Gilgal Refaim: Doch kein bronzezeitliches Observatorium?

Abb. 1 Luftbild der Megalithkomplex Rujm el-Hiri (arabisch, Steinhaufen der Wildkatze, auch Rogem Hiri oder hebräisch Gilgal Refaim, Rad der Gespenster) im zentralen Golan, etwa 16 km östlich des See Genezareth.

(rmh) Andreas Müller berichtet am 31.01.2025 auf seinem Blog Grenzwissenschaft aktuell über eine neue Studie, die der These der astronomischen Ausrichtung des Steinkreises Gilgal Refaim widerspricht. Dieser megalithische Steinkreis - auf arabisch Rujm el-Hiri - wurde in den 1960er-Jahren im zetralen Golan entdeckt.

Die Ersteller der o. g. Studie sind ein Team um Dr. Olga Kahbarova und Dr. Lev. Eppelbaum von der Tel Aviv University sowie Dr. Michal Birkenfeld von der Ben-Gurion-Universität des Negev, die im Fachjorunal Remote Sensing (DOI: 10.3390/rs16224239) ihre Studie veröffentlichtern. Sie stellten mittels geomagnetischer Analysen und tekonischen Rekonstruierungen fest, dass die geodynamischen Bewegungen in einem Zeitraum von mehr als 150 Millionen Jahren bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von acht bis 15 Millimeter pro Jahr signifikante Verschiebungen des Bodens verursacht haben. Dadurch wurde das Gelände über Jahrtausende hinweg gedreht und die Anlage somit neu ausgerichtet.

Diese Entdeckung stellt die populäre These, dass es sich bei der Ringanlage um ein bronzezeitliches astronomisches Observatorium handelt, infrage. Wohl lässt Gilgal Refaim heute eine derartige Ausrichtung erkennen, doch die ursprüngliche Ausrichtung der Mauern und Eingänge stimmen nicht mit den Himmelsbeobachtungen überein.

Die Wissenschaftler arbeiteten mit geophysikalischen Methoden sowie Fernerkundungstechniken und konnten anhand dieser deutlich machen, dass die Ausrichtung des Steinkreises aufgrund geodynamischer Verschiebungen über Jahrtausende hinweg von seiner ursprünglichen Position abweicht. Diese Feststellung wirft neue Fragen hinsichtlich der möglichen Identifizierung der Anlage als Observatorium auf.

Dazu führten die Forscher eine erste Kartierung und Dokumentation der archäologischen Landschaft innerhalb eines 30-Kilometer-Radius um den See Genezareth durch, in deren Rahmen typische Landschaftsmerkmale analysiert wurden, die mit historischer menschlicher Aktivität sowie der Rekonstruktion archäologischer Objekte in Verbindung stehen.

Den Wissenschaftlern zufolge basiert die Studie auf Berechnungen der Himmelskarte sowie der Ausrichtung von Sonnenwenden, Tagundnachgleichen und anderen Himmelskörpern, so, wie sie zwischen 2500 bis 3500 v. Chr. erschienen. Diese glichen sie mit der Symmetrie und den Eingängen von Gilgal Refaim, wie sie sich in der heutigen Zeit darstellen ab und kamen dabei zu folgendem Schluss:

"Die Ergebnisse zeigen, dass die Eingänge und radialen Mauern in dieser historischen Periode eine völlig andere Ausrichtung hatten, was die Frage nach dem Zweck der Anlage neu aufwirft."

Weiter bietet die Studie die erste umfassende Kartierung der archäologischen Landschaft rund um Gilgal Refaim anhand moderner Satellitentechnologie. So könnten sie einzigartige Landschaftsmerkmale identifizieren, darunter kreisförmige Strukturen, die einen Durchmesser von ungefähr 20 Metern aufweisen und allem Anschein nach landwirtschaftlichen oder weidewirtschaftlichen Zwecken dienten. Zudem dokumentierten die Forschenden Dutzende von Grabhügeln (Tumuli) in der Region. Eine von ihnen dienten, wie die Wissenschaftler vermuten, neben ihrer traditionellen Funktion als Grabstätten als Lagerstätten, Unterkünften und Behausungen.

Die Forscher schließen ihre Studie mit den Worten:

"Diese neue Studie eröffnet nicht nur ein Fenster zum Verständnis von Rujm el-Hiri, sondern bereichert auch unser Wissen über das Leben in der Antike in den Golanhöhen sowie über die Verbindungen zwischen verschiedenen archäologischen Funden in der Region."

Quelle und Anmerkung

Müller, Andreas: Neue Analysen widersprechen Rujm el-Hiri als bronzezeitliches Observatorium

s. dazu auch: Gilgal Refaim

Bildquelle

Abb. 1: Copyright: ZeevStein (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 4.0