Thor Heyerdahl: Early Man and the Ocean... (Rezension)

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eine Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich (2014)

Abb. 1 Thor Heyerdahl, EARLY MAN AND THE OCEAN - A Search for the Beginnings of Navigation and Seaborne Civilizations, Garden City, NY, USA, 1979, 438 S., Hardcover, ISBN 0-358-12710-3

Wie der Autor im Vorwort erläutert, stammt das Material zu diesem informativen Buch aus nicht so leicht zugänglichen Heyerdahl´schen Vorveröffentlichungen (Artikel, Kongress- Proceedings, Vortrags-Manuskripte), die aktualisiert und ergänzt wurden. Heyerdahl nennt es "an anthology of reports and speeches previously published independently, which I have here combined and edited to form a coherent book". Die Anregung zu einem solchen Werk stammt von Prof. K. Jettmar (Ethnologe und Archäologe, Uni Heidelberg), der bereits 1975 eine deutschsprachige Version mit dem Titel ZWISCHEN DEN KONTINENTEN bei Bertelsmann herausgegeben hatte. [1]

EARLY MAN AND THE OCEAN ist wir folgt untergliedert:

I. EARLY SHIPS AND THE SEA: The Beginning of Navigation / Paths Across the Oceans
II. THE ATLANTIC PROBLEM: Isolationism versus Diffusionism / The Bearded Gods Before Columbus / Columbus and the Vikings
III. THE PACIFIC PROBLEM: From Asia to Polynesia the Easy Way / Incas led Europeans to Polynesia / Balsa Raft Navigation / Culture Plants and Early Navigators
IV. STEPPING STONES FROM SOUTH AMERICA: The Pre-Spanish Use of the Galápagos / The Coconuts of Cocos Island / Easter Island Statues / The World´s Loneliest Meeting Place / Review and Discussion

Wobei, mit gutem Grund, das letzte Kapitel REVIEW AND DISCUSSION von Teil IV, mit 50 Seiten so umfangreich wie der ganze Teil I ist.

Gleich auf der ersten Seite des ersten Kapitels werden zwei vom Rezensenten besonders geschätzte Heyerdahl´sche quasi axiomatische "Losungen" ausgegeben:

Abb. 2 Thor Heyerdahls Ra auf hoher See. Mit solchen Papyrusbooten befuhren Menschen vermutlich schon vor vielen Jahrtausenden die Weltmeere.
  • "Man hoisted sail before he saddled a horse. He ... navigated the open seas before he traveled on wheels along a road."
  • "When sail still ruled the sea, it was usual to assume that the ancient civilized people were capable of almost unlimited movement."

Aus welchen "Losungen" ja bereits klar hervorheht, daß Heyerdahl ein Kulturdiffusionist par excellence war. Für die auch heute noch zahlreichen "Isolationisten" unter unseren Mainstream-Wissenschaftlern sind solche "verallgemeinernden Behauptungen" freilich inakzeptabel. Das liegt nach Überzeugung des Rezensenten aber dann daran, daß sie nicht genügend kompetent in der "Wissenschaft von der Wissenschaft" [2] sind. Zweifellos wäre es eine gute und möglicherweise fruchttragende Idee, es jedem einschlägigen Uni-Institut zur Pflicht zu machen, im Vorzimmer des Professors, über der Eingangstür zu seinem Zimmer, goldgerahmt die obigen beiden Losungen anzubringen. Wir Menschen sind ja so vergeßlich...!

Aber der vom Rezensenten stets hochgeschätzte Thor Heyerdahl war keineswegs ein extremer, qusi Erz-Kulturdiffusionist um jeden Preis, er blieb stets gemäßigt in seinen Ansichten, suchte zu überzeugen, und beachtete, wo es anging, gewisse Mainstream-"Tabus". So erwähnt er zwar in Kap. 14 (REVIEW AND DISCUSSION, S.359/360) achtmal Atlantis, aber Indien, Alt-Indien, als mögliches Hochkultur-Ausstrahlungszentrum, hatte er wohl als absolutes Tabu-Thema eingeordnet, das man besser meiden sollte. Inzwischen gibt es aber mutigere Autoren, die sich auch an dieses Thema wagen. [3] Typisch völlig mainstreamkonfotm ist etwa auf S. 8 die folgende Formulierung:

"Scientists are still in variance when it comes to deciding whether civilization first arose in the Nile Valley of Egypt or in the river plains of Mesopotamia. It is certain that the two areas had been in mutual contact since the earliest rise of culture".
Abb. Thor Heyerdahl und seine Frau Jaqueline (Foto: Azerbaijan International)

Nun ja, diese beiden Alt-Hochkulturen waren ja aber auch derart benachbart, daß es gar nicht möglich war, daß sie nicht voneinander gewußt haben könnten. Man kann sie also getrost als einen Punkt zusammenfassen. Warum hat Heyerdahl hier nicht in jrnen oben zitierten Satz auch Alt-Indien eingebaut? Zumal er gleich anschließend noch den Persischen Golf und Induskultur-Siegel erwähnt.

Auch an einer anderen Stelle von Kapitel 14 (REVIEW AND DISCUSSION, S. 354) ist noch von Indien die Rede:

"From the chief librarian of the Egyptian papyrus library in Alexandria we learn that Egyptian papyrus ships sailed to such distant regions as Ceylon and the River Ganges. The Sumerians and other early voyagers traded with Bahrein and even with Arappa and Mohenjo Daro in the Indus Valley. The early Arabs showed Vasco da Gama the correct monsoon seasons and sailing direction for voyaging to India, yet they themselves had been preceded by the Phoenicians, who had explored Asia at least as far as Indonesia".

Hier liegt also nach Ansicht des Rezensenten ein Punkt vor, wo von Freunden und Bewunderern Heyerdahls und seiner Aktivitäten noch "nachgearbeitet" werden sollte. Er hat uns durch seine Aktivitäten zu einem erheblich erweiterten Weltbild verholfen, aber durch das Nicht-Einbeziehen Alt-Indiens ist sein "Szenario" für den Kenner der Materie unvollständig geblieben. Im Übrigen kann er, der Rezensent, nur sehr dazu raten, daß jede/r an kulturdiffusionistischen Fragen Interessierte das hier besprochene Heyerdahl-Werk im Bücherschrank präsent haben und häufig darin nachlesen sollte.


Anmerkungen und Quellen

Diese Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich (©) (von ihm datiert auf den 29.01.2014) wurde für Atlantisforschung.de verfasst.

Fußnoten:

  1. Siehe: Thor Heyerdahl (Autor), Karl Jettmar (Übersetzer u. Herausgeber), "Zwischen den Kontinenten: Archäologische Abenteuer", Bertelsmann, 1975; sowie in der Schweiz: ebd., Neue Schweizer Bibliothek, 1975
  2. Red. Anmerkung: Gemeint sind damit Wissenschaftsphilosophie, -soziologie und vor allem -geschichte.
  3. Anm. des Rezensenten: Besonders bemerkenswert in dieser Hinsicht ist das Werk IN SEARCH OF THE CRADLE OF CIVILIZATION von Georg Feuerstein, Subhash Kak und David Frawley, Wheaton (USA), 1995.

Bild-Quellen:

1) Bildarchiv Atlantisforschung.de
2) Kon-Tiki Museet, unter: Thor Heyerdahl 1914-2002
3) Azerbaijan International, unter: Thor Heyerdahl in Baku Norwegian Archeologist Identifies Azerbaijan as Early Cradle of Civilization