Die Riesen der Lüneburger Heide – Atlantisforschung

Die Riesen der Lüneburger Heide

Abb. 1 Die Visbeker Braut (Foto: Hermann und Christa Pracht, Megalithen in Deutschland)
Abb. 1 Die Visbeker Braut (Foto: Hermann und Christa Pracht, Megalithen in Deutschland)

(bb) Die Sagenwelt im deutschsprachigen Raum enthält zahlreiche Überlieferungen von Riesen, die häufig im Zusammenhang mit megalithischen Relikten, wie den so genannten "Hünengräbern" stehen. Im folgenden wollen wir einen Blick auf Rübezahls [1] Vettern in der Lüneburger Heide werfen, die ebenfalls allgemein als Märchengestalten ohne jeden realen Hintergrund betrachtet werden.

Beginnen wollen wir mit einigen Sagen aus der heutigen Lüneburger Heide, die wir bei SAGEN.at gefunden haben und die von Etta Bengen zusammengestellt wurden. Dort, in der Heide, soll z.B. einst der legendäre Riesenkönig Och [2] gehaust haben, über den es heißt: "Zwischen Ahlhorn und Sage bei Regente, Kirchspiel Großenkneten, liegt im Chausseegraben ein großer Stein. Och, der König der Riesen, legte sich einst ermüdet dort nieder und aß. Während des Essens bemerkte er etwas Hartes zwischen den Zähnen und spie aus, das war dieser Stein. Andere sagen, der Stein habe in König Ochs Siegelring gesessen und sei herausgefallen. Anfangs, so heißt es, hatte er die Absicht, ihn wieder einsetzen zu lassen, doch dachte er, solch einen Zierstein fände er leicht und allenthalben wieder, ließ ihn liegen und ging davon." [3]

In einer anderen Fassung wird die Geschichte wie folgt überliefert: "Der Riesenkönig hatte Zahnschmerzen. Einer seiner Backenzähne war hohl, darin saß der Schmerz. Und nichts war dagegen zu machen, denn Zahnärzte gab es damals noch nicht. In seiner Not riß der Riese einen Baum aus. Eine hohe, gerade Kiefer war es, von denen viele dort standen. Er schälte den Stamm, spitzte ihn mit seinem Riesentaschenmesser an und stocherte dann damit im hohlen Zahn. Eine ganze Weile. Plötzlich ließ der Schmerz nach. Ein Stein hatte im Zahn gesessen. Mit dem Schwarzbrot mußte er hineingekommen sein. Jetzt kullerte er auf die Erde. Da lag er im Sand! Der Riesenkönig besah ihn. Ja, nun wußte er, wer ihm die Zahnschmerzen gemacht hatte! >Och!< - sagte er, ganz erleichtert, befreit von Schmerzen, nur >Och!<

Dies hat mir mein Großvater erzählt. Die Geschichte muß wahr sein, denn der Stein liegt jetzt noch da. Der Riesenkönig ist längst gestorben, aber den Stein könnt ihr euch ansehen, wenn ihr in unsere Gegend kommt. Nahe beim Bahnhof Ahlhorn, an der Straße nach Oldenburg, bei Kilometer 27, da liegt er im Graben. Mehr als halb ist er in den vielen tausend Jahren seitdem in der Erde versunken, aber fast 2 Meter gucken noch heraus. >König Och< nennen wir ihn hier, den dicken Stein. Ihr könnt an ihm ermessen, wie groß die Riesen wohl gewesen sein mögen." [4]

Zwei andere Riesen aus der Region sollen auch die beiden 'Brüder von Hekese' gewesen sein: "Die ungeheuren Hünen, die zu der längst entschwundenen Riesenzeit lebten, trugen die Stei-ne auf jene meist erhöhten Punkte, wo der Tote begraben werden sollte oder schon begraben war. Zwischen dem am östlichen Ende befindlichen Kopfsteine und dem am entgegengesetzten Ende eingepflanzten Fußsteine wurde der Riese eingebettet. Zu beiden Seiten wurden die Träger aufgestellt, um dann die großen flachen Decksteine darauf zu legen. Nach der Größe des Toten, es waren in der Regel im Kampfe gefallene Helden, wurde die Größe des Hünenbettes eingerichtet. Auf dem Doppelgrab in Hekese, wo zwei Brüder ihre Ruhestätte gefunden haben, findet man noch einige Decksteine, die an der Unterseite mit einer roten Kruste (einer Flechtenart) bedeckt sind; es ist das Blut der Erschlagenen. Seine Waffen, mit denen sich der Kämpfer so manchmal im blutigen Strauße (sic.) verteidigte, kostbare Schmucksachen und viel Gold gab man dem Toten mit ins Grab. Wer es ausgraben könnte, der wäre ein reicher Mann." [5]

Abb. 2 Eines der Sieben Steinhäuser, 10 km südöstlich von Bad Fallingbostel.
Abb. 2 Eines der Sieben Steinhäuser, 10 km südöstlich von Bad Fallingbostel.

Über Riesen, die im einstigen Urwald bei Emsbüren beheimatet gewesen sein sollen, heißt es in unserer Quelle: "Bei den Mehringer Hünensteinen haben Riesen auf ihrer Wanderung die Holzschuhe ausgeschüttet; dabei sind auch diese Steine mit herausgefallen. Als später wieder einmal ein Riese in die Gegend kam und die Steine fand, spielte er mit ihnen nach Kinder Art, indem er einige von ihnen auftürmte und sie dann mit anderen wieder umwarf. Der Lärm setzte ganz Emsbüren in Schrecken. Alle fürchteten zitternd, der Riese könne jeden Tag kommen, um sie der Reihe nach zu verspeisen. Da kam ein altes, mageres Schneiderlein auf einen klugen, freilich auch gefährlichen Einfall. Aber der Schneider hatte Mut und wollte Emsbüren retten. Er sagte: Gebt mit zwölf Paar verschlissenen Schuhe! Die binde ich paarweise zusammen, hänge sie um und gehe so zu dem Riesen. Seine Bitte wurde erfüllt, und ohne Zagen machte er sich auf den Weg.

Als er bei dem Riesen anlangte, spielte dieser eben wieder mit den Steinen. Verwundert hielt er inne und fragte: Woher kommst du altes, mageres Kerlchen? Der Schneider antwortete: Von Büren. - S, schon gut, erwiderte der Riese, dorthin wollte ich auch, denn da soll es manchen Leckerbissen geben. Weshalb aber hast du all diese Schuhe umgehängt? - Sieh, sagte der Schneider darauf, alle diese Schuhe waren neu, als ich meine Reise antrat. Unterwegs aber sind sie verschlissen, und ich band sie zusammen, damit der Schuster sie flickt, wenn ich nach Hause komme. Da erstaunte der Riese und sagte: Wenn Büren noch so weit entfernt ist, dann gehe ich lieber gar nicht hin. Scheinbar ist dort auch nicht viel zu holen, denn du altes mageres Schnörpelkerlchen bist ja nichts als Haut und Knochen. Lauf deiner Wege! So kam der Schneider glücklich wieder zu Hause an, und Emsbüren war gerettet." [6]

Das Motiv der "verspielten Riesen" findet sich auch in folgender Sage [7]: "In alten Zeiten, als die Weser noch nicht eingedeicht war und bei hoher Flut ihre Wogen bis an die Ganderkeseer Geest wälzte, spielten die Hünen am linken Weserufer mit denen am rechten manchmal Ball, wobei die ersteren auf dem Bokholtsberge bei Hohenböken, die letzteren auf der Höhe von Rönnebeck standen. Daß die Hünen bei diesen Spielen ungeheure Bälle und Schlägel gebrauchten, läßt sich denken. Einstmals rief der Hüne von Bokholtsberge dem von Rönnebeck zu, er möge ihm sein Beil einmal herüberwerfen, damit er sich einen Ballschlägel abhauen könnte.

Der Rönnebecker warf das Beil, traf aber unglücklicherweise Weise seinen Spielkameraden mit der Schneide in die Brust, so daß dieser auf der Stelle getötet war. Im nächsten Winter, als die Weser zugefroren war, kam der Rönnebecker einmal rüber, um sich nach seinem Spielkameraden umzusehen, und fand denselben zu seiner Betrübnis tot auf dem Bckholtsberge liegend, das Beil noch in der Brust. Er grub ein tiefes Grab, legte den Leichnam hinein, füllte die Erde wieder auf und legte darüber zwei große Steine. Und diese Steine sind auf dem Bockholtsberge noch zu sehen bis auf den heutigen Tag." [8]

Weiter heißt es dort über die Weserriesen: "Die Hünen auf dieser Seite besuchten dann und wann die Hünen auf der anderen Seite bei Rönnebeck und Vegesack. Durch das Waten im Sande auf der Geest füllten sich ihre Schuhe mit Sand. Wenn sie dann aber in die Marsch wollten, schütteten sie zuvor ihre Schuhe aus, und daraus sind die Sandhügel entstanden, die man bei Stenum und Rethorn findet. Waren die Hünen von beiden Ufern einmal in Streit geraten, so warfen sie sich hin- und herüber mit großen Steinen, daher liegen noch jetzt hunderte und tausende solcher Steine an dem Rande der Ganderkeseer Geest zerstreut." [9]


Anmerkungen und Quellen

  1. Anmerkung: Der Name des Riesen Rübezahl aus dem Riesengebirge stellt lediglich eine jugendfreie Version seines eigentlichen Namens "Rübenzargel" dar, wobei "Zargel" für das männliche Genital steht.
  2. Anmerkung: Der Name Och erinnert phonetisch stark an den des Riesen Og, nach welchem "Ogs Steinkreis", das Gilgal-Refaim / Rujm el-Hiri, auf den Golanhöhen benannt wurde. Ein Zufall?
  3. Quelle: Ludwig Strackerjan: Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. Zweite erweiterte Auflage, Oldenburg 1909, hrsg. von Karl Willoh, Band 1, Nr. 258d, S. 504; gesammelt von Etta Bengen, nach SAGEN.at, online unter http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/niedersachsen/bengen/riesenkoenigoch.html
  4. Quelle: Will-Erich Peuckert: Niedersächsische Sagen, Göttingen 1968, Bd. IV, S. 238, N. 2518; gesammelt von Etta Bengen, nach SAGEN.at, online unter http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/niedersachsen/bengen/koenigoch.html
  5. Quelle: Peuckert, Will-Erich: Niedersächsische Sagen, Bd. IV, S.324, Nr. 2671, Göttingen 1968; gesammelt von Etta Bengen, nach SAGEN.at, online unter http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/niedersachsen/bengen/hekese.html
  6. Quelle: Ludwig Schirmeyer: Osnabrücker Sagen; Osnabrück 1982, S. 128f; gesammelt von Etta Bengen, nach SAGEN.at, online unter http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/niedersachsen/bengen/rieseimurwald.html
  7. Anmerkung: auf den alten, sächsischen Ursprung dieser Sage weist auch ihre enorme Ähnlichkeit mit der Sage der "Spielenden Riesen von Cornwall" hin. (Vergl. dazu: Die Riesen Britanniens)
  8. Quelle: Ludwig Strackerjan: Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. Zweite erweiterte Auflage, Oldenburg 1909, hrsg. von Karl Willoh, Band 1, Nr. 258g, S. 506f; gesammelt von Etta Bengen, nach SAGEN.at, online unter http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/niedersachsen/bengen/weserriesen.html
  9. Quelle: ebd.


Bild-Quellen

(1) http://www.orte-der-kraft.de/nordwest.html (nicht mehr online)

(2) LÜNEBURGER-HEIDE ATTRAKTIONEN unter: http://www.lueneburger-heide-attraktionen.de/images/attraktionen/huenengraeber.jpg