Hans J. Andersen: Polsprung

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Rezension

von unserem Gastautor Dr. Horst Friedrich

Abb. 1 Hans J. Andersen: POLSPRUNG, G. Reichel Verlag, Weilersbach 1998, ISBN 3-926388-43-9

Ebenso wie A. & E. Tollmann hat Andersen entdeckt, dass Passagen aus allerhand Prophezeiungen über ,,Endzeit“-Katastrophen doch merklich an Szenarien von spätprähistorischen Mega-Naturkataklysmen erinnern, wie sie in letzter Zeit zunehmend gehandelt werden.

Zwar rechnen die Tollmanns ausschließlich mit Impakt-Kataklysmen, und verwerfen ,,Polsprung“-Szenarien, während bei Andersen der Schwerpunkt gerade bei (durch Planetennahbegegnungen ausgelöste) Polverlagerungen liegt. Die Bücher ergänzen sich aber ausgezeichnet, und der Rezensent kann ihr vergleichendes Studium nur wärmstens anraten.

Dergleichen ,,Zukunftsforschung aus der Perspektive der Vorzeit“, wie Andersen (S. 9) es nennt, erscheint dem Rezensenten außerordentlich verdienstvoll. Er hält es auch für durchaus legitim und einen Versuch wert, Vorzeitforschung mit esoterischen (,,Psi“-) Wissenschaften zu verbinden. Pendelbefragung, die zwar bei Andersen und den Tollmanns nicht vorkommt, wird da ja zuweilen verwendet. Gegen vergleichende Prophezeiungs-Forschung per se ist in diesem Zusammenhang also nichts einzuwenden.

Allerdings ist dabei allergrößte Umsicht und Erfahrung unentbehrlich. Ganz besonders kritisch wird es, nach Erfahrung des Rezensenten, bei der Einbeziehung von dem, was man heute gemeinhin ,,Channeling“-Durchgaben nennt! Diese spielen im Andersen-Szenario eine nicht unerhebliche Rolle. Neben den Kundgaben Jakob Lorbers (bereits 1840-1864) und ,,Ramthas“ werden da vielfältige Mitteilungen des ,,jenseitigen Meisters“ Nostradamus verwendet, der sich angeblich heute wieder durch ein ,,Channeling“-Medium meldet. Diese Mitteilungen sollten nach Ansicht des Rezensenten mit erheblicher Reserve aufgenommen werden.

Der große Wert von Andersens Buch liegt vor allem darin, dass er Polsprung- und ,,Polwende“- (= Polvertauschungs-) Szenarien den ihnen gebührenden Platz einräumt. Dies ist besonders wichtig, weil das Buch der Tollmanns auf Impakten als alleinige Kataklysmenverursacher beharrt und — nicht nachvollziehbar — Polsprungszenarien als unrealistisch ausgrenzt. Dies, vermute ich mal, vor allem deshalb, weil die TolImanns als immerhin (wenn auch nonkonformistische) Establishment-Wissenschaftler nicht so weit gehen wollten, Planetennahbegegnungs-Szenarien das Wort zu reden.

Nahbegegnungen der Erde mit anderen planetengroßen Körpern sind nämlich für unsere Schul-Astronomie heute noch immer etwas völlig Undiskutables. Allein Planetennahbegegnungen können aber rasch verlaufende Präzessionsphänomene, d.h. plötzliche Polverlagerungen und Polvertauschungen, hervorrufen. Dies geht auch bei Andersen gelegentlich durcheinander.

In diesem Zusammenhang muss der Rezensent reklamieren, dass Andersen das von Warlow beschriebene, komplizierte Präzessionsmanöver der Erde nicht richtig studiert zu haben scheint. Er scheint es fast stets mit einem einfachen Kippen zu verwechseln. Das ist aber etwas ganz anderes!

Andersen stellt sich das ,,Kippen der Erde“, respektive die komplette Polvertauschung, dergestalt vor, dass die Erdkruste (gewissermaßen wie eine locker sitzende Mandarinenschale auf der Mandarine) sich, ,,wie auf Schmierseife“ (S. 31) gleitend, verschiebt, während das Erdinnere in alter Lage weiterrotiert. Der Rezensent will da zwar nicht dogmatisch sein, aber er bezweifelt doch die Möglichkeit eines solchen Szenarios.

Alles in allem kann die Lektüre des Buches, da außerordentlich anregend, nur sehr empfohlen werden. Absolut gesichert ist davon zwar nur wenig, aber vieles könnte sich so verhalten, wie Andersen meint. Kleine Nachlässigkeiten wie etwa, dass er den Marsmond Phobos stets ,,Phöbos“ geschrieben hat, wird der Leser verzeihen. Störender wirkt schon, dass Andersen die schulwissenschaftliche Lehre von einem ,,Großen Eiszeitalter“ für bare Münze nimmt und in seine Berechnungen einbezieht. Auch bezieht er sich allzu oft nur andeutungsweise auf Dinge, die er anderswo publiziert hat. Ob es nun 1998—1999 tatsächlich die ersten ,,Endzeit“-Kataklysmen geben wird, wie Andersen annimmt, werden wir in Kürze sehen.


Anmerkungen und Quellen

Diese Rezension von Dr. Horst Friedrich © aus dem Jahr 1998 erscheint bei Atlantisforschung.de im Dr. Horst Friedrich Archiv nach der Online-Erstveröffentlichung unter: http://www.efodon.de/html/archiv/rezi/friedrich/polsprung.html