'Stonehenge' in Deutschland: Das Steinzeit-Observatorium von Goseck

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Abb. 1 Rekonstruktion des beindruckenden Ring-Observatoriums von Goseck.

(bb) Als alternativ-historischer Autor muss man bisweilen den Kopf darüber schütteln, welch geringe Beachtung selbst die phantastischsten archäologischen Entdeckungen in der breiten Öffentlichkeit finden. Dies gilt ganz besonders, wenn solche Funde, bei denen das Prädikat "sensationell" tatsächlich angebracht scheint, quasi direkt vor der 'eigenen Haustür' gemacht werden.

Ein solcher Jahrhundert-Fund, der - nach ein wenig schnell abgeflautem Rummel im Internet - offensichtlich gerade wieder dabei ist, außerhalb eines kleinen Kreises fachlicher Insider in Vergessenheit zu geraten, ist das monumentale Observatorium (Abb. 1) aus der so genannten Jungsteinzeit, dessen Überreste Archäologen im vergangenen Jahr im sächsischen Goseck entdeckten. Nicht die schiere Größe dieser neolithischen Anlage, die einen Durchmesser von 75 Metern aufweist, macht ihren Sensations-Wert aus, sondern ihr Alter, das von den Archäologen auf etwa 7000 Jahre (ca. 4900 v. Chr.) datiert wird.

Damit ist das Goseck-Observatorium vermutlich nicht nur die älteste der rund 200 derartigen Anlagen, die bisher in Europa lokalisiert werden konnten. Es stellt derzeit vielmehr WELTWEIT das älteste bekannte Sonnen-Observatorium dar, dessen frühere Funktion - aufgrund seines besonders guten Erhaltungs-Zustands - einwandfrei nachgewiesen werden konnte. Dieses "deutsche Stonehenge" übertrifft sein Pendant in Britannien altersmäßig um wenigstens 2000 Jahre! [1]

Entdeckt wurden die Uralt-Ruinen aus der Luft. (Abb. 2, links) Die Bau-Struktur bestand zur Zeit ihrer Benutzung offenbar aus vier konzentrischen Ringen - einem Mound, einem Graben und zwei etwa mannshohen Holz-Palisaden - mit Toren in südöstlicher, südwestlicher und nördlicher Richtung. Im Scientific American stellt der Autor Madhusree Mukerjee dazu fest: "Zur Winter-Sonnenwende hätte man aus dem Zentrum der Ringe durch die südwärtigen Tore den Sonnenauf- und -untergang beobachten können." [2]

Abb. 2 Links: Luftbild des Steinkreises von Goseck; rechts: eine weitere künstlerische Rekonstruktion der Anlage. (Bilder: Scientific American)

Weiter heißt es dort: "Der möglicherweise kurioseste Aspekt des Observatoriums besteht darin, dass die ungefähr 100 Grad betragende Spanne zwischen den Sonnwend-Toren mit einem Winkel auf einer Bronze-Scheibe korrespondiert, die auf einer 25 Kilometer entfernten Hügelkuppe bei der Stadt Nebra ausegraben wurde. Die Nebra-Scheibe, die einen Durchmesser von 32 Zentimetern hat, wird auf 1600 v.Chr. datiert und ist die älteste realistische Abbildung des Kosmos, die bisher gefunden wurde. Sie zeigt eine Mondsichel, einen Kreis, vermutlich den Vollmond, eine Gruppe von sieben Sternen, von denen man annimmt, dass sie die Plejaden darstellen,verstreute andere Sterne und drei Bögen, alle in Blattgold vor einem rendered violett-blauen Hintergrund aufgebracht wurden, offenbar unter Verwendung verrotteter Eier." [3]

Mukerjee bemerkt zudem: "Die beiden gegenüberliegenden Bögen, die entlang des Randes verlaufen, sind 82.5 Grad lang und markieren die Sonnen-Stände bei Sonnenauf- und –untergang. Die niedrigsten Punkte der beiden Bögen sind 97.5 Grad voneinander entfernt und kennzeichnten zu dieser Zeit den Sonnenauf- und -untergang zur Winter-Sonnenwende in Mitteldeutschland. Gleichermaßen markieren die höchsten Punkte Sonnenauf- und Untergang zur Sommer-Sonnenwende. Der Sonnenstand zur Sonnenwende hat sich im Verlauf der vergangenen Jahrtausende leicht verschoben, stellt Wolfhard Schlosser von der Ruhr Universität in Bochum fest, sodass der Winkel zwischen Sonnenauf- und -untergang nun leicht weiter auseinander ist als zu den Zeiten, als die Nebra-Scheibe und der Steinkreis von Goseck gemacht wurden (etwa 1.6, respektive 2.8 degrees)." [4]

Abb. 3 Ausgrabungs-Tätigkeit an der Fundstätte von Goseck im Frühjahr 2004.

Mysteriös bleibt jedoch, so Madhusree Mukerjee, das dritte Tor von Goseck: "Es zeigt nach Norden, aber nicht genau. Das mag nichts mit Astronomie zu tun haben, da der Komplex mehr als einzig ein Sonnen-Observatorium war. Zusätzlich zu den dortigen Tonscherben und Pfeilspitzen fanden die Ausgräber geköpfte Ochsen-Schädel, die anscheinen auf Pfosten aufgestellt waren, und Teile von zwei menschlichen Skeletten. Von den menschlichen Knochen war das Fleisch entfernt worden, bevor man sie beerdigte.

Ähnliche Skelette - darunter diverse mit Schnitt-Spuren oder mit Pfeilspitzen in ihrem Genick - sind in anderen Steinkreisen aufgetaucht, aber die Archäologen sind sich nicht einig, ob sie auf Menschenopfer oder auf ungewöhnlich blutigen Beerdigungs-Riten zurückzuführen sind. Nichtsdestotrotz weihen solche Zeremonien die Stätte als Tempel [...] und zeigen, dass die Wissenschaft seit neolithischen Zeiten untrennbar mit Aberglauben verbunden war." [5]

Aus alternativ-prähistorischem Blickwinkel kommt dem Sonnen-Observatorium von Goseck aber auch in anderer Hinsicht eine enorme Bedeutung zu: Es stellt schlichtweg einen weiteren massiven 'Sargnagel' für die schulwissenschaftliche Irrlehre vom primitiven "Steinzeitmenschen" dar, der, um es flapsig zu formulieren, nicht 'bis drei zählen' konnte. Offenbar war Astronomie [6] bereits während des frühen Neolithikum ein wesentliches Kulturelement jener post-cromagnoiden Zivilisationen, die sich, nach der großen Zäsur des "Neolithischen Hiatus" (die den Kataklysmen der end-glazialen Periode folgende Ärä) zu jener Zeit formierten.

Bis zum Jahr 2007 sollen die Ausgrabungen an der Gosecker Fundstelle abgeschlossen sein und es gibt Pläne, die gesamte Anlage danach zu rekonstruieren. Uns bleibt zu hoffen, dass diesem Ehrfurcht gebietenden Kulturdenkmal der Menschheit dann endlich die ihm gebührende Aufmerksamkeit zuteil wird. Wer Interesse hat, sich die Ausgrabungsstätte einmal persönlich anzuschauen, braucht dazu übrigens noch nicht einmal nach Sachsen zu reisen: Ein 'Klick [7] genügt, um sich dort online per Webcam umzusehen. (siehe: Abb. 3)


Anmerkungen und Quellen

  1. Anmerkung: Somit könnte man Stonehenge nun auch guten Gewissens als "britisches Goseck" bezeichnen...
  2. Anmerkung: Das ist offenbar ein besoneres Charakteristikum von Goseck, da alle anderen (späteren?) Ring-Observatorien VIER solcher Tore aufzuweisen scheinen. Wir vermuten aufgrund des Alters der Struktur, dass es sich in Sachsen um eine frühe bzw. prototypische Form solcher Anlagen handelt, die später weiter modifiziert wurde.
  3. Quelle: Scientific American, vormals online unter http://www.sciam.com/article.cfm?chanID=sa006&articleID=000CDCCF-1783-1FA8-95ED83414B7F0000&pageNumber=1&catID=4
  4. Quelle: ebd.
  5. Quelle: ebd.
  6. Anmerkung: und mit der Astronomie zwangsläufig auch die Mathematik!
  7. Vormals zu sehen unter: 'http://www.kupper-websolutions.de/kunden/uni-halle/index.php - nicht mehr online

Bild-Quellen:

1) Spirit Project, unter: Das Sonnenobservatorium Goseck
2) Scientific American, unter: Bildadresse (nicht mehr online)
3) Kupper websolutions, unter: Bild-Adresse (leider nicht mehr online)