Kurt Bilau und Hanns Hörbigers Welteislehre - WEL

Abb. 1 Hanns Hörbiger, der Erfinder der "Welteislehre" (WEL) beeinflusste mit seiner Kosmologie auch Kurt Bilaus katastrophistische Vorstellungen zur Erd- und Menschheitsgeschichte nachhaltig

(bb) Wesentlich für eine atlantologie-geschichtliche Betrachtung seines Werks ist Bilau´s Verhältnis zur so genannten 'Welteislehre' (WEL, auch "Glazialkosmologie") des österreichischen Ingenieurs Hanns Hörbiger (1860-1931) [siehe dazu: Hanns Hörbiger: Ein Universum aus Feuer und Eis?, ff.; d. Red.], die seine Vorstellungen zur Erd- und Menschheitsgeschichte maßgeblich beeinflusste und aus der er viele Elemente übernahm. Dabei war Bilau offenbar ein Anhänger, aber keineswegs ein gläubiger Jünger Hörbigers (Abb. 1) und dessen Lehre, die er recht offensiv als 'Schützenhilfe' für sein eigenes Atlantis-Szenario [1] benutzte und auf deren Basis er auch interdisziplinäre Überlegungen anstellte.

Bei seiner Anlehnung an die WEL und ihre Kosmologie profitierte er offenbar von der Popularität und Akzeptanz dieser - heute schlüssig und weitgehend konsensual widerlegten - Lehre, deren Erfolg im deutschsprachigen Raum nicht zuletzt vor dem Hintergrund des aufkommenden und an der Macht befindlichen Nationalsozialismus zu verstehen ist. Auch ein anderes kosmologisches 'Alternativ-Modell', das Anfang der 1930er Jahre in Deutschland populär wurde, genoss später lange die Sympathie hochrangiger NS-Führer und hoher Offiziere der Marine und der Luftwaffe: die Hohlwelttheorie des Flieger-Offiziers Bender. [Vergl. dazu: Die hohle Welt der Nationalsozialisten von Louis Pauwels und Jaques Bergier; d. Red.]

Sowohl Hörbigers Universum aus Feuer und Eis, als auch Benders noch weitaus aberwitzigerer Kosmos aus solidem Felsgestein, in dem wir eingeschlossen, auf der Innenseite eines kugelförmigen Hohlraums, leben sollen, mögen aus heutiger Sicht abstrus erscheinen; zur damaligen Zeit hatten solche kosmologischen Irrläufe in Deutschland Konjunktur, und gerade die Führer der an die Macht strebenden NS-Bewegung waren für derartiges Gedankengut höchst empfänglich. Die beiden Alternativ-Historiker Louis Pauwels und Jaques Bergier lieferten dafür in den 1960er Jahren eine prägnante Erklärung:

"Es erscheint uns völlig unbegreiflich, daß Männer, die die Führung einer Nation übernommen hatten, sich in ihren Maßnahmen teilweise nach mystischen Intuitionen richteten, welche die Existenz unseres Universums leugneten. Man muß jedoch bedenken, daß in Deutschland dem einfachen Mann, dem Man von der Straße, der schwer unter der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit gelitten hatte, um 1930 die Theorien der Hohlweltlehre auch nicht wahnwitziger vorkamen als der Gedanke, daß ein winziges Körnchen Materie unbegrenzte Energiequellen enthalten könne, oder die Vorstellung einer vierdimensionalen Welt.

Die Wissenschaft hatte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einen Weg eingeschlagen, der nicht mehr der des sogenannten gesunden Menschenverstandes war. Für naive, unglückliche und mystisch veranlagte Menschen wurde jede phantastische Idee glaubhaft, vor allem wenn sie so verständlich und tröstlich war wie die Hohlweltlehre. Hitler und seine Gefährten waren Männer aus dem Volk und Gegner des reinen Intellekts; ihnen mußten die Gedanken Benders viel einleuchtender erscheinen als die Theorien Einsteins, die eine unendlich komplizierte und außerordentlich schwer fassbare Welt voraussetzten. Zwar war die Bendersche Welt offensichtlich ebenso vernunftwidrig wie die von Einstein heraufbeschworene, aber um sie zu begreifen, bedurfte es gewissermaßen nur eines Wahnsinns ersten Grades." [2]

Abb. 2 Im Gegensatz zu Hörbiger war Kurt Bilau (im Bild in Forscherpose mit Modell und Zirkel) kein 'Anti-Wissenschaftler', sondern er wollte die von ihm geschätzte Wissenschaft angesichts revolutionärer neuer Erkenntnisse - oder dem, was er dafür hielt - reformieren. (Foto: "Deutscher Müller", 31.01. 1941; Archiv Uwe Karstens)

Die Hörbiger´sche Kosmologie wirkt - für sich genommen - sogar erstaunlich 'vernünftig' und seine Vorstellung vom Universum als quasi-mechanisches Perpetuum Mobile muss auf den Konstrukteur Bilau (Abb. 2), der in ingenieurtechnischen Bahnen dachte, eine ungemeine Faszination ausgeübt haben. Mit einiger Sicherheit war es kein Opportunismus, der ihn dazu bewog, seine atlantologische Arbeit während der 1930er Jahre in den Kontext der - von Hitler, Himmler und anderen NS-Führern geschätzten - Lehre Hörbigers zu stellen. Vielmehr schien Hörbigers Kosmologie dem ebenso technik- wie astronomiebegeisterten Bilau offenbar Antworten auf zahlreiche Fragen zu liefern, die sich aus den rapiden Fortschritten in der astronomischen Forschung ergaben, deren Zeitzeuge er wurde.

Insbesondere war sich Bilau, der auch in wissenschaftsgeschichtlichen Kategorien denken konnte, der enormen Bedeutung eines neuen Fachgebiets der Himmelskunde bewusst, das mit Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden war: der Astrophysik. Im Bericht der 'National-Zeitung' über einen Lichtbilder-Vortrag, den der Major a.D. 1935 in der Stadthalle von Mülheim-Ruhr hielt, hieß es über seine Ausführungen dazu: "Während aber die alte astronomische Wissenschaft sich aber bis vor etwa 30 Jahren lediglich mit der Berechnung der Sternenbahnen beschäftigte, begann um die Jahrhundertwende mit den neuen Messungsmethoden der Astrophysik eine neue Richtung, die mit der Errichtung des astrophysikalischen Instituts zu Potsdam eine Neuorientierung der gesamten Astronomie herbeigeführt hat." [3]

In diese "Neuorientierung des astronomischen Weltbildes" mit einbezogen werden sollten, wie Bilau meinte, auch wesentliche Aspekte aus Hörbiger´s kosmologischem Lehre [vergl. dazu: Die Kosmologie des Hanns Hörbiger von Lyon Sprague de Camp; d. Red.]. Er selbst stellte im Kontext der WEL weiterführende Überlegungen an, um "nachzuweisen, daß die rhythmischen Veränderungen der Polkappe des Planeten Mars mit dem rhythmischen Auftreten der Sonnenflecke ebenso zusammenhängen wie mit den Veränderungen der magnetischen Erdströmungen und dem Wechsel der Niederschläge, deren Rhythmus an den Jahresringen eines 1300 Jahre alten Baumes abgelesen werden" konnte. [4]

Abb. 3 Bilau unterstützte die 'Hörbigeristen' mit Vortrags-Veranstaltungen im Landwehrkasino am Berliner Zoo und mit Vorlesungen in der URANIA (Bild: Ausschnitt aus einem Programmheft der URANIA, keine Jahreszahl vermerkt)

Bilaus Rezeption der WEL konzentrierte sich offenbar auf deren kosmologische und astrophysikalische Aspekte samt daraus resultierenden Folge-Komplexen (z.B. der Klimatologie), während der - technisch und naturwissenschaftlich orientierte - Major a.D. die eher wissenschafts-philosophischen oder -ideologischen bzw. "magischen" Komponenten von Hörbigers Werk scheinbar außer Betracht ließ. Hier deutet sich bereits ein kardinaler Unterschied zwischen den Positionen - aber auch zwischen den Persönlichkeiten - der beiden an: Der als Visionär eher pragmatische, an der Lösung konkreter Probleme orientierte, Bilau wollte wissenschaftliche Forschung offenbar erneuern und 'alte Zöpfe abschneiden' ("Neuorientierung des astronomischen Weltblids"); Hörbiger dagegen betrachtete Wissenschaft im hergebrachten Sinne insgesamt für hinfällig, und wollte - zumindest im übertragenen Sinne - 'Köpfe rollen' sehen ("Entweder Sie glauben an mich oder sie müssen als Feind behandelt werden!").

Im Gegensatz zum Schöpfer der WEL, der ganz auf "Intuition", setzte, für den "Mathematik eine wertlose Lüge" war und der Glaubensbekenntnisse erwartete ("Ihr habt Vertrauen zu den mathematischen Gleichungen, aber nicht zu mir!"), war Bilau zum einen, da er sowohl als Artillerist als auch als Amateur-Astronom und leidenschaftlicher Konstrukteur praxistauglicher Technik auf exakte Beobachtung, verlässliche Zahlen und Berechnungen angewiesen war, keineswegs ein Verächter der Mathematik; zum anderen ist er augenscheinlich bei der Präsentation seiner atlantologischen Studien- und Forschungs-Ergebnisse um eine im klassischen Sinne wissenschaftliche Argumentation bemüht.

Hörbiger verachtete und bekämpfte jene traditionelle "Wissenschaft ohne höheres Bewußtsein", der sich Bilau verpflichtet fühlte; eine Wissenschaft, welche, so Hörbiger, den wahren Geist menschlichen Forscherdrangs zugunsten eines "kleinlichen und primitiven humanistischen Bewußtseins" verfälscht und den "Geist Parsivals" verraten habe (siehe dazu: Eine theoretische und historische Betrachtung von Hörbigers Glazialkosmologie (I) von Louis Pauwels und Jaques Bergier). Bilau dagegen geht augenscheinlich jede Attitüde des Wissenschafts-Rebellen ab und er scheint sich auch als Atlantologe durchaus in der humanistischen Tradition empirischer und naturwissenschaftlicher Forschung gesehen zu haben, u.a. da er in seinen Vorträgen bei der Erwähnung früherer Atlantisforschungen wiederholt Athanasius Kircher (1602-1680) und sein Werk in ihrer atlantologie-geschichtlichen Bedeutung hervorhebt.

Abb. 4 Bilaus glazial-kosmologisches Szenario serieller "Mond-Einfänge und -stürze", deren letzter die 'rote' Hochkultur der Atlanter vernichtet haben soll, ist aus heutiger Sicht zu verwerfen; andere Aspekte seiner Atlantis-Theorie erscheinen dagegen nach wie vor diskussionswürdig.

Bei allen in Betracht zu ziehenden (und im Rahmen weiterer Forschung näher zu untersuchenden) Unterschieden zwischen den Positionen Bilau´s und denen des Schöpfers der WEL (auch in Sachen Atlantis) sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Bilau die aggressiv auftretende Hörbiger-Bewegung offenbar recht aktiv unterstützte bzw. mit ihr zusammenarbeitete. (Abb. 3) So hielt er z.B., wie das Berliner Tageblatt 1932 berichtete, "im Landwehrkasino am Zoo einen Vortrag im Rahmen des Winterprogramms der Gesellschaft zur Förderung der Welteislehre, der unter dem Titel >Die >atlantische< Schwelle<" stand. [5]

Wesentlich für Bilaus Atlantistheorie ist das Hörbiger-Szenario letztlich vor allem in einer Hinsicht: Es liefert ihm mit dem Konzept der seriellen Mond-Stürze eine kosmologische Grundlage für sein zyklisch-kataklysmisches Erd-, Menschheits- und Zivilisations-Geschichtsbild sowie einen Auslöser für die vermutete Atlantis-Katastrophe. Wir wissen nicht, warum er Carli´s und Donnelly´s Kometen-Hypothesen verwirft bzw. ignoriert, die ihm eigentlich bekannt gewesen sein müssen; jedenfalls war Bilau felsenfest von der Richtigkeit des Hörbiger´schen Kataklysmen-Modells bezüglich Veränderungen des Planetensystems und dem Entstehen und Vergehen von Monden sowie den damit verbundenen planetaren Groß-Katastrophen überzeugt.

So hieß es beispielsweise 1934 im Völkischen Beobachter in der wohlwollenden, aber - wohl aufgrund von Überforderung des Redakteurs durch die Materie - etwas wirren, Besprechung eines Bilau-Vortrags an der Berliner Urania: "Der Redner ging von Paul Hörbigers [6] Welteistheorie aus, die neuerdings auch von Milankowitsch gestützt wird. Der Einfluß der Planeten auf die Erde, der auch außerhalb von Ebbe und Flutwirkung ein Vielfaches ist, macht sich sogar vom Jupiter aus durch Feuchtigkeitsperioden in 11jährigem Rhythmus bemerkbar. Wegeners Kontinentalschollen-Theorie [7] wird erwähnt und der Untergang ganzer Erdteile, wie Atlantis, in ursächlichen Zusammenhang gebracht.

Der Redner gibt einen Begriff von der Entstehung und Ringbildung von Monden, basierend auf dem Gesetz von der Spiralbahn aller Weltkörper und der Schleuderkraft, streift die Wellentheorie des Lichtes, erklärt die Entstehung von Hagelunwettern und ähnlichen plötzlichen kosmischen Störungen und erhärtet mit ausgezeichneten neuesten Aufnahmen die Lehre von der Eisoberfläche des Mondes, dessen letzte Bauperiode er die Eis-Staubperiode nennt." [8]

In einer weiteren Rezension dieses Vortrags von Bilau in der 'Berliner Börsenzeitung' vom 17.02.1934 wird noch deutlicher, wie weitreichend seine Vorstellungen zur Entstehung des solaren und des Erde-Mond-Systems von Hörbigers Lehre geprägt waren und somit - aus heutiger Sicht - in kosmologischer Beziehung auf keinem soliden Fundament basierten: "Es ist bekannt, dass der Weltenraum nicht leer, sondern von feinstem Wasserstoff und kosmischem Staub erfüllt ist. Die logische, ganz klare, Schlussfolgerung aus dieser, wenn auch doch so dünnen Raumerfüllung zog der Wiener Ingenieur HÖRBIGER.

Alle Weltenkörper werden durch den Weltraumwiderstand aufgehalten, und wenn es auch noch so wenig ist. Die Kreisbahnen werden zu Spiralbahnen, und Weltkatastrophen sind die Folge. So ist auch der kleinere und schneller sich zur Sonne hinschraubende Planet Luna in den Bann der Mutter Erde geraten (Abb. 4), der er jetzt als getrennter Trabant folgt, um EINST VON IHR VERSPEIST ZU WERDEN. Wir können am Saturn lernen, wie ein Mond in Trümmerringe aufgelöst und brockenweise heruntergeholt wird." [9]

Bilau´s Propagierung Hörbiger´schen Gedankengutes mag ihm, gerade nach 1933, Vorteile bei der Verbreitung seiner Atlantis-Theorie verschafft haben, auch wenn sein Atlantis-Büchlein von 1935 offenbar nicht besonders erfolgreich war. Andererseits dürfte es gerade seine Nähe zur WEL gewesen sein, die ihn aus Sicht des akademischen Establishments schon früh diskreditiert haben muss. An den Universitäten des Deutschen Reichs hatte sich Hörbigers Lehre, trotz aller Protektion durch Hitler, Himmler und andere Größen des NS-Regimes, nie wirklich etablieren können und nur wenige prominente Anhänger gewonnen. Zudem fehlten Bilau die 'höheren akademischen Weihen' und der muffige 'Stallgeruch' jener graduierten Schulwissenschaftler, die Äußerungen eines "Laienforschers" auf ihrem Gebiet stets vor allem als Affront betrachtet haben.

Abb. 5 Aus schulwissenschaftlicher Sicht wurde Bilau´s Nonkonformismus (Klassische Atlantis-Theorie und Welteislehre) mit Misstrauen betrachtet, wie z.B. diese kurze Rezension eines seiner Vorträge im 'Nassauer Volksblatt' vom 23.09. 1932 zeigt.

Aus einem 'konservativen' Presse-Bericht zu Bilaus Atlantis-Thesen, in dem er als "Laienforscher" präsentiert wird, lässt sich diese Ablehnung deutlich herauslesen. So hieß es 1932 im 'Nassauer Volksblatt' (Abb. 5) mit unterschwelliger Ironie über einen seiner Vorträge im Wiesbadener Kurhaus: "Der wissenschaftlichen Seite konnte er, vor allem mangels eines einheitlichen und gradlinig verfolgten Weges [sic; bb] nicht vollauf genügen. Immerhin zeigte Major Bilau, daß, auf der Grundlage eines umfangreichen Wissens, es doch möglich ist, Annahmen verschiedenster Art zu einem wahrscheinlich anmutenden Ganzen zu verbinden. Die endgültige Klärung des Problems aber wird wohl den Fachleuten überlassen bleiben müssen." [10]

Auch aus heutiger Sicht, vor dem Hintergrund modernster Hightech-Astronomie, muss Bilaus Anlehnung an Hörbigers wissenschaftlich unhaltbare, ideologisch eingefärbte Kosmologie bei "Fachleuten" wie "Laien" natürlich ein noch stärkeres Befremden, Amusement und Ablehnung auslösen, aber vor dem Entwicklungs-Stand astronomischer Forschung in den 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wirkten solche Überlegungen - wie bereits angesprochen - weit weniger skurril als heute. Immerhin schienen sie einige aktuelle astronomische Entdeckungen zu erklären, und nicht ohne Grund begeisterte sich damals selbst eine Koryphäe der frühen Weltraum-Forschung wie Prof. Hermann Oberth, der 'Vater der Raketentechnik', für die WEL. (Vergl. dazu: Eine theoretische und historische Betrachtung von Hörbigers Glazialkosmologie (I) von Louis Pauwels und Jaques Bergier)

Bilau mag sich mit seiner Erklärung des "aliud naturae malum" [11], jener nicht mit terrestrischen Ursachen tektonischer oder vulkanischer Natur begründbaren Auslösers, der zum Untergang der vermuteten Großinsel im Atlantik geführt haben soll, geirrt und in eine wissenschaftliche Sackgasse hinein argumentiert haben; seine zentralen Hypothesen (die selbstredend nicht s e i n e sind, sondern mit denen er sich als Verfechter einer Modifikation der 'klassischen' Atlantis-Hypothese erweist) ...

A) Das historische Vorbild für Platons Atlantis war eine Großinsel im Gebiet des Mittelatlantischen Rückens.

B) Seine Bewohner waren Teil eines spät-cromagnoiden, 'roten Kulturgürtels', der sich von Nordafrika (über Atlantis u. andere Inseln) nach Amerika erstreckte.

C) Dieses Atlantis ging vor ca. 11 400 Jahren im Verlauf kataklysmischer Ereignisse unter.

... werden im Grundsatz nicht dadurch widerlegt, dass sich seine Erklärung des betreffenden Kataklysmus (und das dahinter stehende kosmologische Modell) als nicht valide erwiesen hat. Selbst die lautstarken Protestrufe konservativer bzw. konventioneller Geologen [vergl. dazu: Geologie - Antipode oder Hilfswissenschaft der Atlantisforschung?; d. Red.], Atlantologen und Atlantologie-Kritiker ändern zudem nichts an der Tatsache, dass das Thema "versunkene Landgebiete im Atlantik" längst noch nicht ausdiskutiert ist. [12]

Hörbigers abstürzende Erdmonde und "Äquatorialflutwälle" mögen sich aus dem Diskurs verabschiedet haben, Planetare Nahbegegnungen und Quasi-Kollisionen der Erde, wie z.B. von Immanuel Velikovsky vorgeschlagen, einstweilen als unbewiesen gelten: das Impakt-Szenario jedenfalls, das durch Carli und Donnelly zum festen Bestandteil der klassischen Atlantis-Theorie wurde, hat in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wissenschaftliche Wiederauferstehung erlebt. [13]


Fortsetzung:

Kurt Bilau als natur - und geisteswissenschaftlich orientierter Atlantisforscher (bb)


Anmerkungen und Quellen

  1. Anmerkung: Eine tiefergehende und umfassende vergleichende Betrachtung zur Ermittlung inhaltlicher Gemeinsamkeinen und Unterschiede zwischen Hörbigers und Bilaus Atlantis-Rezeption kann erst nach der noch ausstehenden Untersuchung seines Buches "Die Offenbarung Johannis" von 1935 erfolgen.
  2. Quelle: Louis Pauwels u. Jaques Bergier, Aufbruch ins dritte Jahrtausend - Von der Zukunft der phantastischen Vernunft, Deutsche Buch-Gemeinschaft (Berlin, Darmstadt, Wien) 1965, S. 362
  3. Quelle: Dr. Sch., "Neuorientierung des astronomischen Weltbildes - Lichtbildervortrag von Major a. D. Bilau in der Stadthalle" [Mülheim a.d. Ruhr], 'National-Zeitung', 1935 (weitere Daten nicht zu entziffern), Fotokopie des betreffenden Zeitungs-Ausschnitts mit handschriftlichen Notizen aus K. Bilaus Nachlass
  4. Quelle: ebd.
  5. Quelle: Anonymus, "Die >atlantische< Schwelle", Tageblatt, 1932 (übrige Daten unleserlich); Rezension des Lichtbilder-Vortrags "Die atlantische Schwelle", den Kurt Bilau "im Rahmen des Winterprogramms der Gesellschaft zur Förderung der Welteislehre" im Landwehr-Kasino gehalten hatte; Fotokopie des handschriftlich datierten Zeitungs-Ausschnitts aus dem Nachlass von Kurt Bilau.
  6. Anmerkung: Dem Redakteur des Völkischen Beobachter ist hier offenbar ein Lapsus unterlaufen, da er Hanns Hörbiger in seinem Artikel mit dessen, damals bereits als Schauspieler bekannt gewordenen, Sohn Paul Hörbiger verwechselte. Mit den Schauspielern der UFA konnte der braune "Schriftleiter" offenbar mehr anfangen als mit der Sternenwelt der WEL ...
  7. Anmerkung: Aus atlantologie-historischer Sicht erscheint durchaus interessant, dass Bilau als Verfechter eines versunkenen Azoren-Atlantis Wegener´s Theorie offenbar in sein Arbeitsmodell integrieren konnte. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Wegener´sche Theorie von der Drift der Kontinental-Platten als antagonistisch zur klassischen Atlantis-Lokalisierung betrachtet. Erst gegen Ende des 20. Jahhunderts wird dieses Verständnis durch die nonkonformistische, katastrophistische Atlantisforschung wieder in Frage gestellt. Siehe dazu: Geologische und ozeanographische Evidenzen für Atlantis von R. Cedric Leonard
  8. Quelle: P.R., "Erdenschicksal, Mond und Sintflut" (Besprechung des gleichnamigen Vortrags von Kurt Bilau in der Berliner Urania), Völkischer Beobachter, Berlin, 02.02.1934; Fotokopie des handschriftlich datierten Zeitungs-Ausschnitts aus dem Nachlass von Kurt Bilau.
  9. Quelle: Anonymus, "Erdenschicksal, Mond und Sintflut" (Besprechung des gleichnamigen Vortrags von Kurt Bilau in der Berliner Urania), 'Berliner Börsenzeitung', 17. 02. 1934; Fotokopie des handschriftlich datierten Zeitungs-Ausschnitts aus dem Nachlass von Kurt Bilau. --- Die Hervorhebungen entsprechen dem Original-Text.
  10. Quelle: lf, "Atlantis", 'Nassauer Volksblatt' Nr. 200, Wiesbaden, 23.09. 1932; Fotokopie des handschriftlich datierten Zeitungs-Ausschnitts aus dem Nachlass von Kurt Bilau.
  11. Anmerkung: "aliud naturae malum" = lat., "ein anderes Übel der Natur". Der Begriff wurde im 17. Jahrhundert von Athanasius Kircher geprägt, der in seinem bekannten Hauptwerk "Mundus subterraneus" (1665) zu dem Ergebnis kam, dass keine der bekannten irdischen Ursachen für Naturkatastrophen das Versinken eines ganzen Kontinents verursacht haben könne.
  12. Anmerkung: Vergl. dazu auch unseren Beitrag "Der geologische Streit um den versunkenen "Kleinkontinent" im Atlantik" und in der Sekton "Geologie - Antipode oder Hilfswissenschaft der Atlantisforschung?" die Beiträge in der Rubrik "Beiträge zur geologischen Diskussion versunkener Landmassen im Atlantik"; sowie zum 'Azoren-Atlantis' die Beiträge: "Atlantis auf den Azoren?" von Andrew Collins und unser Online-Interview mit Dr. Gernot Spielvogel (Atlantis Institut, Überlingen) vom Februar 2006 zu den brisanten Entdeckungen des Geologen bei den Azoren.
  13. Anmerkung: Vergl. zur Erklärung der vermuteten Atlantis-Katastrophe im Atlantik auch unsere Beiträge in der Rubrik Impakte --- Zu alternativen, naturwissenschaftlichen Erklärungs-Modellen einer Zyklizität von Großkatastrophen und Kataklysmen sowie daraus resultierender Diskontinuitäten in der Menschheits- und Zivilisations-Geschichte siehe z.B. die Beiträge Eiszeiten und Kometen des Nobelpreisträgers Prof. Sir Fred Hoyle; sowie Galaktische Begegnungen, APOLLO-Objekte und ATLANTIS - Ein katastrophisches Szenario für Diskontinuitäten in der Menschheitsgeschichte von unserem Gastautor Prof. Emilio Spedicato, Universität von Bergamo --- sowie: Eine kataklysmisch-archetypische Dimension in der Geschichte? von unserem Gastautor Dr. Horst Friedrich


Bild-Quellen

(1) http://tirospace.4050.org/html/hoerbiger.htm

(2) Uwe Karstens, "Kurt Bilau, Annnäherung an einen Visionär", Schleswig, 2003, Verein zur Erhaltung der Wind- und Wassermühlen in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. (Hrsg.), S. 8

(3) Ausschnitt aus einem Programmheft der URANIA aus dem Nachlass von Kurt Bilau, Archiv Uwe Karstens / Bildarchiv Atlantisforschung.de

(4) Bildarchiv Bernhard Schöps

(5) Nassauer Volksblatt, 23.09. 1932, handschriftlich datierter Zeitungsausschnitt aus dem Nachlass von Kurt Bilau, Archiv Uwe Karstens / Bildarchiv Atlantisforschung.de