Kurt Bilau: Der 'Flügelmajor' und Atlantis – Atlantisforschung

Kurt Bilau: Der 'Flügelmajor' und Atlantis

Inhaltsverzeichnis

Auf den Spuren eines Grenzgängers der Atlantisforschung

(bb) Zu den vergessenen Atlantisforschern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört auch der Major a.D. Kurt Bilau (Abb. 1) aus Deutschland, der sich u.a. auf Basis zeitgenössischer hydrographischer, ozeanographischer und meeresgeologischer Erkenntnisse für eine Lokalisierung von Atlantis im Raum der heutigen Azoren aussprach. Charles Berlitz stellte ihn 1969 - nicht ganz zureffend - folgendermaßen vor: "Kurt Bilau [war] ein deutscher Wissenschaftler und Atlantisforscher, der dem Studium des Meeresbodens und seiner Unterwasser-Cañons viel Zeit widmete." Dabei formulierte der pensionierte Offizier, so Berlitz, "seine Überzeugungen zu der Atlantis-im-Atlantik-Theorie [siehe dazu: Atlantis im Atlantik; d. Red.], wie er es nennt, mehr poetisch als streng wissenschaftlich." [1]

So schrieb Bilau (vermutlich 1935): "Tief unter den Wassern des Ozeans ruht jetzt Atlantis, und nur seine höchsten Gipfel sind noch sichtbar in Gestalt der Azoren. Seine kalten und warmen Quellen, die von antiken Schriftstellern beschrieben wurden, fließen dort noch heute wie vor vielen Jahrtausenden. Die Bergseen von Atlantis sind jetzt in versunkene Seen verwandelt worden. Wenn wir genau den Hinweisen Platos folgen und die Lage von Poseidonis unter dem halbversunkenen Gipfel der Azoren suchen, so finden wir sie im Süden der Insel Dollobarata.

Abb. 1 Der Artillerie-Offizier, Erfinder und Privatgelehrte Kurt Bilau (geb. 29. 03. 1872 in Posen, gest. 17.01. 1941 in Berlin-Friedenau) war ein vielseitig interessiertes Multi-Talent, dessen besondere Leidenschaft den Windmühlen und der Atlantisforschung galt.
Abb. 1 Der Artillerie-Offizier, Erfinder und Privatgelehrte Kurt Bilau (geb. 29. 03. 1872 in Posen, gest. 17.01. 1941 in Berlin-Friedenau) war ein vielseitig interessiertes Multi-Talent, dessen besondere Leidenschaft den Windmühlen und der Atlantisforschung galt.

Dort stand auf einer Erhebung, in der Mitte eines weiten und ziemlich geraden Tales, das vor den Winden wohlgeschützt war, die Hauptstadt, das prächtige Poseidonis. Aber wir können jenes mächtige Zentrum einer unbekannten vorgeschichtlichen Kultur nicht sehen; denn zwischen uns und der Stadt mit dem goldenen Tor liegt eine Wasserschicht von 3000 Meter Dicke. Es ist seltsam, daß die Wissenschaftler Atlantis überall gesucht haben, aber diesem Flecken die geringste Aufmerksamkeit schenkten, der schließlich von Platon deutlich angegeben wurde." [2]

Wer war dieser Major a.D. mit der 'poetischen Ader', der offenbar bei zeitgenössischen Atlantisforschern aus dem angelsächsischen Raum zur Kenntnis genommen und auch später noch zitiert wurde, während hierzulande selbst Kenner der atlantologischen 'Szene' bei der Nennung seines Namens nur ratlos die Achsel zucken? Was machte ihn im Bereich der nonkonformistischen Atlantisforschung so interessant, dass er z.B. bei Alexander Braghine (1940) und noch bei Charles Berlitz (1969) eine zumindest kurze Erwähnung fand?

Der folgende Beitrag stellt den Versuch einer ersten Annäherung an Kurt Bilau´s Werk aus atlantologie-geschichtlichem [3] Blickwinkel dar. Eine umfassende und abschließende Bewertung seiner Beschäftigung mit Atlantis muss vorerst noch ausbleiben, da dem Verfasser wesentliches Studien-Material, nämlich Bilau´s einzige bisher bekannte Atlantis-Publikation in Buch- oder Broschüren-Form (Kurt Bilau, "Die Offenbarungen Johannis", Luken und Luken, Berlin, 1935, 76 S.) bisher noch nicht vorliegt. Sobald dies der Fall ist und/oder neues relevantes Material entdeckt wird, soll eine weitere und ergänzende Publikation folgen. [4]

Anhand des bisher vorliegenden Materials (zeitgenössische Presse-Echos zu seinen zahlreichen Vorträgen, Briefe aus den Überresten von Bilau´s Nachlass, sowie Verweise aus atlantologischer und anderer Literatur) lassen sich, wie wir sehen werden, bereits viele weitgehend gesicherte Schlüsse ziehen. Dies gilt z.B. für die naheliegende Frage: Sind Bilau´s Atlantis betreffende Aktivitäten in den Bereich einer empirisch-naturwissenschaftlichen 'Außenseiter-Forschung' einzuordnen, die wir heute als nonkonformistisch oder grenzwissenschaftlich bezeichnen? Oder haben wir es bei ihm mit einem Esoteriker und Atlantis-Schwärmer zu tun, oder sogar mit einem weiteren Vertreter des rassistisch-ideologischen Ario-Atlantismus womöglich, der in den 1920er Jahren um sich gegriffen hatte und während des Dritten Reichs von 'höchsten Stellen' gefördert wurde?

Um einen Zugang zur Person Kurt Bilau zu erhalten, werden wir uns zunächst seiner Vita, seinen besonderen Fähigkeiten als Konstrukteur und Erfinder und den technischen Neuerungen zuwenden, die diesem vielseitig talentierten und interessierten Mann zu Lebzeiten offenbar eine gewisse Popularität bescherten. Dabei wird uns Uwe Karstens behilflich sein, der sich in seiner Bilau-Biographie (Uwe Karstens, "Kurt Bilau - Annäherung an einen Visionär", 2003) eingehend mit derjenigen Leidenschaft in Bilau´s Leben beschäftigt hat, die ihm den Spitznamen "der Flügelmajor" einbrachte: mit Windmühlen.


Fortsetzung

I. Der 'Flügelmajor' - Kurt Bilau als Erfinder, Konstrukteur und Kind seiner Zeit (bb)

II. Kurt Bilau´s Beschäftigung mit Atlantis, der Nationalsozialismus und der Ario-Atlantismus (bb)

IIb. Kurt Bilau´s Beschäftigung mit Atlantis, der Nationalsozialismus und der Ario-Atlantismus II (bb)

III. Kurt Bilau und Hanns Hörbigers Welteislehre - WEL (bb)

IV. Kurt Bilau als natur - und geisteswissenschaftlich orientierter Atlantisforscher (bb)


Weitere Beiträge von und über Kurt Bilau

Externum:


Danksagung

Verfasser und Redaktion bedanken sich ausdrücklich bei Herrn Uwe Karstens, dem Autor von "Kurt Bilau - Annnäherung an einen Visionär", für seine freundliche Unterstützung bei der Realisierung dieses Beitrags. Der Verfasser konnte bei seiner vorliegenden Betrachtung nicht nur auf Herrn Karstens gründlicher Vorarbeit als Biograph des 'Flügelmajors' aufbauen, sondern auch der Forschung bisher unzugängliches Material aus Bilau´s Nachlass nutzen, das von Herrn Kastens archiviert wurde.

Team Atlantisforschung.de (Juni 2006)


Literatur-Hinweise

Bild:Annäherung_an_einen.jpg
Uwe Karstens: Kurt Bilau, Annnäherung an einen Visionär, Schleswig, 2003, Verein zur Erhaltung der Wind- und Wassermühlen in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. (Hrsg.), (Preis: 9,00 EURO plus Versandkosten), Bezug: Uwe Karstens, 24326 Ascheberg, Langenrader Mühle - Tele-Kontakte: (04526) + Fon 1873 + Fax 380571 + E-Mail uwe-karstens[ät]web.de

Bild:Buch-Bilau2-Karstens-2010.jpg
Uwe Karstens: Kurt Bilau, Annäherung an einen Visionär - Band 2 (mit einem Kurzbeitrag von Bernhard Beier zu Kurt Bilau´s Atlantisforschung), Rendsburg 2010, Mühlenverein in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. in Rendsburg; Bestellungen unter E-Mail: uwe-karstens[ät]web.de


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Charles Berlitz, Das Atlantis Rätsel, Paul Zsolnay Verlag (Wien/Hamburg) 1976, S. 82 (orig: The Mystery of Atlantis, 1969)
  2. Quelle: ebd. [leider ohne Angabe der Original-Quelle]
  3. Vergl. dazu: Atlantologie-Historik - Beschäftigung mit der Geschichte der Atlantisforschung (red)
  4. Red. Anmerkung: Dies ist zwischenzeitlich (2010) geschehen. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: Bernhard Beier, "Updates zu Kurt Bilau"

Bild-Quelle

(1) Bildarchiv Uwe Karstens, Ascheberg