Gerhard Herms nordeuropäisches Atlantis (II): Unterschied zwischen den Versionen

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Über diese "''Götterdämmerung''" der von ihm und [[Jürgen Spanuth]] vermuteten, bronzezeitlichen Kultur der [[Atlanter]] im Norden [[Europa]]s äußert [http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Herm Herm] sich folgendermaßen: "''Erderschütterungen hätten das nördliche Reich zerstört, erzählt [[Plato]]s fiktiver Gesprächspartner [http://de.wikipedia.org/wiki/Kritias Kritias], das Meer habe sie überflutet und dann am Katastrophenort eine >undurchdringliche, schlammige Untiefe< gebildet. Heute glaubt man zu wissen, worauf er anspielt. In den Bebenzeiten des dreizehnten vorchristlichen Jahrhunderts, gegen Ende der mittleren Bronzezeit, wurde auch ein breiter, fruchtbarer Marschenstreifen, welcher der Westküste Schleswig-Holsteins vorgelagert war, völlig vernichtet. der Kieler Geologe von Maack hat errechnet, daß, ausgelöst möglicherweise von den isländischen und anderen Erderschütterungen, achtzehn Meter hohe Wellen herangebrandet sein müssen, eine Flut, >die an Höhe und Größe ihrer Zerstörung jede geschichtlich bekannte bei weitem übertroffen hat<.''
 
Über diese "''Götterdämmerung''" der von ihm und [[Jürgen Spanuth]] vermuteten, bronzezeitlichen Kultur der [[Atlanter]] im Norden [[Europa]]s äußert [http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Herm Herm] sich folgendermaßen: "''Erderschütterungen hätten das nördliche Reich zerstört, erzählt [[Plato]]s fiktiver Gesprächspartner [http://de.wikipedia.org/wiki/Kritias Kritias], das Meer habe sie überflutet und dann am Katastrophenort eine >undurchdringliche, schlammige Untiefe< gebildet. Heute glaubt man zu wissen, worauf er anspielt. In den Bebenzeiten des dreizehnten vorchristlichen Jahrhunderts, gegen Ende der mittleren Bronzezeit, wurde auch ein breiter, fruchtbarer Marschenstreifen, welcher der Westküste Schleswig-Holsteins vorgelagert war, völlig vernichtet. der Kieler Geologe von Maack hat errechnet, daß, ausgelöst möglicherweise von den isländischen und anderen Erderschütterungen, achtzehn Meter hohe Wellen herangebrandet sein müssen, eine Flut, >die an Höhe und Größe ihrer Zerstörung jede geschichtlich bekannte bei weitem übertroffen hat<.''
  
''Sein Kollege Wildvang stellte schon zu Beginn dieses'' [des 20.; d. Red.]'' Jahrhunderts bei Bohrungen fest: >Durchweg sind (in dem versunkenen Landstreifen) die Kronen gestürzter Bäume nach Osten gerichtet, wodurch die Annahme, die Katastrophe sei durch einen aus westlicher Richtung hervorbrechenden Sturm verursacht worden, ihre Bestätigung finden mag.< Auf den Marschen aber, die auch das heutige Heloland mit der Küste verbanden, hat, laut [[Jürgen Spanuth|Spanuth]], die Stadt [[Atlantis]] gelegen. In der [[Die Edda und der Atlantisbericht|Edda]]'' '''(Abb. 3)''','' so meint er weiter, werde eine Erinnerung an den [http://de.wikipedia.org/wiki/Kataklysmus Kataklysmus], der sie vernichtete, festgehalten und von diesen Versen beschworen:''
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''Sein Kollege Wildvang stellte schon zu Beginn dieses'' [des 20.; d. Red.]'' Jahrhunderts bei Bohrungen fest: >Durchweg sind (in dem versunkenen Landstreifen) die Kronen gestürzter Bäume nach Osten gerichtet, wodurch die Annahme, die Katastrophe sei durch einen aus westlicher Richtung hervorbrechenden Sturm verursacht worden, ihre Bestätigung finden mag.< Auf den Marschen aber, die auch das heutige Heloland mit der Küste verbanden, hat, laut [[Jürgen Spanuth|Spanuth]], die Stadt [[Atlantis]] gelegen. In der [[Die Edda und der Atlantisbericht|Edda]]'' '''(Abb. 3)''','' so meint er weiter, werde eine Erinnerung an den [[Kataklysmus]], der sie vernichtete, festgehalten und von diesen Versen beschworen:''
  
 
''>Es steigt zum Himmel''<br>
 
''>Es steigt zum Himmel''<br>

Version vom 16. Juni 2010, 18:51 Uhr

Atlantis´ Glanz und Untergang

(bb) Über die Beschreibung der Atlantier-Metropole bei Platon und deren Interpretation durch Jürgen Spanuth heißt es 1975 bei Gehard Herm: "Künstliche Häfen hätten sie gehabt, die Atlanter, einen Königssitz, dessen Mauer mit >glänzendem Oreichalkos< überzogen war, was geschmolzener Bernstein gewesen sein könnte, ein straffgeordnetes Heerwesen, >zehntausend Streitwagen<, darunter >Zweigespanne ohne Wagenstuhl, welche einen leichtbeschildeten Streiter und nächst ihm den Lenker der beiden Pferde trugen<, sowie eine riesige Flotte. In ihren Kulturen hätten Stieropfer und Feuerzeremonien eine Rolle gespielt. Der Festtagsornat ihrer Könige war >ein sehr schönes blaues Gewand<, ihr Land aber sei derart fruchtbar gewesen, daß sie jährlich zwei Ernten einbringen konnten, eine vom Winterregen befeuchtet, eine durch künstliche Bewässerung ermöglicht. Sie ritten auch bereits und besaßen auf iher größten Insel eine Rennbahn, deren Breite ein Stadion (192 Meter) betrug<. Vor allem aber sollen ihre öffentlichen Gebäude von Gold, Silber und >Oreichalkos< geradezu gestrotzt haben: Golden waren ihre Götterstatuen, golden ihre Ahnenbilder und Opferschalen, silbern schimmerten die Mauern ihrer Tempel.

Wenn dies alles auf Augenzeugenberichten beruht, muß - seemännische Fabulierlust in Rechnung gestellt - Atlantis ein hochzivilisiertes, reiches und mächtiges Gemeinwesen gewesen sein. Unmöglich ist das, wie gesagt, keineswegs. Die Vorgeschichtsforschung hat längst ermittelt, daß etwa in Südengland, Schleswig-Holstein und Jütland während der Bronzezeit Fürsten gelebt haben, die über beträchtliche Reichtümer verfügten. Sie bezogen Gold aus Irland, Silber aus Spanien, fanden Bernstein vor ihren eigenen Küsten, besaßen Schmucknadeln aus Mitteldeutschland, Gefäße aus Griechenland, Fayenceperlen aus Ägypten und dürften einen Teil dieser Einfuhren mit dem Zinn bezahlt haben, das innerhalb ihres Herrschaftsbereiches in größeren Mengen vorkam als irgendwo sonst, nämlich in Cornwall. Dabei mag es inen immer noch nicht auf Profitmaximierung angekommen sein, sondern einfach auf >Geschenke<, aber die konnte man eben nur erhalten, wenn man etwas gleichwertiges für sie bot.

Abb. 1 Die 'Rennbahn' bei den Megalith-Anlagen von Wiltshire (oben in der Skizze). Eine Rennstrecke, wie sie auch in Platons Atlantisbericht beschrieben wird?

Daß ihr Land so ungeheuer fruchtbar war, wie Platos Gewährsmann behauptet, ist - wenn man das damals herrschende Klima in Betracht zieht - auch nicht so unwahrscheinlich. Pferdegezogene Wagen hatten die Vorfahren der >Atlanter< schon aus der Steppe mitgebracht. Und die Beobachtung schließlich, diese Fahrzeuge seien - wie später jene der Kelten - mit mindestens zwei Mann besetzt gewesen, läßt den unbekannten Augenzeugen eher noch glaubwürdiger erscheinen. Im alten Griechenland waren sie meistens nur für einen Mann gedacht.

Ebenfalls keine Erfindung braucht die Rennbahn zu sein, von der die Rede ist. Nahe Stonehenge gibt es den sogenannten >Cursus< (Abb. 1) , eine Wallanlage, die jeden, der sie sieht, sofort an eine Galoppstrecke denken läßt, auch wenn die Ausgräber - die ja immer die Neigung haben, alles, was ihnen nicht einleuchtet, zur Kultstätte zu erklären - sie für eine Prozessionsstraße halten. Der Cursus ist etwa zwei Kilometer lang, hundert Meter breit und hat die Form einer schmalen Ellipse.

Weiter ist es durchaus möglich, daß die Pferdeliebhaber dieser Gemeinwesen nicht nur in leichten Wagen um die Bahn rasten, sondern auch schon ritten. Rosse, die stark genug waren, einen Mann über längere Strecken zu tragen, haben sich ja nach Ansicht der Hippologen unter anderem aus Kreuzungen zwischen den Nachkommen des leichten Steppentarpans und schwereren Kaltblutschlägen ergeben, wie sie westlich der Weichsel heimisch waren. Der erste Kavallerist könnte sich also sowohl auf irgendeiner norddeutschen Weide als auch anderswo in den Sattel geschwungen haben. Im übrigen war das Pferd den Nachkommen der nomadischen Völker ebenso heilig wie der Stier. Poseidon, den die Atlanter laut Kritias in ihren Tempeln verehrten, hatte man sich ursprünglich in Gestalt eines Rosses vorgestellt. Dvon kündet noch die Geschichte von dem Trojanischen Pferd (Abb. 2) , das in Wirklichkeit ein Standbild für den späteren Beherrscher der Meere gewesen sein dürfte. Homer verstand das schon nicht mehr ganz. Und auch das Feuer war für die meisten indogermanischen Völker ein göttliches Phänomen, ebenso wie die Sonne, von der es zu stammen schien." [1]

Abb. 2 Bei dem legendär gewordenen 'Trojanischen Pferd' der Odyssee dürfte es sich in Wirklichkeit um ein Standbild des Meeresgottes Poseidon gehndelt haben, den man sich ursprünglich in Pferdegestalt vorstellte.

Im Rahmen seiner vergleichenden Betrachtung von Platons Atlantern und der Kulturen der europäischen Bronzezeit stellt Herm zu letzteren weiter fest: "Auf welche Weise sie sich den Himmlischen näherten, ist freilich schwer zu erkunden. Doch mögen ihre Priester durchaus >sehr schöne dunkelblaue Gewänder< getragen haben. Der Stand der Webkunst war in der Bronzezeit erstaunlich hoch, und die Technik des Färbens beherrschten ihre Textilproduzenten ebenfalls. Man hat in dänischen Moorgräbern sowohl Reste wallender Umhänge als auch hemdartige Oberkleider und sogar einen >Minirock< gefunden. Er war aus herabhängenden Schnüren gefertigt. Fügt man diese wenigen Details zusammen, dann ergibt sich das Bild einer Gemeinschaft, die ob ihres Reichtums, des Luxus, in dem zumindest ihre Oberen lebten, ihrer Farbigkeit, ihres Lebensstils einen Fremden stark beeindrucken mußte. Von den Archäologen, die in dem Raum gruben, den sie bewohnt haben soll, wagte denn auch einer, der Engländer J.F.S. Stone, die Vermutung, sie sei zumindest >ein barbarisches Abbild dessen gewesen, was in den Gedichten Homers beschrieben wird<. Doch könnte man, Platos Bericht heranziehend und ihn ernst nehmend, auch sagen: sie war kein Abbild, war schon gar nicht barbarisch und hat umgekehrt die Achaier stärker beeinflußt als diese sie.

Die agonale Haltung etwa (von >agon<, griechisch: Wettkampf), die ihre Deuter an den Griechen so sehr bewundern, mag sich ebensogut wie auf dem Peloponnes weiter nördlich entwickelt haben, auf den Rennbahnen der >Atlanter<. Lust an Spiel, Sport, und dem eigenen Körperbraucht nicht als ein Wesensmerkmal auf südliche Völker beschränkt zu werden, wenn man weiß, daß es in der warmen Zeit vor dem großen Klimasturz auch in heute nebligeren Gefilden möglich war, sich den größten Teil des Jahres über nackt oder leichtbekleidet im Freien zu tummeln.

Und natürlich muß das auch für die damaligen Bewohner Böhmens und Mitteldeutschlands gegolten haben. Sie unterhielten ohnehin, das ist erwiesen, rege Verbindungen zu dem in sich geschlossenen nördlichen Kulturkreis der Bronzezeit. Als dieser dann unter der Wucht von Erdbeben und dem Anprall seismischer Meereswogen zusammenbrach, wurden sie freilich in die dadurch ausgelöste Katastrophe mit hineingezogen. Es war für alle eine Zeit blutiger Unruhen und tiefgreifender Veränderungen - ausgelöst durch den Untergang dessen, was Atlantis gewesen sein könnte." [2]

Abb. 3 In der Edda sollen Erinnerungen an den Untergang von Atlantis zu finden sein. Bild: Deckblatt einer isländischen Abschrift der Snorra-Edda aus dem Jahr 1666

Über diese "Götterdämmerung" der von ihm und Jürgen Spanuth vermuteten, bronzezeitlichen Kultur der Atlanter im Norden Europas äußert Herm sich folgendermaßen: "Erderschütterungen hätten das nördliche Reich zerstört, erzählt Platos fiktiver Gesprächspartner Kritias, das Meer habe sie überflutet und dann am Katastrophenort eine >undurchdringliche, schlammige Untiefe< gebildet. Heute glaubt man zu wissen, worauf er anspielt. In den Bebenzeiten des dreizehnten vorchristlichen Jahrhunderts, gegen Ende der mittleren Bronzezeit, wurde auch ein breiter, fruchtbarer Marschenstreifen, welcher der Westküste Schleswig-Holsteins vorgelagert war, völlig vernichtet. der Kieler Geologe von Maack hat errechnet, daß, ausgelöst möglicherweise von den isländischen und anderen Erderschütterungen, achtzehn Meter hohe Wellen herangebrandet sein müssen, eine Flut, >die an Höhe und Größe ihrer Zerstörung jede geschichtlich bekannte bei weitem übertroffen hat<.

Sein Kollege Wildvang stellte schon zu Beginn dieses [des 20.; d. Red.] Jahrhunderts bei Bohrungen fest: >Durchweg sind (in dem versunkenen Landstreifen) die Kronen gestürzter Bäume nach Osten gerichtet, wodurch die Annahme, die Katastrophe sei durch einen aus westlicher Richtung hervorbrechenden Sturm verursacht worden, ihre Bestätigung finden mag.< Auf den Marschen aber, die auch das heutige Heloland mit der Küste verbanden, hat, laut Spanuth, die Stadt Atlantis gelegen. In der Edda (Abb. 3), so meint er weiter, werde eine Erinnerung an den Kataklysmus, der sie vernichtete, festgehalten und von diesen Versen beschworen:

>Es steigt zum Himmel
im Sturm das Meer
und stürzt aufs Land
die Luft verdorrt
Schneesturm kommt dann
und scharfer Wind
dann ist das Ende der Asen gesetzt.<

Mit den Asen könnten die reichen Bronzezeitfürsten gemeint gewesen sein. Einen großen Teil ihres fetten Bodens, der zwei Jahresernten hergegeben hatte, bedeckte nun das Meer. Der Himmel füllte sich mit Wolken, die Temperatur sank. Was blieb jenen, die diese >Götterdämmerung< überlebt hatten, anderes übrig, als frierend nach Gefilden zu streben, in welchen noch die Wärme herrschte, an die sie gewöhnt waren? So setzten sie ihre hörnergeschmückten Helme auf, griffen zu Lanzen, von denen viele die geflammten Blätter hatten, die Diodorus später auch bei den Kelten entdeckte, gürteten das >gemeingermanische Griffzungenschwert< (Abb. 4), eine der schönsten Waffen, die je geschmiedet wurden, und zugen mit ihrer Streitmacht nach Süden. Alle Völker, auf deren Gebiete sie zumarschierten, bereiteten sich auf das Schlimmste vor." [3]


Die Völkerwanderung der 'Teuta'

Abb. 4 Diverse nordische Griffzungen-Schwerter sowie andere Waffen und Utensilien nach Ernst Sprockhoff.

Über die nun infolge der beschriebenen Groß-Katastrophen einsetzende, im wesentlichen nach Süden gerichtete Völkerwanderung sowie über ihre Konsequenzen schreibt Gerhard Herm folgendes: "Die von der Aunjetitzer Kultur mitgeprägten Bewohner Ungarns zogen starke Palisadenwälle um ihre Dorfer. In Griechenland wurden vorhandene Festungswälle hastig ausgebessert oder verstärkt. Selbst die kretischen Herrscher stellten Streitwagenschwadronen auf, obwohl sie bisher geglaubt hatten, den Schutz der Insel allein ihrer starken Kriegsflotte anvertrauen zu können. Genützt hat dies jedoch in keinem Fall. Die Auswandererscharen zogen elb- und oderaufwärts, stießen mit einem Teil ihrer Kräfte bis zu den Alpen und nach Italien vor und schickten den anderen durch Böhmen in die ungarische Tiefebene.

Hätte es zu dieser Zeit schon eine politische Landkarte Europas gegeben, sie hätte nach diesen Ereignissen neu gezeichnet werden müssen. Diejenigen Stämme, welche die Apeninnenhalbinsel erreichten, ließen sich dort nieder und wuchsen zum Volk der Umbrer heran. Seine Angehörigen benutzten eine indogermanische Sprache und scheinen sich ursprünglich Ambronen genannt zu haben. Das mag den Zwischenfall in der Schlacht von Aquae Sextiae erklären, den Plutarch, die Umbrer wohl mit den Ligurern verwechselnd, mitteilt. [4] Aber auch die Teutonen oder Teutanen hat es damals in Campanien gegeben, was ebenfalls nicht mehr verblüffen kann, wenn man erfährt, daß das Wort >teuta< in vielen alteuropäischen Sprachen vorkam. Die Kelten hatten einen Gott, der Teutates hieß, die frühen Iren kannten den Begriff >tüath<. [5] Beides, teuta wie tüath, bedeutet nichts anderes als die Leute, das Volk. Aus dieser Wurzel hat sich später die Nationalbezeichnung >deutsch< entwickelt.

Dieselbe große Bewegung, welche die frühen Teutonen und die Umbrer nach Mittelitalien brachte, mag auch die Veneter nach Oberitalien, die mit ihnen verwandten Vorfhren der Illyrer nach Jugoslawien und deren Vettern, die Phryger und Proto-Armenier, nach Anatolien verschlagen hat. Weiter kann man annehmen, die gesamte Aunjetitzer Kultur, der sie ja alle angehört hatten, sei von dem Völkersturm in Mitleidenschaft gezogen worden. Und da auch die Illyrer Personennamen wie Teuticus, Teutomus oder einfach Teuta kannten, liegt als abschließende Vermutung nahe, es sei der gleiche Schoß gewesen, aus dem dies alles gekrochen kam: der indogermanisch-alteuropäische. Die Flüchtlinge stießen sogar, von Ungarn aus, über das Balkangebirge nach Griechenland vor. All das muss nach jenem Jahr 1220 v. Chr., in dem der Theravulkan ausbrach [6], geschehen sein. Den Eindringlingen aus dem Norden bot sich nämlich kaum eine Gelegenheit, ihre Belagerungskunst an den Burgen der Mykener zu erproben, weil diese schon vorher in Trümer gesunken oder in Brand geraten waren, möglicherweise durch eben jenes Naturereignis.

Da aber überdies das Land durch die anhaltende Dürre zu ausgelaugt war, um größeren Menschenmengen Nahrung zu bieten, zogen die Zuwanderer einfach hindurch, setzten nach Anatolien über und bedrohten die dort bestehenden Reiche, vor allem das hethitische. Gleichzeitig dürften sie auch Seefahrzeuge gebaut und fernere Küsten angesteuert haben. Ein König aus Ugarit in Syrien schrieb damals an seinen zyprischen Kollegen: >Schiffe der Feinde hat man auf dem Meer gesehen. Sei also auf der Hut!< Die Tontafel, in die diese Botschaft geritzt wurde, konnte schon nicht mehr abgesandt werden. Die Fremden hatten Anatolien durchzogen und Ugarit zerstört. Sie näherten sich den Grenzen Ägyptens. Damit traten sie aus dem Dunkel der Vorgeschichte, dem Forschungsfeld der Archäologie und ihrer Hilfswissenschaften, zum ersten mal an das Licht der geschriebenen Geschichte. Ägyptische Chronisten verbuchten sie als >die Seevölker<." [7]


Fortsetzung

Gerhard Herms nordeuropäisches Atlantis (III) - Ramses und die Krieger mit dem starrenden Haar (bb)


Zeittafel

Herm - Zeittafel.jpg
Quelle: Gerhard Herm, op. cit., S. 138 --- Red. Anmerkung: Bei der ersten Angabe muss es statt "1000 v. Chr." richtig "5000 v. Chr." heißen, was auch aus G. Herms Text hervorgeht.


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Gerhard Herm, "Die Kelten - Das Volk, das aus dem Dunkel kam", Weltbild Verlag (Lizenzausgabe), 1991, S. 149-150 (zit. nach der Online-Fassung bei Scribd.com)
  2. Quelle: ebd., S. 150-151
  3. Quelle: ebd., S. 152-153
  4. Red. Anmerkung: Plutarch erklärte (in: Marius 10, 5-6), dass die Ambronen während des Gefechts damit begannen, im Chor ihren Schlachtruf "Ambrones!" zu rufen. Daraufhin sollen auf der Gegenseite auch die ligurischen Hilfstruppen der Römer, die dies vernahmen, in jenen Schlachtruf eingestimmt haben, da dies auch der alte Name ihres legendären Ursprungslands gewesen sei, den die Ligurer häufig verwendeten, wenn sie über ihre Herkunft sprachen. (Quelle: Absolute Astronomy.com - Exploring the universe of knowledge, unter: Battle of Aquae Sextiae) Plutarch hat hier also möglicherweise überhaupt nichts verwechelt, wie G. Herm annimmt.
  5. Red. Anmerkung: Vergl. dazu bei Atlantisforschung.de auch den Beitrag: "Tuatha Dé Danann" (red)
  6. Vergl. zu dieser veralteten Datierung: Gerhard Herms nordeuropäisches Atlantis (Teil I), Red. Anmerkung 6
  7. Quelle: Gerhard Herm, op. cit., S. 153-154


Bild-Quellen

(1) E.J. de Meester, unter: http://home-3.tiscali.nl/~meester7/engatlantis.html (nicht mehr online)

(2) Borg Krems ...die gute Aussicht, unter: Bild:Trojaner1.jpg

(3) Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, Stichwort: Edda

(4) Dieter Braasch, Megalithgräber, Hörner, Spiralen und der heilige Ring in Europa und im Vorderen Orient - Symbole einer europäischen Urreligion? (Arbeitshypothese), unter: Nordische Schwerter...