Womit Immanuel Velikovsky richtig lag: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 22. Mai 2020, 21:35 Uhr

Abb. 1 Dr. Immanuel Velikovsky im Jahr 1968

(bb) Immanuel Velikovsky (Abb. 1), dem "legendären >Vater des Neo-Katastrophismus<", wie ihn Dr. Horst Friedrich 1998 bezeichnete [1], haftet noch immer - zu Unrecht, wie der Verfasser einmal mehr betonen möchte - das Stignum des'Pseudowissenschaftlers' an - ein dubioses Prädikat, dessen 'großzügige' Vergabe zumeist auf einer bedauerlichen Überheblichkeit vieler (gerade auch namhafter!) RepräsentantInnen des universitären Mainstreams gegenüber 'Außenseitern' mit gänzlich von den ihren abweichenden Ansichten beruht, zu denen zweifellos auch Velikovsky zu rechnen ist.

Zum anderen ist die quasi inflationäre Verwendung dieser Bezeichnung auch der Tatsache geschuldet, dass nur die wenigsten Akademiker und Wissenschaftsjournalisten, die ihn und sein Werk dergestalt zu bekritteln trachten, sich der durchaus mühevollen Arbeit unterzogen haben, seine Arbeiten systematisch und vorurteilsfrei zu untersuchen. Lieber stellt man sich in diesen Kreisen auf die 'sichere Seite' und kolportiert einfach, was die opinion moulders des universitären Bezirks über Immanuel Velikovsky gesagt haben.

Dem Verfasser geht es allerdings nicht darum, Velikovskys Theoriengebäude gegen berechtigte Kritik zu verteidigen oder gar zu immunisieren, denn sicherlich irrte der Forscher - diesbezüglich werden wohl nur ganz 'eingefleischte' VelikovskyanerInnen widersprechen - in vielen Punkten, und sein ceno-karastrophistisches Modell 'planetarer' Beinahe-Kollisionen erscheint aus heutiger Sicht zur Erklärung von Diskontinuitäten und mega-katastrophischen Umbrüchen in der jüngeren Menschheits-Geschichte weniger plausibel und geeignet als die kaum noch zu leugnende Tatsache der folgenschweren Impakte von Asteroiden oder Kometen-Fragmenten (auch) während der jüngsten Jahrtausende.

Abb. 2 Das Front-Cover einer aktuellen Neuauflage von Immanuels Velikovskys Klassiker 'Welten im Zusammenstoß'. Die Veröffentlichung der Original-Ausgabe ('Worlds in Collision') im Jahr 1950 löste eine der größten Wissenschafts-Skandale des 20. Jahrhunderts aus.

Dazu hebt, um noch einmal Horst Friedrich zu zitieren, der italienische Neo-Katastrophist Prof. Emilio Spedicato hervor, "daß wir erst seit den Siebzigerjahren [des 20. Jahrhunderts; d. Red.] genügend Informationen über diese Objekte [Gemeint sind Asteroiden und speziell Apollo-Objekte; bb.] - und zur mutmaßlichen Entstehung der vielen Einschlagkrater auf Erde und Mond - besitzen, und daß Velikovsky, der diese Informationen noch nicht besaß, gewissermaßen notgedrungen auf seine Venus-Mars-Szenarien ausweichen mußte, die ihm so viele unakademisch-giftige Attacken [2] seitens des Establishments eintrugen." [3]

Somit ist Immanuel Velikovsky als Pionier katastrophistischer Vergangenheitsforschung weitaus eher das Recht auf Irrtum zuzubilligen als seinen ungnädigen Kritikern aus dem akademischen Mainstream, die zumeist lediglich bereits ausgetretene Forschungs-Pfade zu bewandern pflegen. Immerhin ist ihm zugutezuhalten, dass er lange vor dem meisten wissenschaftlichen 'Experten' erkannt hat, welchen gravierenden Einfluss kosmisch bedingte Naturkatastrophen auf die menschheits- und zivilisations-geschichtliche Entwicklung hatten. Aber auch Velikovskys astronomische Vorausssagen hinsichtlich der Venus waren in durchaus relevanten Punkten bemerkenwert zutreffend und jenen der zeitgenössischen Fachwissenschaftler, die kein 'gutes Haar' an ihm ließen, weit voraus. Dazu wollen wir abschließend etwas ausführlicher den Autor Richard Milton zu Wort kommen lassen, der dazu 1994 in seinem Buch Verbotene Wissenschaften feststellte:

Abb. 3 Auch wenn die Venus mit einiger Sicherheit kein zum Planeten gewordener kometarer Körper ist, wie Velikovsky annahm, so ist doch erstaunnlich, wie viele seiner 'extremen' Vorausagen zu ihrer Natur später bestätigt wurden.

"Als Velikovsky an »Welten im Zusammenstoß« (Abb. 2) schrieb [4], glaubten die Astronomen, daß der Planet Venus ein alter Planet sei, dessen Oberfläche wie die der Erde kühl sei und dessen Athmosphäre vorwiegend aus Wasserdampf oder Kohlendioxid bestehe. 1946 hatte Velikovsky das Manuskript für sein Buch fertiggestellt und versuchte nun, die Unterstützung von Wissenschaftlern zur Durchführung von Experimenten zu gewinnen, mit denen seine These kritisch überprüft werden sollte. Was den Planeten Venus betrifft, machte er drei Voraussagen, die im Prinzip alle durch Experimente falsifizierbar waren. Als erstes behauptete er, daß die Oberflächentemperatur der Venus, sofern sie ein relativ junger Planet sei, immer noch sehr heiß sein würde. Zweitens würde die Venus dann von Kohlenwasserstoffwolken umgeben sein — nämlich den Überresten eines kohlenwasserstoffhaltigen Kometenschweifs. Und drittens müßte sie eine anomale Rotationsbewegung haben, da Perturbationen von ihrem erst relativ kurz zurückliegenden Eintritt in eine Umlaufbahn zurückgeblieben seien.

Als Velikovsky 1953 vor Hochschulabsolventen der Universität Princeton sprach, wies er auf zwei weitere überprüfbare Phänomene hin: daß das Magnetfeld der Erde genauso weit in den Weltraum hineinreiche wie die Umlaufbahn des Mondes und für dessen Libration oder Schwankungen verantwortlich sei und daß der Planet Jupiter (von dem seiner Meinung nach der Komet Venus abstamme) im Hochfrequenzbereich des elektromagnetischen Sprektrums strahle.

Diese Voraussagen waren für die Wissenschaftler der fünfziger Jahre der Beweis für Velikovskys Unwissenheit, seinen Wahnsinn oder auch beides. Harlow Shapley wollte absolut nichts mit den experimentellen Forschungen, mit denen Velikovskys Ideen bestätigt werden sollten, zu schaffen haben. Als man beispielsweise vorschlug, Shapley könne doch das Harvardobservatorium benutzen, um nach Beweisen für das Vorhandensein von Kohlenwasserstoff in der Venusatmosphäre zu suchen, antwortete Shapley, daß er an Velikovskys »Sensationsmeldungen« nicht interessiert sei, da sie gegen die Gesetze der Mechanik verstießen. »Wenn Velikovsky recht hat,« meinte er, »dann sind wir anderen alle verrückt.«<

Ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung des Buches wurden alle Thesen Velikovskys experimentell bestätigt. Die Raumsonde Mariner übermittelte 1963, daß die Oberflächentemperatur der Venus im Bereich von 500 Grad Celsius liegt und daß sich die über 20 Kilometer dicke Atmosphäre des Planeten aus schweren Kohlenwasserstoffmolekülen und möglicherweise noch komplexeren organischen Verbindungen zusammensetzt.

Im April 1955 berichteten Dr. B.F. Burke und Dr. K.L. Franklin der American Astronomical Society von ihrer zufälligen Entdeckung des Funkrauschens, das Jupiter sendet. Im Jahre 1962 verkündeten das US Naval Research Laboratory in Washington und die Goldstone Tracking Station in Südkalifornien, radiometrische Beobachtungen würden eine rückläufige Bewegung der Venus zeigen. Im gleichen Jahr entdeckte der Satellit Explorer das Magnetfeld der Erde in einem Abstand von mindestens zweiundzwanzig Erdradien, und 1965 wurde berichtet, daß es sich ‘mindestens bis zum Mond’ erstreckt." [5]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe bei Atlantisforschung.de: Dr. Horst Friedrich, "»Pseudowissenschaftler« Velikovsky?", erstveröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 30/1998
  2. Red. Anmerkung: Siehe dazu online insbesondere von Alfred de Grazia (Hrsg.): "Die Velikovsky Affäre" (abgerufen: 22. Mai 2020)
  3. Quelle: Dr. Horst Friedrich, "Überlegungen zu Emilio Spedicatos katastrophistischem Modell - Eine allzulange verdrängte Alternative zu Velikovsky: Planetoidenkollisionen als Ursache der Kataklysmen?"; erstveröffentlicht in der Zeitschrift Vorzeit-Frühzeit-Gegenwart Nr.3-4/1993
  4. Originalausgabe: Immanuel Velikovsky, "Worlds in Collision", Garden City, N.Y. (Doubleday & Co., Inc.), 1950
  5. Quelle: Richard Milton, "Verbotene Wissenschaften", Zweitausendeins, Frankfurt 1996 [englischspr. orig. 1994]; zit. nach: Mutantenstadl, unter: Immanuel Velikovsky (nicht mehr online)

Bild-Quellen:

1) The Velikovsky Encyclopedia (home)
2) Julia White Publishing / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
3) NASA (Image processing by R. Nunes) bei Wikimedia Commons, unter: File:Venus-real color.jpg