Paul Borchardt: Atlantis in Tunesien – Atlantisforschung

Paul Borchardt: Atlantis in Tunesien

Abb. 1 Atlantis in Tunesien: Diese Karte mit einem Lageplan von Poseidonis nach Paul Borchardt erschien 1927 bei A. Petermann, Mittheilungen aus Justus Perthes' Geographischer Anstalt, Folge 73
Abb. 1 Atlantis in Tunesien: Diese Karte mit einem Lageplan von Poseidonis nach Paul Borchardt erschien 1927 bei A. Petermann, Mittheilungen aus Justus Perthes' Geographischer Anstalt, Folge 73

(bb) Zu den inzwischen fast vergessenen Atlantisforschern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört auch Paul Borchardt aus Deutschland. In seinem 1927 erschienenen Buch "Platos Insel Atlantis" präsentierte er die Theorie, dass Platons legendäres Reich tatsächlich in Nordafrika, genauer gesagt in Tunesien, zu suchen sei. Dabei differenzierte Borchardt geographisch zwischen dem Inselreich der Atlantier und dessen Königssitz, der "Burg des Poseidon":

"Wie [später] Galanopulos erkannte auch er, daß Platon zwei verschiedene Gebiete beschreibt. Die kleine Atlantisinsel, der Sitz der Könige, wird von Atlantis im weiteren Sinn unterschieden. Sie befand sich, meint Borchardt, einige Kilometer landeinwärts vom Golf von Gabès in Tunesien. Dieses Gebiet, heute teils Festland, Teils Schotts, liegt unter dem Meeresspiegel und war, nach Meinung der Geologen, in früherer Zeit eine Meeresbucht, die mit dem Mittelmeer in Verbindung stand. Die Hauptinsel von Atlantis identifiziert Borchardt mit der nordafrikanischen Küste, die damals durch das Meer vom Kontinent getrennt war. Nach Borchardts Meinung ist diese Bucht das >Atlantische< Meer. Sie war ja auch, nach Platon, durch einen schmalen Eingang mit dem Mittelmeer verbunden. Der Untergang von Atlantis wäre durch ein Erdbeben verursacht worden." [1]

Bild:Borchardt-1.jpg
Abb. 2 Der nordafrikanische Großraum zur Zeit von Atlantis nach Paul Borchardt

Borchardt war zudem davon überzeugt, dass gewisse Ähnlichkeiten zwischen den Namen der ersten zehn Könige von Atlantis und den, z. T. noch heute verwendeten, Stammesnamen der Berber in Tunesien keineswegs auf einem Zufall beruhen. Er ging davon aus, "dass die Berber eventuell die Nachkommen der nordafrikanischen Atlantiden sind, und versuchte in den Namen der existierenden Berberstämme die Namen der zehn Söhne Poseidons, also der Sippenverbände von Atlantis, zu entdecken." [2] Einer der Stämme führte beispielsweise den Namen >Uneur<, was genau >Euneor< entsprechen könnte, dem Namen, mit dem einst Platon den Vater der 'Kleito' bezeichnete, jener eingeborenen Menschenfrau, mit der Gott Poseidon das Königsgeschlecht der Atlantier gezeugt haben soll. Die Berberstämme von Schott el Hameina in Tunesien wurden "Attala" ("Söhne der Quelle") genannt, was Borchardt mit dem Wortstamm des Begriffs 'Atlantis' in Verbindung setzte.

Geographische Details des Atlantisberichts fand Borchardt in der regionalen Topographie Tunesiens bestätigt. So war er der Meinung, Spuren eines Systems von Bewässerungskanälen entdeckt zu haben, wie es im Kritias-Dialog beschrieben wird. "Auch andere Einzelheiten des platonischen Berichtes könnten im Bereich des Möglichen liegen. Obwohl es nur sehr wenige Hinweise gibt, ist es durchaus denkbar, daß die Völker im Raum von Tunesien durch das Vordringen der Sahara oder durch Erdbeben gezwungen waren, nach dem Osten zu wandern, und die Geschichte von Atlantis, wie sie in Ägypten aufgezeichnet wurde, beeinflußt haben." [3]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: James W. Mavor Jr., Reise nach Atlantis, dtv, 1973, Seite 43
  2. Quelle: http://phantasie.coolfreepages.com/setatlantis.html (nicht mehr online)
  3. Quelle: James W. Mavor Jr., op. cit., Seite 43

Bild-Quellen:

1) http://home.planet.nl/~zeven230/geo.9.atlantis.htm
2) Original-Quelle derzeit nicht bekannt