Weiter auf den Spuren einer vergessenen 'steinzeitlichen' Seefahrerkultur

Aus Atlantisforschung.de
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Ein erstes Addendum zum versunkenen prähistorischen Hafen bei Tampa, Florida

von Dr. Dominique Görlitz

Abb. 1 Bei seinen Recherchen gelang es Dr. Görlitz unlängst, die zuvor unveröffentlichten Positionsdaten (hier im Bild angegeben) der rätselhaften versunkenen Uralt-Hafenanlage bei Tampa, Florida, zu bestimmen. (Für eine vergrößerte Ansicht bitte die Abbildung anklicken!)

Seit Jahren verfolge ich die Arbeit des amerikanischen Forschers John M. Jensen Jr. (Abb. 2), der mit Hilfe von Google Earth die Gewässer der Atlantikküste der heutigen USA bis hinunter zum Golf von Mexiko nach Spuren versunkener Hafenanlagen und Kanäle absucht. Die Forschungsergebnisse des Amerikaners erscheinen geeignet, die Weltgeschichte völlig umzuschreiben. Dennoch - oder vielleicht gerade deshab? - scheint sich in der Fachwelt niemand so richtig für sie zu interessieren.

Ich habe Jahre gebraucht, mir Jensens Methodik und auch sein Augenmerk hinsichtlich 'verdächtiger' Strukturen anzueignen. Endlich habe ich nun auch eine seiner spektakulärsten Entdeckungen wiederentdeckt (Abb. 1) [1], die John Jensen schon 2014 veröffentlichte. Gemeint ist die versunkene Hafenanlage vor Tampa (West-Florida). [2] Mit einer Länge von mehr als 3,5 km ist sie wirklich riesig! Sie ist schnurgerade in ein Riff eingearbeitet und liegt heute ca. 5-6 m unter Wasser. Laut Jensen versank dieses Becken vor ca. 7.000 Jahren im Ozean, aber natürlich sind auch andere Datierungen (etwa vor 10000 bis 8000 Jahren) denkbar. In jedem Fall stellt sich die Frage: Wer, bitteschön, benötigte damals solch eine gewaltige Hafenanlage, wenn es doch angeblich vor tausenden von Jahren gar keine Atlantik-Seefahrt gab?

Abb. 2 John M. Jensen Jr., der Entdecker der großen versunkenen Hafenanlage vor der heutigen Küste Floridas sowie diverser kleinerer vormaliger Häfen in nordamerikanischen Küstengewässern

Ein derart riesiger Hafenkomplex (Abb. 3) deutet jedenfalls ganz und gar nicht auf eine Anlegestelle für Kanus, Flöße oder auch kleine Segelboote hin, sondern auf einen Anlaufplatz für seetaugliche Schiffe von bedeutender Größe: Das Volumen des beim Bau dieses Hafens ausgehobenen, transportierten und entsorgten Materials betrug ungefähr 45.000.000 (fünfundvierzig Millionen) Kubikmeter. Bei den gegenwärtigen durchschnittlichen Kosten in US-Dollar von etwa 12 US-Dollar pro Kubikmeter stellt sich dieses Projekt als eine - auch nach heutigen Maßstäben - kolossalen Engineering-Unternehmung im Bereich von 538.000.000 (MILLIONEN) US-Dollar dar!!!

Abb. 3 Eine weitere . von John M. Jensen publizierte - Aufnahme des Hafens bei Tampa, auf der die Details deutlicher zu erkennen sind

Außerdem: Eine derart monumentale und komplex strukturierte Anlage baut man nicht mal so "nebenbei", ohne das entsprechende 'Know how' und die nötigen Ressourcen. Unter Wasser wäre eine solche Baustelle zudem ebenso sinnlos wie undenkbar gewesen, was das hohe Alter des Hafens zweifelsfrei anzeigt. Wer in aller Welt konnte und wollte in der 'Steinzeit' dieses Becken der Superlative in den heutigen Meeresgrund fräsen? Für mich ist es ein wirklich schlagender Beleg für die Richtgkeit der Annahme, es habe schon in der Vorzeit seefahrende Kulturen gegeben, die später völlig in Vergessenheit gerieten.

Sollte diese Anlage tatsächlich der Hauptumschlagsplatz für Waren mehrerer Kulturen der Vorzeit gewesen sein, so wäre mit der zivisisationsgeschichtlichen Bedeutung dieses Hafens auch die seiner Erbauer und Nutzer belegt, deren Leistungen (und speziell maritimen Errungenschaften) augenscheinlich jene bekannter späterer Kulturen in Asien und Europa in den Schatten stellen. Dass von Jensen noch weitere, allerdings kleinere, Uralt-Hafenbecken um das heutige Florida herum am Rande des Golfstroms ausgemacht wurden, stützt unsere Vermutung, eine der frühen Schiffsrouten sei zwischen Florida und einem entfernten Gebiet jenseits des Westatlantiks verlaufen. Die Hinterlassenschaften von amerikanischer Seite im Mittelmeerraum lassen vermuten, dass es bereits am Beginn des Holozäns einen massiven und warenträchtigen Handel gegeben hat. Dafür spricht auch der Fundort in Windover im Osten Floridas. Dort fand man nicht nur die ältesten Artefakte aus domestizierten, afrikanischen Flaschenkürbissen, sondern auch diverse Überreste altertümlicher Menschen, die eher Kaukasoiden als den mongoliden (sprich: asiatischen) Ureinwohnern glichen.

Ich denke, dass meine Arbeiten zur transatlantischen Ausbreitungsgeschichte des afrikanischen Flaschenkürbis sowie zum amerikanischen Tabak im alten Ägypten [3] damit ergänzungsbedürftig geworden sind und endlich auch fachübergreifend im universtären Bezirk diskutiert werden sollten. Mit diesen „hard facts“ bekommt nämlich die gesamte panatlantische Geschichte einen völlig neuen Hintergrund.

Die frühe Seefahrt muss einer der besonders kulturstimulierenden Faktoren der frühen Menschheitsgeschichte sein. Seefahrt braucht jedoch, um es noch einmal zu betonen, nicht nur seegängige Schiffe, sondern auch große Häfen für den Schutz und die Verladung der Handelsgüter. Die Lage mehrerer großer Wasserbecken (früher Häfen) auf beiden Seiten Floridas untermauert, wie florierend dieser Seehandel einst gewesen sein dürfte! Deshalb müssen Jensens Entdeckungen jetzt unbedingt intensiv und systematisch untersucht werden.

Abschließend bleibt mir noch festzustellen: Es wird immer spannender, sich mit den prä- und protohistorischen Entwicklungen der alten Kulturgebiete der Erde zu beschäftigen, die wir offenbar noch immer nicht alle kennen.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Der Trick zum erneuten Aufspüren solcher Strukturen bei Google Earth besteht übrigens darin, dort (oben) die richtige Zeit einzustellen. Im vorliegenden Fall hat man nur mit den Daten vom März 2009 einen optimalen Blick auf den Meeresgrund. Ansonsten sieht man das Hafenbecken so gut wie nicht!!!
  2. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: Bernhard Beier, "Eine vergessene prähistorische Zivilisation in Nordamerika - Mit John M. Jensen Jr. auf den Spuren der altertümlichen 'Kanal- und Hafenbauer'-Kultur im Gebiet der heutigen US-Atlantikstaaten"
  3. Siehe: Dominique Görlitz. "Prähistorische Ausbreitungsmechanismen transatlantisch verbreiteter Kulturpflanzen", Gotha, 2012, Hardcover (Format: 29,7 x 21,0 cm), 116 Seiten, reichhaltig illustratriert; ISBN 978-3-93918-246-7

Bild-Quellen:

1) Google Earth / Bild-Archiv Dr. Dominique Görlitz
2) smashwords.com, unter: John M. Jensen, Jr
3) John M. Jensen Jr. (©), unter: "Ancient Canal Builders", 03. September 2014, bei Earth Epochs