Klaus Goldmann – Erinnerungen an einen verdienstvollen Prähistoriker

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Ein Nachruf useres Gastautors Günter Bischoff

Abb. 1 Dr. Klaus Goldmann (* 29. April 1936 in Guben; † 16. Dezember 2019 in Neumünster)

Am 16.12.2019 verstarb in Neumünster der Prähistoriker Dr. Klaus Goldmann im Alter von 83 Jahren. Er hinterlässt eine empfindliche Lücke in der archäologischen und historischen Forschung in Deutschland.

Bekannt wurde Dr. Goldmann, der einen großen Teil seines Arbeitslebens für das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin tätig war, vor allem durch seine Kontakte zum Puschkin-Museum in Moskau, wo er zusammen mit den russischen Verantwortlichen SchliemannsSchatz des Priamos“ begutachten konnte. Dieser war nach Kriegsende als Beutekunst in die Sowjetunion verbracht worden und galt bis 1991 als verschollen. [1]

Bedeutende Forschungen leistete Dr. Goldmann unter anderem auf dem Gebiet der historischen Gewässerkunde. Seiner Meinung nach wurden in Norddeutschland und angrenzenden Ländern nicht erst im Mittelalter, sondern bereits in der Bronzezeit wassertechnische Anlagen errichtet und Melioration betrieben. Damit vertrat er deutlich andere Ansichten als viele seiner Kollegen.

Er konnte auch nie die Meinung anderer Institutswissenschaftler verstehen, die die bronzezeitlichen Bewohner Norddeutschlands und Jütlands als hinterwäldlerische „Auerochsenjäger“ (so deren Bezeichnung) ansahen und nicht erkannten, dass sie Träger einer hoch entwickelten Kultur waren. Viel trug Dr. Goldmann auch zur Verbreitung populärwissenschaftlicher Erkenntnisse bei. Mitte der 1980er Jahre strahlte der Sender RIAS mehrere seiner von ihm konzipierten und vorgetragenen viertelstündlichen Features über die Lebensweise unserer Vorfahren aus. Themen waren beispielsweise „Deiche und Dämme im Ostseeraum“, „Der Wasserweg der Wikinger“ und „Die nordische Bronzekultur – eine vergessene Hochkultur?“. 1999 veröffentlichte er gemeinsam mit dem Publizisten Günter Wermusch ein Buch zur Vineta-Forschung, das viele neue Denkansätze enthielt. [2] Darin wurde erstmals die Hypothese vorgestellt, dass die sagenhafte mittelalterliche Ostseemetropole im Barther Bodden untergegangen sei. Die daraufhin erfolgten archäologischen Nachforschungen im Bodden konnten allerdings noch nicht zweifelsfrei die Richtigkeit der Theorie belegen.

Dr. Goldmann war stets ein freundlicher Gesprächspartner, wenn er mit Fachleuten und Privatforschern Gedanken austauschte. Ein letztes längeres Telefongespräch konnte ich mit ihm ein Vierteljahr vor seinem Tode führen. Es wurden dabei noch einmal Themen erörtert, die ihm als Prähistoriker offenbar besonders am Herzen lagen. So auch der unerfreuliche Umstand, dass die 1982 am Strand der Insel Föhr gefundene, von ihm in Berlin begutachtete und später im Museum für Archäologie auf Schloss Gottorf abgegebene Lanzenspitze mykenischer Herkunft dort im Depot verschwand und die Verantwortlichen nur noch spärliche Auskünfte darüber gaben. Eigentlich ist diese besondere Lanzenspitze eine sensationelle Entdeckung für den norddeutschen Raum, aber die betreffenden Museumsmitarbeiter konnten offenbar den wissenschaftlichen Wert dieses Fundes nicht ermessen, oder er passte ihnen als Zeuge eines direkten Kontaktes mit dem bronzezeitlichen Griechenland nicht in das gewünschte Geschichtsbild. [3]

Dr. Goldmann beschäftigte sich auch mit den umstrittenen Deutungen der Atlantis-Legende. Privat war bekannt, dass er weitgehend die Ansichten des Bordelumer Pastors und Privatforschers Jürgen Spanuth vertrat. Dienstlich wurde ihm aber seitens seiner Vorgesetzen zu verstehen gegeben, dass er diese Meinung nicht in der Öffentlichkeit vertreten dürfe.

Dr. Klaus Goldmann wird vielen an Archäologie und Vorgeschichte interessierten Menschen als wissenschaftlich kompetenter und streitbarer Zeitgenosse in Erinnerung bleiben. Mit ihm ist unserem Land ein Forscher verloren gegangen, der das Streben nach geschichtlicher Wahrheit stets höher schätzte als die Anpassung an den akademischen Zeitgeist.

Dresden, den 28.1.2020


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: dazu: Andreas Schäfer, "Jagd nach dem Schliemann-Gold - Klaus Goldmann über die Suche nach dem verlorenen Schatz des Museum für Vor- und Frühgeschichte im geteilten Berlin", 13.01.2017, bei Stiftung Preußischer Kulturbesitz (abgerufen: 28. Januar 2020)
  2. Siehe: Klaus Goldmann und Günter Wermusch, „Vineta – Die Wiederentdeckung einer versunkenen Stadt“, Bergisch Gladbach (Bastei Lübbe Verlag), 1999
  3. Anmerkung: Dr. K. Goldmann berichtete Näheres zum Fund dieser mykenischen Lanzenspitze in der RIAS-Sendung „Ein Enkel des Agamemnons auf Föhr“ am 9.7.1984.

Bild-Quelle: