"Atlantis lag in Südwest-Spanien"

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Wolfenbüttel: Vortrag im Landesmuseum nahm eine Überrachende Wendung

von Frank Wöstmann (Braunschweiger Zeitung)

Abb. 1 Werner Wickboldt: „Meiner Meinung nach lag Atlantis an der Südwest-Küste Spaniens bei Cadiz und nutzte die Mündung des Guadalquivir in den Atlantik.“ (Foto © Braunschweiger Zeitung)

Hat ein Hobby-Archäologe aus Braunschweig die Sagen umwobene Stadt Atlantis entdeckt? Diese Frage stellten sich wahrscheinlich die meisten der etwa 30 Gäste, die am Mittwochabend [8.1.2003; Red. Atlantisforschung.de] in Wolfenbüttel das Braunschweigische Landesmuseum, Abteilung Ur- und Frühgeschichte, besuchten. Sie hörten einen Vortrag von Wolfgang [richtig: Werner; d. Red.] Wickboldt über „Seevölker - Zerstörer von Troja und Hattuascha“. Ein Referat, das eine überraschende Wende nahm. „Für mich steht fest, dass diese Seevölker die Bewohner von Atlantis waren“, sprach Wickboldt in verdutzte Gesichter.

Und er legte sogar noch nach: Durch die Auswertung von Luftbildaufnahmen (Abb. 1) der gesamten Atlantikküste sei es ihm gelungen, den tatsächlichen Standort dieser untergegangenen Stadt (es handelt sich um einen Regierungssitz und zehn Herrschaftsgebiete) ausfindig zu machen. „Meiner Meinung nach lag Atlantis an der Südwestküste Spaniens bei Cádiz und nutzte die Mündung des Guadalquivir in den Atlantik.“

Kurz darauf war der Vortrag beendet. Nur wenige Fragen waren gestellt worden. Erst im Nachgang äußerte sich Wolf-Dieter Steinmetz, als Leiter der Abteilung Ur- und Frühgeschichte Hausherr des Abends, allerdings zurückhaltend zu den Thesen Wickboldts. „Ich glaube von vornherein nicht an Atlantis[1], bestätigte der Wissenschaftler, dass die Existenz der sagenhaften Stadt in der Fachwelt umstritten ist. Dennoch räumte der Archäologe ein, dass der Referent "mit der Flussmündung bei Cádiz einen ideale Stelle für einen bronzezeitlichen Handelsplatz" ausfindig gemacht habe. Dennoch unterstrich er, "dass ich bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen immer sehr vorsichtig sein würde."

Wickboldt nahm es gelassen. "Ich war mir klar darüber, mit meiner These einigen Widerspruch hervorzurufen." Das ganze sei schließlich eine heikle Sache. "Die Verknüpfung der Seevölker mit Atlantis ist zwar nicht ganz neu. Aber die Lokalisierung der Siedlung ist für die Fachwelt schon ein Knaller." Es wird wohl noch so einige Zeit vergehen, bevor Wickboldt seine Ideen verifizieren kann. Das von ihm gefundene Gebiet befindet sich in einem ausgedehnten Nationalpark, in dem Grabungen nicht erlaubt sind. „Vorteilhaft ist, dass wir gar nicht aufwendig graben, sondern nur an zwei, drei Stellen bohren müssten“, versichert der engagierte Braunschweiger schnellen Erfolg. Und so will der 59-Jährige in Kürze erneut die Nationalparkverwaltung kontaktieren, um weitere Schritte einzuleiten. Bis dahin dürfte die Reaktion der Fachwelt nicht ausbleiben - ein Thema, über das in nächster Zeit noch so einiges geschrieben werden dürfte.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Frank Wöstmann erschien erstmals am Freitag, den 10. Januar 2003 in der BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG © (Regionalteil / Wolfenbüttler Zeitung u. Anzeiger). Bei Atlantisforschung.de dokumentieren wir ihn in einer durch uns bearbeiteten Online-Fassung. Unser besonderer Dank gilt Frau Brigitte Beinhorn vom Archiv des Braunschweiger Zeitungsverlags für ihre bemerkenswerte Hilfsbereitschaft und Kooperation!

  1. Red. Anmerkung durch uns: Als engagierte Atlantisforscher empfinden wir Herrn Steinmetz´ 'Glaubensbekenntis' als durchaus unwissenschaftliche Stellungnahme, die offenbar NICHT auf entsprechenden Studien oder Forschungen, sondern auf subjektiver Interpretation fragmentarischer Daten und auf 'Hörensagen' beruht. Wir möchten Herrn Steinmetz allerdings ausdrücklich zugute halten, dass er bei der oben besprochen Veranstaltung offenbar durch die plötzliche Variation von Herrn Wickboldts Vortrag 'überrumpelt' wurde, und somit keine Gelegenheit besaß, einen adäquaten Kommentar vorzubereiten.


Bild-Quelle

(1) Braunschweiger Zeitung / (Regionalteil / Wolfenbüttler Zeitung u. Anzeiger), Fr. 10. Januar 2003