Gisela Ermel: Das Moundbuilder Phänomen (Rezension)

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Abb. 1 Gisela Ermel, "Das Moundbuilder Phänomen - Erdhügel, Kultursprünge und Masterplaner: Rätselhafte prähistorische Spuren in Nordamerika", Gross-Gerau (Ancient Mail), 2008, 350 Seiten - ISBN 978-3-935910-57-6

(bb) Wer sich - wie auch dieser Rezensent - für die Rätsel der präkolumbischen Geschichte Nordamerikas und ihre Erforschung interessiert, sollte Gisela Ermels "Das Moundbuilder Phänomen" (Abb. 1) unbedingt in seiner privaten Bibliothek haben. Mit diesem bereits 2008 erschienenen Werk präsentiert sich die Autorin, die vor allem durch ihre Publikationen zum Thema Paläo-SETI Bekanntheit erlangt hat, nicht nur als Expertin in Sachen Moundbauer-Kulturen, sondern auch als profunde Kennerin der nordamerikanischen Archäologie-Geschichte.

Nach einer Einführung in die moderne Geschichte der 'Entdeckung' Nordamerikas durch die Europäer nimmt Ermel ihre Leser/innen mit auf eine Reise zu all jenen Kulturen des nördlichen Amerika, die allgemein unter der Bezeichnung 'Moundbuilders' zusammengefasst werden, beginnend mit den frühen Moundbauern von Watson Brake in Louisiana, über die Baumeister von Poverty Point, die Adena- und Hopewell-Kulturen, die Erbauer der Effigy-Mounds (Bilderhügel) bis hin zur nur etwa 1000 Jahre alten Mississippi-Kultur, zu deren bekanntesten Hinterlassenschaften die Anlagen von Cahokia gehören. Akribisch zeigt sie auf, dass alle genannten Gemeinschaften im Verlauf regelrechter 'Kultursprünge' entstanden sind, und sich nicht im Rahmen der gängigen Vorstellung linearer Kulturentwicklung erklären lassen. Augenscheinlich hatten immer wieder unbekannte 'Masterplaner' ihre Finger im Spiel, deren Wissen und Fähigkeiten weit über den Horizont einfacher 'Jäger und Sammler'-Gesellschaften hinausgingen.

Wer nun erwartet, dass die Autorin diese Phänomene, ihren persönlichen Überzeugungen folgend, konsequent im Sinne prä-astronautischer Thesen ausdeutet, irrt. Die Option, bei besagten 'Masterplanern' habe es sich um außerirdische Lehrmeister gehandelt, wird erst gegen Ende des Buches eher vorsichtig und zurückhaltend als eine von mehreren Möglichkeiten angesprochen. Vielmehr ist "Das Moundbuilder Phänomen" ein erstaunlich konservativ gehaltenes Werk, das sich - im besten Sinne populärwissenschaftlich ausgerichtet - sehr weitgehend an den im universitären Bezirk vorherrschenden Ansichten orientiert. Ermel präsentiert quasi eine Bestandsaufnahme allgemein akzeptierten Wissens und überlässt es im Großen und Ganzen ihren LeserInnen, darin die 'Ungereimtheiten' zu erkennen, welche die fachwissenschaftliche Forschung produziert.

Insofern ist es auch nicht als negative Kritik am Buch oder der Arbeit der Autorin zu verstehen, wenn der Rezensent feststellt, dass seiner Meinung nach zur Diskussion des behandelten Themenbereichs wesentliche Aspekte der alternativen, zumeist außeruniversitären Forschung in "Das Moundbuilder Phänomen" nur gestreift (z.B. präkolumbische transozeanische Kontakte von Menschen der Alten und der Neuen Welt) oder ganz ausgelassen werden (etwa das Problem der zweifellos mit den Moundbauern in Zusammenhang stehenden 'Riesen Nordamerikas'). Deren umfassende Darlegung müsste wohl im Rahmen eines höchst wünschenswerten zweiten Bandes dieser - um es noch einmal zu betonen, von Gisela Ermel höchst kompetent verfassten! -Abhandlung geschehen, der außenseiterische, abseits des offiziellen Wissenschafts-Betriebs oder an seinem Rand entwickelte Ansätze zur Erklärung des Moundbauer-Phänomens thematisiert.


Zur Einführung in die Thematik siehe auch:


Anmerkungen und Quellen

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