Der etruskische Spiraltext von Magliano

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von unserem Gastautor Reinhard Habeck (2001)

Abb. 1 Eine Nachzeichnung beider Seiten des 'Diskus von Magliano' und der darauf befindlichen, spiralförmig angeordneten etruskischen Schriftzeichen

Ein merkwürdiger Spiraltext (Abb. 1) verdient wegen seiner erstaunlichen Ähnlichkeit mit dem berühmten Diskus von Phaistos besondere Aufmerksamkeit. Er stammt aus Italien, und zwar aus dem Bereich der etruskischen Kultur. Die beidseitig beschriftete Platte aus Blei wurde in der italienischen Ortschaft Magliano in der Provnz Grosseto gefunden. Datiert wird die Scheibe in das 5. Jahrhundert v.Chr. und sie trägt einen Spiraltext in etruskischer Sprache.

Wie der Diskus von Phaistos der einzige Gegenstand seiner Art mit Spiraltext in der minoischen Kultur ist, gilt dies auch für den Spiraltext auf der Bleiplatte im Gefüge der etruskischen Kultur. Die Bleiplatte gehört zu den wichtigsten Schriftdenkmälern des Etruskischen. Auffallend ist die Textanordnung, die nicht - wie sonst üblich - in Zeilen verfasst wurde, sondern in Spiralform geschrieben ist. Ebenfalls bemerkenswert ist die Länge des Textes, da er sich mit siebzig Einzelwörtern deutlich von den vielen kurzen etruskischen Grabinschriften unterscheidet. Auch die Tatsache, dass der Schriftträger eine Metallplatte ist, gehört zu den Besonderheiten, denn es sind nur wenige Schriftdenkmäler des Etruskischen auf Goldblech oder Bleiplatten überliefert. Der Text bezieht sich auf unverständliche göttliche Anweisungen, wie zu welchen Zeiten und an welchen Orten Opfer darzubieten sind.

Gab es zwischen minoischer und etruskischer Kultur historische Verbindungen?, fragt der Schriftgelehrte Harald Haarmann in seiner "Universalgeschichte der Schrift". Sein Resümee: "Die Vorfahren der Etrusker Italiens haben das Spiralmotiv aus ihrer Heimat im ägäischen Raum mitgebracht. Allerdings liegen zeitlich rund tausend Jahre zwischen dem minoischen und etruskischem Spiraltext. Für die zukünftige Forschung bleibt der Anreiz, diese beiden Spiraltexte, die bisher nicht Gegenstand eines wissenschaftlichen Vergleichs gewesen sind, auf mögliche kunsthistorische Zusammenhänge hin zu untersuchen."


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Reinhard Habeck (©) wurde seinem Buch "Atlantis - Der verschollene Kontinent" (Abb. 4) entnommen (S. 103-104); Auszug aus Kapitel XI, "Die >unlesbaren< Schriften"), das 2001 in der Taschenbuchreihe Rätselhafte Phänomene des Tosa-Verlags veröffentlicht wurde. Bei Atlantisforschung.de erscheint er im Mai 2017 mit freundlicher Genehmigung des Autors in einer redaktionell bearbeiteten (Links und Illustration) Online-Fassung.

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