Kleinasiatische und andere Amazonen des Ostens (Teil II)

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Penthesiliea

Abb. 1 Die kleinasiatische Amazonen-Herrsacherin Penthesilea fiel beim Kampf um Troja durch die Hand des Achilles, der sich in ihre Leiche verliebte und sie nach einigen Quellen sogar geschändet haben soll.

(bb) Werfen wir nun noch einen Blick auf einige sagenhafte Amazonen-Königinnen des Ostens, über die wir in den griechischen Mythen Informationen finden können. Eine der bekanntesten dieser Amazonen-Herrscherinnen war Penthesilea, eine Tochter von Ares und Otrere. Der Überlieferung nach tötete sie versehentlich eine verbündete Amazonen-Königin (Hippolyte, Melanippe, oder Glauce). Um sich von dieser Tat reinzuwaschen, ging Penthesilea zu König Priamos von Troja. Dazu finden wir einige interessante Informationen in dem Online-Essay Mortal Women of the Trojan War eines ungenannten Autors: "Offenbar im Gegenzug für Priamos' Beistand, trat Penthesilea mit ihren Amazonen an der Seite der Trojaner in den Trojanischen Krieg ein. Der Kriegseintritt erfolgte nach dem Tode Hektors, im 10. und letzten Kriegsjahr." [1]

Dem Chronisten Hellanikos zufolge, "kämpfte Penthesilea im Trojanischen Krieg, um Ruhm zu erwerben. Hellanikos sagt weiterhin, dass eine Amazone nach den Sitten der Amazonen Ruhm im Krieg (gegen Männer) erwerben musste, bevor sie heiraten durfte (Gantz, 621). Was auch immer der Grund für ihren Kriegs-Eintritt war, Penthesilea und die Amazons kämpften jedenfalls tapfer und gut. Penthesilea soll, wie es heißt, den Machaon, Sohn des Asclepius, besiegt haben und den Podarces, Bruder des Protesilaus. In der Aeneis sieht Aeneas den Kampf um Troja auf Wandbildern / Mosaiken in einem karthagischen Tempel abgebildet. Zu einem der Bilder, die Aeneas sieht, bemerkt er über den Heroismus der Penthesilea:

(I.490) Ducit Amazonidum lunatis agmina peltis
Penthesilea furens, mediisque in milibus ardet,
aurea subnectens exsertae cingula mammae
bellatrix, audetque viris concurrere virgo.

>Die wilde Penthesilea führt eine Schlachtlinie von Amazonen mit Halbmond-Schilden, und sie stach inmitten Tausender hervor, da sie goldene Gürtel um die entblößten Brüste geschlungen hatte, die Kriegerin, und als Maid wagt sie den Wettstreit mit Männern.< Ihre erfolgreichen Schlachten fanden Achilles Beachtung, und er arbeitete sich [in der Schlacht] langsam auf sie zu, um der berühmten Amazone gegenüberzutreten. Als er sie fast erreicht hatte, versuchte Chalcon von Cyparissus (der sich in Penthesilea verliebt hatte), ihn davon abzuhalten. Achilles tötete Chalcon schnell und bald entbrannte sein Gefecht mit Penthesilea. Achilles besiegte [und erschlug] Penthesilea, doch als er ihre Schönheit sah, verliebte er sich, wie Chalcon, in die tapfere Amazone und beklagte umgehend seine Tat." [2] Auch der Dichter "Propertius berichtet in Buch III.11, Gedicht XI, aus seinen Elegien, wie Achilles sich in Penthesilea verliebte, nachdem er sie getötet hatte und wie Penthesileas Schönheit, hier benutzt er eine interessante Wortwahl, den >Eroberer< (victorem) erobert (vicit):

(13) Ausa ferox ab equo quondam oppugnare sagittis
Maeotis Danaum Penthesilea
rates;aurea cui postquam nudavit cassida frontem,
vicit victorem candida forma virum.

>Penthesilea, eine grimmige Skythin, wagte es einst, zu Pferde die griechischen Schiffe mit Pfeilen zu attackieren; nachdem der vergoldete Metall-Helm (entfernt und) ihre Stirn entblößt war, überwätigte ihre brilliante Form den Mann (Achilles), den Sieger.< Thersites, ein Grieche, verspottete Achilles und entfernte, wie einige sagen, Penthesileas Augen mit seinem Schwert. Achilles tötete Thersites mit einem einzigen Streich (Bell, 352). Diomedes, ein Verwandter des Thersites, warf Penthesileas Leichnam in den Fluss Scamander. Als Folge von Achilles Totschlag an Thersites kam Unruhe in den Lagern der Griechen auf, und Achilles musste nach Lesbos gehen, um sich von Odysseus läutern zu lassen (Gantz, 621)." [3]


Andromache

Abb. 2 Attische Keramik im Britischen Museum in London. Die abgebildete Szene zeigt den Sieg des Theseus über die Amazonen-Königin Andromache - bewaffnet mit Streitaxt und Bogen.

Eine weitere bedeutende Amazonen-Königin des Ostens, die von den Hellenen in ihren Überlieferungen verewigt wurde, war "Andromache (>die von der männerbekämpfenden Schlacht<, ein Amazonenname, KERÉNYI, 272). Sie war die Tochter des Eetion und Gemahlin des Hektor, dem ältesten Prinzen von Troja. Mit ihm ist sie Mutter des Astyanax (Skamander). Als die Griechen in Troja eindringen versucht Andromache zwar, diesen Sohn vor den Eroberern zu verstecken, doch finden die ihn und die Mutter muß mit ansehen, wie die ihn in den Tod stürzen. Als Sklavin führt sie der Sieger Pyrrhus mit nach Epirus. Dort behandelt der sie zwar gut, doch seiner rechtmäßige Frau, Hermione, mißfällt die Nebenbuhlerin. Als Pyrrhus außerhalb der Stadt weilt, bittet sie den Menelaus darum, die Andromache zu töten, doch schreitet das Volk ein und verhindert die Mordtat.

Hermiones Eifersucht war keineswegs unbegründet: "Mit Pyrrhus wird Andromache noch Mutter von Molossus, Pileus und Pergamus. Als Pyrrhus stirbt, wird sie auf dessen Wunsch hin die Frau seines Bruders Helenus und Königin von Epirus. Mit Helenus wird sie nochmals Mutter eines Sohnes, Cestrinus. Unterdessen hatte ihr Sohn Pergamus in Kleinasien die nach ihm benannte Stadt gegründet. Sie folgt ihm dahin und als sie stirbt wird ihr in Pergamus die Ehre eines Heldenbegräbnisses zuteil. Über sie verfaßte Euripides eine Tragödie, die als dessen siebte erhalten ist. Auch Attius und Ennius hatten sich des Stoffes angenommen, doch sind ihre Werke leider verloren gegangen." [4]

Was Mythen, Kunst und Literatur der Hellenen angeht, so können wir also mit Jibril feststellen: "Der Amazonenmythos nimmt auf jeden Fall eine besondere Position ein, denn Frauen, die fähig waren ohne Männer zu existieren und darüber hinaus auch noch erfolgreich im Kampf Widerstand leisteten und sogar siegten, waren auf jeden Fall sehr selten in der alten Zeit. Gerade deshalb wurde ihre Geschichte immer ins Reich der Phantasie verbannt," denn unter den Hellenen - und auch später - wollte vermutlich kaum jemand "wahrhaben, dass so etwas möglich war." [5]


Thalestris

Thalestris ist eine weitere prominente Amazone und steht für den Untergang der Kriegerinnen-Kultur in Kleinasien. Jibril schreibt über sie: "Die letzte Amazonenkönigin, die namentlich genannt wird, ist Thellestris [Thalestris], auf die Alexander der Große traf als er mit der Schlacht bei Issos (333 v.u.Z.) Kleinasien unter seine Herrschaft gebracht hat. Es spricht also vieles dafür, dass die Amazonen nicht nur eine Sagengestalt sind, sondern tatsächlich kämpften. Sogar die heilige Insel der Amazonen, Aretias wurde gefunden, es gibt keinen Zweifel das die kleine Insel Giresun Adasi, nahe der Südküste des schwarzen Meeres mit der heiligen Insel identisch ist." [6]

Leider ist völlig unklar, ob die Amazonen sich auf Seiten der Perser an der Schlacht bei Issos beteiligten, um sich wie einst im Trojanischen Krieg den griechischen Eindringlingen entgegenzustellen. Die uns vorliegenen Quellen sagen nichts Konkretes darüber aus. Der römische Chronist Curtius Rufus beschrieb sogar eine - vermutlich erfundene - "Romanze" zwischen Thalestris und Alexander: "Wie oben erwähnt, lebte das Volk der Amazonen Hyrcanien benachbart. Sie bewohnten die Gefilde von Themiskyra um den Fluss Thermodon. Als Königin hatten sie Thalestris, die über all diese zwischen dem Kaukasusgebirge und dem Phasisstrome gebot.

Abb. 3 Hatte Alexander der Große (Bild) vor der Schlacht bei Issos (333 v.u.Z.) ein Techtelmechtel mit der Amazonenkönigin Thalestris?

Diese entbrannte nun in dem Wunsch, den König zu sehen, und verließ die Grenzen ihres Reiches. Als sie nicht mehr weit von ihm entfernt war, schickte sie einige Kriegerinnen voraus, die ankündigen sollten, ihre Königin sei gekommen mit dem Wunsch, ihn zu treffen und kennen zu lernen. Da ihnen sofort die Möglichkeit geboten wurde, näher zu kommen, befahl sie den übrigen Halt zu machen und ritt heran, begleitet von dreihundert Frauen. Sobald sie den König zu Gesicht bekommen hatte, sprang sie vom Pferd und schwang zwei Lanzen in der Rechten. [...]

Mit unerschrockener Miene betrachtete Thalestris den König und musterte mit ihrem Blick seine Gestalt, die ihr der Größe seines Ruhmes jedoch keineswegs zu entsprechen schien. Legen doch alle Barbaren große Wertschätzung auf körperliche Größe und glauben, dass zu großen Werken eben nur Leute fähig seien, welche die Natur auch mit außergewöhnlicher Gestalt auszustatten sich herablässt. Als sie im übrigen gefragt wurde, ob sie irgend ein Anliegen an ihn habe, zögerte sie nicht, freimütig herauszusagen, sie sei gekommen, um mit dem König gemeinsame Kinder zu zeugen, da sie wohl würdig sei, dass er aus ihr Erben seines Königreiches erhalte. Ein Kind weiblichen Geschlechts würde sie für sich behalten, einen Knaben dem Vater übersenden." [7]

Nur indirekt wird bei Rufus angedeutet, dass die Amazonen keineswegs Verbündete der Griechen waren: "Alexander fragte sie, ob sie an seiner Seite den Kriegszug mitmachen wolle. Doch sie schützte vor, dass sie ihr Reich ohne Hüter zurückgelassen habe." [8] Thalestris scheint in der Tat keinerlei Neigung gezeigt zu haben, im trojanischen Konflikt 'die Seiten zu wechseln', sondern ihr Interesse an Alexander konzentrierte sich, wie gesagt, auf eine andere Art der "Kooperation": "Sie fuhr aber fort, ihn hartnäckig zu drängen, er solle sie nicht in ihrer Hoffnung enttäuscht weggehen lassen. Heftiger war der Wunsch der Frau nach dieser Vereinigung als der des Königs, doch sie erreichte, dass er einige Tage Halt machte. Zwei Wochen wurden für die Erfüllung ihres Wunsches aufgewendet. Dann kehrte jene in ihr Reich zurück, der König zog nach Parthiëne." [9]

Mit der Schlacht bei Issos und der Niederlage des persischen Heeres und seiner kleinasiatischen Verbündeten endete jedenfalls die Ära der kleinasiatischen Amazonen, oder wie F.A. Brockhaus feststellte: "Seitdem verlieren sie sich aus der Geschichte; denn was einige Reisende des 16. Jahrhunderts und selbst in neuerer Zeit von einem Weiberstaate in den kaukasischen Gebirgen, sowie in Südamerika am Flusse Maragnon, der deshalb auch früher Amazonenfluß genannt wurde, erzählten, haben genauere Untersuchungen nicht bestätigt, und es ist das fabelhafte Land der Amazonen, welches auf ältern Landkarten einen Theil Brasiliens und Perus bildet, von denselben verschwunden." [10]

Natürlich können wir darüber spekulieren, ob auch eine transatlantische Absetz-Bewegung europäischer Amazonen nach Brasilien (vergl.: Brasilien - Wiege der amerikanischen Zivilisationen?) stattgefunden haben könnte, aber transatlantische Kontakte dürften, wenn es sie gegeben hat, weit früheren Datums gewesen sein. Es erscheint dagegen nicht unwahrscheinlich, dass die Überlebenden sich der Unterwerfung durch Alexanders Truppen durch Flucht entzogen, wie auch der Autor (die Autorin?) von MYSTERY OF THE AMAZONS vermutet: "Glücklicherweise entkam ein Großteil der Amazonen-Nation aus ihrem [kleinasiatischen] Heimatland und siedelte sich an neuen Orten an, hauptsächlich in den eurasischen Steppen (die skythischen Amazonen) und benachbarten Gebieten." [11]

Vermutlich vermischten sich die Flüchtlinge dann mit den Amazonen Skythiens und des heutigen Russland, die schon vor und während des Niedergangs ihrer kleinasiatischen Schwestern als eigenständige Abteilungen existiert haben könnten; erinnern wir uns daran, dass sie offenbar kulturelle Spuren im gesamten Großraum der heutigen Ukraine, Süd-Russlands und der eurasischen Steppen hinterlassen haben. Mit dem unaufhaltsamen Niedergang der Kulturen dieses Großraums verschwanden auch die Amazonen des Ostens von der Bühne der Geschichte. Was von ihnen blieb, sind Mythen, schemenhafte Erinnerungen an eine Zeit, in der die Welt des klassischen Altertums gerade erst zu entstehen begann.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Anonymus, "Mortal Women of the Trojan War", online unter http://www.stanford.edu/~plomio/penthesilea.html
  2. Quelle: ebd.
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: Das Schwarze Netz, Stichwort: AMAZONEN, online unter http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/andromache.htm
  5. Quelle: Jibril, makah.com, Amazonen, online unter http://www.mahkah.com/Frauenkraft/amazonen.htm
  6. Quelle: ebd.
  7. Quelle: Curtius Rufus, "Thalestris und Alexander der Große" (Lateinisch u. Deutsch), online unter http://www.bibliopolis.de/Witek-VII.pdf
  8. Quelle: ebd.
  9. Quelle: ebd.
  10. Quelle: F. A. Brockhaus, Bilder-Conversations-Lexikon für das deutsche Volk - ein Handbuch zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse und zur Unterhaltung. Erster Band, A-E, Leipzig 1837 (Autorisierte Faksimile-Ausgabe, ARTUS-Verlag, München, Sonderausgabe für Weltbild Bücherdienst, Augsburg), S. 64
  11. Quelle: Anonymus, "Mortal Women of the Trojan War", online unter http://www.stanford.edu/~plomio/penthesilea.html

Bild-Quellen:

1) Pygmalion Project, unter: MYSTERY OF THE AMAZONS - The Nature Of The Amazons
2) http://www.net4you.co.at/users/poellauerg/Amazons/AmazPict.html (nicht mehr online)
3) Unbekannte Bild-Quelle