Forscher entdecken unbekannten Hohlraum in der Großen Pyramide – Atlantisforschung

Forscher entdecken unbekannten Hohlraum in der Großen Pyramide

Ein Kommentar von Dr. Dominique Görlitz

Forscher entdecken unbekannten Hohlraum in der Cheops-Pyramide!- Seit einigen Tagen kursieren Berichte über die Entdeckung neuer, bisher unbekannter Kammern im Inneren der Cheops-Pyramide. Die Medien überschlagen sich förmlich hinsichtlich dieser „Neu“-Entdeckung. Wissenschaftler einer internationalen Forschungsgruppe konnten mit Hilfe von kosmischen Strahlen eine mindestens 30 Meter lange Anomalie in der ältesten und größten der Pyramiden von Gizeh feststellen, wie sie in einem Beitrag darstellen, den die Fachzeitschrift Nature im Oktober 2017 veröffentlichte. [1] Die Ergebnisse werden als ein Durchbruch für das Verständnis der internen Struktur der Cheops-Pyramide betrachtet. Doch was ist dran an diesen Meldungen? Viele Menschen haben mich als Pyramidenforscher gebeten, ein Statement abzugeben; eine Bitte, der ich hiermit gerne nachkomme.

Abb. 1 Eine Darstellung der Position der unlängst nachgewiesenen, zuvor unbekannten Hohlräume in der Großen Pyramide auf dem Gizeh-Plateau. (Graphik: © ScanPyramids)
Abb. 1 Eine Darstellung der Position der unlängst nachgewiesenen, zuvor unbekannten Hohlräume in der Großen Pyramide auf dem Gizeh-Plateau. (Graphik: © ScanPyramids)

Sollte nun passiert sein, was unter gut informierten Wissenschaftlern schon seit geraumer Zeit hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wurde? Die neuen und mit modernsten Methoden durchgeführten Myonen-Scans haben im Inneren der Großen Pyramide von Gizeh einen etwa 30 m langen Hohlraum aufgespürt. Gerüchte darüber waren schon seit längerer Zeit im Umlauf, ohne das jedoch der Öffentlichkeit – wie leider fast immer in den letzten Jahren – Details preisgegeben wurden.

Bereits Mitte der 1980er Jahre hatten japanische Wissenschaftler mittels Georadar-Forschungen ähnliche Hohlräume nachgewiesen, ohne dass diese Messungen die Antikenbehörde in Kairo veranlassten, weitergehende Untersuchungen zu unternehmen. Die neuen Analysen wurden mittels kosmischer Elementarteilchen-Strahlungen durchgeführt. Diese haben mit absoluter Sicherheit eine höhere räumliche Auflösung und erlauben Rückschlüsse, welche bisher auf den Messungen der japanischen Forscher nicht möglich waren. Leider sind die veröffentlichten Angaben jedoch sehr vage, was die Größe und vor allem die Ausrichtung jener neue entdeckten Hohlräume betrifft.

Diese Art der Öffentlichkeitsarbeit hinterlässt natürlich wieder sehr viel Raum für Spekulationen. Dabei wären ein paar Angaben zu jenen Parametern sehr von Nöten gewesen, um interessierten Ägyptenforschern tiefere Einblicke in die Entschlüsselung des ältesten 'Wolkenkratzers' der Menschheit zu gewähren. Deshalb haben mich in den letzten Tagen dutzende Freunde darum gebeten, erste Schlussfolgerungen dazu abzugeben, wie dieser neueste Fund zu interpretieren sei. Im Rahmen des Cheops-Projekts hatte ich mich intensiv mit Fragen der Architektur und der Bautechnologie der Cheops-Pyramide beschäftigt, was mir wichtige Erkenntnisse über das Innere dieses fantastischen Bauwerks verschaffte. Nicht zuletzt unsere Eisenentdeckung (2013) und das Hebeexperiment von Lennestadt (2015) [2] haben erheblich zur Klärung der dringendsten Fragen des Pyramidenbaus beigetragen.

Abb. 2 Die 'Große Galerie' im Inneren der Cheops-Pyramide. Womöglich liefern die aktuell diskutierten Entdeckungen Hinweise darauf, welchem Zweck sie eigentlich dienen sollte.
Abb. 2 Die 'Große Galerie' im Inneren der Cheops-Pyramide. Womöglich liefern die aktuell diskutierten Entdeckungen Hinweise darauf, welchem Zweck sie eigentlich dienen sollte.

Die wenigen, von der Antikenbehörde vorgetragenen Fakten über die Myonen-Scans sind schwierig zu bewerten. Für mich stand für die Gestaltung der inneren Gangsysteme schon immer fest, dass die jetzige Situation - d.h. die Große Galerie (Abb. 2) mit der im rechten Winkel abbiegenden und außerhalb der Bauwerksmitte liegenden "Grabkammer" nur eine "Not"-Lösung der Architekten im Alten Reich war. Eine solche Bauausführung macht weder Sinn noch rechtfertigt sie in irgendeiner Form den gewaltigen Aufwand, den die Anfertigung der Großen Galerie erforderte, um dann durch ein 'mauskleines' Loch am Ende der Konstruktion in die Grabkammer zu gelangen.

Eigentlich sollte eine solche Große Galerie in einem noch erheblich größeren Raum enden, der Leben und Ruhm des verstorbenen Pharaos würdig ist. Dass dieser winzige Eingang am Ende in einen kleinen Zwischenraum mündet, der wiederum mit den Falltüren gesichert ist und in die so genannte Grabkammer abzweigt, ist aus meiner Sicht nur eine Kompromisslösung der Architekten, weil irgendetwas beim weiteren Bau nicht gepasst hat, oder weil die Architekten ihre ursprünglichen Absichten änderten (Gründe völlig unbekannt!).

Der bekannte französische Architekt Jean Kerisel hat jedoch nach Vermessung der Entlastungskammern (1993) diese Kammern nicht ohne Grund in „Belastungskammern“ umgetauft, weil die tonnenschweren Granitbalken überhaupt keinen bautechnischen Sinn machen und daher in ihrer Funktion völlig unklar erscheinen. Sollte mit den fast 100 Granitblöcken vielleicht eine ganz andere Struktur im Inneren errichtet werden?

Der vermeintliche Hohlraum über der Großen Galerie könnte nun neue Hinweise für die alte Theorie liefern, dass man mit dieser Architektur etwas anderes bezwecken wollte, als wir heute darin erkennen. Ob in jener neuen Kammer vielleicht doch eine noch intakte Grabanlage gefunden wird, oder ob es sich einfach nur um einen weiteren größeren Hohlraum unbekannter Funktion handelt, ist zur Zeit völlig offen. Dafür müsste man mehr über die Ausrichtung und tatsächlichen Abmessungen erfahren. Außerdem wäre es hilfreich mehr dazu zu erfahren, wie die ägyptische Antikenbehörde mit diesem neuen Wissen umgeht.

Wie gesagt, sind das nur erste Vermutungen, die sich mir aufdrängen, wenn ich vorsichtig über den Sinn und die Funktion dieser neuen Kammern nachdenke.



Siehe auch:



Externa

Abb. 3 Dominique Görlitz & Stefan Erdmann: "Das Cheops-Projekt", gebunden, 318 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Verlag: Kopp Verlag, ISBN 978-3-86445-230-7 Preis: 22,95 €
Abb. 3 Dominique Görlitz & Stefan Erdmann: "Das Cheops-Projekt", gebunden, 318 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Verlag: Kopp Verlag, ISBN 978-3-86445-230-7 Preis: 22,95 €
  • Ulf von Rauchhaupt, "Die kosmische Kammer - Exotische Teilchen haben Forschern einen bislang unbekannten riesigen Hohlraum in der Cheops-Pyramide offenbart. Physikalisch ist der Befund eindeutig, ägyptologisch ist er vielleicht weniger überraschend, als es zunächst scheint.", aktualisiert am 05.11.2017, bei Frankfurter Allgemeine Zeitung.net


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Dr. Dominique Görlitz (©) wurde der Redaktion von ihm am 06. November 2017 übersandt. Bearbeitung und Illustration durch Atlantisforschung.de.

Fußnote:

  1. Siehe: Kunihiro Morishima, Mitsuaki Kuno, Mehdi Tayoubi et al., "Discovery of a big void in Khufu’s Pyramid by observation of cosmic-ray muons", bei Nature (received: 12 October 2017, accepted: 24 October 2017, published online: 02 November 2017) - doi:10.1038/nature24647
  2. Siehe: "Neue Denkansätze für die Ägyptologie - Kongress in Lennestadt setzte Akzente für die weitere Erforschung der Frühzeit des Pharaonenreichs" (red)

Bild-Quellen:

1) ScanPyramids (Urheber / ©); nach: Greg, "Scientists Find Suspected Hidden Chamber Within the Great Pyramid", 2. November 2017, bei The Daily Grail
2) Jon Bodsworth bei Wikimedia Commons, unter: File:Grande-galerie.jpg
3) Bild-Archiv Atlantisforschung.de