Patara wird zur türkischen Kulturhauptstadt 2020: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 14. Februar 2020, 22:59 Uhr

ABORA IV als Teil eines unvergleichlichen Events zur Geschichte und Prähistorie des alten Lykien

von Dr. Dominique Görlitz

Abb. 1 Noch immer beeindruckend: Das große römische Amphietheater von Patata

Diese Woche entschied das türkische Kulturministerium in Ankara, die ehemalige Hafenstadt Patara als türkische Kulturhauptstadt im Jahr 2020 zu küren. Diese Nachricht kommt auch dem ABORA-Team sehr entgegen, denn damit wird die dort neu entstehende ABORA IV-Ausstellung enorm aufgewertet. Nachfolgend noch einige Hntergrund-Informationen, die ich kürzlich in einem persönlichen Telefonat von Prof. Havva İşkan (Abb. 2) erfuhr.

Als die ABORA IV am 19. September 2019 auf Einladung des türkischen Kulturministeriums ihren Kurs von Zypern nach Kaş in der Nähe von Patara änderte, wusste die Mannschaft noch nicht, in welch wundervoller Kulturlandschaft sie ihre Expedition beenden würde. Die ABORA IV war von Bulgarien in See gestochen, um zu demonstrieren, dass altertümliche Schilfboote in der Lage waren, das Schwarze Meer zu verlassen und durch die windige Ägäis zu segeln, um die Handelshäfen der alten Ägypter im Ostmittelmeer, wie Patara einer war, gezielt anzufahren.

Abb. 2 Prof. Dr. Havva İşkan und Dr. Dominique Görliitz während der Rekonstuktions-Arbeiten an der ABORA IV im Museums-Areal von Patara

Patara war einst ein ganz besonderer Ort an der Südwestküste der Türkei, etwa 150 km Luftlinie von Antalya entfernt. Es war die Hauptstadt des Lykischen Bundes und der bedeutendste Hafen dieser Landschaft. Kleinfunde belegen eine prähistorische Besiedlung schon für die Zeit des Chalkolithikums und in der frühen Bronzezeit. Außerdem avancierte Patara zu Zeiten der Römer zum wichtigsten Hafen an der kleinasiatische Küste, die den Getreidehandel vom Niltal über Patara in die Hauptstadt des Römischen Imperiums kontrollierten.

Abb. 3 Hier ein Foto der inzwischen zum Teil restaurierten antiken Hauptstraße von Patara

Dennoch reicht seine Bedeutung sehr viel weiter in die Geschichte zurück, wie Prof. Havva İşkan in dem Gespräch heute ausführte: „Patara und das nahe Tlos können auf eine uralte Seefahrtgeschichte zurückblicken, denn hierher wurden schon vor mehr als 11.000 Jahren größere Mengen von Obsidian von der Insel Melos transportiert, also ziemlich genau entlang der Route, die ihr der ABORA IV gesegelt seid.

Diese und viele weitere Funde werden nun im Patara-Jahr der Weltöffentlichkeit vorgeführt. Die Seereise der ABORA IV wird auch ihren Teil dazu beitragen, das Vermächtnis des alten Patara zu würdigen. Wenn seefahrende Kaufleute jener Zeit mit ihren Schilfbooten - wie auch wir mit ABORA IV - zwischen dem Schwarzen Meer, der Ägäis bis ins Ostmittelmeer verkehrten, dürften sie bisweilen tonnenschwere Fracht über die Ägäis an die lykische Küste transportiert haben. Jeder Händler, der das Ostmittelmeer von Ost nach West oder umgekehrt befuhr, musste an diesem wundervollen Ort mit seinem einladenden Naturhafen vorbeikommen.

Die beiden türkischen Archäologen Fahri Işık Und Havva İşkan von der Akdeniz-Universität in Antalya, welche die wissenschaftlichen Arbeiten in Patara leiten, haben mit diesem Titel zurecht eine große Anerkennung erhalten. Das ABORA-Team hofft, dass auch unsere museale Schiffs-Präsentation mithilft, die Neugierde der vielen Touristen nach dem maritimen Vermächtnis der Hafenstadt Patara zu befriedigen. Der Ansturm wird in den nächsten Monaten gewaltig sein. Es wird geschätzt, dass er nun von jährlich rund 250.000 Besuchern im Jahr auf eine Million 2020 ansteigen wird!


Anmerkungen und Quellen

Presseinformation ABORA-Projekt - 13. Februarr 2020 - www.abora.eu Kontakt: Dr. rer. nat. Dominique Görlitz; +49 163 511 57 66 oder dominique.goerlitz@t-online.de (Redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Procopius (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:PataraTheater.JPG (Lizenz: Creative-Commons, „CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright“)
2) Bild-Archiv Dr. Dominique Görlitz / Mission ABORA
3) Bjørn Christian Tørrissen (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Patara Main Avenue 2019.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“)