40.000 Jahre alte Fußabdrücke aus Mexiko

Aus Atlantisforschung.de
Version vom 11. August 2016, 13:26 Uhr von Bb (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu:Navigation, Suche

von: Liverpool John Moores University

Abb. 1 Einer der fossilierten Fußabdrücke, die im Valsequillo-Becken, in Zentral-Mexiko, entdeckt wurden.

Wissenschaftler haben in Zentral-Mexiko menschliche Fußabdruck freigelegt, welchen sie ein Alter von etwa 40 000 Jahren zuschreiben, was die bisherigen Theorien dazu erschüttert, wie die Erstbesiedlung Amerikas durch den Menschen erfolgte.

Die Forscher hoffen, dass ihre vorläufigen Erkenntnisse möglicherweise dazu beitragen werden, Licht auf eine der strittigsten Debatten zur Geschichte Amerikas zu werfen: wer waren die ersten, die dort ankamen, und wie gelangten sie dort hin? Ein internationales Team von Geoarchäologen, geleitet von Dr. Silvia Gonzalez (Abb. 2) von der Liverpool John Moores University (LJMU), komplettiete schließlich die Datierung der Fußspuren [...], die von Dr. Gonzalez, Professor David Huddart (LJMU) und Professor Matthew Bennett (Bournemouth University) in einem aufgelassen Steinbruch entdeckt worden sind, und anschließend von einem multinationalen Team von Wissenschaftlern untersucht wurden.

Die erste Stufe ihrer Nachforschungen konzentrierte sich auf die Analyse der 269 Fußspuen, sowohl von Tieren als auch von Menschen, die in der Nähe des Vulkans Cerro Toluquilla im Becken von Valsequillo, nahe der Stadt Puebla entdeckt wurden, 130 km südöstlich von Mexico City, entdeckt wurden. Im Valsequillo-Becken wurden auch noch weitere Stätten mit Fußspuren identifiziert. 

Jetzt werden Dr. Gonzalez und ihr Forschungsteam dank einer Zuwendung in Höhe von £ 212.000 durch das Natural Environment Research Council in der Lage sein, ausgedehntere Untersuchungen vorzunehmen, um ihre initialen Entdeckungen zu erhärten, und um auch die Blütezeit, [Entwicklungs-] Geschwindigkeit und Schritte der menschlichen Population zu ermitteln, die dort vor 40.000 Jahren präsent war. Solche Forschungen würden auch ein besseres Verständnis des Verhältnisses ermöglichen, in welchem diese frühen Amerikaner mit der Megafauna standen, etwa mit Mammuts, Kamelen und anderen großen Tieren.

Dr. Gonzalez erklärte: "Die Fußabdrücke blieben als fossile Spuren in vulkanischer Asche entlang der Strandlinie eines vormaligen, alten vulkanischen Sees erhalten. Klimatische Veränderungen und der Ausbruch des Vulkans Cerro Toluquilla sorgten für das Ansteigen und Fallen des Wasserspiegels des Sees, wobei die vulkanische Ascheschicht von Xalnene freigelegt wurde."

Abb. 2 Dr. Silvia Gonzalez

Die Geoarchäologin nimmt an, dass die frühen Amerikaner über diese neue Strandlinie liefen, wobei sie die Fußsspuren hinterließen, die schon bald von weiterer Asche und See-Sedimenten bedeckt wurden. Als der Wasserspiegel erneut anstieg, wurden die Spuren überflutet, und so blieben die Fußabdrücke erhalten.

Heute so hart wie Beton, wird die Asche von Xalnene in der Umgebung als Baumaterial verwendet. Dr. Gonzalez und ihr Forschungsteam waren in der Lage, die Fußabdrücke ohne irgendwelche Grabungen zu untersuchen, da Arbeiter des Steinbruchs bereits zwei bis drei Meter Meter See-Sedimente entfernt hatten, die sich über der vulkanischen Asche abgelagert hatten.

Die Funde des Teams stellen eine ernsthafte Herausforderung für die bisherige Lehrmeinung zur [Erst-] Besiedlung des Kontinents dar. Dr. Gonzalez, die auch im Forschungsprogramm 'Environmental Factors in the Chronology of Human Evolution and Dispersal' (EFCHED) des Natural Environment Research Council arbeitet, sagte: "Wir denken, dass es, zu verschiedenen Zeiten und durch unterschiedliche Gruppen von Menschen, mehrere Migrations-Wellen nach Amerika hinein gegeben hat."

Diese Debatte veräuft nun schon seit mehr als einem Jahrhundert. Die traditionelle Sichtweise - als 'Clovis First'-Modell bezeichnet – ist, dass am Ende der jüngsten Eiszeit - vor etwa 11.500 bis 11.000 Jahren - Siedler die Beringstraße, von Russland [richtig: Sibirien; d.Ü.] aus nach Alaska, überquerten und Amerika bevölkerten. Evidenzen für diese Theorie ergeben sich aus den Clovis-Spitzen [von Pfeilen und Speeren; d.Ü.] - Instrumenten, die bei der Jagd auf Mammuts und Mastodonten Verwendung fanden -, welche vielerorts auf dem amerikanischen Kontinent entdeckt wurden.

Die Entdeckung menschlicher Fußspuren im zentral-mexikanischen Becken von Valsequillo stellt dieses Modell in Frage, indem sie neue Evidenzen dafür liefert, dass Menschen schon vor 40.000 Jahren Amerika besiedelt haben. Professor David Huddart (LJMU) erklärte: "Die meisten frühen menschlichen Siedlungs-Stätten in Amerika datieren aus dem sehr späten Pleistozän oder Eiszeit-Alter, zwischen 10.000 und 12.500 Jahren [vor der Gegenwart]. Die Existenz von 40,000 Jahre alten menschlichen Fußabdrücken in Mexiko bedeutet, dass das 'Clovis First'-Modell zur Besiedlung durch den Menschen nicht länger als frühester Nachweis menschlicher Präsenz in Amerika akzeptiert werden kann."

Dr. Gonzalez führte weiter aus: "Neue Migrations-Routen, welche die Existenz dieser viel älteren Stätten erklären, müssen nun dringend Berücksichtigung finden. Unsere Entdeckungen stützen die Theorie, dass diese ersten Kolonisten womöglich eher über das Wasser als zu Fuß angekommen seien, wobei sie die Pazifik-Küste als Migrations-Route nutzten."

Die Erforschung der mexikanischen Fußabdrücke ist für das Studium der Besiedlung Amerikas von vitaler Bedeutung, da sie umfassend bestätigte Daten liefert, welche direkt derzeitige Theorien zur Erstbesiedlung Amerikas in Frage stellen. Zudem bestätigt sie erneut die Wichtigkeit Zentral-Mexikos als eines der wichtigsten Gebiete für das Studium früher menschlicher Besiedlung.

Die Fußabdrücke wurden kartiert, mittels Laser-Technologie eingescannt und an der University of Bournemouth mittels 'rapid proto-typing'-Technologie reproduziert, welche eine exzellente Visualisierung erlaubt. Diese Technologie ist auch dazu verwendet wurden, um physikalische Modelle der Fußabdrücke mit Sub-Millimeter Präzision herzustellen. 

Alte menschliche und tierische Abdrücke sind aufgrund der speziellen Bedingungen, die zu ihrer Erhaltung notwendig sind, eine Rarität. Die Entdeckung der Fußabdrücke vom Valsequillo-Becken ist daher eine wichtige Bereicherung des globalen Archivs menschlicher Abdrücke. [...]


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag wurde (2005) unter dem Titel “Will a footprint rewrite the history books? The Oldest American? Footprints from the past” von der Liverpool John Moores University im Internet unter http://www.ljmu.ac.uk/NewsCentre/64361.htm veröffentlicht. (Seite nicht mehr online). Bei Atlantisforschung.de erscheint er als Eigen-Übersetzung ins Deutsche in einer redaktionell bearbeiteten, leicht gekürzten Fassung. Red. Anmerkung: Zu früher erfolgten, noch WEITAUS älteren (ca. 300.000 - 250.000 Jahre B.P) Funden aus dem Valsequillo-Becken siehe: Virginia Steen-McIntyre


Bild-Quelle:

1) Liverpool John Moores University, unter: http://www.ljmu.ac.uk/NewsCentre/64361.htm (Seite nicht mehr online)
2) ebd.