Alexander Bessmertny – Atlantisforschung

Alexander Bessmertny

Forscher- und Autorenportrait

Abb. 1 Das Front-Cover der Original-Ausgabe von Alexander Bessmertnys Buch "Das Atlantisrätsel aus dem Jahr 1932
Abb. 1 Das Front-Cover der Original-Ausgabe von Alexander Bessmertnys Buch "Das Atlantisrätsel aus dem Jahr 1932

(red) Alexander Bessmertny - im französischen Sprachraum auch bekannt als Alexandre Bessmertny - (* 20. März 1888 in St. Petersburg, Russisches Kaiserreich; † 22. August 1943 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller und Literaturkritiker [1] sowie einer der Pioniere fundierter, argumentativ gestützter Atlantologie-Kritik. Unter anderem prägte er für eine bestimmte 'Klientel' (siehe unten) den despektierlichen Begriff 'Atlantomanen'.

Biographische Notizen

Das Wenige, was heute noch über A. Bessmertnys Leben bekannt ist, wird in der deutschaprachigen Wikipedia folgendermaßen zusammengefasst: "Alexander Bessmertny wurde als Sohn der deutschen Schriftstellerin Marie Bessmertny in Russland geboren. Er studierte Jura an den Universitäten Freiburg, München und Kiel. Nach der Promotion zum Dr. jur. arbeitete Bessmertny als Kritiker und Journalist. Nach dem Ersten Weltkrieg lebte er als freiberuflicher Schriftsteller in Berlin. 1933 musste er als Jude emigrieren. Er zog nach Frankreich, später nach Prag, wo er 1939 denunziert und von der Gestapo verhaftet wurde." [2] Am 22. August 1943 wurde Dr. Bessmertny in Berlin-Moabit hingerichtet.

A. Bessmertny und die Atlantisforschung

Während die Beschäftigung mit Bessmertnys Schaffen in der konventionellen Literaturgeschichts-Forschung heute im Wesentlichen auf die Frage reduziert ist, ob er der Verfasser der (pornographischen) "Zehn Sonette" war [3], stellt sein 1932 erschienenes Buch "Das Atlantisrätsel- Geschichte und Erklärung der Atlantishypothesen" [4] (Abb. 1) aus atlantologie-historischem Blickwinkel ein Standardwerk zur frühen Atlantologie-Kritik des 20. Jahrhunderts sowie einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der jüngeren Geschiche der Atlantisforschung sowie - allgemeiner gefasst - der Atlantis-Rezeption dar. Wer in diesen Bereichen tiefgehende Studien betreiben will, sollte "Das Atlantisrätsel" als Pflichtlektüre betrachten. [5] [6]

Abb. 2 War Platons Bericht über Atlantis Fakt oder Fiktion? Auch Alexander Bessmertny konnte diese Frage nicht beantworten, aber immerhin trug er mit seinem Atlantisbuch aus dem Jahr 1932 zu einem besseren Verständnis der Atlantologie seiner Zeit sowie anderer Formen der Atlantis-Rezeption bei.
Abb. 2 War Platons Bericht über Atlantis Fakt oder Fiktion? Auch Alexander Bessmertny konnte diese Frage nicht beantworten, aber immerhin trug er mit seinem Atlantisbuch aus dem Jahr 1932 zu einem besseren Verständnis der Atlantologie seiner Zeit sowie anderer Formen der Atlantis-Rezeption bei.

Zu seiner Intention bezüglich dieser Abhandlung und zu deren Notwendigkeit bemerkte Bessmertny damals selber: "Die Frage, ob die von Plato (Abb. 2) zuerst genannte Insel Atlantis wirklich existiert hat und wo sie gelegen haben kann, gehört heute zu den populärsten und am meisten diskutierten Problemen der Geschichte und Geographie. Die Stimmen, die Atlantis für eine Fabel erklären, werden übertönt von dem großen Chor derer, die Positives von der Existenz der rätselhaften Insel auszusagen wissen und nicht zuletzt auch vom Lärm derer, denen innere Gesichte und Eingebungen Atlantis offenbart haben sollen.

Die Fülle der Atlantistheorien ist fast unübersehbar. Hier soll nun eine klärende Übersicht über die [...] Atlantisliteratur gegeben werden, unter besonderer Hervorhebung des Entwicklungsganges der Problemstellung und vor allem unter Betonung der sich heute streitenden Meinungen. Es kommt hier nicht darauf an, tote Lehrmeinungen auszugraben, sondern den lebendigen Kampf um lebendige Meinungen darzustellen. Das Nurhistorische ist auf den Raum beschränkt worden, der ihm im Verhältnis zum Lebendigen zukommt [7] und der Vorsatz, die wirkliche Aktualität zu fassen, darf nicht davor zurückschrecken, auch Halbwissenschaftliches und Okkultes, Dilettantisches und nur symbolhaft Greifbares zu nennen, weil erst in der Gesamtheit dieser Erscheinungen das Atlantisinteresse, fast kann man sagen, der Trieb nach Atlantis in seiner vollen Intensität wirklich spürbar wird." [8]

Hier wird sowohl Bessmertnys Interesse an Atlantis als kulturellem sowie kulturhistorischem Phänomen erkennbar als auch seine grundsätzliche Bereitschaft und Fähigkeit, zwischen Atlantisforschung und Atlantismus (Okkultismus und '"Dilettantisches") zu unterscheiden. Letzteres wird auch deutlich, wenn er - vor dem Hintergrund des wissenschaftlichen Diskussionsstands seiner Zeit! - bemerkt: "Forschungen auf so exakter Basis, wie Meeresvermessung und archäologische Funde; in ihrem Entwurf jedenfalls großartige Konzeptionen kosmologisch-geologischer und kulturphilosophischer Art wie die Welteislehre und Hermann Wirths Theorien vom »weißen Keil«; die völkerkundlich umwälzenden Schlüsse Karsts aus linguistischen Parallelen stehen - auch untereinander uneins - gegenüber den wissenschaftlich unbeschwerten Behauptungen dilettierender Phantasten, vor keinem sinngebenden Unsinn zurückschreckender Etymomanen und weiter entgegen den gefälschten Dokumenten einfacher Schwindler, den aus unkontrollierbaren Quellen Atlantisweisheit verkündenden geheimnisvollen Eingeweihten, den Visionen medial begnadeter und schließlich gegenüber der Meinung kalter Skeptiker, die alles, auch Atlantis selbst, für Fabel und Unwirklichkeit erklären." [9]


Von Alexander Bessmertny bei Atlantisforschung.de:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe z.B.: Alexander Bessmertny, "Der falsche Nero", in: Die Weltbühne, Jahrgang XXXIII, Nr. 1, 11. 2. 1937, S. 207-210
  2. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Alexander Bessmertny" (abgerufen: 19. August 2017)
  3. Siehe dazu einführend: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, op. cit., Abschnitt: "Die »Zehn Sonette«"
  4. Siehe: Alexander Bessmertny, "Das Atlantisrätsel- Geschichte und Erklärung der Atlantishypothesen - Mit 29 Abbildungen im Text und 9 Abblidungen auf 8 Tafeln", Leipzig (R. Voigtländer's Verlag). 1932
  5. Anmerkung: Bessmertnys Atlantisbuch ist glücklicher Weise noch heute zu akzeptablen Preisen antiquarisch zu erwerben. Siehe online z.B. hier, hier und hier.
  6. Anmerkung: Das Buch erschien 1935 auch - in einer Übersetzung von Ferdinand Gidon - auf Französisch. Siehe: Alexandre Bessmertny, "L'Atlantide - Exposé des hypothèses relatives à l'énigme de l'Atlantide", Paris (Payot), 1935 (Coverabbildung)
  7. Red. Anmerkung: Immerhin bemerkte Alexander Bessmertny ergänzend dazu: "Vielleicht ist es notwendig, darauf hinzuweisen, daß die Kenntnisnahme früherer Atlantistheorien doch nicht verabsäumt werden sollte, denn sie sind zumeist Rohstoff später ausgebildeter Atlantishypothesen und erst der Blick zurück läßt die Tiefe des Problems Erkennen und sehen, wie Atlantis, fest verankert im Bewußtsein der gegenwärtigen Menschheit, Vergangenheit und Zukunft durch einen besonderen Zauber verbindet." (op. cit., S. 8)
  8. Quelle: Alexander Bessmertny, op. cit. (1932), S. 8
  9. Quelle: ebd., S. 7

Bild-Quellen:

1) Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) Clipart ETC - An online service of Florida´s Educational Technology Clearinghouse, unter: Plato