Harold S. Gladwin – Atlantisforschung

Harold S. Gladwin

Ein Forscherportrait

Leben und Werk

(red) Harold Sterling Gladwin (1883–1983) [1] war ein in New York City geborener, US-amerikanischer Archäologe und Anthroploge, der zu den streitbarsten Verfechtern des modernen Diffusionismus im 20. Jahrhunderst zählt, und mit Sarkasmus und beißendem Spott auf den rigiden Isolationismus des fachwissenschaftlichen Mainstreams seiner Zeit reagierte. In diesem Zusammenhang prägte er auch den ironischen Begriff 'Phuddy Duddy'. [2] Obwohl Gladwin sich mit dieser Haltung - und mit seiner These asiatischer Migrationen ins präkolumbische Amerika - in zeitgenössischen Kollegenkreisen alles andere als beliebt machte, gilt er in der Retrospektive als einer der besonders verdienstvollen Pioniere archäologischer Erforschung des Südwestens der heutigen USA.

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Abb. 1 Harold S. Gladwin in Gila Pueblo
(Foto: Arizona Museum of Natural History)

Nachdem Gladwin in jüngeren Jahren (zwischen 1908 und 1922) in seiner Heimatstadt als Börsenmakler ein beträchtliches Vermögen erworben hatte, wandte er er sich ganz der wissenschaftlichen Forschung zu. 1922 übersiedelte er nach Kalifornien, wo er für das Santa Barbara Museum of Natural History zu arbeiten begann. Zunächst befasste er sich mit Entomologie, insbesondere mit Mutationen bei Schmetterlingen, doch schon bald entwickelte er ein immer stärkeres Interesse an altamerikanischer Archäologie. Nachdem er sich 1924 mit Alfred V. Kidder angefreundet hatte, einer herausragenden Forscherpersönlichkeit der frühen Archäologie der südwestlichen Vereinigten Staaten, konzentierte Gladwin sich ganz auf dieses Forschungsgebiet. [3]

Bereits in dieser frühen Phase seiner archäologischen Forschungen zeigte Gladwin ein besonderes Interesse für (Keramik-)Scherben und andere Abfälle auf archäologischen Fundstätten, und nicht zuletzt mittels ihrer vergleichenden Analyse begann er vor dem Hintergrund seiner Ausgrabungen von 1927 bei Casa Grande in Arizona (heute: Casa Grande Ruins National Monument) (Abb. 2) seine Theorien über die Geschichte des Volkes der Hohokam [4] zu entwickeln. Gladwins Ausgrabungen im südlichen Arizona trugen wesentlich dazu bei, das Interesse der Fachwissenschaftler an den alten Kulturen dieser Region zu erneuern, welche seit den Feldstudien von Frank H. Cushing (1857-1900) im späten 19. Jahrhundert wieder weitgehend in Vergessenheit geraten waren.

Abb. 2 Die archäologische Fundstätte von Casa Grande, Arizona, zu deren frühen Ausgräbern Harold S. Gladwin 1927 gehörte.
Abb. 2 Die archäologische Fundstätte von Casa Grande, Arizona, zu deren frühen Ausgräbern Harold S. Gladwin 1927 gehörte.

Im Jahr 1928 gründete Harold S. Gladwin gemeinsam mit seiner Forschungspartnerin und späteren Ehefrau Winifred MacMurdy die Gila Pueblo Archaeological Foundation [5] am Ort eines alten Pueblos, das die beiden gemeinsam ausgegraben hatten. Vom Sitz dieser Stiftung aus, die der Förderung archäologischer Forschungen im amerikanischen Südwesten und angrenzenden Gebieten gewidmet war, unternahmen sie während der folgenden mehr als zwanzig Jahre viele wissenschaftliche Exkursionen in diesem Großraum, bei denen es ihnen vor allem um die Erforschung der Ursprünge der dort beheimateten prähistorischen Völkerschaften bzw. Kulturen ging. Neben zahleichen anderen Örtlichkeiten in Arizona, New Mexico, Colorado und Texas gehören zu ihren wichtigsten Grabungsstätten dieser Periode vor allem Snaketown (bei Phoenix), Casa Grande, Flagstaff und Chaco Canyon. [6]

Im Verlauf dieser zahlreichen Unternehmungen entwickelten die Gladwins auch eine neue Methode zur Bestimmung von Kulturen (orig.: “method for designation of cultures"), welche auch die vergleichende Untersuchung linguistischer “Bestände” (orig.: "stocks") heutiger Bewohner dieses Gebiets mittels einer Systematik von Stammwurzeln, Verzweigungen, zeitlicher Phasen und Bezeichnungen beinhaltete, wobei diese sprachlichen "Bestände" der Gegenwart mit den archäologischen Funden zur Erstellung eines Gesamtbildes der Kulturen des präkolumbischen Südwestens in Beziehung gebracht wurden. [7] Die Berichte der Gila Pueblo Archaeological Foundation aus dieser Zeit (1928-1950) werden von den Arizona State Museum Library & Archives aufbewahrt und sind auch online zugänglich. [8] 1951 übereigneten Paul S. und Winifred Gladwin die Stiftung und deren Einrichtungen schließlich an die University of Arizona. [9]

Danach konzentrierte Harold S. Gladwin sich vor allem auf die Publikation von Papieren und Büchern zu diversen archäologischen Themen von Bedeutung, wie der Altersbestimmung mittels Dendrochronologie (Baumring-Datierung) [10], den östlichen Zweig der Red-On-Buff Kultur [11], Analyse und Bewertung der Flagstaff-Kultur [12], die Ergebnisse der Grabungen bei Snaketown und die materielle Kultur der einstigen Bewohner dieser Örtlichkeit [13], sowie zu den Grabungen von White Mound und bei Red Mesa. [14]


Harold S. Gladwin und der Diffusionismus

Abb. 3 Das Titelblatt von Harold S. Gladwins wohl bekanntestem Werk, das im Jahr 1947 erschien
Abb. 3 Das Titelblatt von Harold S. Gladwins wohl bekanntestem Werk, das im Jahr 1947 erschien

Während das Ehepaar Gladwin heute üblicherweise für seine Pionierarbeit und fachlichen Innovationen hoch gelobt wird [15], verschweigt man in posthumen Würdigungen geflissentlich die Tatsache, dass zumindest Harold S. Gladwin ein entschiedener Verfechter des Diffusionismus war. [16] Um die Gründe dafür zu verstehen, ist ein kurzer, wissenschaftsgeschichtlicher Rückblick notwendig:

In den späten 1930er Jahren endete ein, damals bereits seit fast zwei Dekaden zwischen Wissenschaftlern der involvierten Disziplinen - vor allem in den USA - geführter, erbitterter Gelehrtenstreit über die Frage, ob es seit der vermuteten, 'steinzeitlichen' Erstbesiedlung des amerikanischen Doppelkontinents auch kulturelle Einflüsse durch 'Zugereiste' von anderen Kontinenten gegeben habe; eine Sichtweise, die in aller Regel von Anhängern des Diffusionismus vertreten wurde. Bereits 1925 hatte jedoch Franz Boas (1858-1942), der wohl einflussreichste US-Anthropologe seiner Zeit, erklärt: "Die Diffusion [als Modell zur Erklärung kultureller Entwicklung; d. Red.] ist erledigt" [17] - und in den folgenden Jahren wurden diffusionistische Denk- und Studienansätze sowie auf ihnen beruhende Forschungsergebnisse mehr und mehr zu einer außenseiterischen Angelegenheit, bis sie schließlich in den 1940ern als "veraltet", "widerlegt", "eurozentrisch" usw. galten. Von nun an wagten es in den USA nur noch wenige, herausragende und genügend etablierte (d.h. beruflich fest 'im Sattel sitzende') Forscherpersönlichkeiten (z.B. Gordon F. Ekholm, George F. Carter oder Cyrus H. Gordon) anderslautende Positionen zu beziehen.

An besagtem Streit beteiligte sich - zumindest gegen Ende der Debatte in den späten 1930ern - auch Harold S. Gladwin [18], für den es außer Frage stand, dass die altamerikanischen Kulturen nicht ausschließlich ein Ergebnis evolutionärer Veränderungen auf Basis einer singulären, gegen Ende der jüngsten Eiszeit via Bering-Landbrücke aus Sibirien immigrierten, Ur-Population von Jägern und Sammlern darstellen konnten. Vielmehr betrachtete er sie als kulturelles Amalgam und Resultat von "multitudinous migrations" ("zahlreiche" - oder auch "zahllose Migrationen"), wie er es nannte [19], durch Besucher und Einwanderer von anderen Kontinenten. Mit solchen, nun angeblich "fragwürdigen", Theorien (orig.: "questionable theories") [20] schwamm Gladwin bewusst 'gegen den Strom' und nahm es in Kauf, dass er damit "den Respekt vieler professioneller Amerikanisten verlor." [21]

Abb. 4 Die Ergebnisse jüngerer Forschungen, wie die ABORA-Expeditionen von Dominique Görlitz et al. sind geeignet, Gladwins diffusionistisch geprägte Vorstellungen zur Prähistorie Amerikas im Grundsatz zu bestätigen (Foto: Die ABORA III auf dem Atlantik)
Abb. 4 Die Ergebnisse jüngerer Forschungen, wie die ABORA-Expeditionen von Dominique Görlitz et al. sind geeignet, Gladwins diffusionistisch geprägte Vorstellungen zur Prähistorie Amerikas im Grundsatz zu bestätigen (Foto: Die ABORA III auf dem Atlantik)

Zudem galt Gladwin, der sowohl die eigenen Arbeiten als auch die seiner Kollegen stets kritisch-reflektiv hinterfragte [22], schließlich auch als eine Art Nestbeschmutzer, da er bezüglich der von ihm erkannten Mißstände in der scientific community kein Blatt vor den Mund zu nehmen pflegte. Dass er seine 'Kollegenschelte' gerne auch ironisch-spöttisch vorbrachte, trug sicher ebenfalls zu der herzlichen Antipathie bei, die ihm seine Kontrahenten aus dem Lager der 'Isolationisten' entgegen brachten. Als Paradebeispiel für seine bisweilen beißend scharfzüngige Kritik am akademischen Mainsteam darf sein wohl bekanntestes Werk "Men out of Asia" (Abb. 3) gelten. In diesem - bewusst nicht als wissenschaftliche Publikation im engeren Sinne konzipierten, sondern mehr oder weniger in Romanform gestalteten und an ein breiteres Publikum gerichteten - Opus attackierte Gladwin nicht nur die von ihm als 'Phuddy Duddies' bezeichneten Schmalspur-Archäologen und -Anthropologen sowie ihre kontraproduktive Rolle im Erkenntnisprozess, sondern er präsentierte auch noch einmal allgemeinverständlich sein Modell der, vor allem aus Asien bzw. via Pazifik ankommenden, "multitudinous migrations". So erreichten beispielsweise, nach Gladwin, in prähistorischer Zeit alleine Vertreter dreier verschiedener 'schwarzer' Ethnien (in der damals allgemein üblichen Sprachregelung: "Rassen") den amerikanischen Doppelkontinent: Pygmäen, Australoide und Schwarzafrikaner, deren erste Welle über die Pazifik-Route anlangte. [23] Zudem fasste er auch Amerika-Fahrten mediterraner Völker ins Auge [24], denen er offenbar aber geringere Bedeutung beimaß.

Solche nonkonformen Überlegungen Gladwins mögen Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts, also während der Blütezeit des Isolationismus, 'häretisch' gewesen sein;; heute, mehr als ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod, könnten er und seine "fragwürdigen Theorien" möglicherweise zumindest in Teilen bald rehabilitiert werden. Immerhin liefern neue Erkenntnisse zu transozeanischen, also transpazifischen [25] oder auch transatlantischen [26] Früh-Kontakten 'Wasser auf die Mühlen' moderner Diffusionisten, und das während Gladwins später Schaffensperiode als unumstößlich geltende Isolationismus-Dogma ist längst ins Trudeln geraten. Diese Entwicklung in Richtung auf einen erneuten Paradigmenwechsel in der Altamerikanistik (und damit auch in der Ethnologie bzw. Anthropologie) hätte er sicherlich mit großer Freude zur Kenntnis genommen.


Publikationen (Auswahl)

  • Gladwin, Harold S. and Winifred. “A Method for Designation of Cultures and Their Variation.” Medallion Papers. Lancaster Press, Inc., Lancaster, PA; 1934: pp. 1–10.
  • Gladwin, Harold S. and Winifred. “A Method for Designation of Cultures and Their Variation.” Medallion Papers. Lancaster Press, Inc., Lancaster, PA; 1934: pp. 1–10.
  • Gladwin, Harold S. and Winifred; Haury; and Sayles. “Excavations at Snaketown: Material Culture.” Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1938: pp. 1–11.
  • Gladwin, Harold Sterling. “Excavations at Snaketown: Reviews and Conclusions.” Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1948: pp. 1–5.
  • Gladwin, Harold Sterling. “Tree Ring Analysis: Problems of Dating.” Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1946: pp. 1–21.
  • Gladwin, Harold Sterling. “Tree Ring Analysis: Tree-rings and Droughts.” Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1952: pp 1–33.
  • Gladwin, Harold S. and Winifred. “The Eastern Range of the Red-On-Buff Culture.” Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1935: pp. 1–277.
  • Gladwin, Harold Sterling. “A Review and Analysis of the Flagstaff Culture.” Medallion Papers, Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1943: pp. 1–69.
  • Gladwin, Harold Sterling. Men Out of Asia. Whittlesey House, New York City; 1947: pp. vii-361.
  • Gladwin, Harold S. and Winifred; Haury; and Sayles. “Excavations at Snaketown: Material Culture.” Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1938: pp. 1–289.
  • Gladwin, Harold Sterling. “The Chaco Branch Excavations at White Mound and in the Red Mesa Valley.” Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1945: pp. 1–152.
  • Gladwin, Harold Sterling. Men Out of Asia. Whittlesey House, New York City; 1947: pp. vii-361.


Anmerkungen und Quellen

Vorwiegend verwendete Materialien:

Einzel-Verweise:

  1. Quelle: Old Explorer, bei: The Official Website of the ARIZONA MUSEUM OF NATURAL HISTORY --- Siehe auch: Haury, E. W., and J. J. Reid, 'Harold Sterling Gladwin, 1883-1983'. Kiva 50 (1985), S. 271-283
  2. Quelle: David Hatcher Childress, "Pirates and the Lost Templar Fleet: The Secret Naval War Between the Knights Templar and the Vatican", Adventures Unlimited Press, 2003, S. 27
  3. Siehe: Tim Murray, “Harold Sterling Gladwin", in: Encyclopedia of Archaeology. ABC CLIO, Santa Barbara, California, 2001, S.588.
  4. Anmerkung: Die Bezeichnung 'Hohokam' stammt, laut deutschsprachiger Wikipedia, aus der Pima-Sprache. Sie bedeutet in etwa: "Diejenigen, die verschwunden sind" (wörtl.: "aufgebraucht, nicht mehr benutzbar"). In den archäologischen Sprachgebrauch eingeführt hat sie, wie das ARIZONA MUSEUM OF NATURAL HISTORY auf seinen Webseiten (unter: Old Explorer) bemerkt, Harold S. Gladwin.
  5. Siehe: Haury, Emil W. (Hrsg.: J. Jefferson Reid und David E. Doyel), Emil Haury's Prehistory of the American Southwest, Tucson & London (The University of Arizona Press), 1992
  6. Siehe: Tim Murray: op. cit. (2001), S. 588
  7. Siehe: Harold S. Gladwin und Winifred Gladwin, “A Method for Designation of Cultures and Their Variation”, Medallion Papers. Lancaster Press, Inc., Lancaster, PA, 1934, S. 1-10
  8. Siehe: Gila Pueblo Foundation Papers, 1928-1950, bei: Arizona Archives Online (abgerufen: 06.04.2013
  9. Siehe: Tim Murray, op. cit. (2001), S. 588
  10. Siehe z.B.: Harold Sterling Gladwin, “Tree Ring Analysis: Problems of Dating”, in: Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1946: pp.1-21 --- sowie: Ders., “Tree Ring Analysis: Tree-rings and Droughts”, Medallion Papers, Gila Pueblo, Globe, Arizona, 1952, S. 1-33.
  11. Siehe: Harold S. und Winifred Gladwin, “The Eastern Range of the Red-On-Buff Culture”, Medallion Papers, Gila Pueblo, Globe, Arizona, 1935, S. 1-277
  12. Siehe: Harold Sterling Gladwin, “A Review and Analysis of the Flagstaff Culture”, Medallion Papers, Gila Pueblo, Globe, Arizona, 1943, S. 1-69 --- zur archäologischen Erforschung des Gebiets von Flagstaff, Arizona, siehe online auch: Harold S. Colton (Director Emeritus, Museum of Northern Arizona, Flagstaff, Arizona), ARCHAEOLOGY OF THE FLAGSTAFF AREA, aus: NEW MEXICO GEOLOGICAL SOCIETY - THIRTEENTH FIELD CONFERENCE, S. 171 (PDF-Datei, 523,8 KB; abgerufen: 06.04.2013)
  13. Siehe: Harold S. und Winifred Gladwin, Haury und Sayles, “Excavations at Snaketown: Material Culture”, in: Medallion Papers, Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1938, S. 1-289.
  14. Siehe: Harold Sterling Gladwin, “The Chaco Branch Excavations at White Mound and in the Red Mesa Valley”, Medallion Papers. Gila Pueblo, Globe, Arizona; 1945, S.. 1-152
  15. So heißt es etwa in der eglischsprachigen Wikipedia - unter "Harold S. Gladwin" - über sie: "From their work throughout the Southwestern United States, the Gladwins introduced new information and archaeological techniques into the scientific community that may have gone undiscovered for years."
  16. Anmerkung: Dieses Verschweigen diffusionistischer Positionen wissenschaftlicher 'Hochkaräter' der Ethnologie/Anthropologie und der Altamerikanistik ist offenbar als Bestandteil einer Politik des divide et impera von Verfechtern der noch heute dominanten 'isolationistischen' Richtung innerhalb dieser Einzelwissenschaften zu betrachten. Während solchen ForscherInnen, die nicht dem etablierten Wissenschaftsbetrieb angehören, zumeist ohne Umschweife und lautstark der Vorwurf des angeblichen "Hyperdiffusionismus" oder "extremen Diffusionismus" gemacht wird, vermeidet man dagegen in Publikationen des wissenschaftlichen Mainstreams tunlichst jeden Hinweis darauf, dass entsprechende (diffusionistische) Positionen, Thesen und Forschungsergebnisse zumindest vereinzelt auch von rennomierten 'Größen' aus den eigenen Reihen vertreten und publiziert wurden. So muss bei Laien und jungen Fachwissenschaftlern, welche die Geschichte ihrer Disziplinen nur aus vorsortierter (mithin: 'gesäuberter'!) Literatur kennen, der Eindruck entstehen, die Annahme präkolumbischer, interkontinentaler Kultur-Diffusion nach Amerika hinein stelle in jüngerer Zeit ausschließlich eine 'fixe Idee' von inkompetenten Außenseitern und 'Spinnern' dar, und sei somit wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen.
  17. Quelle: Michael Arbuthnot, "Geschichte des Niedergangs der Diffusions- und Migrations-Theorien", bei Atlantisforschung.de
  18. Siehe z.B.: Harold S. Gladwin, "Independent Invention versus Diffusion", in: American Antiquity 3.2 (1937), S. 156-160
  19. Quelle: Gladwin, Harold S., bei: THE FREE DICTIONARY BY FARLEX
  20. Quelle: ebd.
  21. Quelle: ebd.; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de
  22. Anmerkung: In der englischsprachigen Wikipedia wird im Lemma 'Harold S. Gladwin' sogar mehrmals auf Gladwins Fähigkeit zur Selbstkritik und seine Bereitschaft hingewiesen, fehlerhafte Annahmen seinerseits einzugestehen und vor dem Hintergrund neuer Erknntnisse zu korrigieren - eine Eigenschaft, die längst nicht alle seine KollegInnen für sich in Anspruch nehmen konnten und können!
  23. Siehe: Paul A. Barton, Ägypten als schwarz-afrikanisches Kaiserreich (unter: Weiterführende Literatur), bei Atlantisforschung.de
  24. Quelle: Gladwin, Harold S., bei: THE FREE DICTIONARY BY FARLEX
  25. Siehe z.B.: Tupuola Terry Tavita, "Did Polynesians settle in South America?", bei: Savali Newspaper (online), 20. März 2012 --- K. Kris Hirst, "Polynesian Seafaring to the American Continents", bei: About.com Archaeology, 25. April 2010 --- Anonymus, "Redrawing the Polynesian Triangle: Did Polynesian settlement extend to South America?", bei: Otago School of Medical Sciences --- David Epstein, "28: First Americans May Have Come From Australia", bei: DISCOVER, 02.01.2005 (alle abgerufen: 06.04.2013) --- sowie bei Atlantisforschung.de: William R. Corliss, "Das China-Syndrom der Archäologie" --- Derselbe, "Japaner im alten Mexiko?" --- "Peñon Woman III - Eine Uramerikanerin aus dem Pazifikraum" (red)
  26. Siehe dazu aktuell: Dominique Görlitz, "Prähistorische Ausbreitungsmechanismen transatlantisch verbreiteter Kulturpflanzen", (Dissertation), Gotha, 1. Aufl. 18.07.2012 --- sowie bei Atlantisforschung.de die Sektion: Präkolumbische, transatlantische Kontakte


Bild-Quellen:

(1) Old Explorer, bei: The Official Website of the ARIZONA MUSEUM OF NATURAL HISTORY

(2) Martin1971: File:Casa grande construction.jpg, bei: Wikimedia Commons

(3) Library Thing, unter: Men Out of Asia by Harold Sterling Gladwin (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)

(4) Bild-Archiv Atlantisforschung.de