen auf skandinavischen Felswänden" in Verbindung stehen, und bemerkt dann: "Jene kühnen Seefahrer des Megalithikums, welche engste kulturelle Zusammenhänge zwischen Südspanien, der Bretagne, den Britischen Inseln und Skandinavien herstellten, haben offensichtlich auch schon die Kanaren erreicht". [20]

Was die Mahorero angeht, weist W. Pichler zudem auf einige besonders rätselhafte Funde hin: "Zwei der dokumentierten Panele (Abb. 5) sind gänzlich ungewöhnlich und haben keinerlei Ähnlichkeit mit den anderen, auch nicht im Vergleich mit der Fels-Kunst aller [anderen] Kanaren- Inseln."[21] Tatsächlich fallen diese stilisierten Abildungen völlig aus dem Rahmen und lassen sich in kein bekanntes Muster einordnen. Es stellt sich die Frage, welcher unidentifizierten Kultur jene prähistorischen Künstler angehört haben könnten, die sie schufen. In jedem Fall scheinen diese beiden skurrilen Zeichnungen ein weiteres Indiz dafür darzustellen, dass die ur-kanarischen Völkerschaften Produkt einer ethnologisch komplexen Entwicklung waren, die mit der schlichten Annahme von zwei oder drei rezenten Besiedlungs-Wellen von Nordafrika aus nur höchst unzulänglich umrissen wird.

Zudem wird immer deutlicher, dass es sich bei den alten Kanariern kaum um "Primitive" gehandelt haben kann. So hob der Historiker D. Wölfel Mitte der 1950er Jahre hervor: "Was in den letzten Jahren auf den Kanarischen Inseln archäologisch neu gehoben wurde, ist durchaus eine Bestätigung dafür, daß diese Inseln der Außenposten einer frühen Hochkultur waren mit provinzialen barbarisierten, aber doch unverkennbar hochkulturlichen Erscheinungen. Große stadtische Siedlungen sind mittlerweile entdeckt worden, Grabanlagen gewaltiger Art und die Inschriftenfunde häufen sich immer mehr". [22]


Fortsetzung:


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Bernhard Beier © wurde 2006 für Atlanisforschung.de erstellt.

Fußnoten:

  1. Quelle: Alf Bajocco, "The Early Inhabitants of the Canary Islands", 1965, Part IV cont., nach: http://geocities.com/MotorCity/Factory/2583/Canary4.htm
  2. Quelle: Jose Barrios Garca, "NUMBER SYSTEMS AND CALENDARS OF THE BERBER POPULATIONS OF GRAND CANARY AND TENERIFE", Archaeoastronomy & Ethnoastronomy News, Number 26 September Equinox 1997, Archive, ESSAYS FROM ARCHAEOASTRONOMY & ETHNOASTRONOMY NEWS, THE QUARTERLY BULLETIN OF THE CENTER FOR ARCHAEOASTRONOMY, online unter http://wam.umd.edu/~tlaloc/archastro/ae26.html
  3. Quelle: Lewis Spence, "The History of Atlantis" (Orig. London, 1926), ATLANTIS REPRINT SERIES, ADVENTURES UNLIMITED PRESS, Kempton, Illinois (USA), 1996, S. 83
  4. Quelle: Frank Joseph, "The Destruction of Atlantis", Kapitel 2, "Where is Atlantis?", Bear & Company, Rochester, Vermonth, USA, 2002; als Auszug in deutschsprachiger Erstveröffentlichung bei Atlantisforschung.de (2006) unter dem Titel Atlantis - Argumente, Indizien und Evidenzen für die Plausibilität einer versunkenen Großinsel auf dem Mittelatlantischen Rücken
  5. Quelle: ebd.
  6. Dr. E. Bolleter, "Bilder und Studien von einer Reise nach den Kanarischen Inseln (1910)", Kapitel 6: Die Guanchen, die Urbevölkerung der Kanaren, online unter http://www.zum.de/stueber/bolleter/kapitel_06.html
  7. Quelle: Dr. Joann Fletcher, "From Chile to China, Qilakitsoq to the Canary Islands: Mummies around the World", bbc.co.uk, Ancient History, Egyptians, 2001-09-01 (nicht mehr online) Zu Dr. Joann Fletcher siehe: http://www.york.ac.uk/depts/arch/staff/Fletcher.htm
  8. Quelle: Gernot L. Geise und Reinhard Prahl, "Auf der Suche nach der Mutterkultur", Michaels Verlag (Peiting), 2005, S. 136. Anmerkung: Prahl nennt für die letztgenannte Annahme als Quelle: Ulrike Kutzer, "Stufenbauten auf Teneriffa", SOKAR, Ausg. 4, /2002, S. 50, wo zu diesen "neuere[n] Untersuchungen" keine näheren Angaben gemacht werden. Die von Kutzer de facto postulierte ethnische Heterogenität der Guanchen stellt jedenfalls aus alternativ-historischer, diffusionistischer und atlantologischer Sicht ein weiteres Indiz für die Funktion der Kanarischen Inseln als 'Sprungbrett' bei den vermuteten, weit präkolumbischen Atlantik-Fahrten dar. Prahl weist in diesem Zusammenhang auf eine "große Ähnlichkeit" der Guanchen "mit den südamerikanischen Indianervölkern" hin, "die sich nicht selten auch aus allen ethnischen Gruppen zusammensetzten, wobei weißhäutige Menschen eine große Rolle gespielt zu haben scheinen." Dazu zitiert er auch den renommierten Altamerikanisten Hans-Dietrich Disselhoff, der bemerkte: "Neben einem vorherrschenden Typus, den man ... als >indianisch< bezeichnen könnte, sieht man Porträtgefäße mit geradezu europäischen Gesichtszügen, eines erinnert fast an den Bamberger Reiter. Andere tragen unverkennar mongolische, bisweilen sogar negroide Züge." (Quelle: Geise/Prahl, S. 137, 138)
  9. Quelle: Alexander Braghine, "The Shadow of Atlantis" (Erstveröffentl. 1940), THE ATLANTIS REPRINT SERIES bei ADVENTURES UNLIMITED PRESS, Kempton, Illinois (USA), 1997, S. 156
  10. Dr. E. Bolleter, "Bilder und Studien von einer Reise nach den Kanarischen Inseln (1910)", Kapitel 6: Die Guanchen, die Urbevölkerung der Kanaren, online unter http://www.zum.de/stueber/bolleter/kapitel_06.html
  11. Anmerkung: Es liegt somit nahe, dass der Name "Mahorero" - im Gegensatz zu den Guanchen ("Söhne Tenerifes") - keine authentische Eigen-Bezeichnung der Ureinwohner Fuerteventuras war, sondern ihnen von den hispanischen Eroberern verliehen wurde.
  12. Quelle: Anonymus, "Fuertoventura", online unter http://www.fuerteventura.com/History/Gaunches.htm
  13. Quelle: ebd.
  14. Quelle: ebd.
  15. Siehe: N. Zhirov, "Atlantis - Atlantology: Basic Problems", Progress Publishers, Moskau, 1968/1970, S. 214
  16. Quelle: Werner Pichler, "Two enigmatic petroglyphs on Fuerteventura/Canary Islands", online unter http://www.rupestre.net/tracce/12/fuertev.html
  17. Quelle: N. Zhirov, "Atlantis - Atlantology: Basic Problems", Progress Publishers, Moskau, 1968, 1970, S. 214-215
  18. Quelle: O. Huth, "Der Feuerkult der Germanen", in: Archiv f. Rel. W., Bd. 36, 1939, S. 133; zit. nach: Jürgen Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976, S. 191
  19. Quelle: Werner Pichler, "Two enigmatic petroglyphs on Fuerteventura/Canary Islands", online unter http://www.rupestre.net/tracce/12/fuertev.html
  20. Quelle: D. Wölfel, ???, zit. nach: Jürgen Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976,,S. 190; Ungenaue Quellenangabe bei J. Spanuth! Im Text verweist er auf: "D. Wölfel, 1955, 185". Im Appendix (Spanuth, 1976, S. 507) finden sich zwar mehrere Werke Wölfels (1940, 1942, 1950, 1958, 1976). Eine Arbeit von "1955" wird dort jedenfalls nicht erwähnt.
  21. Quelle: Werner Pichler, "Two enigmatic petroglyphs on Fuerteventura/Canary Islands", online unter http://www.rupestre.net/tracce/12/fuertev.html
  22. Quelle: D. Wölfel, ???, 1955 [???], S. 181; zit. nach: Jürgen Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976, S. 190

Bild-Quellen:

1) http://www.piramidesdeguimar.net/aleman/pagina.htm
2) http://www.landschaftsmuseum.de/Bilder/Hoehlenmalerei-2.jpg
3) http://members.chello.se/wivisel/tenerife/Tenerifebilder/Guimar-1.JPG
4) http://www.reisebuero-schoenheide.de/reisezielkanaren.htm
5) http://www.rupestre.net/tracce/12/fuertev.html