Peter Kolosimo

Aus Atlantisforschung
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Forscher- und Autorenportrait

Abb. 1 Der italienische Prä-Astronautiker und Primhistoriker Peter Kolosimo (1922-1984)

(red) Pier Domenico Colosimo (Abb. 1) (15. Dezember 1922 - 23. März 1984), bekannt geworden unter seinem Pseudonym Peter Kolosimo, war ein italienischer Journalist und Grenzwissenschafts-Autor. Neben Robert Charroux, Peter Krassa, Morris K. Jessup u.a. zählt er zu den Pionieren und Begründern der Prä-Astronautik, deren Ideen und Konzepte er nicht nur in Italien popularisierte.

Im Vergleich zu den meisten frühen, weitgehend auf die Suche nach außerirdischen Einflüssen auf die Entwicklung der Menschheit fixierten, Paläo-SETI-Anhängern im deutschsprachigen Raum verfolgte Kolosimo weitaus vielfältigere Interessen. So betrieb er z.B. auch alternativ-ethnologische Studien zu den Andenvölkern und den Tibetern, beschäftigte sich mit Parapsychoologie ebenso wie mit Riesenforschung, untersuchte weit prähistorische Höhlenmalereien und befasste sich vor allem intensiv mit Problemen der Primhistorik und der Erforschung putativer, verschollener Zivilisationen (gerade in der zuletzt genannten Hinsicht ist er durchaus mit Robert Charroux und dem UFO-Forscher Andrew Tomas zu vergleichen), wie Atlantis und Mu. In Bezug auf Platons versunkenes Vorzeit-Reich schloss er sich übrigens der 'klassischen' Theorie eines Atlantis als Großinsel im Atlantischen Ozean an, wobei er in seinem Buch "Non è terrestre" (Abb. 2) (deutschsprachiger Titel: Sie kamen von einem anderen Stern), massiv auf die Arbeit des Elite-Atlantologen Dr. Nikolai Zhirov aus der damaligen Sowjetunion zurückgriff. [1]

Abb. 2 Das Cover von Peter Kolosimos Bestseller aus dem Jahr 1968 (Foto: Libreria della Spada)

Einen von Peter Kolosimos ganz speziellen Interessenschwerpunkten stellte der Bereich der krypto-archäologischen Suche nach Spuren des prähistorischen Einsatzes von Hochtechnologie dar, wie etwa von Atomwaffen und prähistorischen Fluggeräten, z.B. den Vimanas der altindischen Überlieferungen. In Hinsicht auf seine katastrophistischen Vorstellungen war er stark beeinflusst von den Werken Immanuel Velikowskis, auf die er häufig Bezug nahm. [2] Trotz seiner somit eindeutig nonkonformistischen Positionierung und der bisweilen wütenden Kritik, die ihm seinerzeit aus scientistischen Kreisen entgegen schlug, fungierte er auch als Koordinator der schulwissenschaftlich ausgerichteten Associazione Studi Preistorici Italia (ASP) [3]

Als Sohn einer Amerikanerin und eines Italieners in Modena geboren, studierte Kolosimo in Bozen, wo er auch den größten Teil seines Lebens verbrachte und schon früh die deutsche Sprache erlernte. Dies ermöglichte es ihm später, sowohl auf Italienisch als auch auf Englisch und Deutsch zu publizieren. Zunächst begann Kolosimo, ein überzeugter Kommunist, als Journalist zu arbeiten, u.a. als Auslandskorrespondent für die linke Tageszeitung "L’Unità", die zu jener Zeit das offizielle 'Sprachrohr' der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) war. Angeblich soll ar der einzige Journalist Italiens gewesen sein, der tagesaktuell über die Proklamation der DDR berichtete. [4] Später wurde er Leiter des italienischsprachigen Senders "Radio Capodistria in der slowenischen Stadt Koper, mußte diesen Posten allerdings auf Druck der übergeordneten Behörden Jugoslawiens wieder räumen, die wegen seiner prosowjetischen Haltung intervenierten. [5]

Abb. 3 Das Cover einer der deutschsprachigen Kolosimo-Erstausgaben aus dem Limes-Verlag

Danach wandte sich Peter Kolosimo verstärkt seiner schriftstellerischen Tätigkeit und der Beschäftigung mit der grenzwissenschaftlichen Vergangenheitsforschung zu. Auch hierbei klang bisweilen durchaus seine enge Beziehung zur Sowjetunion durch. So griff er bei seinen Recherchen - anders als die meisten anderen westlichen Autoren seiner Zeit - häufig auch auf Informationen und Material zurück, das aus dem 'Ostblock' stammte, und er pflegte Raumfahrer nicht nach westlicher Sprachregelung als 'Astronauten', sondern, wie jenseits des 'Eisernen Vorhangs' üblich, als 'Kosmonauten' zu bezeichnen. [6]

Seiner stetig wachsenden Beliebtheit beim Publikum schadete dies allerdings überhaupt nicht. 1969 erhielt Kolosimo für sein Werk "Non è terrestre" den Premio Bancarella, einen der prestigeträchtigsten Literaturpreise Italiens, und schließlich galt er sogar als einer der berühmtesten italienischen Schriftsteller der Welt. [7] Seine Bücher wurden in sage und schreibe sechzig (!) verschiedenen Staaten publiziert, unter anderem in Russlanand, Japan, China Spanien, den Niederlanden, der Türkei und natürlich auch in der Bundesrepublik. Angesichts dieser Fakten muss es eigentlich erstaunen, dass das umfangreiche Werk Peter Kolosimos, der am 24. März 1884 im Alter von zweiundsechzig Jahren in Mailand verstarb, hier und heute weder unter den Anhängern der Paläo-SETI oder der Primhistorik entsprechende Bekanntheit genießt, noch unter jenen, die sich per se um eine Professionalisierung grenzwissenschaftlicher Forschung bemühen, geschweige denn von ihnen rezipiert wird. Nicht nur im deutschsprachigen Raum muss sein Gesamtwerk erst einmal interdisziplinär und mit einem zeitgemäßen Ansatz erschlossen und ausgewertet werden. Auf den Punkt gebracht hat die Situation bereits 2009 das Autorenkollektiv Wu Ming mit seiner ebenso kurzen wie erschöpfenden Feststellung: "Kolosimo ist eine Figur, dies neu zu entdecken gilt. Er hat uns viele Fragen hinterlassen, und sein Erbe ist noch immer bedeutsam." [8]


Bibliographie (Auswahl)

Italienischsprachige Original-Ausgaben:

Abb. 4 Peter Kolosimo und Ehefrau Caterina in ihrem Haus in Torino, Italien (ca. 1972)
  • Il pianeta sconosciuto (1959)
  • Terra senza tempo (1964)
  • Ombre sulle stelle (1966)
  • Non è terrestre (1968)
  • Astronavi sulla preistoria (1972)
  • Guida al mondo dei sogni (1974)
  • Odissea stellare (1974)
  • Fratelli dell'infinito (1975)
  • Polvere d'inferno (1975)
  • Italia mistero cosmico (1977)
  • Civiltà del mistero (1978)
  • Fiori di luna (1979)
  • Viaggiatori del tempo (1981)
  • I misteri dell'universo (1982, mit Caterina Kolosimo)

In deutscher Sprache:


Anmerkungen und Quellen

Verwendete Materialien:


Einzelverweise:

  1. Quelle: Tony O’Connell, Kolosimo, Peter, bei: Atlantipedia.ie, 9. Juni 2010 (abgerufen: 29.09.2013)
  2. Quelle: Rational Wiki, unter: Peter Kolosimo (abgerufen: 29.09.2013)
  3. Quelle der letzgenannten Information: Wikipedia, l'enciclopedia libera, unter Peter Kolosimo (abgerufen: 29.09.2013)
  4. Quelle: ebd.
  5. Quelle: ebd. --- Anmerkung zum Hintergrund: Ab 1947 distanzierte sich Josip Broz Tito, der Staatschef der damaligen, bis dahin eng an die Sowjetunion angelehnten Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, zu der auch Slowenien gehörte, immer mehr von der UdSSR und dem Ostblock, bis es zum völligen Bruch zwischen den ehemaligen Verbündeten kam. Tito propagierte nun einen eigenen, auch als 'Titoismus' bezeichneten, jugoslawischen Weg zum Kommunismus. Während sich Jugoslawien zunehmend den blockfreien Staaten und dem Westen annäherte, herrschte nun eine Art 'kalter Krieg' zwisschen den Sowjets und den "Renegaten" in Belgrad.
  6. Quelle: Rational Wiki, unter: Peter Kolosimo (abgerufen: 29.09.2013) --- Anmerkung: Im Beitrag des scientistischen und pseudoskeptischen Rational Wiki über Peter Kolosimo, in dem trotz deutlicher Tendenz zur Lächerlichmachung auch eine Spur von Respekt oder sogar Hochachtung durchklingt, heißt es dazu pointiert, man müsse ihn eigenlich als Schöpfer der 'Prä-Kosmonautik' (orig.: "ancient cosmonaut theory" bezeichnen.
  7. Quelle: Wikipedia, l'enciclopedia libera, unter Peter Kolosimo (abgerufen: 29.09.2013)
  8. Quelle: Wu Ming (Autorenkollektiv), UFOs and Revolution: In Memory of comrade Peter Kolosimo, in: GQ magazine (Ausgabe Italien), Juli 2009 (Link abgerufen: 29.09.2013; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Wu Ming (Autorenkollektiv), UFOs and Revolution: In Memory of comrade Peter Kolosimo, in: GQ magazine (Ausgabe Italien), Juli 2009
2) L.d.S. - Libreria della Spada Online, unter: Non è terrestre
3) Bild-Archiv Atlantisforschung.de
4) Marcok bei Wikimedia Commons, unter: File:Peter e Caterina Kolosimo Torino 1972-73.png