Thor Heyerdahl: Tigris (Rezension)

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eine Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich (2014)

Abb. 1 Thor Heyerdahl, "Tigris - Auf der Suche nach unserem Ursprung, München (Bertelsmann), 1979, 333 S., Hardcover mit zahlr. Abbildungen ISBN 3-570-02152-1

Ein beachtenswertes Werk! Heyerdahl hat ja zwar nie die alte, seit Napoleons Ägypten-Expedition (1798-1799) auch vom Wissenschafts-Mainstream übernommene "Ex oriente lux"-Behauptung in Frage gestellt, jedenfalls nicht expressis verbis, wonach jegliche Hochkultur auf unserem Planeten nur in Alt-Ägypten / Mesopotamien ihren Ursprung haben könne. In diesem quasi "experimental-archäologischen" Buch kommen nun definitiv Alt-Ägypten, Mesopotamien (inklusive der bei Heyerdahl besonders wichtigen Hethiter) und Alt-Indien immerhin als drei gleich wichtige, und miteinander in Kontakt stehende Alt-Hochkulturen als gewissermaßen "Ur-Mütter" aller sonstigen Hochkultur auf unserem Planeten zur Berücksichtigung.

Genaugenommen schildert Heyerdahl das Verhältnis zwischen diesen drei Hochkulturen sogar stellenweise als so eng, daß man an den alten, auch schon geäußerten Verdacht erinnert wird, es habe sich bei allen dreien lediglich um gewissermaßen Groß-Provinzen eines Imperiums jener Zeit gehandelt. Diesen Verdacht teilt der Rezensent zwar eher nicht. Er ist aber durchaus geneigt, das "Ex oriente lux"-Dogma dahingehend in Frage zu stellen, daß - bedenkt man die enorme geistige Potenz Alt-Indiens - eigentlich nur Letzteres die Führungs- und Vorreiterrolle in diesem Hochkulturverbund gespielt haben kann. Dies sieht das sehr kompetent geschriebene Werk IN SEARCH OF THE CRADLE OF CIVILIZATION von Feuerstein, Kak und Frawley von 1995 [1] ebenso.

Für diese Sicht der Dinge spricht übrigens auch allerhand Material aus dem Heyerdahl-Werk FUA MULAKU [2] von 1986 über die erstaunlichen Hochkultur-Hinterlassenschaften auf Sri Lanka und am Golf von Cambay (Hafen von Lothal).

Im übrigen kann der Rezensent die Heyerdahl'schen Berichte über die archäologischen Befunde von Bahrein und Oman jedermann, der an diesen Dingen interessiert ist, nur allerwärmstens empfehlen. Es handelt sich da teils um ganz erstaunliche archäologische Tatsachen. Zu den von Heyerdahl gegebenen respektive übernommenen "Identifikationen" von "Dilmun", "Makran" und "Meluha" kann er nur leise Zweifel anmelden, ohne sie einstweilen völlig verwerfen zu wollen.


Anmerkungen und Quellen

Diese Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich (©) (von ihm datiert auf den 17.03.2014) wurde für Atlantisforschung.de verfasst.

Fußnoten:

Bild-Quelle:

1) Bildarchiv Atlantisforschung.de