Joseph Pitton de Tournefort: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 14. Juni 2019, 23:55 Uhr

Historisches Forscherportrait

Auf einen Blick

Abb. 1 Der französische Botaniker Joseph Pitton de Tournefort (1656 - 1708)

(red) Joseph Pitton de Tournefort (Abb. 1) (* 5. Juni 1656 in Aix-en-Provence; † 28. Dezember 1708 in Paris) war ein französischer Botaniker, Mediziner und Forschungsreisender, der vor allem durch seine Forschungsreisen (Abb. 2) durch Westeuropa, den Mittelmeer-Raum und den Orient Bekanntheit erlangte.

Biographische Notizen

Seine erste Ausbildung erhielt Tournefort, der nach dem Willen seines Vaters Geistlicher werden sollte, am Jesuitenkolleg in Aix. Er zeigte jeoch wenig Neigung zur Theologie, sondern begeisterte sich schon früh für Botanik, der er sich nach dem Tode seines Vaters im Jahr 1677 voll und ganz zuwendete. "Er unternahm eine Exkursion in die Berge von Dauphiné und Savoyen, bei der er eine Vielzahl von Pflanzen sammelte, die die Grundlage für sein Herbarium bildete. 1679 ging er für fast zwei Jahre nach Montpellier, wo er anatomische und medizinische Kurse, aber auch die botanischen Vorlesungen von Pierre Magnol besuchte. Anschließend führte ihn eine weitere Exkursion in die Pyrenäen in Katalonien [...] Ende 1681 kehrte er nach Aix zurück, um seine gesammelten Pflanzen zu ordnen und zu klassifizieren." [1]

Tournefort, der in Frankreich zu dieser Zeit bereits einen guten Ruf als Botaniker hatte, wurde 1683 von seinem Senior-Kollegen Guy-Crescent Fagon nach Paris eingeladen und übernahm dessen Lehrstuhl für Botanik am Jardin du Roi. "Trotz seiner Lehrverpflichtungen setzte er seine ausgedehnte Reisetätigkeit fort. In Spanien botanisierte er in Andalusien und anschließend in Portugal. Kurz darauf besuchte er England und die Niederlande. Am 21. November 1691 [...] wurde er Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften." [2] 1694 erschien sein, König Ludwig XIV. gewidmetes, Hauptwerk mit dem Titel Éléments de botanique, ou methode pour connoître les plantes, das sechs Jahre später auch in einer dreibändigen Übersetzung ins Lateinische unter dem Titel Institutiones Rei Herbariae erschien. Im Jahr 1696 promovierte Tournefort in Paris schließlich zum Doktor der Medizin.

Abb. 2 Eine Karte der Forschungsreisen von Joseph Pitton de Tournefort

Ende 1699 wurde er von König Ludwig XIV. beauftragt, das Gebiet der Levante zu erforschen: "Am 9. März 1700 brach er gemeinsam mit dem deutschen Arzt Andreas von Gundelsheimer und dem Zeichner Claude Aubriet nach Marseille auf, wo sie sich am 23. April 1700 einschifften und am 3. Mai in der Hafenstadt Chania der griechischen Insel Kreta eintrafen.

Abb. 3 Das Titelblatt der Relation d’un Voyage du Levant von 1717

Auf Kreta besuchten sie die Städte Candia und Retimo sowie das Labyrinth bei Gortyn. Die Gruppe untersuchte zahlreiche Inseln im Ägäischen Meer und gelangte schließlich nach Konstantinopel. In Begleitung des Gefolges des Paschas von Erzurum setzten sie ihre Reise entlang der Südküste des [[[Das Schwarze Meer, die Sintflut und Atlantis|Schwarzen Meeres]] über die Küstenstädte Sinop und Trabzon bis nach Kolchis fort. Am 15. Juni kamen sie in Erzurum an. Von dort aus unternahm Tournefort mehrere Exkursionen in die armenischen Berge. Mit einer Karawane ging es nach Tiflis und schließlich nach Jerewan weiter, von wo aus Tournefort im August den Ararat bis zur Schneegrenze bestieg. Er verglich später die Höhenstufen des Ararats mit der armenischen, mediterranen, französischen, skandinavischen und arktischen Pflanzenwelt. Am 12. September 1701 begann die Rückreise, die die Reisegesellschaft auf dem Landweg über Tokat, Angora, Bursa nach Ephesos und Smyrna führte. Am 13. April begann von Smyrna aus eine 40-tägige Fahrt mit der Golden Sun, die sie zunächst nach Livorno brachte, bevor sie am 3. Juni 1702 an Bord einer Felucke wieder Marseille erreichten.

Von der über zweijährigen Reise brachte Tournefort 1356 verschiedene Pflanzenarten mit, die zu 673 Gattungen gehörten und die er 1703 in einer Ergänzung von Institutiones Rei Herbariae, dem Corollarium, beschrieb. Seine in Briefen verfasste Beschreibung der Reise, Relation d’un Voyage du Levant, wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. 1706 wurde Tournefort Professor für Medizin am Collège Royal in Paris. 1708 wurde er in der Rue Lacépède vor dem Jardin du Roi von einem vorüberfahrenden Wagen schwer verletzt. Einen Monat später starb er mit 53 Jahren an den Folgen dieser Verletzung." [3]

Pitton de Tournefort und Atlantis

In Tourneforts Relation d’un Voyage du Levant findet sich auch ein Brief über seinen Besuch des Bosporus. Darin berichtet der Foorschungsreisende [4], wie Thorwald C. Franke notiert, "über seine Vermutung, dass die Insel Atlantis in dem Moment untergegangen sein könnte, als der Damm bei Gibraltar brach und sich das Wasser aus dem Mittelmeer in den Atlantik ergoss." [5] Weitere relevante Aussagen zur Interpretation von Platons Atlantisbericht hat Joseph Pitton de Tournefort offenbar nicht vorgelegt, da Franke dies mit Sicherheit erwähnt hätte. So können wir lediglich schlussfolgern, dass der französische Gelehrte der Vorstellung einer Historizität von Atlantis positiv gegenüberstand, dass er es nahe der heutigen Straße von Gibraltat Gibraltar im Atlantik vermutete und dass er das legendäre Inselreich (was dessen Untergang betrifft) in einem naturgeschichtlichen Kontext betrachtete.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Joseph Pitton de Tournefort" (abgerufen: 14. Juni 2019)
  2. Quelle: ebd.
  3. Quelle: ebd.
  4. Siehe: Joseph Pitton de Tournefort, "Relation d’un Voyage du Levant", Lyon, 1717, Brief XV
  5. Quelle: Thorwald C. Franke, "Kritische Geschichte der Meinungen und Hypothesen zu Platons Atlantis", Norderstedt (Books on Demand GmbH), Juli 2016, S. 323

Bild-Quellen:

1) Valérie75 (Uploaderin) und Materialscientist (Bearbeiter) bei Wikimedia Commons, unter: File:Tournefort Joseph Pitton de 1656-1708.jpg
2) Valérie Chansigaud (Urheberin) bei Wikimedia Commons, unter: File:Travels Tournefort.svg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung 3.0 nicht portiert“)
3) Archive.org, unter: Relation d'un voyage du Levant...