Segeln wie die alten Ägypter in Sassnitz: Unterschied zwischen den Versionen

(Die Seite wurde neu angelegt: „===Presseinformation ABORA-Projekt - 07. August 2021 - www.abora.eu=== (dg) Die letzten beiden Tage wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Sassnitz Sas…“)
 
 
(11 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
 
===Presseinformation ABORA-Projekt -  07. August 2021  - www.abora.eu===
 
===Presseinformation ABORA-Projekt -  07. August 2021  - www.abora.eu===
  
([[dg]]) Die letzten beiden Tage wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Sassnitz Sassnitz] echte Seefahrtgeschichte geschrieben. Das [https://www.abora.eu/ ABORA]-Team baute mehrfach ihr klobiges [https://de.wikipedia.org/wiki/Rahsegel Rahsegel] um. Damit wurden nach Überlieferungen oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Steinzeit Steinzeitvorlage] neue Segeltypen im Experiment auf ihre Segelfähigkeit gegen den Wind geprüft. Die Ergebnisse waren erstaunlich, fast sogar sensationell!
+
([[Dominique Görlitz|dg]]) Die letzten beiden Tage wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Sassnitz Sassnitz] echte Seefahrtgeschichte geschrieben. Das [https://www.abora.eu/ ABORA]-Team baute mehrfach ihr klobiges [https://de.wikipedia.org/wiki/Rahsegel Rahsegel] um. Damit wurden nach Überlieferungen oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Steinzeit Steinzeitvorlage] neue Segeltypen im Experiment auf ihre Segelfähigkeit gegen den Wind geprüft. Die Ergebnisse waren erstaunlich, fast sogar sensationell!
  
 
Das spannendste Ergebnis lieferte das nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dynastik_(%C3%84gypten) prädynastischen] Felsbildern aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Ober%C3%A4gypten Oberägypten] gefertigte Dreieck-Quersegel. Die vorägyptische [https://de.wikipedia.org/wiki/Naqada-Kultur Negade-Kultur] nutzte diesen Segeltyp etwa vor 5.500 Jahren. Für unser Experiment wurde das Segeltuch von beiden Seiten her zur Mitte eingerefft. Es sah in dieser „[https://de.wikipedia.org/wiki/Origami Origami-Falttechnik]“ fast wie eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Schult%C3%BCte Zuckertüte] aus. Umso überraschender waren im Test jedoch die Segeleigenschaften.  
 
Das spannendste Ergebnis lieferte das nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dynastik_(%C3%84gypten) prädynastischen] Felsbildern aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Ober%C3%A4gypten Oberägypten] gefertigte Dreieck-Quersegel. Die vorägyptische [https://de.wikipedia.org/wiki/Naqada-Kultur Negade-Kultur] nutzte diesen Segeltyp etwa vor 5.500 Jahren. Für unser Experiment wurde das Segeltuch von beiden Seiten her zur Mitte eingerefft. Es sah in dieser „[https://de.wikipedia.org/wiki/Origami Origami-Falttechnik]“ fast wie eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Schult%C3%BCte Zuckertüte] aus. Umso überraschender waren im Test jedoch die Segeleigenschaften.  
Zeile 7: Zeile 7:
 
Erste Prüfungen ergaben nach Abrechnung der Seitabdrift einen durchschnittlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Physik_des_Segelns Amwindkurs] von 77°-85° über Grund – für einen Steinzeitsegler ein fantastisches Ergebnis. Damit hätten die Negade-Leute ein hochleistungsfähiges Segelfloß zur Verfügung, um ihre transozeanischen Reisen sowohl auf dem Indischen Ozean als auch auf dem Mittelmeer zu realisieren.
 
Erste Prüfungen ergaben nach Abrechnung der Seitabdrift einen durchschnittlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Physik_des_Segelns Amwindkurs] von 77°-85° über Grund – für einen Steinzeitsegler ein fantastisches Ergebnis. Damit hätten die Negade-Leute ein hochleistungsfähiges Segelfloß zur Verfügung, um ihre transozeanischen Reisen sowohl auf dem Indischen Ozean als auch auf dem Mittelmeer zu realisieren.
  
In anderen Experimenten wurden ein antikes Segel der alten [https://de.wikipedia.org/wiki/Minoische_Kultur Minoer] und das arabische [https://de.wikipedia.org/wiki/Dau https://de.wikipedia.org/wiki/Dau Dau-Segel] erprobt. Das Dau-Segel erreichte bei richtiger Bedienung ebenfalls hervorragen Kurse am Wind, die wir im Kontrolltörn mit dem altertümlichen Rahsegel nicht erreichten.
+
In anderen Experimenten wurden ein antikes Segel der alten [https://de.wikipedia.org/wiki/Minoische_Kultur Minoer] und das arabische [https://de.wikipedia.org/wiki/Dau Dau-Segel] erprobt. Das Dau-Segel erreichte bei richtiger Bedienung ebenfalls hervorragen Kurse am Wind, die wir im Kontrolltörn mit dem altertümlichen Rahsegel nicht erreichten.
  
 
Mehr Infos dazu finden sich auch in der Sonderausstellung in Sassnitz, die noch bis zum 19. September im Stadthafen von Sassnitz läuft.
 
Mehr Infos dazu finden sich auch in der Sonderausstellung in Sassnitz, die noch bis zum 19. September im Stadthafen von Sassnitz läuft.
  
Bild 01
+
<gallery widths="300px" perrow="4" heights="300px" >
Felsbilder der Negade-Kultur zeigen ab und zu das Dreieck-Quersegel. Das sind dreieckig geschnittene Rahsegel, die im Grund den Prototypen des Lateinsegels bzw. des Dausegels zeigen
 
  
Bild 02
+
Datei:Bild 01 09 08 2021.jpg|Felsbilder der Negade-Kultur zeigen ab und zu das Dreieck-Quersegel. Das sind dreieckig geschnittene Rahsegel, die im Grund den Prototypen des Lateinsegels bzw. des Dausegels zeigen
Hart am Wind! Dieser Segeltyp saugt sich sofort auf Kurs und bringt die DILMUN S ordentlich auf Fahrt. Eine weitere Beobachtung ist die erstaunliche Kursstabilität.
 
  
Bild 03
+
Datei:Bild 09 08 2021.JPG|Hart am Wind! Dieser Segeltyp saugt sich sofort auf Kurs und bringt die DILMUN S ordentlich auf Fahrt. Eine weitere Beobachtung ist die erstaunliche Kursstabilität.
Die Crew hat wenig Mühe, das Segelfloß auf Kurs zu halten. Für Fahrten zwischen Inseln und hart am Wind ist dieser Segeltyp bestens geeignet.
 
  
Bild 04:
+
Datei:Bild 03 09.2021.JPG|Die Crew hat wenig Mühe, das Segelfloß auf Kurs zu halten. Für Fahrten zwischen Inseln und hart am Wind ist dieser Segeltyp bestens geeignet.
Das schwere Rahsegel in ein Dausegel umzuwandeln, gelang auf Grund des schweren Stoffes und Segelschnitts nur bedingt. Auch die Bedienung war sehr anspruchsvoll. Aber mit einem Vorhaltewinkel von 60° gelangen auch gute Kurse ähnlich wie beim Dreieck-Quersegel.
+
 
 +
Datei:Bild 04 09 08 2021.JPG|Das schwere Rahsegel in ein Dausegel umzuwandeln, gelang auf Grund des schweren Stoffes und Segelschnitts nur bedingt. Auch die Bedienung war sehr anspruchsvoll. Aber mit einem Vorhaltewinkel von 60° gelangen auch gute Kurse ähnlich wie beim Dreieck-Quersegel.
 +
 
 +
</gallery>
 +
 
 +
<i>Kontakt</i>: Dr. rer. nat. Dominique Görlitz; +49 163 511 57 66 oder [mailto:dominique.goerlitz@t-online.de dominique.goerlitz*at*t-online.de](bitte "*at*" durch *@* ersetzen, oder, sofern auf Ihrem System möglich, einfach den Link anklicken)

Aktuelle Version vom 9. August 2021, 13:37 Uhr

Presseinformation ABORA-Projekt - 07. August 2021 - www.abora.eu

(dg) Die letzten beiden Tage wurde in Sassnitz echte Seefahrtgeschichte geschrieben. Das ABORA-Team baute mehrfach ihr klobiges Rahsegel um. Damit wurden nach Überlieferungen oder Steinzeitvorlage neue Segeltypen im Experiment auf ihre Segelfähigkeit gegen den Wind geprüft. Die Ergebnisse waren erstaunlich, fast sogar sensationell!

Das spannendste Ergebnis lieferte das nach prädynastischen Felsbildern aus Oberägypten gefertigte Dreieck-Quersegel. Die vorägyptische Negade-Kultur nutzte diesen Segeltyp etwa vor 5.500 Jahren. Für unser Experiment wurde das Segeltuch von beiden Seiten her zur Mitte eingerefft. Es sah in dieser „Origami-Falttechnik“ fast wie eine Zuckertüte aus. Umso überraschender waren im Test jedoch die Segeleigenschaften.

Erste Prüfungen ergaben nach Abrechnung der Seitabdrift einen durchschnittlichen Amwindkurs von 77°-85° über Grund – für einen Steinzeitsegler ein fantastisches Ergebnis. Damit hätten die Negade-Leute ein hochleistungsfähiges Segelfloß zur Verfügung, um ihre transozeanischen Reisen sowohl auf dem Indischen Ozean als auch auf dem Mittelmeer zu realisieren.

In anderen Experimenten wurden ein antikes Segel der alten Minoer und das arabische Dau-Segel erprobt. Das Dau-Segel erreichte bei richtiger Bedienung ebenfalls hervorragen Kurse am Wind, die wir im Kontrolltörn mit dem altertümlichen Rahsegel nicht erreichten.

Mehr Infos dazu finden sich auch in der Sonderausstellung in Sassnitz, die noch bis zum 19. September im Stadthafen von Sassnitz läuft.

Kontakt: Dr. rer. nat. Dominique Görlitz; +49 163 511 57 66 oder dominique.goerlitz*at*t-online.de(bitte "*at*" durch *@* ersetzen, oder, sofern auf Ihrem System möglich, einfach den Link anklicken)