Das TEAM ATLANTIS - Mission CAT ISLAND 2000

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Eine Exkursion zu den Long Rocks und zum Alligator Point

(bb) Das küstennahe Seegebiet bei den "Long Rocks" (Abb. 1), jener unverwechselbaren, langgestreckten Felsformation zwischen den Bahamainseln Cat Island und Little San Salvador, galt schon vor Ron Smiths spektakulärer Entdeckung (siehe Poseidonis bei Bimini - Die Entdeckung des Ron Smith) als eine Art Geheimtipp in der Szene. "Es wurde seit den späten 90ern von einer Menge Leute als Hauptstadt von Atlantis gehandelt." [1] Bereits im Jahr 2000 hatte Smith das TEAM ATLANTIS, eine Gruppe junger Forscher (darunter angehende Fachwissenschaftler aus dem Bereich der Archäologie) eingeladen, sich die Unterwasserwelt am langen Felsen einmal etwas näher anzusehen.

Abb. 1 Das unterseeische Areal an den Long Rocks gehört seit Ende der 90er Jahre zu den 'Geheim-Tipps' unter den Bahama-Atlantologen.

Teamleader Michael Arbuthnot hatte diese Einladung gerne angenommen: "Kurz zuvor war ich vom Tauchen im Golf von Mexico im Rahmen einer sechswöchigen unterwasser-archäologischen Forschungsexpedition zurückgekehrt. Wir hatten nach überfluteten prähistorischen Stätten gesucht und waren erfolgreich gewesen. Wir fanden die Plätze alter Steinbrüche, uralte Speerspitzen und Überreste von Mastodons, die ein Alter von 10 000 Jahren aufweisen. Es war eine aufregende und faszinierende Erfahrung für mich, aber auch lehreich - Jetzt weiß ich, wie prähistorische Unterwasser-Stätten auszumachen sind. Vielleicht war die Gelegenheit, die Ron da präsentierte, eine Chance mein Training zu testen." [2]

Die Forschergruppe (Michael Arbuthnot, Chris Schaefer, Chris DeFelice [Kameramann] und sowie Matthew Sapero [Webmaster]) (Abb. 2) begann ihre Expedition, die vom 7. bis zum 12. November 2000 dauerte, hochmotiviert und bestens ausgerüstet: "Wir brachten unterwassertaugliche Digital-Videokameras, digitale Still-Kameras, Tiefenmesser, GPS-Geräte, Metalldetektoren, Laptops, 3D-Navigations-Software und noch mehr mit, was uns bei unserer Mission dienlich sein sollte." [3]

Arbuthnots Team hatte sich für diese fünftägige Mission einiges vorgenommen, wobei die "Long Rocks" allerdings keineswegs im Zentrum seines Interesses standen. Der Frontmann von TEAM ATLANTIS stellte selber im Internet dazu fest: "Mein erstes Ziel ist es, 5 Meilen südlich, um den Alligator Poiint herum, so viel Raum wie möglich abzudecken." [4] Nicht einmal zwei volle Tage standen dem Team nach dem veröffentlichten Arbeitsprogamm für eine Untersuchung des Long Rocks-Areals und die Besichtigung der Objekte zur Verfügung, bei denen Ron Smith einen künstlichen Ursprung vermutete.

Warum gerade der Alligator Point? Woher kam Arbuthnots besonderes Interesse an diesem Areal? Dazu bemerkte der junge Archäologe vor Beginn der TEAM ATLANTIS-Mission CAT ISLAND 2000: "Nachdem ich nun wochenlang über Karten von Cat Island gebrütet habe, denke ich, dass der Alligator Point (AP) der vielversprechendste Platz ist, da es sich dort um ein ehemaliges Flussbett zu handeln scheint. Das bedeutet, dass sich am AP während der jüngsten Eiszeit bei niedrigerem Meeresspiegel ein Fluss in den Atlantik ergoss. Dieser Fluss hätte die Sandstein-Oberfläche der Karst-Fläche erodiert, wobei er Feuerstein-Aufschlüsse freigelegt hätte. Paläoindianer benutzten dieses Material für die Spitzen ihrer Projektile, mit denen sie eine Vielzahl von Tierarten jagten, darunter Mastodone und Mammuts (auf Inseln wurden sie für maritime Verwendung modifiziert)." [5]

Abb. 2 Erwartungsfroh und gut gelaunt: Das TEAM ATLANTIS zu Beginn der Mission CAT ISLAND 2000. (Foto: © TEAM ATLANTIS)

M. Arbuthnots geo-archäologischer Forschungsansatz ist durchaus nachvollziehbar und macht grundsätzlich Sinn. Wie sowohl die Geschichte der Archäologie als auch diejenige der Atlantisforschung gezeigt haben, bilden sorgfältige Planung, exzellente Ausrüstung und hohe Motivation zwar wesentliche Grundlagen für das Gelingen eines Forschungsprojekts - eine Garantie dafür bieten sie jedoch nicht. Dies musste damals auch das TEAM ATLANTIS feststellen, als die erhofften Ergebnisse von CAT ISLAND 2000 weitgehend ausblieben - womit wir auf einen Punkt kommen, zu welchem dem Autor dieses Berichts ein ironischer 'Seitenhieb' gestattet sei:

Wäre dies, liebe Leserinnen und Leser, kein Online-Beitrag von Atlantisforschung.de, sondern ein populärwissenschaftlicher Fernseh-Bericht der BBC, so dürften Sie nun in herrlichen Bildern der Unterwasserwelt bei Cat Island schwelgen, sie dürften die Taucher bewundern, wie sie erst von links nach rechts, dann wieder von rechts nach links an bizarren Felsen vorbeischwimmen, wie sie zutrauliche kleine Fische füttern, oder furchlos einem obligatorischerweise kurz vorbei schauenden Hai ins kalte Raubtierauge blicken; man würde Ihnen - mehr oder weniger – allgemeinverständlich die Funktion des zum Einsatz gebrachten High-Tech-Equipments erläutern; Sie würden die Forscher beim Wracktauchen [6], beim Frühstück, beim Minigolf, bei der abendlichen Abschlussbesprechung und beim zu Bett gehen erleben, wenn sie das Licht ausknipsen - und ganz am Ende des Beitrags würden Sie dann kurz und knapp erfahren, dass das Ziel der Expedition leider nicht erreicht, die gesuchten Evidenzen nicht gefunden wurden.

Glücklicherweise bleibt Ihnen dies weitgehend erspart (viele schöne, wenn auch nicht immer sehr aussagekräftige, Bilder der Mission finden sie jedenfalls in der Foto-Galerie [7] von TEAM ATLANTIS). Stellen wir hier zunächst fest, dass dem Team im Jahr 2001 bei Cat Island nicht der 'große Wurf' gelang, den man sich offenbar erhoffte. Zwar konnten die Forscher vermutlich einige topographische Details der prädiluvialen Küste am Alligator Point rekonstruieren; ansonsten scheint diese Flussmündung der eiszeitlichen Bahamas-Großinsel vor mehr als 10 000 Jahren eine recht abgeschiedene Gegend gewesen zu sein: Keine zerfallenen, korallenüberkrusteten Mauerreste, kein verräterischer, dunkler Algenbewuchs in geometrischen Formen, der Rückschlüsse auf Reste künstlicher Baustrukturen am Meeresboden zuließe – offenbar überhaupt keine Spuren menschlicher Anwesenheit schien es dort zu geben...

Abb. 3 Chris Schaefer (rechts) vom TEAM ATLANTIS präsentiert stolz seinen Fund: Es handelt sich offenbar um das Fragment einer Steinplatte (links), auf der geradlinig verlaufende Kratz, Schleif- oder Schnittspuren zu erkennen sind. (Foto: © TEAM ATLANTIS)

Zumindest ein kleines Trostpflaster haben die Forscher offenbar bei ihrer Kurz-Expedition in Form eines wenig spektakulären, aber durchaus interessanten Zufallsfundes erhalten [8]. Chris Schaefer, ein junger Unterwasser-Archäologe im Team, stieß bei seinen Tauchgängen auf ein seltsames, etwa doppelt hand-großes Steinfragment. (Abb. 3) Das Objekt, das diverse geradlinige und teilweise parallel verlaufende Kratz- Schleif- oder Schnittmarken aufweist, war offenbar ursprünglich Teil einer größeren Steinplatte, worauf der Verlauf der Marken bis an die Bruchkanten heran hindeutet.

Überlegungen bezüglich eines möglicherweise künstlichen Ursprungs der Rillen auf dem entdeckten Fragment erscheinen durchaus legitim. Könnte es sich dabei z. B. um ein "Abfallprodukt" von Steinmetzarbeiten in einem prähistorischen Steinbruch handeln? Welche Untersuchungsmethoden sind geeignet, einen artifiziellen Charakter der Einkerbungen gegebenenfalls nachzuweisen? Wurde das Objekt in der Zwischenzeit genauer untersucht bzw. welche Ergebnisse gibt es dazu? Und wie gelangte das Fragment an seinen Fundort, wo ansonsten scheinbar keinerlei weitere Hinweise auf menschliche Tätigkeit existieren? Fragen, auf die das TEAM ATLANTIS bisher noch keine Antworten veröffentlicht hat, um deren Beantwortung wir uns jedoch bemühen werden.

Abschließend bleibt festzustellen, dass (alternativ)archäologische 'Hit-and-run'-Aktionen und 'Site hopping', wie etwa "Cat Island 2000", wohl kaum geeignet sein dürften, um zu relevanten oder sogar bahnbrechenden Ergebnissen zu gelangen. Alternativ-historische und atlantologische Feldforschung braucht einen langen Atem und setzt langwierige ortsgebundene Studien voraus. Koryphäen der frühen Bahama-Atlantisforschung, wie Valentine, Zink, oder Rebikoff haben ihre 'Unterwasser-Jagdgründe' über Jahre und Jahrzehnte hinweg systematisch in hunderten, ja tausenden von Tauchgängen und Flugstunden erkundet. Das mag zwar in der Praxis wenig abenteuerlich sein, war jedoch von jeher die sprichwörtliche "Mutter des Erfolgs". Genau diese Hartnäckigkeit war es schließlich auch, die sich für Ron Smith zwei Jahre später ausgezahlt hat, als er seine ersten konkreten Ergebnisse zu den Relikten am Long Rock vorlegen konnte.


Anmerkungen und Quellen

  1. ) Quelle: http://www.teamatlantis.com/yucatan_test/catisland.html
  2. Quelle: http://www.teamatlantis.com/yucatan_test/catisland_plan.html
  3. Quelle: http://www.teamatlantis.com/yucatan_test/catisland.html
  4. Quelle: http://www.teamatlantis.com/yucatan_test/catisland_plan.html
  5. Quelle: ebd.
  6. Anmerkung: Tatsächlich gehörte Wracktauchen ebenfalls zum Programm von TEAM ATLANTIS, wie die Bildergalerie zur Mission CAT ISLAND 2000 zeigt. Bilder von den damals zur Diskussion stehenden Smith-Objekten finden wir dort leider nicht. Heute, drei Jahre nach CAT ISLAND 2000 ist auch kaum noch mit der Veröffentlichung interessanten Materials zu rechnen.
  7. Siehe: http://www.teamatlantis.com/yucatan_test/catisland_gallery.html
  8. Anmerkung: Noch ist uns nicht bekannt, wo genau dieser Fund damals gemacht wurde. Es können also noch Wetten darauf abgeschlossen werden, ob er vom "Alligator-Point" oder von den "Long Rocks" stammt!


Bild-Quelle

(1 - 3) http://www.teamatlantis.com/yucatan_test/catisland_gallery.html