Tritonis-See (Tritonis Lacus)

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Karte mit einer Lokalisierung des Tritonis-Sees im Maghreb

Der Tritonis-See (auch Tritonsee, altgriechisch Τριτωνὶς λίμνη Tritonis limne; lat.: Tritonis Lacus bzw. Tritonis Palus) wird häufig von Autoren des klassischen Altertums genannt. Ian Wilson bezieht sich z.B. auf Scylax von Karyanda, der "den Tritonis-See, der sich seinerzeit über eine Fläche von 2300 km² erstreckte, spezifisch beschrieben hat". Er zitiert auch Herodot, welcher bestätige, dass [der See] auch zu seiner Zeit, also ein Jahrhundert später, zumindest noch teilweise existierte, wobei er ihn als "große Lagune" beschrieb, in die ein "großer Fluss" (der Triton, bei Herodot: Τρίτων ποταμός) mündet. [1]

Abb. 2 Neuzeitliche, an den antiken Beschreibungen orientierte Darstellung des alten griechischen Meeresgottes Triton, dem Namensgeber des Tritonis-Sees in Nordafrika, wo sein Palast gestanden haben soll. (Bild: Eine Radierung von Jacob de Gheyn dem III., entstanden ca. anno 1615)

Der Tritonis-See galt als Geburtsort von Athene [2], der griechischen Göttin der Weisheit, nach der Athen benannt ist. Die genaue Lage des Sees ist umstritten, aber es besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass die salzigen Sümpfe oder Sümpfe in Zentraltunesien und im Nordosten Algeriens die wahrscheinlichsten Kandidaten sind. [3] [4]

Es scheint, dass diese Sümpfe ursprünglich ein großes Binnenmeer waren, das mit dem Mittelmeer verbunden war [5], aber aufgrund der seismischen Aktivität in dem Gebiet vom Meer abgeschnitten wurden. Diodorus Siculus hält dieses Ereignis im dritten Buch seiner Bibliotheca historica fest.

Ich sollte auch erwähnen, dass sowohl der Tritonis-See als auch die griechischen Insel Lemnos und der Fluss Thermodon in der Nordtürkei, der jetzt als Terme Çayı bekannt ist, allesamt mit den Amazonen in Verbindung gebracht wurden [6].

Edward Herbert Bunbury, ein ehemaliger britischer Abgeordneter, nahm ein Kapitel [7] über den Tritonis-See in sein Buch von 1879 über die Geschichte der altertümlichen Geographie auf [8]. [9]

1883 veröffentlichte Edward Dumergue eine kurze Studie [10] über die Schotts Tunesiens, die er als Überreste eines alten Binnenmeeres ansah, welches am Golf von Gabés mit dem Mittelmeer verbunden war.

Lucile Taylor Hansen hat ihrem Werk The Ancient Atlantic [11] eine spekulative Karte aus Reader's Digest beigefügt, die den Tritonis-See um 11.000 v. Chr. Als Mega-See zeigt, welcher einen Großteil der heutigen Sahara abdeckt und aus dem Ahaggar-Gebirge eine Insel macht. Atlantis ist im Westen im Atlantik dargestellt.

In jüngster Vergangenheit hat Alberto Arecchi die Idee weiterentwickelt [12] und vermutet, dass das Binnenmeer, auf dessen Terrain sich heute die Schotts befinden, das ursprüngliche „Atlantische Meer“ war und dass die Stadt Atlantis auf einer ausgedehnten Landmasse östlich von Tunesien lag und aufgrund eines niedrigeren Meeresspiegels mit Sizilien verbunden war. Arecchis Identifizierung der Schotts mit dem Tritonis-See wurde nun von einem Autor namens Lu Paradise in einem Blog vom Mai 2015 übernommen [13]. [14] Die Qattara-Senke in Nordägypten enthält ebenfalls eine Reihe von Salzseen und Sümpfen und wird von anderen als Tritonis-See angesehen.

Cindy Clendenon ist Autorin eines Buches [15] über Hydromythologie, in dem sie zu dem Schluss kommt, dass „der heute nicht mehr existierende Tritonis-See einst ein kyrenaikanischer Lagunen-Sabkha-Komplex in der Nähe der heutigen Orte Sabkha Ghuzayyil und Marsa Brega, Libyen, war[16].



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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie entnommen, wo er am 12. Juni 2010 unter dem Titel "Lake Tritonis" erstveröffenlicht und nachfolgend weiter ausgebaut wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung nach dem Stand vom 24. Dezember 2019 durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Siehe: Ian Wilson, "Before the Flood - Dramatic New Evidence that the Biblical Flood Was a Real Event", London (Orion Books), 2001, S. 185
  2. Siehe: Pausanias, "Beschreibung Griechenlands" (Ἑλλάδος Περιήγησις = Helládos Periēgēsis) 1, 14, 6
  3. Red. Anmerkung: Eine auffälige Ausnahme präsentierte der italienische Amateur-Archäologe Evelino Leonardi, der ihn in den 1930er Jahren im Westen Mittelitaliens lokalisierte. Siehe: Derselbe, "Le origini dell’uomo" (Die Ursprünge des Menschen), Mailand (Corbaccio), 1937
  4. Red. Anmerkung: Interessanterweise gibt Karl Ernst Georges’ "Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch" von 1918 im Lemma "Triton" u.a. an: "... ein See und der sich in ihn ergießende Fluß in Afrika an der kleinen Syrte, j. der See el Lodiah in Tripolis, nach ägyptisch-griechischen Sagen die Wiege mehrerer Götter, bes. der Pallas (Minerva)..." (Siehe: Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, Hannover 1918, Nachdruck Darmstadt 1998, Band 2, Sp. 3231; online bei Zeno.org) Einen heutigen See namens el Lodiah (Hervorhebungen durch uns) konnten wir allerdings noch nicht ausfindig machen.
  5. Red. Anmerkung: Vergl. dazu bei Atlantisforschung.de auch: Egerton Sykes, "Das saharische Binnenmeer" (1967)
  6. Siehe: myrine.at, unter: "The Amazons" (abgerufen: 24. Dezember 2019)
  7. Siehe: Edward Herbert Bunbury, "Lake Tritonis (1879)", online bei argonauts-book.com (abgerufen: 24. Dezember 2019)
  8. Siehe: Edward Herbert Bunbury, "A history of ancient geography among the Greeks and Romans, from the earliest ages till the fall of the Roman Empire", Band 1, London (J. Murray), 1879
  9. Red. Anmerkung: Bereits 1863 hatte der französische Diplomat und Archäologe Charles Joseph Tissot ein auf Latein verfasstes Werk mit dem Titel De Tritonide lacu veröffentlicht, in dem er das Schott el Dscherid als Überrest des Tritonis-Sees identifizierte.
  10. Siehe: Edward Dumergue, "The Chotts of Tunis, or the Great inland sea of North Africa in ancient times...", London (Allen), 1883
  11. Siehe: L. Taylor Hansen, "The Ancient Atlantic", Guest Cottage Incorporated, 1966
  12. Siehe: Alberto Arecchi, "Atlantide: Un mondo scomparso, un’ipotesi per ritrovario", Pavia (Ed. Liutprand), 2001
  13. Siehe: Lu Paradise, "Were ‘Sea Peoples’ Invading Egypt from Atlantis? Due to Global Climate Change?", bei Ancient Partiarchs (abgerufen: 24. Dezember 2019)
  14. Red. Anmerkung: Eine weitere nordafrikanische Atlantis-Lokalisierung an den Ufern des alten Tritonis-Sees legte 2004 der deutsche Physiker und Privatforscher Ulrich Hofmann vor. Siehe: Derselbe, "Platons Insel Atlantis", Norderstedt (BoD), 2004; siehe online auch: Derselbe, "Was Atlantis a Bronze Age Metropolis in Northafrica?, in: Stavros P. Papamarinopoulos (editor), The Atlantis Hypothesis – Searching for a Lost Land, Book of Proceedings of the International Conference Atlantis 2005, Heliotopos Publications, Santorini/Greece 2007, pp. 361-377. Online bei: Atlantis-Scout.de (PDF-Datei, 2,4 MB; abgerufen: 24. Dezember 2019)
  15. Siehe: Cindy Clendenon, "Hydromythology and the Ancient Greek World: An Earth Science Perspective Emphasizing Karst Hydrology", Lansing, Michigan (Fineline Science Press), 1 Januar 2009 (Erstausgabe), 520 Seiten, ISBN-10: 0981842100 / ISBN-13: 978-0981842103
  16. Quelle: o.A. "Hydromythology", Abschnitt: "What does Hydromythology conclude?", bei finelinesciencepress.com (abgerufen: 24. Dezember 2019)

Bild-Quellen:

1) Bild-Archiv Tony O’Connell (Atlantipedia.ie)
2) Siebrand (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Jacques de Gheyn (III) - Triton - ca.1615.jpg