Oscar Theodore Broneer – Atlantisforschung

Oscar Theodore Broneer

Abb. 1 Der Archäologe Dr. Oscar Broneer lieferte unbeabsichtigt massive Indizien für die Historizität von 'Ur-Athen', wie es in Platons Atlantisbericht beschrieben wird.
Abb. 1 Der Archäologe Dr. Oscar Broneer lieferte unbeabsichtigt massive Indizien für die Historizität von 'Ur-Athen', wie es in Platons Atlantisbericht beschrieben wird.

(red) Dr. Oscar Theodore Broneer (Abb. 1) (* 28. Dezember 1894 in Backebo, Schweden – ✝ 22. Februar 1992, in Korinth, Griechenland) war ein schwedisch-amerikanischer Archäologe, der sich durch seine Arbeiten zum Alten Griechenland einen Namen machte. Obwohl selber keineswegs ein Atlantisforscher, lieferte er 1939 einen der womöglich entscheidendsten Beiträge zur Atlantologie des 20. Jahrhunderts.

Broneer verließ Schweden bereits 1913, besuchte in den Vereinigten Staaten zunächst das Augustana College, Illinois, und studierte dann an der University of California in Berkeley. Dort benötigte er lediglich zwei Jahre um sowohl den akademischen Grad eines M.A. als auch den eines Ph.D. zu erwerben. Danach zog es ihn wieder nach Europa, und er lehrte an der American School of Classical Studies in Athen. Zudem er über Jahre hinweh aktiv an den Ausgrabungen von Korinth beteiligt, wo er die südliche Stoa sowie das dort befindliche Odeon freilegte und studierte. Außerdem nahm er regen Anteil an den Ausgabungen der Überreste des spätmykenischen Athen, und veröffentlichte 1939 dazu ein Papier im Journal Hesperia [1], mit welchem er einen wesentlichen Beleg für die (zumindest partielle) Historizität des Atlantisberichts sowie für die Tatsache vorlegte, dass die darin geschilderten Ereignisse - jedenfalls in Teilen! - der spätmykenischen Periode zuzuordnen sind.

Platon liefert nämlich im Dialog Kritias (111e-112e) auch eine Beschreibung der Akropolis Ur-Athens zur Zeit des Krieges mit den Atlantern. Dabei erwähnt er auch mit wenigen, aber spezifischen, Details eine dort befindliche Quelle, die später bei einem Erdbeben verschüttet worden sein soll. In seinem Papier von 1939 schreibt Broneer über die Entdeckung einer, mit Platons Beschreibung übereinstimmenden, Quelle sowie über Evidenzen dafür, dass diese um 1200 v. Chr. verschüttet worden sein muss. Zusammen mit den Beschreibungen anderer Ausgrabungsergebnisse [2] stellen Broneers erwähntes Papier sowie eine spätere Veröffentlichung von ihm [3] - neben einer archäologischen Publikation von Friedrich Matz zu diesem Thema [4] - äußerst bedeutende wissenschaftliche Veröffentlichungen dar, welche evident und nachhaltig die atlantologische Annahme stützen, dass Platons Atlantisbericht keineswegs als rein fiktionale Erzählung einzustufen ist, sondern weitgehend konkrete, prä- bzw. protohistorische Örtlichkeiten und Ereignisse schildert.

Nach dem Ende des II. Weltkriegs kehrte Oscar Broneer als Angehöriger des Roten Kreuzes umgehend nach Griechenland zurück, wo er erneut in Korinth archäologisch tätig wurde, und unter anderem die erste systematische Typifikation für antike Terrakotta-Lampen entwickelte. 1952 erfolgte Broneers gefeierte Entdeckung der Überreste des Poseidon-Tempels von Isthmia am allerersten Tag der dortigen Grabungen. Noch im selben Jahr wurde Broneer zum Leiter der Ausgrabungen (orig: "field director") bei Isthmia ernannt, und blieb in dieser Funktion noch bis 1967 tätig. Bereits 1962 ehrte ihn die griechische Regierung mit dem Ehrenkommando des Phoenix-Ordens. 1969 erhielt er schließlich die Goldmedaille des Archaeological Institute of America.

Nach seinem Ableben im Jahr 1992 wurde Oscar Broneer neben seiner ersten Ehefrau Verna Anderson, die bereits 1948 gestorben war, auf dem Hagia Anna Friedhof, (Altes) Korinth, Giechenland, beigesetzt. Sein wissenschaftlicher Nachlass - im Verlauf seiner beruflichen Laufbahn publizierte er diverse Bücher und zahlreiche Papiere - wurde von der American School of Classical Studies, Athen, archiviert. [5] Seine vollständige Bibliographie findet sich in Hesperia (43/1974). Für die Popularisierung von Broneers atlantologisch relevanten Erkenntnissen sorgte vor allem Jürgen Spanuth mit seinen Publikationen zu diesem Thema. [6]


Anmerkungen und Quellen

Verwendetes Material:

1) Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: Oscar Broneer (abgerufen: 08.07.2012)

2) Tony O’Connell: Broneer, Oscar Theodore (N), bei: Atlantipedia.ie (abgerufen: 08.07.2012)

3) Jürgen Spanuth: "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976

4) BIBLIOGRAPHY OF OSCAR THEODORE BRONEER; aus: Hesperia (43/1974), online bei: THE AMERICAN SCHOOL OF CLASSICAL STUDIES AT ATHENS (PDF-Datei, 799,36 KB)


Einzelnachweise:

  1. Siehe: Oscar Broneer, "A Mycenaean Fountain on the Athenian Acropolis", in: Hesperia, Vol VIII, No. 4, 1939, S. 317-429
  2. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: Bernhard Beier, "Spanuths 'Schlüssel zum Atlantisbericht'"
  3. Siehe: Oscar Broneer, "What happened at Athens", in: American Journal of Archaeology (A.J.A.), 1948, S. 112
  4. Siehe: Friedrich Matz, "Die Katastrophe der mykenischen Kultur im Lichte der neuesten Forschungen", in: Vorträge auf dem archäolog. Kongreß in Neapel, 1958
  5. Siehe: The American School of Classical Studies at Athens, unter: The ASCSA Digital Library
  6. Siehe z.B.: Jürgen Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976


Bild-Quelle

(1) Tony O’Connell: Broneer, Oscar Theodore (N), bei: Atlantipedia.ie