Die 'Kobalt-Stadt' vor Bimini

Aus Atlantisforschung.de
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Abb. 1 Angeblich einer der unzähligen Steinquader (?), die aus einer metropolitanen Ruinenstadt bei Bimini stammen sollen.

(bb) Ananda, offenbar ein Vertreter der New Age Esoterik [1], gibt auf seinen Webseiten [2] an, 1994 bei einem Besuch auf der Insel Bimini auch empirische Evidenzen für die vormalige Existenz von Ruinen einer enormen, prähistorischen Stadtanlage in diesem Gebiet erhalten zu haben. Die Überreste dieser Stadt aus "Marmor, Granit und Kobalt" sollen schon vor Jahrzehnten entdeckt worden sein. Das angebliche Ruinenfeld von angeblich mehreren Kilometern Länge soll sich in etwa 15 Fuß Wassertiefe bei 'Cayce Point' vor der Küste Biminis befunden haben.

Nach Anandas Angaben soll die US Air Force bereits im Jahr 1925 etwa - man höre und staune - "300 000 Millionen Tonnen" [3] dieser Relikte von der Fundstätte entfernt haben, was "zahlreiche Seeleute" bestätigt hätten. Die Steine sollen teils kubische, teils andere symetrische Formen aufgewiesen haben. "Ein fossilierter Fußabdruck wurde ebenfalls ausgegraben". Auch zum Alter der von ihm vorgestellten, künstlichen Formation macht der Autor Angaben: "Ein Teil dieser Stadt hat sich seit mindestens 12 000 Jahren unter Wasser befunden [...] Datierungen der Marmorplatten ergaben Alters-Werte von 25 000 bis 200 000 Jahren." [4]

Tatsächlich erscheinen jedoch erhebliche Zweifel an der Authentizität dieses phantastisch klingenden Berichts angebracht. Viele Angaben, die bei Ananda gemacht werden, dubios und halten einer näheren Überprüfung nicht stand: So ist z.B. alles andere als klar, ob die Person des als Quelle benannten "Atlantisgelehrten Nigel Blair (M.A.)" authentisch ist. [5] Auch einen "Cayce Point" wird man auf Karten der Insel Bimini vergeblich suchen. Der Bahama-Atlantologe Dr. Greg Little aus den USA teilte uns allerdings auf eine diesbezügliche Anfrage mit, dass es sich bei der bezeichneten Örtlichkeit vermutlich um den dortigen "Paradise Point" handle, den "einige Leute >Cayce Point< genannt haben, da er den Markierungspunkt für die Bimini Road darstellt." [6]

Abb. 2 Diese Aufnahme zeigt angeblich eine der vielen tausend Marmorplatten, die 1925 aus einer Ruinenstadt bei Bimini entfernt worden sein sollen.

Auch die Angaben zu Richard Wingate, auf den bei Ananda ebenfalls Bezug genommen wird, haben nur wenig mit den Tatsachen zu tun. Dr. Little dazu: "Ein paar Granit-Steine wurden bei der [Bimini] Road gefunden und ein großer Marmorbrocken wurde dort in den frühen 70er Jahren von David Zink [nicht >Zinc<, wie bei Ananda]. entdeckt." [7] Auch die Bezugnahmen auf Wingate und auf die angeblichen Ereignisse von 1925 sind weit von der Realität entfernt: "Richard Wingate [nicht >Winggate<, wie bei Ananda] veröffentlichte 1981 ein Buch über Atlantis. (Er war ein Schatzjäger, kein Doktor). Ich besitze ein Exemplar seines Buches und habe ihn vor etwa sechs Monaten [...] interviewt. Das Buch konzentriert sich auf die Bimini Road, Andros, und Ecuador. Er erwähnt Bausteine aus Granit und Marmor, die von zwei Stellen entnommen wurden: Der Moselle-Untiefe und der Cay Sal Bank. (Das entspricht den Tatsachen.) Wingate schickte mir zudem ein Exemplar einer Dokumentation, die er Mitte der 80er Jahre erstellt hat." [8]

Dr. Little erklärt weiter: "Der Schlüssel zum Verständnis dafür, wie schwerwiegend diese Geschichte verdreht wurde, ist das Statement, dass die US AIR Force Steine vom Cayce Point - oder der Bimini Road am Paradise Point - fortgeschafft habe. Die US Air Force benutzt gar keine Schiffe. Folgendes geschah tatsächlich: 1926 traf ein massiver Hurrikan Bimini. Der Sturm verursachte einige Schäden an Wellenbrechern in Miami, Florida, und zahlreiche Gruppen wurden dafür bezahlt, Steine für die Reparatur zu den Wellenbrechern zu bringen. Während dieses Jahres kamen viele Schleppzüge in das Gebiet der Bimini Road (wie wir sie heute nennen) und viele Ladungen mit Steinen wurden von dort geholt und nach Miami gebracht. Aber niemand interessierte sich damals dafür und die Bimini Road wurde nicht vor 1968 >entdeckt<." [9]

Die falsche Datierung ("1925") dieses Ereignisses findet sich, so Dr. Little, bereits in Wingates Buch, das offenbar die wesentliche, wenn nicht die einzige empirische Quelle der ganzen Geschichte darstellt. Es ist zwar keineswegs auszuschließen, dass die Wingate-Artefakte (Abb. 2) authentisch, d. h. tatsächlich prähistorisch und künstlichen Ursprungs, sind - dass am Paradise Point jedoch bis ins 20. Jahrhundert hinein die wohlerhaltenen Ruinen eines riesigen, möglicherweise urbanen Baukomplexes (vergleichbar etwa mit Mahabalipuram in Indien) erhalten haben sollen, ist schlichtweg unglaubwürdig.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Ananda beruft sich als Quellen neben einem (vorgeblichen) Atlantologen namens "Nigel Blair (MA)" auch auf eine außerirdische/esoterische Informationsquelle namens "Emmanuel".
  2. siehe: http://phoenix.akasha.de/~aton/ATLANTIS.html (nicht mehr online)
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: ebd.
  5. Anmerkung: Unsere diesbebezüglichen Anfragen bei Kollegen aus den USA ergaben bisher lediglich, dass niemandem ein Atlantisforscher namens "Nigel Blair" bekannt war.
  6. Quelle: Unveröffentlichte Mitteilung von Dr. Greg Little an Atlantisforschung.de, August 2003
  7. Quelle: ebd.
  8. Quelle: ebd.
  9. Quelle: ebd.

Bild-Quellen:

1) http://phoenix.akasha.de/~aton/ATLANTIS.html (nicht mehr online)
2) ebd.